Auf Deutsch

Anmerkung des Transkriptors: Ich habe versucht, diese Transkription des Heimatbuchs Grafentraubach so originalgetreu wie möglich zu gestalten, sowohl im Text als auch im Layout, aber ich bin sicher, dass ich Fehler gemacht habe. Wenn Sie einen Fehler finden, lassen Sie es mich bitte wissen. Bitte senden Sie mir eine E-Mail an ronhebensperger@gmail.com und teilen Sie mir die Seite und den Absatz mit, auf denen der Fehler gefunden wurde. Vielen Dank!
-Ron Hebensperger

Transcriber’s note: I have tried to make this transcription of the Heimatbuch Grafentraubach as faithful to the the original as I can, both in the text and the layout, but I am sure I have made mistakes. I you find a mistake, please let me know. Please send me an email at ronhebensperger@gmail.com and let me know the page and paragraph where the mistake is found. Thanks!
-Ron Hebensperger

Heimatbuch Grafentraubach

2. erweiterte Auflage, 1985

Grafentraubach. Alte Kirche vor dem Abbruch
(Eigene Aufnahme)

Grafentraubach. Alte Kirche vor dem Abbruch
(Eigene Aufnahme)

[Seite I]

Chronik

von

Grafentraubach = Grasslfing

Geschichte der Pfarrei

Und ehemaligen Hofmark

Grafentraubach

Grafentraubach Grafentraubach

Und der dazugehrigen Gemeinden und Ortschaften

Von

Josef Reindl

Druck und Verlag Dr. Eduard Wild Mallersdorf Nob.

[Seite II]

Erstauflage                                                                           1939/40

Zweitauflage                                                                         1984/85

Eigenverlage:              Kath. Pfarramt Grafentraubach

                                    8301 Laberweinting

Gesamtherstellung: Druckerei Fischer, 8442 Geiselhöring

[Seite III]

Vorwort

Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde ein Anlauf genommen zur Verfassung einer Chronik von Grafentraubach, wie verschiedene Akten des Hauptstaatsarchivs zeigen. — Dann blieb es scheinbar wieder still, bis endlich Ludwig Gernhardt in „Um den Familientisch 1932“, Beilage zum Mallersdorfer Anzeiger, eine sehr knappe Übersicht über die Vergangenheit dieses uralten Ortes gab. Inzwischen hatte aber Herr geistl. Rat Josef Zeiler noch als Pfarrer weitere Nachrichten über dieselbe gesammelt, bis schließlich Herr Lehrer Alfons Listl von Abensberg die Sache mit großem Eifer in die Hand nahm. Schon hatte er ein hübsches Material, besonders zum 6. und 7. Teil des vorliegenden Buches gesammelt. Jedoch ließen ihn berufliche Inanspruchnahme und die weite Entfernung von Grafentraubach abstehen von seinem Vorhaben. Sein gesammeltes Material stellte er uneigennützig dem Verfasser zur Verfügung. Es tat, wie auch das von Herrn Pfarrer Zeiler gesammelte, demselben gute Dienste, weshalb beiden Herren hiemit der gebührende Dank ausgesprochen sei. — Von meinen Arbeiten an den Chroniken von Geiselhöring und von Sallach —Hadersbach stand mir schon viel Material sowie die genaue Kenntnis der einschlägigen Quellen zur Verfügung. Daß aber das langgeplante Vorhaben endlich zur Tat wurde, ist der finanziellen Beisteuer zu danken, die Herr Pfarrer und Dechant J. Zeiler b. g. R., sowie die Herren Gebrüder Maier: Anton Maier, Fabrikbesitzer, und Michael Maier, Bürgermeister in Grafentraubach, zur Drucklegung des Buches leisteten, sonst würde der Preis des Buches bei der niedrigen Auflage für die meisten Interessenten nicht mehr tragbar geworden sein, obwohl ich im Interesse der Allgemeinheit auf jedes Honorar von vorneherein verzichtet hatte. Ihnen sei hiemit geziemend gedankt. Mit Rücksicht auf die Preisgestaltung mußte Gedrängtheit in der Darstellung und Beschränkung in Bezug auf die behandelten Gegenstände angestrebt werden, weshalb stilistische Härten nicht zu vermeiden waren. Schließlich ist ja doch das Buch nicht ein Geschichtenbuch, sondern ein Geschichtsbuch, das nicht bloßer Unterhaltung, sondern ernster Belehrung dienen soll. Es soll zeigen, wie unsere Vorfahren in guten und in schlimmen Zeiten gehaust und gewirkt und das geschaffen haben, dessen wir uns heute freuen.

Ich möchte es nicht unterlassen, allen zu danken, die mitgewirkt haben an diesem Buche durch Ausschreiben von Quellen oder Reinschreiben des Manuskripts. Nicht zuletzt sei gedankt den Herren Vorständen und Beamten der nachstehend genannten Archive. Es wurden benützt Urkunden und Literalien

des Hauptstaatsarchivs München,

der Staatsarchive München und Landshut,

[Seite IV]

des Ordinariatsarchives in Regensburg,

des gräfl. Seinsheimischen Archives in Sünching,

der Gemeindearchive von Grafentraubach und Graßlfing,

des Pfarrarchives von Grafentraubach,

sowie einiger Nachbarspfarreien.

Von gedruckten Quellen, für deren Bereitstellung der Staatsbibliothek München, dem Ordinariate Regensburg und der Klosterbibliothek Metten gedankt sei, wurden namentlich benützt: Monumenta Boica; Ried, codex diplomaticus Öfele, Rerum boic. scriptores; Freyberg, Regesta Boica; Quellen und Erörterungen zur Bayer. Geschichte; Hundt, Bayer. Stammenbuch.

An einschlägiger Literatur: Die Veröffentlichungen der historischen Vereine von Niederbayern, der Oberpfalz und von Straubing; Vorgeschichtsfreund; Vorgeschichtliche Werke von Bumüller und von Birkner; Riegler, Geschichte von Bayern; Ritz und v. Reitzenstein, Kunstdenkmäler, B.A. Mallersdorf. Die Deiglische Chronik von Mallersdorf (Manuskript im Kloster Metten) und viele andere Werke über Orts-, Früh— und Landesgeschichte; Grabtafeln Baudenkmäler u. v. a.

[Seite IV.1]

Vorwort zur 2. erweiterten Auflage

In der Heimatzeitung wurde die Parole ausgegeben: „Jedem Dorfseine Chronik.” Die Pfarrei Grafentraubach besitzt bereits ihre Chronik. Doch sind seit ihrem Erscheinen 46 Jahre verstrichen. Geschichtsträchtige Jahre sind das. Die grosse Nachfrage nach einer Neuauflage beweist, daß ein echtes Bedürfnis der Bevölkerung vorhanden ist. Die Vorstandschaft der Kath. Arbeitnehmer-Bewegung Grafentraubach mit 1. Vorstand Alfons Eichmeier und Gemeinderat Georg Wachter haben sich zum Ziel gesetzt, diese Neuausgabe zur Feier des 75 jährigen Bestehens der KAB (Katholischen Arbeitnehmerbewegung) erscheinen zu lassen. Sie scheuten weder Mühe noch Zeit, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Bei der Arbeit zeigte sich bald, daß eine unveränderte Auflage den Bürgern nicht genügen könne. Wohl sollte die Gesamtauflage und Zielsetzung des alten Buches beibehalten, jedoch aber auf den neuesten Stand ergänzt werden.

So ist der 1. Teil die unveränderte fototechnische Wiedergabe der Erstauflage. Die politische Färbung der geschichtlichen Angaben aus der Zeit des Nationalsozialismus möge als Zugeständnis an den Zeitgeist gesehen werden, um das Buch damals überhaupt veröffentlichen zu dürfen.

Der 2. Teil des Buches bringt die neueste Geschichte des Dorfes. Als Verfasser für den Bereich „Gemeinde und Schule” konnte 1. Bürgermeister und Kreisrat Josef Zellmeier, Laberweinting, gewonnen werden. Die „kirchliche Geschichte” ergänzte Pfarrer Josef Schmaißer. Über die unheilvollen „Jahre des Krieges” und deren Nachwehen berichtet Amtsinspektor und Gemeinderat Georg Wachter.

Die „sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse” wurden von den Firmen und Handwerksbetrieben in eigener Verantwortung dargestellt. Das Vereinswesen ist nachd n 2. Weltkrieg neu erblüht. Die Vorstandschaften wurden um eine Selbst-darstellung gebeten. Eine subjektive Schau ist damit unvermeidbar. Mit einer Ortsgeschichte ist untrennbar eine „Haus- und Familiengeschichte” verbunden. Diese zeitraubende und schwierige Aufgabe übernahm Gemeindekämmerer i.R. Josef Wittmann. Es bleibt noch die angenehme Pflicht des Herausgebers, allen zu danken, die an der Entstehung des Buches mitgewirkt haben. Herzlichen Dank auch allen Gönnern und Förderern, die durch ihren finanziellen Beitrag die Drucklegung dieses „Heimatbuches” ermöglicht haben.

Grafentraubach, im Juni 1985

Kath. Pfarramt

Grafentraubach

[Seite IV.2]

Luftaufnahme Grafentraubach. Freigegeben durch die Regierung von Oberbayern unter Nr. 8849.
Luftaufnahme Grafentraubach. Freigegeben durch die Regierung von Oberbayern unter Nr. 8849.

Luftaufnahme Grafentraubach. Freigegeben durch die Regierung von Oberbayern unter Nr. 8849.

[Seite IV.3]

Zum Geleit!

Als sich das Herausgebergremium dieser neuen Pfarrchronik zum ersten Mal traf, da waren sich die Teilnehmer – H. H. Pfarrer Schmaißer, 2. Bürgermeister Alfons Eichmeier, Gemeinderat Georg Wachter, der frühere Gemeindekämmerer Josef Wittmann und der Schreiber dieser Zeilen einig, daß die ehemalige Pfarrchronik Grafentraubach als historisches Dokument in unveränderter Form neu aufgelegt werden müsse, jedoch ergänzt um die im Laufe des vergangenen halben Jahrhunderts eingetretenen Veränderungen.

Das vorhandene Schrifttum über unsere Gemeinde erfaßt nur Teilbereiche, so daß mit diesem Buch für die Pfarrei Grafentraubach eine echte Lücke gefüllt wird. Eine lange, bewegte und stolze Geschichte entfaltet sich in diesem Werk. Die Pfarrei wird in ihrer Gegenwart dargestellt, Arbeit und Wirken werden beschrieben und Land und Leute geschildert. Der Reichtum an Kulturstätten, Naturdenkmälern, Betrieben und Wohnungen wird uns vor Augen geführt.

Mit Genugtuung darfich vermerken, daß das Interesse am früheren Zeitgeschehen sowohl bei der älteren wie auch vor allem bei der jüngeren Generation stetig zunimmt. Man will über die Vergangenheit unserer Dörfer mehr wissen und dieser Wissbegierde soll dieses Buch entgegenkommen. Möge es mithelfen, unsere Heimat noch besser kennen- und lieben zu lernen.

Die Darstellung der Tradition unserer Dörfer soll für uns alle ein belebender Ansporn sein, die geschaffenen Werte zu erhalten und weiterzupflegen, damit wir kommenden Generationen das zu treuen Händen übergeben können, was Wir von den Vorfahren ererbt haben.

Allen Autoren und Mitwirkenden, besonders jedoch H. H. Pfarrer Josef Schmaisser, ein herzliches „Vergelt’s Gott“.

Josef Zellmeier

1. Bgm. und Kreisrat

[Seite IV.4]

Inhaltsverzeichnis

Vor- und Frühgeschichte
Die Verwaltung der Gemeinden
Kirchliche Geschichte
Die Schulen der Pfarrei
Grafentraubach
Graßlfing
Kriegerische Zeiten
Soziale und wirtschaftliche Verhältnisse
Die Hofmarksherren
Die Vereine
Haus- und Familiengeschichte

Seite 1—7
Seite 8—22
Seite 28—62
Seite 68
64f
78f
Seite 77—114
Seite 115—155.19
Seite 156—176
Seite 177—208
Seite 209—289

Die Seiten für die Neuauflage der Chronik – Ergänzung ab 1940 – sind mit einer Ziffer nach der Seitenzahl (z.B.: 60.1) gekennzeichnet.

[Seite V]

Inhaltsverzeichnis

Übersicht:

  1. Teil: Vor- und Frühgeschichte Seite 1—7
  2. Teil: Die Verwaltung der Gemeinden Seite 8—22
  3. Teil: Kirthliche Geschichte Seite 23—62
  4. Teil: Die Schulen der Pfarrei Seite 63
    Grafentraubach 64 f
    Graßlfing 73 f
  5. Teil: Kriegerische Zeiten Seite 77—114
  6. Teil: Soziale und wirtschaftliche Verhältnisse Seite 115—155
  7. Teil: Die Hofmarksherren Seite 156—176
  8. Teil: Haus- und Familiengeschichte Seite 177——214

Inhaltsangabe:

Abgaben 8, 13, 39, 51, 116, 167, 175 f.
Adel 6, 158 ff.
Altäre 33 f., 37, 39, 54
Armenwesen 17, 95 f., 100

Bader 18, 124, 135
Bajuwarenzeit 5
Baufallwendung 29, 32, 40, 51
Bauernstand 7, 115
Bauweise 20 f.
    Bildb.     57
Beinhaus (siehe Seelenhaus)
Bittgänge 30, 118
Briefprotokoll 14
Bronzezeiten 2 f.
Bruderschaft 44
Burgen 78, 80
Bürgermeister 16

Christenlehre 31, 33, 47

Dorfrecht 121

Ehaft 121, 125, 164
Die Einsheim 41, 45, 166
Einsiedler 61
Einwohnerzahl 16, 31, 38, 39, 49, 87
Eisenbahn 139
Elektrizität 139, 141
Erbrecht 12, 115, 117, 152
Erschießung Zierers 50, 102
Ewige Anbetung 47

Fabriken 149, 153
Fehdenwesen 79, 158
Feuerwehr 22
Fischrecht 152
Flurnamen 121
Die Frauenberger 161
Freie 6
Freigelassene 6
Freistift 12, 115, 117
Frühmesserstelle 55

Gemeinde in älterer Zeit 8, 91

Gemeinde in neuerer Zeit 15
Gemeindevorsteher 8, 15, 161
Gerichtsbarkeit 10, 11, 14, 120, 171
Gesundheitspflege 18
Getreidebau 117, 119
Gewerbe 116, 134
Glocken 32, 39, 49, 53
Gottesdienstordnung 27, 30, 31, 36, 45, 49, 50
Grafen 8
Die Grasslfing 174
Grundlasten (siehe Abgaben)

Die Haimhausen 165
Hallstattzeit 3
Handle 134
Hebamme 19, 47
Hockergräber 2
Hofmarken 11, 156 ff.
Hofwirt 50, 127

Industrie 41

Jagdrecht 29 f., 167

Keltenzeit 3 f.
Kirchen:

Dürnhettenbach     27, 46, 48, 50, 52
Graßlfing     26, 29 f., 32 f., 42, 46 f., 48, 52, 55
Grafentraubach     25 f., 29, 32 f., 41, 52 f., 56 f.
Steinkirchen     27, 32 f., 52

Kirchengesang 31, 52
Kirchenrechnung 33, 35, 39, 48
Kirchenvermögen 30, 32, 36, 45 f., 53 f.
Kooperator 29 ff., 52, 58
Kostordnung 131
Krankenkasse 20
Kriege:

Ungarneinfälle 25, 77
Hussitenkriege 81, 160

[Seite VI]

Landshuter Erbfolgekrieg 82
Bauernkrieg 82
Dreißigjähriger Krieg 37 ff., 84 ff.
Türkenkriege 91
Reichskriege 91
Spanischer Erbfolgekrieg 93f.
Osterreichischer Erbfolgekrieg 96f.
Bayerischer Erbfolgekrieg 100
Revolutionskriege 101
Napoleonskriege 105 f.
Krieg 1866 107
Krieg 1870/71 107
Weltkrieg 108
Englischer Krieg 114

Krieger     107—118

Landgericht 8
Landnahme der Bayern 5
Landwirtschaft 16, 51, 117
Laridemien 12
Latenezeit 8
Die Lavan 160
Leibeigene 6
Leibrecht 8
Die Leublfinger 164
Löhne 182
Ludeigen 12

Musterungen 11, 88

Orgel 45, 49, 54, 56

Pest 87, 87, 91
Pfarrei 28f., 89
Pfarrer 28 ff.
Pfarrhof 20, 29, 85, 44, 49, 51, 54
Pfarrwiddum 25, 29f., 32f., 35, 37, 39 f., 51
Pferderennen 48
Pfleger 8, 10 f.
Plünderungen
Präsentation 26, 29 ff., 39, 50
Priester aus der Pfarrei 59

Die von Rain 29, 31, 163
Rechtssprechung 14, 130
Reformation 31, 33
Reihengräber 6
Religiöses Leben 30 f., 33 ff.
Römerzeit 4

Scharwerk 8, 13, 37, 116, 128, 165
Schmiede 123, 135
Schranne 10
Schule 53, 55, 63 ff., 73 ff.
Schulhaus 69
Seelenhaus (Nicht indiziert)
Seelenzahl (siehe Einwohnerzahl)
Die Seinsheim 109, 168 ff.
Siedlung 1—6, 17
Sippensiedlung 5
Soziale Schichtung 6, 115
Die Steinkirchen 172
Steinzeit 1 f.
Steuern 11, 47
Straßen 138 f.

Die Traubecker 158

Umpfarrungen 26, 51, 53
Unglücksfälle 19
Urnengräberzeit 3

Verkehr 138
Viehzucht 49, 119, 124, 126 f.
Völkerwanderung 5
Volksmission 49, 56

Währung 14
Wallfahrtskirchen 27, 48, 85
Wanderbischöfe 23
Widdum (siehe Pfarrwiddum)
Wiesenbau 33, 121
Wolfsplage 90, 167

Zehent 13, 35 f., 166
Ziegelei 142, 149

Verzeichnis der Bilder:

Alte Pfarrkirche Grafentraubach
Altes Schloß Textbild (T)
Urkunde des Priesters Horscolf Einschaltbild (E)
Tauschurkunde betr. Kirche in Drudbach E
Kirche Steinkirchen (Grund- und Aufriß) T
Inneres der alten Kirche E
Inneres der Kirche Graßlfing E
Schutzmantelmadonna daselbst E
Kirche Steinkirchen (Äußeres) E
Aufriß der Kirche Obergraßlfing T
Grundriss der Kirche Obergraßlfing T
Die Pfarrherrn der letzten 100 Jahre E
Der ehemalige Pfarrhof E
Mallersdorf zu Ausgang des Mittelalters T
Schwedische Soldaten (Vignette) T
Die Gefallenen der Pfarrei
Die Maierschen Werke
Grabstein des Paul v. Leiblfing E

[Seite VII]

Ortsverzeichnis

Abach 93
Abensberg 59, 79, 103, 106
Achdorf-Landshut 54
Aidenbach 94
Aiglsbach 53
Alburg 59
Alling 81
Allkofen 3, 48, 53, 60, 62, 71, 73, 74, 80, 99, 108, 140
Altenbuch 53
Altheim 2, 53, 62
Altötting 19
Amberg 71, 76
Andermannsdorf 60
Anures 110
Arnbruck 54
Arrach 53
Arras 109
Asbach 3
Asenkofen 54, 86
Aspern 106
Ast 54
Atting 163
Aufhausen 136
Augsburg 93
Austerlitz 106
Bach 54
Baßanne 110
Barbing 79,158
Basel 101
Bayerbach 27
Beratshausen 60
Berchtesgaden 60
Belgrad 92
Berg 71
Bernried 59
Biburg 4
Birkensee 60
Bömhart 3, 20
Bogen 30 f., 48, 78
Bogenberg 30 f., 48, 61, 97
Boiodurum 4
Braunau 94
Breitenhardt 147
Bubach 59
Buchberg 80
Burglengenfeld 40
Carvin 111
Cham 59, 60, 73, 93
Colmar 109
Cotry 111
Deggendorf 60, 98
Dellis 110
Dingolfing 59, 89, 98, 106
Donaustauf 158
Donauwörth 93
Drozza 6
Dünaburg 111
Düren 109

Eggmühl 79, 92, 106, 127, 128, 143, 158, 164, 171
Eging 76
Eichstädt 23
Eitting 3 f., 75, 77, 84, 89, 134, 157, 160
Maria Einsiedeln 119
Erding 135
Ergoldsbach 85, 86, 87, 97, 129, 138
Eschlkam 59
Eslarn 61
Essenbach 30, 48
Ettersdorf 102, 173
Falkenfels 71
Ferrieres 171
Festieux 110
Fischbach 60
Frankfurt a. M. 97
Freising 24, 86, 105, 162
Fromelles 111
Fuchsmühle 154
Füssen 99
Gailsbach 71
Gaishauben 103
Gangkofen 82
Geiselhöring 2, 4, 8, 20, 23, 41, 45, 54, 60, 80, 81, 84, 86, 97, 99, 106, 138
Geisenfeld 53
Genkofen 25
Geroldshausen 54, 59, 60
Gögging 54, 158
Grafenried 59
Greilsberg 81
Greißing 2, 3 f., 4, 82, 87, 95, 96, 136, 153
Groß 6
Großwardein 109
Grünbach 171
Haader 3, 99
Haag bei Sallach 136
Haagmühle 4
Habelsbach 5, 77, 141, 165, 175
Hadersbach 2, 4, 84
Hagenau 54
Haglstadt 6
Haidenkofen 135
Hailing 6
Haindling 6, 70
Hainsbach 80, 84
Hall (Tirol) 15
Hals 79
Hankofen 60
Haustorf 135
Haselpah 25
Hausen 92
Hauzenstein 165

Herrngiersdorf 147, 148
Herrenbach 5
Hiltersried 81
Hinterschneiding 73
Hirschling 1, 3
Hochwinkl 76
Hochstätt 93
Hofdorf 46, 59, 64
Hofendorf 64, 73, 85
Hofkirchen 26, 27, 37, 75, 95, 127, 135
Hohenfels 79
Hohenlinden 104
Holztraubach 28, 39, 40, 59, 69, 90, 108, 135
Hronaga 23
Hunderdorf 60, 71
Iena 170
Ilbersheim 94
Ingolstadt 81, 84, 95, 98, 170
Inkofen 4, 56, 60, 129
Irlbach (Niederbayern) 49
Irlbach Opf. 54
Irsching 5
Kai 173
Kallbrunn 3
Kallmünz 40
Karlstein 59
Kätzelsried 71
Kelheim 42, 71, 93, 94, 95
Kemnat 20
Kirchberg 8f., 11, 45, 78, 81, 82, 92, 95, 99, 157
Kirchmatting 61
Kitzbühel 17
Köln 82
Kößlarn 51
Kötzting 93
Konstanz 81
Kürn Opf. 59
Laberweinting 2, 3, 19, 27, 30, 37, 66, 77, 89, 93, 99, 126, 129, 138, 139, 141, 169
Landau (Js.) 51, 59, 89, 98
Landshut (Bay.) 8, 13, 33, 44, 46, 55, 71, 81, 84, 85, 86, 93, 97, 138, 139, 166
Langenerling 30, 118
Langquaid 3
Leiblfing 164
Lemberg 109
Lützen 85
Luneville 104, 109
Lupburg 60
Mainburg 84
Mainz 63
Maixe 109
Malchesing 143
Malancourt 110

[Seite VIII]

Mallersdorf 1, 11, 40, 41, 44, 63, 78, 81, 84, 93, 118, 122, 129, 160, 161
Marburg 170
Maria Einsiedeln 19
Marklkofen 54
Mehring 101
Menach 93
Mengkofen 138
Metten 60 f.
Mettenbach 60
Mericourt 110
Mindelstetten 53
Moosburg 84, 95, 105, 157
Moosthann 54
Moosthenning 60
Mühlbach 60
München 45, 54, 56, 94, 97, 99, 171
Münster 90, 109
Nabburg 60
Neufahrn N. 86, 99, 133, 135
Neuhofen 2, 3, 136
Neukirchen 59
Niederalteich 158
Niederhausen 71
Niederlindhart 3, 22, 46, 84, 135
Niedertraubling 46, 143, 158
Niederumelsdorf 59
Nürnberg 31
Oberaichbach 60
Oberalteich 78
Oberdietfurt 55
Oberellenbach 60
Oberglaim 55, 60
Oberköllnbach 73
Oberlauterbach 54
Oberroning 60
Obertrennbach 60
Offenstetten 104
Ortenburg 78
Osnabrück 90
Ottering 54
Otzing 60
Parkstein 60
Paschendale 109
Passau 4, 5
Pasing 76
Pattendorf 76
Penk 137
Perg 25
Pettendorf 173
Peurbach 163
Pfaffenberg 2, 8, 11, 19, 23, 37, 39, 41, 46, 49, 55, 56, 60, 84, 91, 93, 94, 134, 136
Pfaffenhofen 101, 104

Pfaffmünster 29, 80 Pfakofen 86, 118
Pfarrkirchen 64
Pfätrach 24
Pfeffenhausen 55
Pfellkofen 71, 134
Pilsting 17, 66, 97
Pinkofen 38
Plattling 56, 60
Pram 24
Pramersbuch 3
Prackenbach 71
Prag 81, 97
Premberg 104
Pretzfeld 171
Prüfening 174
Prünn 60, 80, 160, 161
Radldorf 3
Rain b. Straubing 13, 29, 79, 130, 163 f.
Regensburg 4, 13, 15, 23, 28, 31, 41, 42, 47, 54, 56, 60, 71, 77, 79, 85, 106, 158, 171, 172
Reibersdorf 158
Reichenbach 59
Reims 109
Reisbach 54, 136
Reissing 75
Renemont 109
Renshofen 82
Reuth 80
Riedenburg 98
Roding 60
Rogging 142
Rogling 48
Rohr 60, 71
Rohrbach 109
Röhrbach 71
Rom 23
Roning b. Rottenburg 23
Rottenburg a. L. 19, 59, 95, 148
Ruhstorf 29, 55
Sallach 2, 4 f., 30, 39, 41, 44, 46, 59, 60, 65, 84, 86, 97
Sallern 54
Sarching 159
Saulburg 80
Schierling 52, 59, 96, 135, 165
Schlammersdorf 60
Schönach 49
Schönbrunn 106
Schongau 169
Schwimmbach 2
Seligenthal 30
Sendling 94
Sengkofen 143

Serajewo 108 Simbach 98
Spada 109
Stadtamhof 41, 42
Stadteschenbach 60
Stadtkemnath 53
Stamsried 60
Staubing 76
Staudach 80
Steinbach 24, 35
Steinach 59
Stephansposching 60
Stockah 136
Straubing 4, 5, 13, 22, 30, 33, 37, 45, 48, 49, 53, 59, 71, 86, 93, 97, 101, 124, 134, 138, 163
Stumpfreuth 137
Souchez 110
Suilles 109
Sünching 11, 18, 19, 20, 24, 49, 59, 73, 129, 154, 168 f.
Taimering 143
Taufkirchen 54, 171
Tegernsee 67
Teschen 101
Tiefenbach 60
Tour 161
Trasching 60
Traubenbach 49
Traunstein 60
Trausnitz 106
Triftlfing 74
Ulm 106
Unteraltenbürnheim 71
Verdun 109
Vilsbiburg 53, 71
Vilshofen 75, 169
Vimh 109
Vinzenzia 164
Vonz 111
Walburgskircben 76
Waldmünchen 46
Wallkofen 73, 76, 135
Wambach 171
Weichs 135, 47
Weingarten 4
Weltenburg 158
Weng 135
Wenzenbach 54
Westen 84, 90, 93
Westerbergsham 148
Wien 82, 91
Winklsaß 3
Wörth (Isar) 20
St.Wolfgang (Abersee) 138
Wolnzach 84
Würzburg 170
Wuville 111
Zaitzkofen 129, 135

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1. Teil

Vor- und Fruhgeschichte

Saxa Loquuntur, „Steine reden” müssen wir mit dem Römer sagen, wenn wir Aufschlutz über die Urzeit der Erde und die der Menschen haben wollen. Die Felsen der Gebirge und die Kieshügel unserer Gegend sagen dem kundigen Auge, wie die Entwicklung der Erde vor sich ging, wie unsere Gegend im Miozän das Gesicht bekam, wie wir es im wesentlichen sehen. Freilich hat das Diluvium (die Uberschwemmungszeit) noch manche Talfurche in dasselbe gezogen, hat die diluvialen Produkte Löß, Lehm und Mergel darüber gezogen, als Grundlage für die hiesige Ziegelindustrie, als Unterlage für die schweren Getreideböden; die fruchtbaren Anschwemmungsflächen der Täler aber verdanken wir dem Alluvium. Zur Zeit des Diluviums erstreckten sich die Alpengletscher wiederholt weit in die Oberbayerische Hochebene herein, während gleichzeitig ein großer Teil Norddeutschlands von Schweden her mit Gletschereis bedeckt war. Diese Gletscher zogen sich zeitenweise wieder zurück, wodurch wärmere Zwischeneiszeiten entstanden.

In diesen kalten Zeiten lebte in unserer Gegend das Mammut, eine Elefantenart das Dinotherium, das woollhaarige Nashorn, der Höhlenbär, der Riesenhirsch, das Mastodon, sämtliche Tiere größer als ihre heute noch lebenden Verwandten. In einer späteren Periode fanden sich in unseren Gegenden das Renntier, die Saige antilope, der Moschusochs, der Eisfuchs, verschiedene Lemingarten etc. — Die Pflanzenwelt hatte wie die Tierwelt ein Aussehen, wie sie jeßt (???) etwa in den kälteren Gegenden Sibiriens ist.

Aus diesen Zwischeneiszeiten haben wir die ersten sicheren Spuren von Menschen in Europa, auch, bei uns. Sie lebten in Höhlen, Grotten oder am Fuße überhängender Felsen, wobei sie sich durch Windschirme und einfache Hütten gegen Wind und Regen schützten. Sie waren herumstreifende Jäger, übten keinen Ackerbau, die Pflanzennahrung sammelten sie, wo sie sich bot; die Töpferei kannten sie noch nicht. Man nennt diese Zeit die ältere Steinzeit; denn seine Waffen und Werkzeuge fertigte der Eiszeitmensch aus Stein, hauptsächlich Feuerstein, ferner aus Holz, Horn, Knochen und Geweihen.

Von einem Sommerlager dürfte ein Feuersteinnukleus stammen, der in der Hirschlinger Kiesgrube gefunden wurde (Museum Mallersdorf). Steine reden als Zeuge ältester menschlicher Kultur.

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Haben wir von dieser Zeit keine Spuren in unserer näheren   Umgebung, so doch allenthalben aus der sogenannten jüngeren Steinzeit, von etwa 4000-2000 vor Chr. Geb. In der älteren Steinzeit waren die Steingeräte (Lanzen, Pfeilspitzen, Messer, Schaber, etc.) anfangs nur durch einfaches Absplittern von größeren Steinklumpen, hergestellt. Allmählich hatte man es verstanden, diese Steinsplitter durch Klopfen oder Drücken zu verbessern, der jüngeren Steinzeit gelang es, die Hämmer und Beile zu schleifen, zu durchbohren und zu polieren; auch die Geräte aus Holz, Horn, Knochen zeigen Fortschritte.

— Der Mensch der jüngeren Steinzeit baute sich aus Stangen und Schilfrohr mit Lehm verstrichene Hütten. Solche fanden sich z. B. bei Geiselhöring, Greißing und Sallach. Steinzeitliche Scherben oder Geräte las man ebenda auf, sowie bei Laberweinting, Hadersbach, Neuhofen, ein besonders schönes, bootförmiges Steinbeil bei Pfaffenberg. Aller Wahrscheinlichkeit nach lag auch im sonnigen Tal, in dem Grafentraubach liegt, eine Steinzeitsiedlung.  Man achte doch beim Ackern und Umgraben auf derlei Funde: Scherben, Pfeilspitzen, Beile, Messer, Hämmer aus Stein und übergebe sie durch die Gemeinde dem Bezirksamt; auch Metallgegenstände!

Die Menschen der jüngeren Steinzeit trieben außer Fischerei in der Laber und Jagd in den Wäldern schon Viehzucht und primitiven Ackerbau, kannten die Töpferei, Weberei und Flechterei; sie kannten schon den Pflug, aber auch den „männermordenden Krieg”, wie steinzeitliche Verschanzungen (z. B. bei Altheim) und andere Gründe zeigen. Nächst Schwimmbach wurde z. B. eine unverhältnismäßig große Anzahl Waffen gefunden, was der Vermutung Raum gibt, daß dort ein größerer Kampf stattgefunden habe gegen Ende der Steinzeit mit Gegnern, welche bereits Bronzewaffen hatten, da auf dem Kampffelde auch eine Lanzenspitz aus Bronze gefunden wurde.

Damals nämlich setzen jene Völkervorstöße aus dem Norden ein, als deren Ergebnis Europa indogermanisch wurde.

Um diese Zeit erscheint bei uns ein donauaufwärts wanderndes Jägervolk, das seine Toten als sogenannte liegende Hocker, d.h. mit aufgezogenen Beinen in Schlafstellung, bestattete. Dieses Jägervolk hatte bereits Dolche aus Kupfer, später folgten aus denselben Gegenden vermutlich verwandte Stämme, welche ebenfalls ihre Toten als liegende Hocker bestatteten, jedoch schon die härtere Bronze kannten. Solche dürften also hier in unsere Gegend eingedrungen sein, und damit die sogenannte Bronzezeit (ca. 2000 v. Christus).

Das genannte Jägervolk wurde in der Folge von einer Bevölkerung abgelöst, welche ihre Toten in Hügelgräbern bestattete. Fanden sich die Hockergräber vor allem den Flüssen entlang, so verteilen sich die Gräbergruppen der Hügelgräberbronzezeit mehr oder minder gleichmäßig über das ganze Gebiet. Die Hügelgräberbronzezeit-bevölkerung Suddeutschlands war bodenständig als Weidebauern. Die große Anzahl der Hügelgräber und ihre häufig reiche Ausstattung sprechen für eine verhältnismäßig dichte Besiedlung und

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eine gewisse Wohlhabenheit. Die indogermanischen Bronzezeitleute waren eine wehrhafte, wohlgekleidete Bevölkerung.

Hügelgräbergruppen finden sich in der Umgebung von Grafentraubach im Bömhart beim Kreithof, bei Eitting, Greißing, Niederlindhart u.s.w. Längs der sogen Hochstraße, die sich von Kallbrunn über Neuhofen—Pramersbuch, bis gegen Asbach hinzieht, sind ca. 51 Hügelgräber gezählt worden. Bronzegegenstände dieser Periode wurden bei Haader, Laberweinting (Lanze) gefunden, in Eitting ein Armreif, in welchem noch die Knochenreste steckten, nebst Scherben u.s.w. Zwei besonders reiche Depotfunde wurden bei Winklsaß und Langquaid gemacht.

Lauter Belege dafür, daß unsere Gegend in jenem Jahrtausend besiedelt war, wenn auch nur dünn.

Gegen Ende der Hügelgräberbronzezeit hatte sich in unseren Gegenden eine den Pfahlbauern des Bodensees verwandte Bevölkerung ausgebreitet. Ihre Toten verbrannte sie und bestattete die Asche in Urnen, ohne Hügel darüber zu errichten. Man nennt deshalb diese Kulturstufe Urnenfelderbronzezeit.

Die Urmenfelderbronzezeitleute suchten vorwiegend den Lößboden auf, sie waren also jedenfalls Ackerbauern. Als solche kamen sie mit den bronzezeitlichen Weidebauern weniger in feindselige Berührung; die beiden Gruppen konnten sich im wesentlichen, friedlich in die Ackerund Weidegründe teilen.

Urnenfelderreste wurden unter anderem bei Allkofen 1935, bei Radldorf 1935 ausgegraben; an letzterem Ort unter anderem ein großes Vorratsgerät mit hohem Trichter und nach innen abgeschrägtem Rand. Man hält dieses — man höre — für ein Gärgefäß zur Bierbereitung! Spätbronzezeitliche Scherben wurden auch bei Perkam und Sallach gefunden.

In der Bronzezeit kam für menschliche Wohnungen bereits der Blockhausbau mit Stroh- und Schilfdach auf.

An diese Periode schloß sich die Hallstattzeit (1000—550 vor Christus) an.

Aus dieser letzten Periode der Bronzezeit, in welcher in immer größerem Maße das Eisen für Waffen und Werkzeuge verwendet wurde, stammen verschiedene Gräber, welche bei Geiselhöring aufgedeckt wurden; desgleichen bei Greißing und Hirschling. Nördlich von Eitting wurde 1916 von einer längst überpflügten Grabhügelgruppe ein Hügel untersucht. Er enthielt Gefäßscherben der Stufe der eisernen Hallstattschwerter, am Grunde eine Holzkohlenschicht, also ein Brandgrab.

Die Hallstattmenschen hatten schon eine ausnehmend hohe Kultur, wie sich auch aus ihren Schmucksachen ergibt, die große Kunst und feinen Geschmack verraten. Wirtschaftlich waren sie mehr Weidebauern.

Die Latenezeit oder Keltenzeit beginnt etwa um 550 v. Christus. Damals drangen keltische Auswanderer wegen Uebervölkerung über den Rhein bis nach Süddeutschland vor und damit eine neue Kultur, welche nach der großen Ausgrabungsstätte La Tene in der

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Schweiz ihren Namen hat und von 550 bis 15 vor Christus gerechnet und wieder in mehrere Zwischenzeiten eingeteilt wird.

Die Kelten in Süddeutschland waren Vindelizier, und zwar bei uns der Stamm der Runikaten. Sie bauten auch Städte, so die Stadt Sorviodurum = Straubing, Bojodurum = Passau, Radasbona = Regensburg. In Geiselhöring wurde eine kellerartige Grube ausgegraben mit Hütten lehm und Gefäßrückständen der La Tene zeit, auch sonst kamen Spät latene scherben, ein Spinn wirtel, ein Webstuhlgewicht etc. zum Vorschein. Latene zeitliche Gräberfelder wurden zwischen Geiselhöring und Sallach, sowie bei Greißing aufgefunden, in Sallach gleichzeitige graphithaltige Scherben und Hütten lehm. — Die Kelten waren ein Bauernvolk der indogermanischen Völkerfamilie.

Der Name des Flusses Laber ist, wie die Namen der meisten größeren Flüsse Bayerns, keltisch; wahrscheinlich auch der Name Drau—bach, wie ich noch darlegen werde. Keltisch sind ferner die beiden Viereckschanzen nordöstlich von Sallach, sowie die beiden Viereckschanzen nächst dem abgegangenen Orte Biburg (östlich Hadersbach), während die Zuteilung der Abschnittsbefestigungen bei Haagmühle und Weingarten zeitlich nicht sicher ist. Nach Reinecke (vergl. Vgfr. I. S. 42) ist besonders merkwürdig jene Anlage im Sallacher Gemeindewald, bei der die Schanze mit Vorwerk noch durch eigene Gräben und Wälle mit einem umgebenden Außenrechteck verbunden ist. Ich halte diese Anlage für ein keltisches Gauheiligtum der ganzen Umgebung (Vergl. mein Buch: Sallach—Hadersbach!)

In Steinkirchen vermute ich — wie in Sallach —- einen keltischen Herrenhof, der in römischer Zeit ein Staatsgut und bei der Landnahme durch die Bajuwaren ein Herzoggut wurde.

Der ursprüngliche Name für Sallach nämlich Salath ist nach Paul Reinecke in »Der Bayerische Vorgeschichtsfreund« Heft V S. 33 wie Laber etc. keltisch, vielleicht sogar vorkeltisch.

Die römische Zeit (nach 15 V. Chr.).

Man hat obige Schanzen vor wenigen Jahrzehnten noch für römisch gehalten. Allein sie haben nichts mit der römischen Zeit zu tun.

Daß aber die Besiedlung unserer Umgebung über die römische Zeit hinüberdauerte, dürste als sicher gelten; abgesehen von Funden römischer Münzen, die hier gemacht wurden und einer römischen Merkurstatuette, die in Eitting ausgegraben wurde. Das Museum in Landshut enthält letztere und noch einen römischen Schreibgriffel aus Eitting. Die Kunstdenkmäler Mallersdorf nehmen eine bei Laberweinting von Landau herkommende Römerstraße an. Ob die uralte Ochsenstraße eine römische (Augusten?-) Straße ist, wird bestritten.

Den Angriffen der germanischen Völkerschaften konnte das römische Rätien auf die Dauer nicht widerstehen. 15 Jahre dauerte der Kampf der Römer gegen die Markomannen (166—181), bis ihn Mark Aurel

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zu einem glimpflichen Ende führte. 213 stürmten die Alemannen erstmals an und gaben in der Folge keine dauernde Ruhe.

Die Völkerwanderungszeit.

Um 430 griffen die Juthunger die rätische Westgrenze an, dann kamen die Hunnen und mit ihnen verbündete Völkerschaften von Osten.

Um 460 herrschte bei uns längs der Donau bis Passau hinab der Alemannenkönig Gibuld. Es wurden bei Straubing alemannische Schmucksachen gefunden. Mir selbst gelang es, solche bei Irsching aus Reihengräbern zu retten.

Das flache Land litt schwer unter diesen Stürmen der Völkerwanderungszeit. Die Bewohner zogen sich teils in die befestigten Plätze oder in die Wälder zurück und schließlich wanderte die römische Bevölkerung im Jahre 488 unter Führung Arnulfs, des Bruders Odoackers, vor den Stürmen der Alemannen und Thüringer nach Italien zurück, die vindelizische Bevölkerung, welche unter der Römerherrschaft romanisiert und christianisiert worden war, blieb zum Teil zurück und wechselte einfach als Hörige ihre Herren.

Die Landnahme der Bajuwaren.

Die Einwanderung der germanischen Bajuwaren, der Nachkonmen obiger Markomannen, geschah in das verwüstete und großenteils entvölkerte Rätien um 500—525. Die aus Böhmen (Banaheim) einwandernden Bajuwaren waren ein Bauernvolk und nahmen naturgemäß zunächst schon früher unter Kultur befindliches Land in Besitz, welches infolge der Entvölkerung reichlich vorhanden war und nach Sippen aufgeteilt wurde. Die ältesten Ansiedlungen sind zweifellos Sippensiedlungen und meist gekennzeichnet durch Ortsnamen, welche aus einem Personennamen und dem Suffix ,,ing” bestehen. Diese ing—Orte enthalten nämlich in ihrem ersten Teil den Namen des Bajuwaren, der sich zuerst an demselben niederließ. So ließ sich in Graßlfing (Grasolvinga 1060) ein Grasolf nieder (Förstemann I 666). Die Graßolfinger waren die Sippe des Grasolf einschließlich dessen Hörigen. Auch siedelten sie gern an Bächen, weshalb die Namen Traubach, Hettenbach, Habelsbach und andere. In vielen dieser bach-Ortsnamen steckt gleichfalls der Name des ersten Siedlers, so im Namen Hettenbach (8. u. 9. Jahrh. Hetinpah. Petz I 3) der Personenname Hedin, oder Hetto, Genetiv Hettin. Bei Traubach wäre es nun ebenfalls naheliegend an einen Namen wie Druho zu denken, der nach Roth zwar als Personenname vorkommt. Jedoch müßte dann die älteste Form nicht Druhpah, sondern Druhinpah oder ähnlich lauten. Förstemann II. 485 setzt Druhpach zum Stamme druc, althochdeutsch truchan-trocken (mundartrtlich drucka), so daß es soviel wie Trockenbach hieße. Allein: der Dorfbach wird selbst in trockensten Jahren nicht wasserlos, viel weniger in alter Zeit, wo noch viel mehr Wälder hier waren? — Mondschein will das althd. Druh, Druch, Drauche, d. h. Falle, um

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wilde Tiere zu fangen, in dem Namen Druhpah finden und sagt: 1½ km taleinwärts ist eine tiefe Grube, die für eine Falle gehalten werden könnte. (?) Eine gewagte Erklärung! Darum kommt mir die Herkunft des Namens Druhpah von einer indogermanischen Wurzel Druh am wahrscheinlichsten vor, die in den Flußnamen Drau Und Traun sich findet und soviel als laufen, bewegen bedeutet (vergl. das griechische trecheim das lateinische trahese, das gotische tragjan! Demgemäß hätten die vorbairischen Einwohner den Bach Dru oder Druh genannt, dem die Bajuwaren das Bestimmungswort bach erklärend anhängten. — Ich will diese Erklärung niemandem aufdrängen und habe deshalb auch die anderen Deutungen aufgeführt.

In dem Namen Arnkofen (13. Jahrh. Arnhoven in Obermünstersches Traditionsbuch N. 5) finden wir die Personennamen Arin oder Arno (vergl. Förstemann I 138). Desgleichen in Zeiselhof den PN. Zeizilo (Förstemann I. 1888), im Namen Reichersmühl (1250: Reichenmul. Oberpf. 9,59) den PN. Ricco, Richo. — Also viele alte, kerniggermanische Namen! — Obertraubach und Obergraßlsing sind Ausbau von Niedertraubach beziehungsweise (bezw). Untergraßlfing, also jünger als letztere.

Bajuwarische Reihengräber mit zahlreichen Beigaben wurden bei Greißing, Sallach und Langenhettenbach aufgedeckt. Auch in Grafentraubach kamen in der Maier’schen Ziegelei solche zum Vorschein. An Funden wurden geborgen u. a. eine Spada (Schwert), eine Sax (Messerschwert), eine Lanzenspitze; an Schmuck die typisch-merowingischen Schmuckperlen aus Ton und Glas, ferner Riemenzungen, Beschläge und Schnallen aus Silber und Bronze, Ohrringe, eine Kristallkugel u.s.w., Zeugen der 1300 jährigen Geschichte Grafentraubachs!

Die Bajuwaren teilten sich in den Adel, die Freien und die Unfreien. Der Adel bestand nächst der herzoglichen Familie der Agilolfinger aus den fünf edlen Geschlechtern der Huosi, die die am machtvollsten und begütersten waren, dann der Drozza, Fagana, Hahilinga und Anniona. Die Hahilinger waren vorwiegend im Donaugau, wo die Orte Hailing (urkundlich 830 Hahalinga genannt) und Haglstadt (842 Hahchilstatt) liegen und östlich von ihnen die Drozza bis Troß in Oesterreich. Die heutige Ortschaft Groß bei Haindling hieß noch vor 200 Jahren meist Troß, und noch früher Drozza.

An den Adel reihten sich die Freien an, die gleich dem Adel langes Haar trugen, dessen Verlust als großer Schimpf galt. Sie hatten das Recht Waffen zu tragen und die Ehrenpflicht des Heeresdienstes Sie hatten freieigen Gut, auch Sitz und Stimme bei den Volks- und Gerichtsthingen.

Die Unfreien, Hörigen, stuften sich mannigfach ab in ihren Rechten und Pflichten von denen nahezu freien Frilazzen oder Barschalken, die persönlich wohl frei, aber zu einem niedrigen Zins pflichtig, jedoch an die Scholle verknüpft waren, bis herab zu den leibeigenen Knechten, meist von unterjochten Völkern, deren Los kein freundliches war und erst durch das Christentum etwas erleichtert wurde.

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Sie durften kein langes Haar tragen, waren die „Gescherten.” Erst l808 wurde in Bayern die Leibeigenschaft beseitigt. In und nach der Karolingerzeit verarmten viele Freie durch den vielen Kriegsdienst, den nur Freie leisten durften und mußten (s. o.). Viele entzogen sich ihn dadurch, daß sie sich in die Hörigkeit eines Grundherrn oder der Kirche begaben. Letzteres oft auch aus religiösen Gründen. Vielfach wurden die Kinder von Freien unfrei, weil letztere eine Mischehe mit einer unfreien Person eingingen und dann „die Kinder der schlechteren Hand folgten”. (Rassereinheit!!) Ferner wurde Unfreiheit als Strafe für Verbrechen und Vergehen verhängt. — Die Unfreien konnten verschenkt oder verkauft werden.

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2. Teil

Die Verwaltung der Gemeinden

Die Gemeinden in älterer Zeit.

Ursprünglich bildeten die ortschaftlichen Beziehungen die Grundlage des Gemeindelebens. Auf dem Lande war die Bewirtschastung der in der gemeinsamen Feldmark liegenden Grundstücke der Anknüpfungspunkt für die Entstehung des Gemeinwesens. Der Aman war ursprünglich in den Ortschaften der Ortsführer, welcher nach dem Rate der Bauernschaft die Gemeindedienste der Schmiede und der Hüter besetzte, die Scharwerkleistung regelte und die öffentlichen Abgaben einhob. In nachmittelalterlicher Zeit hatte jede Ortsgemeinde je 2 Ortsführer, auch Obleute genannt; wir werden solche wiederholt erwähnt finden. — Mit der Entwicklung des Lehenswesens und des Hofmarkshstems wurde die Freiheit der Landgemeinden mehr und mehr eingeengt und die Verwaltung mehr zentralisiert einerseits beim Pfleger in Kirchberg, anderseits beim Hofmarksherrn. Den zu bloßen Obmannschaften herabgesunkenen Ortsgemeinden Grafentraubach, Graßlfing, Steinkirchen, Dürnhettenbach war fast kein Selbstverwaltungsrecht geblieben. Ja um das Bißchen, das ihnen noch geblieben, mußten die Einwohner von Graßlfing im 17. Jahrh. noch alljährlich bei dem sogenannten Herbstrecht bitten, daß es ihnen belassen würde. —— In Grafentraubach waren 1520 die sogen. Freiheiten angeblich für ewige Zeiten fixiert worden. Diese „Freiheiten” reden aber mehr von Pflichten, als von Rechten, wie wir noch sehen werden bei der Besprechung der Ehaften.

Das Landgericht.

Wenden wir uns zunächst der Behandlung der Funktionen des Landgerichts Kirchberg zu.

Unmittelbar nach der Landnahme durch die Bajuwaren war das Land in Gaue gegliedert. Unser Gau gehörte zum Bereich des vornehmen Geschlechts der Hahilinger, deren Gebiet den Donaugau (Thuonogawe) gebildet haben dürfte; um das Jahr 740 war vielleicht der Edle Adelunc in Lindhart auch Graf im Donaugau.

Von ca. 1000 bis 1029 hören wir in demselben von einem Graf Ruotpert. Ursprünglich hatten die Grafen (nicht die Herzoge!) als Stellvertreter des Königs das Richteramt. Später zerfielen die großen Gaue in kleinere Grafschaften, so daß um 1200 Grafentraubach zur Grafschaft

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Das alte Schloß in Grafentraubach vor 200 Jahren (nach Wenning)

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Kirchberg gehörte, welche um 1225 nach Aussterben der dortigen Grafen, von denen Niedertraubach den Namen Grafentraubach erhielt, von den bayerischen Herzogen erworben wurde (nach Oefele um 47000 Gulden).

Die Herzoge machten ein Pflegeamt daraus. Bei der ersten Teilung Bayerns kam 1255 unser Gebiet an Niederbayern. Bei der Teilung Niederbayerns 1353 kamen zum Anteil der Herzoge Albrecht und Wilhelm, also zur Straubinger Linie: Ellnpach daz gericht (später Kirchberg genannt) und waz dartzu gehört: Geiselhöring und Pfaffenberg die zwen Markcht und waz dazu gehört, Chirchberg den Vest und waz dartzu gehört.” Als 1429 das Straubinger Erbe verteilt wurde, erhielt der Ingolstlädter Herzog Ludwig der Bärtige auch „Kirchberg die Veste mit dem Landgericht und Kasten (= Rentamt)”. Nach Ludwigs Tode 1447 eignete sich das ganze Erbe Heinrich der Reiche von Landshut an.

Die herzoglichen Pflegeämter, auch Landgerichte genannt, hatten die höhere Gerichtsbarkeit, die peinlichen Sachen, auch Malefizsachen geheißen, deren Sühne an Leib und Leben des Täters ging: Mord, Brand, Raub, Notzucht und größerer Diebstahl. 1506 heißt es von der Hofmark Gtr.: „So einer von Malefiz wegen eingezogen, wird der bis an den Steinkirchner Grund zu einem großen Stein geantwortet” und 100 Jahre später ähnlich: „Die Malefizpersonen müssen bei einem Stein, so Gtk.: Gründe scheidet, ins Landgericht übernommen werden.” Und so blieb es bis 1803. Im Falle eines Mordes hatte das Ldgr. die Toten zu besichtigen, wie es 1744 und 1746 in Gtr. der Fall war.

Der Vorstand und Nutznießer eines Landgerichts war ein Pfleger, der sich oft durch einen Richter vertreten ließ. Diese führten die Verhandlungen auf den sogenannten Schrannen. Das Urteil wurde in älterer Zeit von den „erkießten” Schöffen „gefunden”. Der Richter soll „nach ihrer Sag richten”. Später fällte der Richter „nach des Buches Sage”, doch in Gegenwart der Schöffen. So sind Wolfhart Spitaler, Friedr. Flexöder, Hans Gräwll, Bernh. Neiger aus Drawpach und andere an den Rechten gesessen, als Perchtold Plumberger, Landrichter zu Kirchberg von des Pflegers daselbst wegen zu Pfaffenberg an offener Schranne gesessen. Namentlich die Amänner wurden zu solchen Verhandlungen gerne beigezogen. —-

Ost hören wir im 15. und bis ins 18. Jahrh. von Todesurteilen des Pflegers, die mit Schwert oder Galgen vollzogen wurden, selbst von Verbrennungen vermeintlicher Hexen. Das Urteil vollzog der Henker, auch Freimann geheißen. Außer der höheren Gerichtsbarkeit hatten die Pfleger auch die niedrige in den ihnen unmittelbar unterstehenden landgerichtlichen Ortschaften, z. B. in Dürnhettenbach. In Grafentraubach und Graßlsing waren Hofmarken, und Steinkirchen gehörte zur Hofmark des Klosters Mallersdorf. Diese Hofmarken hatten die niedrige Gerichtsbarkeit in beschränktem Maße.

Zum Gerichtspersonal gehörte außer ev. Schreibern auch der Gerichtsdiener, auch Amtmann oder Scherge (Lictor) genannt. Der Pfleger war ferner Musterungsbeamter. War Kriegsgefahr, bekam der

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selbe Vereitschaftsbefehl Auf den Einberufungsbefehl mußte er sich mit seinen geharnischten und bewehrten Untertanen am bestimmten Platz einfinden. In Grafentraubach hatte der Hosinarlsherr die Musterung zu halten, aber die Ausgewählten dem Pfleger vorzuführen.

Als Finanzbeamter hatte der Pfleger den Kastner zur Seite. Dieser hatte die Einnahmen des Staates einheben zu lassen: die Conquisitiones, welche mehr den Adel, Klöster, Städte und Märkte, doch auch das glatte Land trafen und die „Stiure”, welche nur das glatte Land trafen. Für letztere war später der „Hoffuß” zu Grunde gelegt und die Anwesen als ganze, halbe, Viertel-, Achtelhöfe usw. eingeteilt, die nach ihrer Größe eine jeweilige Anlange, ganz, halb, zu ¼ oder ⅛ leisten mußten. 1803 wurde das Pflegegericht Kirchberg mit Teilen umliegender Gerichte in das Landgericht Pfaffenberg umgewandelt, dieses hatte seinen Sitz im aufgehobenen Kloster Mallersdorf und erhielt davon später die Bezeichnung Mallersdorf. Grasentraubach, Graßlfing wurde mit Sünching zu einem Patrimonialgericht I. Klasse vereinigt, das nach dessen Auflösung 1848 Mallersdorf eingegliedert wurde. 1862 wurde Justiz und Verwaltung getrennt und das Bezirksamt Mallersdorf errichtet, der Name Landgericht 1879 durch Amtsgericht ersetzt.

19. VI. 1809 wurde der Steuerdistrikt Grafentraubach nach Grenzen festgelegt durch die Kgl. Bahr. Spezialsteuerrektifikationskommission (welch Wortungetüm!) Mallersdorf umfassend Schloß und Dorf Grafentraubach, Ortschaft Steinkirchen, Einöden Arnkofen, Scharn und Kreuth festgelegt. 15. III. 1811 wurde durch 4 freie und sachkundige Männer, welche vorgerufen wurden, der Flächeninhalt der steuerbaren Gegenstände, die Wälder, Gärten und Wiesen nach Tagwerk, die Äcker nach Ortsmaß zu Protokoll genommen durch obige Kommission. Die Schätzmänner waren Thom. Amann, Simon Mayer, Mich. Schwaiger und Jak. Dafner, welche am 14. V. 1810 verpflichtet worden waren. Damit wurden die alten vielerlei Steuern auf Grund und Boden vereinheitlicht und auf eine neue Basis gestellt nach Größe und Bonität Um dieselbe Zeit wurden auch die Gewerbe nach Wert und Ertrag fatiert.

Die Hofmarken

Die Hofmarken gingen größtenteils aus dem grundherrlichen Besitz des früheren Mittelalters hervor und fußten in Bayern in ihrer rechtlichen Stellung meist auf der sog. Ottonischen Handfeste.

Die Hofmarksherren waren recht ansehnliche Herren. Sie übten die niedere Gerichtsbarkeit aus in allen öffentlich-rechtlichen Verfehlungen, ausgenommen die todeswürdigen und andere schwere Verbrechen. Diese hatte der Landrichter von Kirchberg zu richten. Dieser zog auch Raufereien, bei denen ein Gegenstand, und wäre es nur ein dünner Stecken, benutzt wurde oder Blut floß, in seinen Bereich — Dann hatten sie eine gewisse Zivilgerichtsbarkeit in allen Streitfällen zwischen ihren Grundholden, abgesehen von solchen über Grund und Boden, die ebenfalls dem Landrichter vorbehalten waren; ferner hatten sie

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Dieser zog auch Raufereien, bei denen ein Gegenstand, und wäre es nur ein dünner Stecken, benutzt wurde oder Blut floß, in seinen Bereich —- Dann hatten sie eine gewisse Zivilgerichtsbarkeit in allen Streitfällen zwischen ihren Grundholden, abgesehen von solchen über Grund und Boden, die ebenfalls dem Landrichter vorbehalten waren; ferner hatten sie [Seite 12] alle möglichen polizeilichen Befugnisse: Sicherheitspolizeh Aufsicht über Bettel, Gesinde- u. Luxuspolizei Kirchweihschutz, d. h. Ahndung der am Kirchweihtag gegen das Friedensgebot vorgekommenen Verstöße. Die Kirchweihtage hatten früher eine größere Bedeutung als heute, weil damals die Leute von weit und breit zusammenkamen, nicht bloß zum Schmausen und Tanzen, sondern auch in geschäftlichen Angelegenheiten. Es gab ja keine Zeitungen, keine Post im heutigen Sinne. Zu den polizeilichen Befugnissen gehörte auch die Mühl- und Feuerbeschau, welch letztere bei der früheren Holzbauweise und den Strohund Schindeldächern höchst wichtig war, auch die Aufsicht  über den Verkauf der Viktualien, Biersatz, die Ehehaften der Schmiede, Bader und Wirte. Wegen dieser Chehaften, welche den Untertanen zu Gunsten der Inhaber der Ehehaften verschiedene Auflagen und Freiheitsbeschränkungen, den Inhabern aber auch verschiedene Pflichten auferlegten, gab es wiederholt im Laufe der Jahrhunderte Differenzen, so 1713 gegen Herrschaft  Grafentraubach, 1712 gegen Steinkirchen.

Die Besitzverhältnisse der Bauern waren recht verschieden: nämlich

1) das Erbrecht, dies war das günstigste für den Grundholden und um 1808 nach dem damaligen Hausverzeichnis das gewöhnliche in Grafentraubach.

2) Ludeigen war in Grafentraubach nur die Weihersölde (Thom. Aman), in Steinkirchen das Gütl des Jos. Dürmayer.

3) das Leibrecht, nach welchem dem Inhaber eines Anwesens dieses nur auf Lebenszeit überlassen war, beim Tode fiel es heim, ähnlich einer Pacht auf Lebenszeit.

4) die Freistift, bei welcher das Gut jederzeit gekündigt (aufgesagt) werden konnte, ähnlich einer Pacht gegen jährliche Kündigung; war ursprünglich sehr häufig (noch 1602) in der Hofmark, bis es nach dem 30 jähr. Krieg allmählich dem Erbrecht weichen mußte.

Bei Besitzveränderungen war der Handlohn (Laudemium) als Anerkennung des Obereigentumes des Grundherrn zu leisten. Die Herrschaften von Grafentraubach, sowie die Kirchenstiftung und die Pfarrpfründe erhoben bei Veränderungen unter Lebenden (Kauf, Tausch, Übergabe) 7½ %, d. h. der Abtretende hatte 2½% Abstand, der neue Besitzer 5% Anstand zu leisten; bei Todesfall war Abstand und Anstand je 5%, zusammen 10% vom Schätzungswert des Anwesens (ohne Fahrnis). Andere Grundherrn hatten ähnliche Handlöhne.

An besonderen Leistungen bestanden Kirchtrachtwecken und -getreide, Quatembergelder, Läutgarben und Ehaftgetreide.

Eine Abgabe, die oft zu Streitigkeiten führte, war der Zehent, eine meist 10% Steuer auf gewisse Teile des Ertrages oder Einkommens, der bei Einführung des Pfarrsystems durch die ???lingische Gesetzgebung aus einem Herkommen zur Pflicht gemacht wurde. Durch Gewaltakte, Vergebung an Laien, Vorbehalt des Zehen??? von seiten des

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Gutsherrn bei Umwandlung von Eigenkirchen in Pfarrkirchen befand sich bald viel Zehent in Laienhänden. In der Pfarrei Grafentraubach hatte meist der Pfarrer ⅔, die Herrschaft ⅓, bei anderen hatte ihn der Pfarrer, bei anderen die Herrschaft allein. Vor 100 Jahren waren nach dem Grundsteuerkataster vorkommende Zehentarten: Der Großzehent, Blutzehent, Klein- oder Grünzehent und Grumetzehent. Obst-, Garten— und Heuzehent waren nicht hergebracht in beiden Gemeinden. Der Großzehent war von den 4 Getreidesorten, dann von Wicken, Erbsen und Linsen zu reichen; der Kleinzehent von Kraut, Rüben, Flachs, Hanf und Kartoffeln, der Grumetzehent nur von einigen Wiesen. Das Verhältnis von Heu zu Grumet war in Graßlfing 3 : 1, in Grafentraubach 4 : 1. — Die zweite Frucht eines Jahres wie Obersaat, Herbstrüben, dann auch die Futterkräuter in der Brache waren zehentfrei. Novalzehent zur Pfarrei von Neubrüchen war eingeführt. Der Blutzehent war in Grafentraubach und Obergraßlsing von Lämmern, Gänsen, Enten und Hühnern, in Untergraßlfing außerdem auch noch von Spanferkeln zu reichen. Es wurde das 10. Stück genommen und von einem Jahr ins andere hinübergezählt.
Sehr einschneidend wirkte sich oft das Scharwerkrecht der Hofmarken aus, neben dem natürlich auch noch das des Herzogs bestand. Es bestanden 1836 ordinäre Scharwerkgelder für frühere in Natura zu leistenden, jetzt abgelöste Scharwerke. Es gab damals Frongeldbeiträge und noch Naturalfronen. Die letzteren waren teils gemessen, teils ungemessen. In beiden Gemeinden hatten Menatbesitzer jährlich bestimmte Getreidefuhren nach Regensburg, Landshut oder Straubing zu leisten und erhielten für die Fuhre 1 Metzen Hafer und 12 kr. in Geld von der Gutsherrschaft. Die Kleingütler in Graßlfing hatten einen ungemessenen Handdienst, welcher in Getreitefassen bestand, aber um 1830 mit 18 kr. entrichtet wurde. In beiden Gemeinden war Scharwerken mit Rossen je nach Hoffuß, oder mit Schaufel in den alten Scharwerkbüchern aufgeführt. Daneben bestand die Weiberscharwerk, nämlich Spinnen von 2——3 Pfund Flachs für die Herrschaft. Diese Leistung ist 1836 nicht mehr erwähnt, also vielleicht schon abgelöst durch Geldleistung.

Die Jagdscharwerk bestand darin, daß die Pflichtigen bei Treibjagden der Gutsherrschaft dienen mußten. Dieser Handdienst war gemessen und jährlich auf 2 Tage festgesetzt. Von den Pflichtigen erhielt jeder ½ Maß Bier und einen Kreuzer Vrot. Im 18. Jahrhundert findet sich als Pflichtleistung auf den meisten Anwesen die Haltung eines Hundes für die Herrschaft (darunter auch Windspiele). Solange es in Natura geschah, war die Last nicht so groß, da sich schließlich jeder Bauer einen Hofhund hält, aber später wurde die Pflicht durch Zahlung von l——2 fl. jährlich ersetzt — eine empfindliche Hundesteuer!
Schließlich waren Abgaben in Geld und Naturalien in verschiedensten Formen und unter den verschiedensten Titeln an den Hofmarks- und Gerichtsherrn zu leisten, z. V. den sogenannten Kucheldienst, d.s. Pflichtlieferungen an Eiern, Schmalz, Käse, Geflügel in die Herrschaftsküche.

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An Vogteigefällen gab es: Vogteizinsen, Vogteihühner, Vogteigetreide und Vogteisemmeln je nach Hof verschieden. Diese gehörten für Vogtei, d. h. polizeilichen Schutz.
Nach dem Briefprotokoll 1618 im Archiv Sünching hatte die Herrschaft von Grafentraubach zu beurkunden betreff: Heiratsverzeichnis, Verträge über väterliches oder mütterliches Erbe, Geding um Verrichtung der Scharwerk, Schuldbriefe, Quittungen, Bürgschaften, Kauf und Verkauf, Vormundschaft, Uebergabe und Uebernahme, Heiratsbriefe, Verstiftung der Schmiede, Schuldbriefe, Vormundschaftsgeld, Vormundschaftsquittung, Leibrechtverleihung und ähnliche Sachen.
Als Probe der Rechtsprechung seien einige Fälle mitgeteilt: 1694 z. B. Ein Bauerssohn einen anderen mit ziemlichen Streichen traktiert 5 = 5 fl. 42 kr. Ein Gütler hatte 4 Gänse verkauft und nicht angefailt 8 kr. 4 fl., der Wirt von Lw. hatte im Wirtshaus zu Grafentraubach zwei Dirnen eine Tasche (Ohrfeige) gegeben, weil diese seine Frau eine gelbe Wirtin geheißen ½ Der Müller von Steinkirchen hatte auf dem Kirchweih auf der Gred der Wirtsdirn eine Goschen beigemessen, dadurch den Kirchtagfrieden gebrochen 5 und weil er sakramentiert, obgleich für derlei Delikt die Schandsäule gehört, so hat man ihn doch bloß um 2 und weil er etlichmal geschossen hatte um 4 β ₰ bestraft. Auch hat er seinen Mühlknecht geschlagen und blaue Augen gemacht, aber in Güte verglichen 1 ₰. Mehrere wurden mit Roßen gepfländet je 8 kr 4 hl. Ein Metzger, der eine Frau bei den Zöpfen gerissen, niedergeworfen und mit Fäusten geschlagen 34 kr 2 hl. Ein Bauer hatte einen Ochsen gekauft und nicht angefailt 34 kr 2 hl. Der Wirt hatte einem Weber eine Gosche gegeben 2 β ₰ = 17 kr. 1 hl. Eine Taglöhnerstochter hatte Leichtfertigkeit getrieben und ist geschwängert worden: 3 Tag Schellen- und Geigenstrafe und 5 in Geld.
Ein Söldner hatte einen anderen ohne Beweis einen Leutebetrüger genannt, mußte widerrufen und 34 kr. 2 hl. Strafe berappen. — Und nun einige Strafen von 1735. Einer hatte im Wald 15 Zaunstängl abgehauen 1 Pfd. ₰ Stein = 1. fl. 3 kr. 4 hl. Der Mesner von Inkofen hatte einen Huber von Grafentraubach mit Schlägen im Wirtshaus traktiert, punktiert mit 4 β = 34 kr. 2 hl. Der Wirt von Etr. hat mit seinem Bruder ein trockenes (= unblutiges) Geräuf gehabt: 1 Pfd. ₰ Ein Knecht des Pfarrers hat der Oberdirn ein blaues Auge geschlagen ½, Pfd. Ein Bauer hat einen andern einen Schelm geheißen ½ Pfd. ₰ Strafe. Der Wirt von Grafentraubach ist einem Bauern in die Haare gefahren 2 β ₰. Ein Bauerssohn von Zeislhof hatte bei der Schloßdirn kammerfensterlt 1 Pfd. Ein Söldner hatte seiner Schwägerin eine Schelle gegeben 2 β ₰. Eine Person wegen unerlaubtem Verhältnis und geschwängert: 8 Tage Gefängnis und 3 Pfd. Wegen trockener Rauferei mehrere zusammen 1 Pfd. 43 ₰. Weil mehrere über angebautes Feld fuhren 1 Pfd. u.s.w. — Man sieht, es war damals nicht viel anders, wie heute.
Man hört hier die uralten Wertbezeichnungen Pfund () Schilling (β) und Pfennig (₰). 1 Pfund hatte 8 Schilling, 1 Schilling 30 Pfg.,

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1 Pfund also 240 Pfg. Pfund und Schilling waren nur Wertbegriffe, also keine wirklichen Münzen. Geprägt wurden damals nur Pfennige. Unter diesen Pfennigen dürfen wir uns aber nicht die Kupfermünzen unserer Zeit vorstellen. Sie waren aus Silber und hießen zuerst Denare, hatten gewöhnlich einen Durchmesser von 2 cm und ein Gewicht von 1 bis 1½ Gramm. Jahreszahl war keine eingeprägt. Die ältesten Denare (₰) wurden in Regensburg geprägt, kupferne Pfennige wurden in Bayern erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geprägt, später auch Heller = halbe Pfennige, die ursprünglich Häller hießen und ihren Namen von der damaligen Kupferbergwerkstadt Hall in Tirol erhalten hatten.
Von der Hofmark hören wir noch mehr im 5. Teile.

Die Gemeindeverhältnisse in neuerer Zeit.

Seit Beginn des vorigen Jahrhunderts trat allmählich ein Wandel in den Verfassungen der Gemeinden ein. 1818 kam in den Landgemeinden die Einführung der Gemeindeverwaltungen, bestehend aus dem Vorsteher (Vorstand) und dem Ausschuß (Bevollmächtigte, Beigeordnete, in unseren beiden Gemeinden je 4). Sie wurden alle drei Jahre gewählt.
Die Bewegung von 1848, welche die teilweise Aufhebung sowie die Fixierung und Ablösung der bleibenden bäuerlichen Grundlasten (durch Bodenzinse!) brachte, machte sich auch auf diese Gebiete geltend. Der Gemeindeausschuß, nicht mehr bloß aus 3, sondern auf 6 Jahre gewählt, und für besondere Fälle die Gemeindeverscunmlung bekamen in den Landgemeindem srüher ost Nuralgemeinden genannt, größere Selbständigkeit in der Verwaltung.
Als Gemeindevorsteher fungierten in Grafentraubach:
1830/3 Massinger Simon, 1833/6 Neumayer Josef, 1836/9 Amer Mathias, 1839/42 Neumayer Benedikt, 1842-45 Massinger Simon, 1845/48 Steinberger Michael. Der Wechsel war jeweils im Oktober.
1848 wurde Hartl Franz, 1857 Schindlbeck Josef, 1860 Wittmann Josef, 1866 Neumayer Simon Gemeindevorsteher.
In Graßlfing fand ich folgende Vorsteher: 1830 Meyer Anton, 1833 Kröninger Andreas, 1836 Weber Georg, 1839 Meyer Anton, 1842 Hemauer Andreas, 1845 Holzer Bartl. — Nach 1848 aber: Rothmayr Josef, 1854 Meyer Georg, 1857 Meyer Anton, 1862 Stierstorfer Jakob, 1866 Harlander Xaver, 1867 Hemauer Josef.
In Grafentraubach hatte 1830 der Vorsteher 15 fl, der Gemeindeschreiber (Lehrer) 8 fl jährlichen Gehalt; unt 1865 der Vorstand 22 fl, der Gemeindeschreiber 18 fl jährlich. — Die Aufnahmegebühr war 1836 für 1. Klasse 9 fl, für 2. Klasse 5 fl. — In Grafentraubach wurde 1858 für den Gemeindediener ein Säbel nüt Koppel beschafft.
In noch freierem Geiste ist die Gemeindeordnung vom 29. April 1869 abgefaßt. Sie brachte das Bürgerrecht auch in den Land-

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gemeinden. Das Stimmrecht richtete sich nach der Höhe der Steuer und nach Größe des Grundbesitzes. Der Gemeindevorsteher heißt vom l. Januar 1870 ab Bürgermeister. Die Gemeinden erhielten neue Siegel mit der Umschrift: „Verwaltung der Landgemeinde Grafentraubach” (bezw. Graßlfing). Der Gemeindeausschuß erhielt statt 4 jetzt 6 Mitglieder. Für die Erwerbung des Bürgerrechts wurden gestaffelte Gebühren eingeführt. Mit 1. Januar 1876 ging die Führung der standesamtlichen Register, als welche bis dahin die pfarramtlichen Matrikeln galten, an die Gemeinden über. Die Revolution 1918/19 brachte die Gemeinderäte, die Machtergreifung der NGDAP das Führerprinzip. Jetzt verwalten die Bürgermeister in voller und ausschließender Verantwortung, die Gemeinderäte haben nur mehr beratende Tätigkeit.
Bürgermeister waren
in Grafentraubach: 1870 Beutlhauser Josef, 1876 Maier Mich., 1882 Heinrich Michael, 1888 Wittmann Josef, 1902 Hebensperger Josef, 1906 Littich Peter, 1919 Hebensperger Josef, 1930 Brunner Xaver, 1933 Maier Michael;
in Graßlfing: 1870 Hemauer Josef, 1876 Rottmeier Johann, 1882 Angerer Xaver, 1888 Rottmeier Joseph, 1900 Stadler Georg, 1912 Kröninger Xaver, 1930 Rottmeier Xaver, 1933 Ramelsberger Josef, 1934 Rottmeier Xaver, seit 25. Mai 1936 Schindlbeck Xaver.
Zur Deckung der Gemeindeausgaben wurden, soweit nicht die Eingänge aus Gemeindevermögen reichten, Umlagen (im 18. Jahrh. auch Anlagen genannt) eingebracht und je nach Bedarf mehrmals im Jahre eingehoben, früher nach dem sogen. Hoffuß, seit Neuordnung des Steuerwesens vor 100 Jahren nach dem Steuergulden. Vom Steuergulden wurden 3—l0 kr je nach Bedarf öfter erhoben, auch die Distriktsumlage. In Grafentraubach hatte Steinkirchen und Scharn Schulumlagen zu zahlen.
Die Bevölkerungsziffer der Gemeinden bis vor 100 Jahren (1838) kommt in der kirchlichen Geschichte (3. Teil) wiederholt zur Sprache. 1863 waren die Ziffern: Gemeinde Grafentraubach 355 Einwohner in 57 Häusern, Steinkirchen 59 Einwohner in 10 Häusern Zeislhof 12 Einwohner in drei Häusern. Gemeinde Graßlfing 205 Einwohner in 31 Häusern.
50 Jahre später (1913) waren die Ziffern: Grafentraubach 464 Einwohner in 71 Häusern, Steinkirchen 72 Einwohner in 10 Häusern, Zeislhof 33 Einwohner in 6 Häusern, Graßlfing 240 Einwohner in 33 Häusern.
1938 zählte die Gemeinde Grafentraubach 570 Einwohner in 91 Häusern, Gemeinde Graßlfing 214 Bewohner in 33 Häusern, Steinkirchen 64 Bewohner in 10 Häusern.
1936 hatte Grafentraubach 530,70 ha Garten- und Ackerland, 101,82 ha Wiesen, 540,75 ha Wald, 3,56 ha Streuwiesen und Ödland, 14,78 ha Gebäude, Wege, Gewässer, Friedhof und Sportplatz;

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also 1191,61 ha. Graßlsing hatte 886,90 ha Garten- und Ackerland, 70,40 ha Wiesen, 74,60 ha Wald, 6,75 ha Ödland sowie 4,50 ha Gebäude— und Hofflächen, ferner den Friedhof.

Der rasche Zuwachs in Grafentraubach in den letzten 50 Jahren ist hauptsächlich eine Folge des ständigen erfreulichen Anwachsens der Maierischen Unternehmungen Im Jahre 1938 fand die Siedlungstätigkeit daselbst einen neuen Auftrieb. Die Gemeinde erwarb vom Baron Höning O’Caroll an der Straße nach Mallersdorf ein Grundstück zu 2 Tagwerk, das Dezimal zu 15 RM und teilte es in 11 Bauplätze auf. Mit Beginn 1939 ist die Bebauung von 8 Parzellen in Angriff genommen. Jedes Haus enthält 5 Wohnräume, Keller, Abort, Stallung, Waschküche und Holzlege und dabei einen Garten.

Wohlfahrts- und Gesundheitspflege.

Das Armenwesen war ursprünglich der christlichen Nächstenliebe überlassen. „Almosengeben macht nicht arm”, sagte man. Und noch heute basiert auf dem Gedanken der christlichen Nächstenliebe die sogenannte freie Liebestätigkeit. Bei Leichen-, Hochzeits— und Jahrtagsgottesdiensten erhielten die Armen sogen spenden. In älteren Jahrtagsstiftungen sind solche eigens eingesetzt.

Wenn wir die hiesigen Pfarrmatrikeln durchlesen, so finden sich namentlich in den unruhigen Zeiten des 17. und 18. Jahrhunderts fast Seite für Seite Einträge von Bettlern oder armen Leuten. Freilich soweit es nicht Vaganten, sondern Ortsansäßige waren, waren es durch Alter oder durch körperliche oder geistige Gebrechen Behinderte. Wer arbeiten konnte, hatte hiezu Gelegenheit bei den hiesigen Bauern. Die größeren Anwesen, namentlich die Einöder, hatten eigene Häusl, in denen sie ärmeren Volksgenossen Herberge gaben, wogegen diese bei ihnen gegen ortsüblichen Taglohn zu arbeiten hatten. So waren in Arnkofen neben dem Hof noch 3 Meierhäusl, in Zeislhof und in Kreuth je eines, in Scharn 2 Meierhäusl. —- Mit arbeitsfähigen Arbeitsscheuen hatte man kein Mitleid.

Ein großes Elend war es mit den invaliden Soldaten, die zahlreich mit Frau Und Kind Land auf Land ab fochten. So kam 1710 ein Soldat Leitmaier bettelnd durch, 1713 ein gewisser Pichlmayer, 1725 wurden Zwillinge eines Kriegsinvaliden aus Pilsting getauft, 1733 ein schwäbischer Soldat, heimatlos und sehr arm. Nach dem österreichischen Erbfolgekrieg hören wir 1746, 1748, 1754, 1760 von solchen, das sind aber nur jene Fälle, die einen Niederschlag in den Matrikeln fanden, ungezählt sind die anderen.

Ein anderes Zeichen von Elend und Verkommenheit sind die Findelkinder. 1709 wurde eines unter die Dachschar des Schusters Buchrudmayer gelegt, 1742 eines beim Schuster Holzapfel, 1777 in den Bäuschlhaufen beim Massinger. Am 23. Dez. 1738 wurden in einem Grabe begraben ein Bräubursche aus Kitzbüchl und eine arme Frau,

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die auf der Bettelfuhr hieher gebracht und schon tot war. 1742 starb unbekannt, ungenannt und unversehen ein Bettler usw.

Schon frühzeitig mußte neben der christlichen Nächstenliebe die gemeindliche Fürsorge eingreifen, wenn und wo die Not zu groß wurde. Freilich suchte man die Ansäßigmachung von Bettelleuten zu verhindern, auch durch Strafmittel seitens des Hofmarksherren. Beispielsweise wurde 1694 einer mit ½ lb. bestraft, weil er Schinderleute beherbergt und als das Weib Mutter geworden, es nicht angezeigt hatte; ein ähnlicher Fall wird 1735 berichtet. Namentlich die Einöder kamen oft aus diesem Grund in Konflikt mit der Ortspolizei, und das noch im vorigen Jahrhundert, wie Strafgelder in den Gemeinderechnungen beweisen.

Aber anderseits finden wir in den Gemeinderechnungen des 17. und 18. Jahrhunderts Ausgaben für Armenzwecke, für Kleider, Schuhe, Heilbehandlung und Begräbniskosten. Für Lebensmittel und Holz fand ich aber aus jener Zeit keinen Posten, die Ortsarmen wurden auf Umkost und Hausbettel und Klaubholz verwiesen. Die Umkost für Ortsarme wurde um 1827 und noch 1927 z. B. in Graßlfing nach dem Steuerfuß eingeteilt, wobei in Untergraßlfing der Anfang gemacht wurde. Der Umkostler wohnte und starb (z. B. 1840) bei seinem jeweiligen Kostgeber, der ihm aber eine gewisse Beschäftigung zuweisen konnte.

Der arme Mooshamer, der 1726 starb, hatte mehrere Jahre der Gemeinde auf der Kasse gelegen. 1769 hatte die Wallnerin dem alten kranken gräfl. Jäger aufgewartet. Sie bekam hiefür 2 fl. 45 kr. Man wandte sich an den Grafen nach Sünching um Übernahme des Kranken; aber schließlich erwuchsen „Expensen” (Ausgaben) in der Höhe von 42 fl. 30 kr. zu Lasten der Gemeinde. Das waren die schwereren Fälle im 18. Jahrhundert. Vor 100 Jahren hatte die Gemeinde Grafentraubach für mehrere Irre, damals Irrwander geheißen, unterstützend einzuspringen.

Als 1841 von der Herrschaft das sogen. Neuhaus um 700 fl. erworben wurde, tat man dies nicht nur, um Raum für ein Schulzimmer zu bekommen, sondern auch Wohnungen für ärmere Leute. 1842 waren 4 Parteien untergebracht, welche aber einen mäßigen Mietzins bezahlen mußten: zusammen jährlich 17 fl. (= ca. 29 ℳ). Seitdem sind die Ansprüche an die Armenkasse von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gestiegen, sie betragen in Grafentraubach 1938 rund 700 ℛℳ.

1881 wurde ein Verein gegen Hausbettel gegründet, der sich so bewährte, daß die Gemeinde Grafentraubach 1882 die Kosten übernahm. 1930 wurde wieder das Ortsgeschenk eingeführt. Das Winterhilfswerk hat in den letzten Jahren den Hausbettel fast zum Verschwinden gebracht.

Für die Gesundheitspflege hatten die Bader in alter Zeit eine höhere Bedeutung als heute, wo sie ohnedies auf den Aussterbeetat

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gesetzt sind. Sowohl in Grafentraubach als in Graßlfing waren vor dem 30 jährigen Kriege Badstuben. Die Ehaft des Baders von Grafentraubach ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Die Badstuben mit ihren Bädern sollten der Volksgesundheit nützen, allein die mangelnde Reinlichkeit förderte nicht selten die Übertragung von Krankheiten. Auch standen vielfach die Badstuben im Rufe der Sittenlosigkeit, weshalb anständige Leute sie mieden und allmählich das Baden in denselben abkam. Damit blieb von den alten Badstuben nur der Name Bader. In Graßlfing war schon nach dem 30 jährigen Krieg kein Bader mehr. 1752 heißts von der Grafentraubacher Baderei: Eines Baders Verdienst ist hierorts sehr schlecht und das Bad ohnehin hoch genug (mit Lasten) belegt, als daß es neue Lasten übernehmen könnte. Bei Einführung der Gewerbesteuer vor 120 Jahren wurde die hiesige Badergerechtssame als Realrecht erklärt. Wenn man aus dem hiesigen Sterbebuch einen Schluß ziehen darf, genoß der damalige Bader wenig Vertrauen seitens der Leute, da diese lieber fremde Bader beehrten, soweit sie es nicht vorzogen ohne Bader oder Doktor zu sterben. Ein Arzt war damals in Pfaffenberg und in Sünching. Wieviel Leute aber zu Quacksalbern oder Schindern gingen, davon berichtet das Sterbebuch nichts. Heute ist ja der Werteiner ärztlichen Behandlung mehr geschätzt als noch vor 100 Jahren.

Eine wichtige Person für die Volksgesundheit ist eine tüchtige Hebamme. Deshalb hat sich der Staat für deren Ausbildung schon seit 150 Jahren besser eingesetzt. Unsere Gemeinden mußten laut Gemeinderechnung für die Ausbildung von Hebammen des Gerichts Pfaffenberg Beiträge leisten, auch wenn diese nicht am Orte oder in der Nachbarschaft ansäßig waren. Für die Bezirkshebamme hatte Grafentraubach jährlich (um 1830) 5 fl. 42 kr. Sustentationsbeitrag zu leisten, damals wohnte dieselbe (Selbeck) in Grafentraubach. Bis 1864 hatte sich dieser Beitrag auf 12 fl. 54 kr. erhöht.

Aus der Unglückschronik der letzten zwei Jahrhunderte seien einige Einzelheiten gebracht. 1630 fiel der Wagner Dionysius Distlmayer vom Kirschbaum und starb 8 Tage darauf. 1665 starb das Kind des Hofbauern Martin Krempl, das über den Herd gekrochen und in den Kessel mit kochendem Saufutter gestürzt war, obwohl die Eltern anwesend waren. 1674 kam eine gewisse Marg. Neumaier auf dem Wege von Rottenburg nach Laberweinting hier durch, übernachtete hier und starb „gellings”. 1681 starb im Stall des Hofbauern ein 43 Jahre alter Mann, der zuviel (Branntwein ?) getrunken hatte. 1691 wurde Ulrich Stadler totgefunden, der in der Fallsucht in den Gsotthaufen gefallen und erstickt war. 1700 und öfter hören wir, daß Frauen in Kindsnöten ihr Leben lassen mußten. 1713 fiel ein Wolfg. Oberhofer, ein sehr braver Mann, in den Brunnen und ertrank. 1714 starb plötzlich in Steinkirchen eine 19 jährige Hausiererin aus Maria-Einsiedeln. 1729 wurde die Bauerstochter Kath. Neumaier aus Graßlfing in Allkofen im Freien tot aufgefunden, der Tod wurde dem vielen Wasser und sehr kaltem Wetter zugeschrieben (31. I.).

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1741 starb unvermutet in Scharn ein aus Altötting heimkehrender Wallfahrter von Wörth. 1744 wurde die 24 jührige Schneiderin Dirnbauch erschossen, nicht gesagt von wem. 1761 wurde in Bömhart ein Bräubursch aus Zwiesel tot aufgefunden. 1784 fiel der Hirtknecht von Obergraßlsing infolge hinfallender Krankheit in eine Lacke und ertrank. 1758 war in gleicher Krankheit in der Mühle zu Grafentraubach ein Knecht verunglückt. 1802 erhängte sich im Wald bei Obergraßlfing aus Trübsinn der Schneider Math. Herck. 1804 ertrank ein 2 Jahre altes Kind Jak. Hartl. 18. 3. 1812 erhängte sich in Trübsinn ein Bauer. 29. 6. 1819 wurde der Gerichtsdienersknecht Lor. Weixlmann von einem Delinquenten auf dem Transport erstochen. 2. 3. 1828 verunglückte der Komiker und Musikant Sebastian Schlosser aus Kemnat. 24. 7. 1829 erstürzte sich zur Nachtzeit Andr. Häring. 9. 1. 1835 brach sich ein 8 jähriger Schulbub den Schädel. 20. 9. 1835 verwundete die Weihmüllerin ihren Mann so, daß er starb. 13. Juni 1837 starb sein allzuschneidiges Weib im Zuchthaus 7. 2. 1836 stürzte vom Schlag getroffen ein Mann ins Wasser und ertrank. 25. 1. 1851 wurde auf der Herrgottswiese ein Fuhrknecht aus Geiselhöring von einem Holzfuhrwerk erdrückt.

Die vielverrufene Raufsucht der Niederbayern wird übertrieben, wie schon ein Blick in diese Unglückschronik oder in die Amtsrechnungen der Hofmark zeigt. Schwere Fälle fand ich nur einen: 1746 erhielt der Wagner Mayer von Grafentraubach nachts mit einem Prügel einen solchen Schlag, daß er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, tags darauf starb.

Eine Krankenkasse für die Dienstboten bestand schon längere Zeit vor 1857. Damals mußten sie ihre Beiträge an das Krankenhaus in Sünching bezahlen. In den letzten Jahrzehnten hat sich allgemein die gesetzliche Regelung durchgesetzt, sodaß jeder Arbeiter und Dienstbote gesetzlich versichert ist.

Wichtig für die Volksgesundheit ist gutes Wasser. Früher wurde es fast nur aus Brunnen gewonnen. 1905 wurden in Untergraßlfing 13 Häuser mit laufendem Wasser versehen. 1912 ließ Pfarrer Zeiler im unteren Teil von Grafentraubach eine Quellwasserleitung erbauen, der sich 14 Häuser anschlossen. Für das obere Dorf verhinderte der Weltkrieg die Erbauung eines zweiten Netzes, da man keine Rohre bekam. Eine Hochdruckwasserleitung für Wasserversorgung und Feuersicherheit ist zwar stiller Wunsch, doch muß bislang wegen anderer gemeindlicher Bedürfnisse zunächst die Sache zurückgestellt werden.

Die Bauweise.

Der Germane hatte eine Abneigung gegen die Bauweise aus Stein oder Ziegel, welche er bei den Römern sah. Diese wandte er nach seiner Einwanderung zunächst nur bei Burgen und Kirchen an, und da erst allmählich, so daß eine Kirche aus Stein (Ziegel) etwas so Auffallendes und Rares war, daß sie einem Orte, an dem eine solche erbaut wurde, den Namen gab, was bei unserem Steinkirchen der

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Fall war, wo dieser Name sicher einen älteren, vielleicht vordeutschen, verdrängte. Für Wohn- und Wirtschaftsgebäude blieb man beim überlieferten Holzhaus, der für unser Klima geeigneter war. Öfen kannte man selbst in Bürgershäusern erst seit Ausgang des Mittelalters, auf dem Lande hatte man um letztere Zeit häufig nicht einmal Kamine, der Rauch der offenen Küchenherde mußte sich seinen Ausgang durch eine Dachlucke suchen. Fensterscheiben waren noch ein Luxus; die kleinen Fensteröffnungen wurden bei Kälte verhängt oder, wie auch bei Nacht, durch Läden verschlossen. Die Dächer waren gewöhnlich aus Stroh, seltener mit Leg- oder Schneidschindeln gedeckt. Bei dieser gefährlichen Bauart des Mittelalters kam es oft zu Bränden, weshalb die Obrigkeit endlich aus gemauerte Kucheln und Rauchfänge drängte unter Strafandrohung. Aber trotzdem war die Bauweise noch recht gefährlich, weshalb unter anderem die Obleute die Rauchfänge alljährlich wiederholt beschauen mußten. 1735 wurden mehrere Leute um je 2 Schilling bestraft, weil sie gegen des Amtmanns Verbot bei großem Wind die Backöfen zum Obstdörren geheizt hatten. Ebenso war strafbar, wer mit offenem Licht oder gar brennendem Kienspan in den Stall oder Stadel ging.

Die Holzbauweise der bäuerlichen Anwesen hatte sich zu einem sehr malerischen Stil entwickelt. Fast jedes Haus hatte seinen Schrott, die kleineren einstöckigen an der Giebelfront, die zweigängigen auch noch längs der Hofseite. Als Beispiel bringen wie den 1709 erbauten Pfarrhof. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich die nüchterne Ziegelbauweise eingefürt, hauptsächlich im Interesse der Feuersicherheit. Nach einer Aufstellung von 1810 waren in Grafentraubach damals außer dem Schloß und Kirche, die mit Ziegeln gedeckt waren, noch 48 Gebäude, von denen nur der Amerbauer mit Ziegeln gedeckt war, 46 waren mit Schindeln und ein kleines Häusl mit Stroh gedeckt. Von den 14 Scheunen waren 6 mit Schindeln, 8 mit Stroh gedeckt. Noch 1850 waren Häuser und Nebengebäude fast durchwegs aus Holz. In Obergraßlfing hatte nur die Kirche Ziegeldach, 13 Häuser hatten Schindel-, 3 nur Strohdach, von den 7 Scheunen hatte nur eine Schindel—, die anderen Strohdach. In Dürrnhettenbach hatte die Kirche Ziegel-, die 10 Wohnhäuser und 3 Scheunen Schindeldach, 3 Scheunen waren mit Stroh gedeckt. Ähnlich war es in Steinkirchen: Kirche Ziegel-, 11 Häuser und 1 Scheune Schindel-, 7 Scheunen Strohdach.

Man muß sich nur wundern, daß nicht mehr Großbrände vorkamen bei solcher Bauweise. 1695 war ein solcher, dem 2 Bauernund 3 Söldneranwesen vollständig zum Opfer fielen. Bald darauf scheinen wiederholt Brände vorgekommen zu sein, weshalb seit 1715 alljährlich von der Gemeinde Grafentraubach ein S. Florianiamt bestellt wurde. l689 wurde beim Mairecht der Gemeinde Grafentraubach der vorjährige Befehl Feuerleitern und -Haken beizuschaffen, unter Androhung von 3 Pfd. ₰ Strafe nochmals eingeschärft. 1712 wurde in Grafentraubach eine Feuerleiter gemacht, zu der der Zimmermann

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mann 2½ Tage brauchte und 50 kr. Lohn erhielt, der Schmied 20 kr. und der Wagner 12 kr. Die muß schon recht fest gewesen sein. Auch lederne Feuereimer hatte man. In Feuersnot empfindet man es wohltätig, daß der Traubach in Grafentraubach durchs Dorf läuft. Als es 1839 beim Josef Steinberger brannte, zahlte die Gemeinde an auswärtige Helfer, welche beim Löschen fleißig arbeiteten, beim Wirt für Bier und Brot 2 fl. 15 kr. Nach dem Brand mußten Feuerhaken und Leiter ausgebessert werden. 1846 wurde eine Handfeuerspritze um 14 fl. 34 kr. angekauft.

In älterer Zeit wurden niedergebrannte Anwesen öfters nicht mehr sobald aufgebaut, sondern jahrzehntelang des Rechtes halber als „Brandstatt” weitergeführt, die als eigenes Haus galt und jederzeit wieder aufgebaut werden konnte obne besondere Genehmigung der Herrschaft. Eine solche „Brandstatt” war z. B. beim hiesigen Wirtsanwesen, oder in Graßlsing 1659 bei einem Bauernhof. Eine „Brandstatt” hatte bei Gemeindegrundverteilung 1 ganzes Recht.

1875 wurde dahier die Freiwillige Feuerwehr gegründet, nachdem schon das Jahr vorher die Vorbereitungen getroffen worden waren. Die Kirchenstiftung Graßlfing gab auf Ansuchen 200 ℳ Zuschuß, auch Graf v. Seinsheim 1878 beschloß der Gemeinde-Ausschuß von der Intendantur des I. Armeekorps 34 Stück Kürassierhelme je 1 ℳ für die Feuerwehr zu bestellen wegen des geringen Preises und um eine Erinnerung an die ehemaligen tapferen Kürassiere (nunmehr schwere Reiter) zu haben. 3 Jahre nach der Gründung wurde eine sogen. Engelhardtspritze und auch eine Fahne angeschafft, sowie das Feuerhaus erbaut. Eine 2. Löschmaschine wurde 1912 von Gug in Straubing erkauft. Erster Feuerwehrkommandant war Lehrer Johann Auer, der die Stelle bald dem Bauern Xaver Steinberger abtrat. 1924 wurde um 470 ℛℳ eine neue Fahne gekauft und feierlich geweiht unter Beteiligung der Feuerwehren der Umgebung. Fahnenmutter war Bäuerin Anna Stadler von Arnkofen. 1936 beging man das 60 jährige Stiftungsfest bei Wirt Littich und wurde hiebei dem einzig überlebenden Gründungsmitglied Peter Littich die goldene Ehrennadel überreicht.

1938 erbaute die Gemeinde Grafentraubach mit einem Kostenaufwand von rund 3000 ℛℳ ein neues Feuerhaus mit Trockenturm.

In Graßlfing besteht die Freiwillige Feuerwehr seit 18. Mai 1875. Sie besitzt seit 1880 eine Spritze, eine zweite wurde 1928 erworben, letztere mit Sauger. Seit Bestehen hatte die Wehr bei 4 Bränden in der Gemeinde einzuspringen. Fahnenweihe war 1910, Patenverein Freiw. Feuerwehr Niederlindhart. 1891 wurde in Untergraßlfing eine Wasserreserve um 144 ℳ gebaut, auch wegen Feuersgefahr 1895 wurde die Chargenwahl für die Feuerwehr nicht durch diese, sondern durch die Gesamtgemeinde vorgenommen. 1924 machte die Feuerwehr Graßlfing in Grafentraubach bei der Fahnenweihe Patenverein. 1928 wurde das Schlauchmaterial ergänzt und erneuert.

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Die Gemeinde Grafentraubach

Die Kriegsjahre 1939/45 gingen auch am Gemeindeleben nicht spurlos vorüber. 1942 wurde Peter Littich Bürgermeisternachfolger von Michael Maier. Von 1945 bis 1948 war erster Bürgermeister Karl Massinger. Die ersten Wahlen 1948 brachten wieder Peter Littich in dieses Amt. Bis zur Gebietsreform 1972 waltete dieser Bürgermeister zum Wohle und zur Modernisierung der Gemeinde Grafentraubach. Als Gemeindeschreiber waren tätig: 1933 1937 Franz Antretter, 1938 – 1946 Josef Schindler, 1946 bis zur Gebietsreform 1972 Josef Wittmann. In der Grossgemeinde Laberweinting wurde Josef Vittmann Gemeindekämmerer bis zu seiner Pensionierung 1983. Als Fleischbeschauer in der Gemeinde Grafentraubach waren Matthias Wild und Vinzenz Hadersbeck tätig. Bis in die fünfziger Jahre wurden auch noch Schweine und Kühe gehütet. Als Dorfhirten arbeiteten Josef Kirchinger – Peter Schlagbauer -Jakob Höpfl. Nach Auflösung des Hirtenvertrages übernahm die Gemeinde Jakob Höpfl als Gemeindearbeiter.

Nachdem im Zuge der Flurbereinigung größere Mengen an Kies- und Erdarbeiten anfielen, kaufte die Gemeinde einen Fuchs-Seilbagger, welcher von Höpfl bedient wurde. Ein Blick in die amtlichen Unterlagen der Gemeindebücher sagt uns das Geschehen ab 1938.

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1942
Von Schmiedmeister Ludwig Steindl Grafentraubach wurde in Richtung Kreuth ein Grundstück zum Kiesausbeuten erworben.

1944/45
Zeigt der Gemeindehaushalt Einnahmen 54 000.—, Ausgaben 25 000.— RM.
Stier- und Eberhaltung durch die Gemeinde; 1 Stier traditionsgemäß vom Baron in Sünching gestellt, Festlegung der Deckumlage.

1946/47
Höhe des Haushaltsplanes 83 000.— RM
Da aufgrund der Bewirtschaftung Brennholz wenig war, wurde über die Gemeinde eine Brennholzumlage geschaffen. Auch der Scharwerksdienst wurde vom Gemeinderat festgelegt. Ein Ortsmilchleistungsausschuß war in diesen Jahren tätig. Gewerbeanmeldungen wurden nach der Bedürfnisfrage behandelt. Zum Schutz für Hab und Gut wurde von den Bürgern eine Wache gestellt. Der „Wachstab”, ein ca. 2 m langer Holzstab mit einer eisernen Dreizackenspitze, ging reihum von Haus zu Haus und jeder Besitzer wußte, wann er Wache zu halten hatte. Gewacht wurde nachts und während der Sonntagsgottesdienste.
Die Winterschafweide verpachtete man Karl Moll, Wellheim. Die Unterbringung war im Anwesen Maier Michael. Zu dieser Zeit werden 2 private Wasserversorgungsanlagen registriert. Im unteren Dorf sind 17 Mitglieder angeschlossen. Für diese Anlagen sind keine Pläne vorhanden.

1948
Das Jahr der Währungsreform. Für den Leichenhausneubau und die Friedhofserweiterung der Pfarrei wird ein Zuschuß gegeben und Amtshilfe geleistet. Der Zustrom von Flüchtlingen und Ausgewiesenen in die Gemeinde machen Wohnungssorgen. Ein Wohnungskommissär des Landratsamtes Mallersdorf war auch in der Gemeinde tätig. Um Wohnungen zu beschaffen, wurde eine Baracke angekauft und auf einem freien Bauplatz (heute Kinderspielplatz) aufgestellt. 4 Familien konnten darin untergebracht werden.

1949
Um den Wiesenschaden durch das wilde Baden an der Laber zu vermeiden, beschloß der Gemeinderat, für Badeplätze zu sorgen. Südlich vom Ort an der Wirtswiesen wurde für die Buben ein Bretterverschlag aufgestellt. Für die Mädchen wurde bei der Reichermühle eine Badegelegenheit errichtet.

1950
Der Gemeindehaushalt weist auf: als Einnahmen 98 300.— DM — als Ausgaben 94 500.— DM
Der Schulverbandshaushalt: als Einnahmen 4 200. —, als Ausgaben 4 670.— DM
Am 4. Juni 1950 richtete die Gemeinde mit dem Krieger- und Veteranenverein Grafentraubach die Heimkehrerfeier aus.

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1951
Nachdem der Kartoffelkäfer überhand nahm, mußte die Bekämpfung von der Gemeinde aus gefördert werden. Ein Spritzwart wurde bestellt und in Kursen geschult.

1952
Neubau des Gemeindehauses an der Graßlfinger Straße. Das alte Gemeindehaus (ganz früher war es das Schulhaus) war noch aus Holz erstellt. Neben 3 Wohnungen fand auch die Gemeindekanzlei im Erdgeschoß ihren Platz. Nun standen für die Gemeindeverwaltung zwei Räume zur Verfügung.
Die Sirene auf dem Schlauchturm des Feuerwehrgerätehauses brauchte eine Reparatur und zugleich wurde das Schutzdach darüber gebaut. Nachdem die Verschmutzung der Laber immer weiter voranging, mußte aus hygienischen Gründen ein Badeverbot erteilt werden. Im Baugebiet der Werkvolksiedlung traten die Bauwilligen den Straßengrund kostenlos an die Gemeinde ab.

1953
Baubeginn in der Werkvolksiedlung. Die Gemeindeverbindungsstraße vom südlichen Ortsausgang zur Staatsstraße 2142 wurde auf der gesamten Strecke geschottert und eingeschwemmt. Eine generelle Ausbesserung erhielten die Straßen nach Kreuth-Graßlfing und in der Gemeindesiedlung.
Beim neuen Gemeindehaus an der Graßlfinger Straße erstellte man einen Schuppen. Die Pfarrei wurde unterstützt bei der Renovierung von Kirche, Turm und Pfarrhof außen.
Bei Schneeschmelze und schwerem Regen wurden immer wieder die Anwesen entlang dem Traubach überschwemmt. Um diesem Übel abzuhelfen, gab die Gemeinde dem Wasserwirtschaftsamt Landshut den Auftrag, eine Hochwasserfreilegung zu planen.
Zum ersten Mal wurde über den Einsatz und Wert einer Dorfhelferin gesprochen.

1954
Teerung der Kreisstraße ab Abzweigung von der Staatsstraße 2142 zum und durch den Ort Grafentraubach. Finanziert wurde der Straßenbau vom Landkreis Mallersdorf, der Gemeinde Grafentraubach und der Firma A. u. M. Maier.
Das vorhandene Kriegerdenkmal bekam an beiden Seiten einen Block mit Umgang angebaut. Die beiden Blöcke links und rechts vom Denkmal tragen die Namen der Vermißten und Gefallenen des Krieges 1939/45.

1955/56
Die Flurbereinigung Grafentraubach beginnt zu arbeiten. Als eine der ersten Arbeiten wird die Bachregulierung von Grafentraubach nach Kreuth durchgeführt Dies trägt auch zur Hochwasserfreilegung im Ort bei. Der Ausbau machte den Bau einiger Brücken notwendig.

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1957
Um den Arbeiten der Flurbereinigung gerecht zu werden, wurde ein Fuchsseilbagger angekauft. Im Zuge der Bodenreform mußte auch vom Schloßbesitzer Baron Freiherr von Hoenning O’Carroll Grund abgegeben werden. Dieses Bodenreformland diente zum Aufstocken von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben. Die Bayerische Landessiedlung regte den Bau einer Nebenerwerbssiedlung im Anschluß an die Werkvolksiedlung an. 13 Bauwillige kamen zu einem Eigenheim mit einem kleinen Grundstück in der Pfingstweide. Ein reges Bauen in diesem Baugebiet begann.

1958
Das Wasserwirtschaftsamt Landshut legt den Plan auf für die Hochwasserfreilegung von Grafentraubach. An dem Widerstand von Bürgern scheiterte dieses Projekt und ist bis heute nur Planung geblieben.

1959
Das Schulhaus wird vollkommen umgebaut. Der Eingang wird verlegt. Statt der Lehrerwohnung wird ein dritter Schulraum geschaffen. Neue WC-Anlagen werden eingebaut. Die Schulmöbel werden erneuert. Bei der Einweihung steht der Umbau keinem Neubau nach.

1960/61
Die rege Bautätigkeit am Ort brachte aber auch Probleme mit. Vor allem die Wasserversorgung und das Abwasser bereiten Schwierigkeiten. In vielen Sitzungen befaßte sich der Gemeinderat mit dem Kanalbau. Dem Ing.-Büro Renner in München wurde die Planung für den Abwasserkanal übergeben. Zur besseren Wasserversorgung der Bürger schloß sich die Gemeinde dem „Zweckverband zur Wasserversorgung des Kleinen und Großen Labertales” an. Viel Unruhe gab es unter den Bürgern wegen dieser Gemeinderatsbeschlüsse. Eine Ablehnung von beiden Projekten hätte einen Baustopp der Siedlungen nach sich gezogen. Stand doch bereits ein neues Siedlungsgebiet an.

Die Gründe aus der Nebenerwerbssiedlung in der Pfingstweide werden von der Bayerische Landessiedlung an die Siedler nicht mehr weitergegeben. Neue Bauplätze stehen zum Erschließsen an. Vieleunsachliche Vorwürfe mußte sich Bürgermeister Peter Littich, der Gemeinderat und die Verwaltunganhören. Erst nach Jahren stellte sich diese Entscheidung als richtig heraus.

1962
Mit dem Ortsstraßenausbau Süd-Nord (Richtung Mallersdorf-Graßlfing) wird auch der I. Bauabschnitt der Kanalisation erstellt. Die Ortsstraße bekam eine Teerdecke. Zur Sicherung der Fußgänger wurde auch einseitig ein Gehweg gebaut.
Die vorhandene Straßenbeleuchtung wird erweitert und auf Neonlicht umgestellt.

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1963
Die Kanalisation wird weitergebaut im Bauabschnitt II. Am östlichen Ortsrand wird auf den Grundstücken von Michael Maier neben dem Reichermühler Weg ein Erdklärbecken gebaut.

1964
Fertigstellung der Kanalisation im Bauabschnitt III. Ein großes Bauwerk wurde fertiggestellt. Die Abwassersorge war gelöst. Das Erdklärbecken wurde jedoch nur für eine vorläufige Regelung von der Regierung genehmigt.

1965
Nach vielen Gesprächen war es nun soweit. In einer Versammlung in Grafentraubach wurde der Dorfhelferinnenausschuß gegründet. Neben der Gemeinde Grafentraubach waren folgende Gemeinden Mitglied: Haader, Hadersbach, Laberweinting, Niederlindhart und Sallach. Genaue Darstellung in diesem Buch unter „Dorfhelferin-Station Grafentraubach”.

1966
Aus- und Neubau der Gemeindeverbindungsstraße Grafentraubach – Kreuth – Scharn. Der Straßenbau nach vollzogener Flurbereinigung, machte langwierige Grundstücksverhandlungen notwendig. Die Vollendung dieses Straßenzuges mit Anbindung an die Kreisstraße Mallersdorf-Upfkofen eröffnete eine Verkehrsanbindung an den größeren Ort Schierling, ja sogar der Weg nach Regensburg wurde kürzer. War doch früher das nahe Holztraubach nur auf Umwegen zu erreichen. Später wurde die Straße vom Landkreis übernommen.

1967
Nachdem die Pfingstweide als Baugebiet (Gründe der NE-Siedlung) zur Verfügung stand, mußte ein Flächennutzungsplan erstellt werden. Die Planung wurde von der Landesplanungsstelle ausgeführt. Aus dem Flächennutzungsplan wurde dann auch der Bebauungsplan „Baugebiet Pfingstweide” erstellt. Wieder hatte Bürgermeister Peter Littich, der Gemeinderat und die Verwaltung eine Menge Verhandlungen durchzuführen. Die Erweiterungen der Bebauung in den folgenden Jahren in diesem Ortsteil, waren der Beweis für die Richtigkeit dieser Planung. Der Grund wurde von der Gemeinde erworben, vollkommen erschlossen (Kanal – Wasser – Strom – Telefon – Straßen und Gehwege) und an Bauwillige verkauft. Zugleich wurde auch der Ausbau des Ortsnetzes vom Zweckverband zur Wasserversorgung des Kleinen und Großen Labertales vorgenommen. Von vielen älteren Bürgern konnte in Erfahrung gebracht werden, wie oft in den früheren Jahren ein Anlauf gemacht wurde, eine Wasserleitung zu bauen. [Druckfehler] keine Einigung zu erreichen. Nun war auch
dieses Problem gelöst. Wied-[Druckfehler] Bürger zur Kasse gebeten.

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1968
Mit dem Wirtschaftswegebau nach Arnkofen und Zeißlhof erhielten die beiden Orte eine Teerstraße. Hatte die Einöde Arnkofen früher die Zufahrt über die Graßlfinger Straße, so wurde die neue Zufahrt von der Kreisstraße Grafentraubach – Buchhausen ins Tal neben dem sogenannten „Hierfurtner Hölzl” gelegt. Die neue Teerstraße nach Zeißlhof wurde auch ins Tal verlegt, so daß nun dieser Weiler auf ebener Straße zu erreichen ist. Mit diesem Ausbau ist das Grafentraubacher Wegenetz bis auf einige Ortsstraßen geteert.

1969
Auf dem Gebiet der Schule treten Änderungen ein. Von der Regierung wird eine Auflösung der kleinen Schulen angestrebt. Mit dem Beitritt zum Schulverband Laberweinting auf freiwilliger Basis und der Forderung, daß Grafentraubach auch Schulort bleibt, möchte man für die Kinder der unteren Klassen den nahen Schulweg erhalten.
Ab 1. September 1965 war bereits ein Schulversuch gemacht worden. Die Schulbusse gehören nun zum Ortsbild. Laberweinting kann eine neu erbaute Verbandsschule anbieten. Im Schulhaus Grafentraubach findet für drei Klassen Unterricht statt.

1970
Zum zweiten Male wird der kirchliche Friedhof erweitert (unter H.H. Pfarrer Josef Schmaißer). Die Gemeinde unterstützt auch diese Arbeiten. Im Siedlungsgebiet „Pfingstweide” bahnt sich eine Erweiterung des Baugebietes auf die Grundstücke von Josef Hartl an. Neue Erschließungspläne müssen eingereicht werden.

1971
Die FFW bekommt ein Löschgruppenfahrzeug, einen Ford. Die Zeit des Anhängers ist vorbei.
Die Regierung plant schon Jahre eine Gebietsreform. Die kleineren Gemeinden sollen aufgelöst werden. Eine Einwohnerzahl von mindestens 3000 wird angestrebt. Grafentraubachs Einwohnerzahl pendelt zwischen 700 – 800 Personen. Für die freiwilligen Zusammenschlüsse werden Schlüsselzuweisungen angeboten. Im Gemeinderat Grafentraubach wird heiß debattiert. Erst in einer zweiten Abstimmung wird die freiwillige Zusammenlegung mit der Gemeinde Laberweinting zum 1. Januar 1972 beschlossen. Die zusätzlichen Schlüsselzuweisungen werden ausgeschöpft. Die Gemeinde Laberweinting besteht nun aus den früheren Gemeinden: Laberweinting, Grafentraubach, Graßlfing und Eitting.
Unter anderen Bedingungen werden die zusätzlichen Schlüsselzuweisungen für den restlichen Ausbau der Ortsstraße verwendet. Eine lange Gemeindegeschichte geht zu Ende. Verfolgt man die Gemeindegeschichte Grafentraubach, so haben sämtliche Bürgermeister mit ihren Gemeinderäten und der Verwaltung eine ständige Verbesserung der Lebensqualität für die Brüger geschaffen. Möge in der neuen Großgemeinde Laberweinting auch immer das Wohl aller Bürger im Auge behalten werden.

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Die Ehrenbürgerschaft von Grafentraubach erhielten:

1951 Oberlehrer Utto Schlögl
1953 Lehrerin Katharina Schuderer

Der Grafentraubacher Gemeinderat vor der Eingemeindung nach Laberweinting im Jahre 1972 v.l.n.r.: Alfons Kick, Johann Loistl, 2. Bgm. Josef Pfifferling, Johann Maier, 1. Bgm. Peter Littich, Georg Würzbauer, 3. Bgm. Georg Wachter, Karl Glaser, Heinrich Gebhard, Gemeindesekretär Josef Wittmann.

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Ab 1. Januar 1972 ist die neue Bezeichnung: Gemeinde Laberweinting, Ort Grafentraubach. 1. Bürgermeister ist Josef Zellmeier, der zugleich Mitglied des Kreistages Straubing-Bogen ist. Als Gemeinderäte von Grafentraubach sind vertreten: Alfons Eichmeier, Alfons Kick sen., Johann Mater sen., Erich Rohrmeier. Alfons Eichmeier wurde zum 3. Bürgermeister gewählt. Um die Baumaßnahmen aus dem Vertrag der freiwilligen Gemeindezusammenlegung zu erfüllen, wurde bereits im Frühjahr 1972 mit dem Bau begonnen. Die Arbeiten zogen sich wegen der Koordinierung mit anderen Bauträgern (OBAG, Post, Kreis) über viele Jahre hinweg.

Nach der Gemeindewahl 1978 waren Alfons Eichmeier, Erich Rohrmeier und Ludwig Wittmann Gemeinderäte. Alfons Eichmeier wurde im Amt des 3. Bürgermeisters bestätigt. Immer wieder war im Ort Grafentraubach eine Baustelle, wie eine nachstehende Zusammenstellung zeigen wird. Ab 1978 ist auch die Gemeinde Laberweinting größer geworden und besteht nun aus den früheren Gemeinden Laberweinting, Grafentraubach, Eitting, Graßlfing, Allkofen, Haader, Weichs und Hofkirchen mit der früheren Gemeinde Asbach.

Ab den Wahlen 1984 sind aus Grafentraubach die Gemeinderäte tätig: Alfons Eichmeier, Josef Klankermayer, Manfred Sellmaier und Georg Wachter. 1. Bürgermeister ist ohne Unterbrechung Josef Zellmeier. Alfons Eichmeier wurde zum 2. Bürgermeister gewählt.

Dem Altbürgermeister Peter Littich wurde durch einstimmigen Beschluß des Gemeinderates anläßlich seiner Goldenen Hochzeit am 11. 11. 1980 die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Wieder stehen große Aufgaben an. Das vorläufige Erdklärbecken am östlichen Ortsausgang wird von den Wasserwirtschaftsbehörden laufend beanstandet, da die Klärwirkung den neuen Vorschriften nicht mehr genügt. In Laberweinting wird eine Kläranlage gebaut; damit kommt der frühere Plan aus dem Jahre 1962 eine gemeinsame Kläranlage zu errichten, wieder zum Tragen. Noch im Jahre 1985 wird der 1984 begonnene Verbindungskanal Grafentraubach – Laberweinting fertiggestellt. 1985 ist auch der Baubeginn der Kläranlage neben der Kreisstraße Laberweinting – Habelsbach.

Nachstehend die Bauvorhaben der Gemeinde Laberweinting im Ort Grafentraubach vom 1. Januar 1972 bis 1985.

Wappen Laberweinting
Gespalten durch einen silbernen Wellenpfahl in Blau und Rot; vorne ein silberner Zinnenturm, hinten ein silberner Schrägbalken.

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Grafentraubach und die betroffenen Orte im Spiegel der Statistik 1985

663 Einwohner in Grafentraubach, Arnkofen und Reichermühle
20 Einwohner in Zeißlhof
38 Einwohner in Steinkirchen
17 Gewerbebetriebe mit ca. 100 Beschäftigten
128 Pendler nach auswärts
52 Pendler in den Ort
24 Vollerwerbs-Landwirte
ca. 200 Pkw
ca. 100 Traktoren
2 Pferde
684 Rinder
745 Schweine
211 Hühner

Bauvorhaben der Gemeinde Laberweinting seit 1. 1. 1972 im Ort Grafentraubach

Bei der freiwilligen Gemeindezusammenlegung hatten die beiden Gemeinderäte einen Katalog über Baumaßnahmen in Grafentraubach aufgestellt. Diese Auflistung sah vor allem den Ausbau zahlreicher Orts- und Gemeindeverbindungsstraßen vor. Eine vorherige Bestandsaufnahme ergab, daß nur die Ortsstraße (in Richtung Mallersdorf bzw. Graßlfing) und die Straße im Baugebiet Pfingstweide dem gestiegenen Verkehrsaufkommen gewachsen war (Unterbau, Entwässerung und Teerdecke).
Alle anderen Ortsstraßen in Grafentraubach waren nicht geteert. In allen Ortsstraßen wurde der Unterbau erneuert (ca. 40 cm Frostschutzkies), Entwässerungseinrichtungen angelegt und anschließend eine Bitukiesdecke aufgebracht. Im einzelnen wurden folgende Straßen erneuert:
Ranzlbergstraße, Stöcklgasse, Prechtlgasse, Röhrlbrunnstraße, Kick-Gasse, Hartlgasse, Einsiedelstraße (Zufahrt zum Ziegeleigelände), Poststraßse, Gemeindesiedlung-, Werkvolk- und NE-Siedlungstraßen, Emmer-Wachter-Straße, Sportplatzzufahrt, Steinhauser-Wachter-Gasse, Friseurgasse, Wiesenpfarrerweg, Reichermühle-Straße, Wenzel-Fischer-Straße und der Gehweg entlang des Traubaches vom Schloß bis zum Schulhaus.
Die Baumaßnahmen gingen sehr zügig voran, so daß Ende des Jahres alle diese Straßen fertiggestellt waren.

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Das Aufbringen einer Oberschicht wurde vorerst zurückgestellt, da die Bundespost und die Energieversorgung Ostbayern noch eine Reihe von Kabelverlegungen planten. Bereits vor der Gemeindezusammenlegung hatten die drei Gemeinden Mallersdorf, Grafentraubach und Graßlfing, gemeinsam den Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von der Staatsstraße 2142 bis nach Obergraßlfing geplant. Erst im Jahr 1972 konnte der Grunderwerb für die neue Trasse abgeschlossen werden und nach einer öffentlichen Ausschreibung die Fa. Ohneis, Straubing, mit dem Ausbau beauftragt werden. Im Herbst 1974 wurde die Straße in einem kleinen Festakt von Herrn Pfarrer Schmaißer geweiht und offiziell dem Verkehr übergeben. In den Baugebieten waren mittlerweile alle Bauplätze verkauft, so daß die Gemeinde daran ging, das Baugebiet Pfingstweide zu erweitern. Von der Familie Hartl konnte der notwendige Grund erworben werden und nach Genehmigung des Bebauungsplanes wurden 14 Parzellen in verhältnismäßig kurzer Zeit verkauft. Die Erschließung dieses Baugebietes war kaum abgeschlossen, da begann für die Gemeinde eine weitere Baumaßnahme. Der Landkreis plante zusammen mit der Gemeinde den Ausbau der Ortsdurchfahrt der Kreisstraße SR 60. Die Planung sah folgendes vor:
Kreisstraße in einer Breite von 6 m, ein Gehweg von 1,50 m Breite vom Anwesen Maier Hans bis Hinreiner Hans, auf der gegenüberliegenden Seite ein Gehweg vom Anwesen Mayer Heinz bis Littich Ludwig und von Littich Hans bis Hirsch Fritz, Verlängerung des Kanals vom Anwesen Rothmayr bis Anwesen Stahl, Verlegung der Kabel für Telefon, Stromversorgung und Straßenbeleuchtung, Neubau einer Brücke über den Traubach und Verlegung des Kriegerdenkmals in den Schloßgarten. Begonnen wurde der Bau 1977 und abgeschlossen 1979. In fast allen Gemeindestraßen verlegte die OBAG Kabel und zugleich wurde die Straßenbeleuchtung erneuert. Nachdem die Kabelverlegungsarbeiten beendet waren, wurde 1979 mit den Oberschichtteerungen begonnen und 1981 abgeschlossen. 1980/81 wurde am Reichermühlerweg ein kleines Baugebiet erschlossen, wobei hier erstmals das Pfarrwiddum Grafentraubach Bauplätze im Erbbaurecht zur Verfügung stellte. 1983 führte die OBAG zusammen mit der Post noch kleinere Kabelverlegungen durch, so daß die Gemeinde erst 1984 die Oberschichtteerungen an folgenden Wegen vornehmen konnte:
Wiesenpfarrerweg, Friseurgasse, Wachter-Steinhauser-Weg, Gehweg von der Schule bis zum Anwesen Maier Michael. Nach Abschluß dieser Teerarbeiten sind sämtliche Ortsstraßen in Grafentraubach ausgebaut und die Verpflichtungen aus dem Eingemeindungsvertrag und den damit bereitgestellten Mitteln erfüllt. Die Gemeinde plant die Erweiterung des Baugebietes Pfingstweide um einen neuen Bauabschnitt. Die Verhandlungen wegen des Grunderwerbs sind noch nicht abgeschlossen. Die notwendigen Pläne sind erstellt, jedoch von den zuständigen Behörden noch nicht genehmigt. Im Bereich der Gemeinde-, Werkvolk- und NE-Siedlung wurde vom Gemeinderat eine Ortsabrundungssatzung beschlossen, so daß in diesem Baugebiet noch zusätzliche Bauparzellen – die bereits erschlossen waren – bebaubar wurden.

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Die Gemeinde Graßlfing

Nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 wurde die Gemeinde Graßlfing durch die amerikanische Militärregierung der Gemeinde Allkofen zugeordnet. Von 1946 an war die Gemeinde Graßlfing wieder selbständig. Straßen- und Wegebau waren die ersten Arbeiten im neuen Gemeindebereich. 1967 erfolgte der Anschluß an die Zentrale Wasserversorgung des Kleinen und Großen Labertales. Am Schäferberg erbaute die Zentrale Wasserversorgung 1968 einen Hochbehälter mit 2000 qbm Fassungsvermögen. Durch die Zentrale Wasserversorgung konnte auch das Feuerlöschwesen der Gemeinde verbessert werden. Es wurden Über- und Unterflurhydranten eingebaut. Die finanziellen Zuschußmittel des Staates ausschöpfend, ließ sich die ehemalige Gemeinde Graßlfing mit eigenem Standesamt zum 1. Januar 1972 freiwillignach Laberweinting, der Pflichteingemeindung vorgreifend, eingliedern. Die Großgemeinde bestand nun aus den ehemaligen Gemeinden Laberweinting, Grafentraubach, Graßlfing, Eitting. Der Landkreis Mallersdorf löste sich ebenfalls auf und ist nun ein Teil des Landkreises Straubing-Bogen, zu dem auch die Gemeinde Laberweinting gehört. Bis zur Gemeindewahl 1972, in der Gesamtrechtsnachfolge Gemeinde Laberweinting, waren die Bürgermeister und Gemeinderäte von Graßlfing noch beratend tätig. 1972 wählte man den früheren 1. Bürgermeister von Graßlfing, Johann Huf in den Gemeinderat Laberweinting. 1978 konnte Graßlfing keinen Gemeinderat entsenden, man wählte Franz Baumann zum Ortssprecher für die beiden Orte Ober- und Untergraßslfing. Durch das Ausscheiden eines Gemeinderatsmitgliedes durch Umzug rückte 1981 Franz Baumann in den Gemeinderat nach. Inkoferer Georg vertritt als Ortssprecher die beiden Orte Unter- und Obergraßlfing, da man 1984 keinen Gemeinderat in die Bürgervertretung entsenden konnte. Die zusätzlichen staatlichen Schlüsselzuweisungen aus der Gemeindezusammenlegung investierte Graßlfing in die Gemeindeverbindungsstraßen und den restlichen Ortsstraßenbau.
Die Einwohnerzahl betrug: 1950 257 Personen
1961 174 Personen
1969 169 Personen
1971 156 Personen

Die beiden Orte haben zusammen 40 Anwesen.
Bürgermeister der Gemeinde waren bis zur Zusammenlegung mit Laberweinting:
1946 – 1949 Huf Jakob (erster Nachkriegsbürgermeister)
1949 – 1966 Inkoferer Georg
1966 – 1971 Huf Johann (letzter Bürgermeister der Gemeinde Graßlfing)

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War früher die Landwirtschaft für viele der Brotgeber, so ist bis heute eine wesentliche Änderung eingetreten. 18 Personen pendeln täglich zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Manche betreiben ihre Landwirtschaft im Nebenerwerb. Ein Zeichen der Modernisierung in der Landwirtschaft ist die Anzahl der Zugmaschinen und Traktoren, die sich zur Zeit auf 55 Stück beläuft. Der Großvieh- und Schweinebestand hat sich trotz weniger Betriebe vermehrt. Selbst der Anbau der Felder hat sich verändert. Weizen und Gerste haben neben dem Zuckerrübenanbau einen Platz gefunden. Dagegen verringerte man den Anbau an Hafer und Roggen. Baute man früher Mais nur selten an, so nehmen die Flächen von Körnerund Futtermais einen großen Teil ein. Moderne Maschinen erleichtern dem Landwirt Anbau und Ernte der Felder. Weit höher als die Zahl der Anwesen in beiden Orten ist der Bestand an Kraftfahrzeugen. War früher für die Graßlfinger die Bahnund Busverbindung schwer zu erreichen, so sind beide Orte durch neue Straßen und moderne Verkehrsmittel von allen Seiten an den überörtlichen Verkehr angeschlossen.
Anfang 1985 zeigen sich die beiden Graßlfinger Orte in folgenden Zahlen:
142 Einwohner
2 Gewerbebetriebe
24 Pendler auswärts
ca. 40 PKW
ca. 45 Traktoren
Viehbestand lt. Viehzählung im Dezember 1984 in Ober- und Untergraßlfing:
525 Rinder
1243 Schweine
571 Schafe
293 Hühner

Flurbereinigung Graßlfing

Moderne Arbeitsgeräte und neuartige Maschinen machten die Bearbeitung großer Flächen möglich. Nur durch eine Flurbereinigung konnte eine Flurzusammenlegung erfolgen. Das Flurbereinigungsamt Landau war hier durch Oberregierungsrat Wurm die ausführende Stelle. Vorstand am Ort war Baumann Xaver, Wegebaumeister Georg Inkoferer, der langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Graßlfing war. Ausschußmitglieder Huf Johann, Rammelsberger Josef, Zehentbauer Josef. Pfäffinger Ludwig wirkten ebenfalls mit. Außer dem Wirtschaftswegebau und der Flureinteilung wurde auch ein Kulturgraben zur Entwässerung gezogen. Als 1954 im Zuge der Flurbereinigung Allkofen, die Kreisstraße von der Straße nach Wallkofen in Richtung Allkofen zum Ausbau kam, war in Untergraßlfing nochmals eine Flurbereinigung nötig. Diese Kreisstraße hat eine neue Trassenführung und verbindet Allkofen über Habelsbach mit Laberweinting. Der Wirtschaftswegebau in den Fluren wird auch den kommenden Generationen von Nutzen sein.

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Flurbereinigung der Gemarkung Grafentraubach

Auf Vorschlag des Flurbereinigungsamtes Landau a. d. Isar und der örtlichen Flurbesitzer wurde am 27. April 1955 die Flurbereinigung beschlossen. Vorsitzender des Vorstandes der Teilnehmergesellschaft waren die damaligen Oberregierungskulturbauräte Ludwig Hildebrand und Wilhelm Seidl. Die Leitungder TG hat der jetzige Baudirektor Johannes Sandmaier im Auftrag der Flurbereinigungsdirektion, die Aufsichtsbehörde ist, übernommen.
Mitglieder am Ort waren:

Michael Maier

Otto Magerl

Sebastian Bergmüller

Josef Wachter

Johann Beyvers

Heinrich Prebeck

Xaver Hierfurtner

Adelheid Koch

Grafentraubach 4

Grafentraubach 33

Grafentraubach 2

Grafentraubach 19

Zeißlhof 1

Steinkirchen 4

Grafentraubach 24

Grafentraubach 98

Vorsitzender

.

.

Kassier

Für die verstorbenen Vorstandsmitglieder Sebastian Bergmüller und Xaver Hierfurtner sind die Stellvertreter Peter Littich und Ludwig Littich, mit Vorstandsbeschluß vom 5.5.1981, in den Vorstand nachgerückt. Einweisung der Teilnehmer in die neuen Grundstücke (vorläufige Besitzeinweisungen nach § 65 FlurbG.) erfolgt am 11. November 1958. Ausführungsanordnung mit Eintritt des neuen Rechtszustandes nach § 61 FlurbG. am 18.9.1967, Schlußfeststellung nach § 149 FlurbG. am 12.5.1969. Am 4.10.1981 fand die Feldkreuzeinweihung der TG an der Gemeindeverbindungsstraße Grafentraubach nach Graßlfing statt. Der Vorstand der TG hat in seiner Sitzung am 24.2.1984 die Auflösung der Teilnehmergesellschaft bei der Flurbereinigungsdirektion Landau a. d. Isar beantragt. Die Flurbereinigungsbehörde hat am 10.7.1984 bekanntgegeben, daß das Unternehmen abgeschlossen ist und seine Aufgaben erfüllt sind (§ 153 Abs. 1 FlurbG.).
Aufgelöst werden konnte die Teilnehmergesellschaft Flurbereinigung Grafentraubach jedoch erst zum 1.10.1984, nachdem die der Gemeinde übereigneten, jedoch mit einem Nutzungsrecht zugunsten der TG belasteten Massegrundstücke westlich des Ortes Grafentraubach von der Gemeinde Laberweinting durch Errichtung einer „Fiduziarischen Stiftung” (Art. 84 Gemeindeordnung) lastenfreigestellt wurden. Der Zinsertrag dieser Stiftung wird für die Instandhaltung der Feldwege im Bereich der Jagdgenossenschaft Grafentraubach verwendet.

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3. Teil

Kirchliche Geschichte

Die Pfarrei

Wie das Christentum in unsere Gegend kam, zunächst in römischer Zeit, habe ich, soweit die wenigen Quellen und Nachrichten es ermöglichen, in meiner Geschichte von Geiselhöring des Näheren aufgeführt Ich verweise auf dieses Buch.

Die einwandernden Bajuwaren waren zum Teil dem germanischen Götterglauben zugetan, von dem sich vereinzelte Spuren in Aberglauben, in Volksbräuchen und —Sagen erhalten haben. Teilweise waren dieselben jedoch schon Christen und zwar Arianer. Der katholischen Mission gelang es aber unter Förderung durch die Agilolfingerherzoge sie alle zum Übertritt zum katholischen Bekenntnis zu bewegen, was bis zum Jahre 700 so ziemlich vollendet war, wenigstens äußerlich. Für die Vertiefung waren Wanderbischöfe tätig, z. B. die Heiligen Rupert und Emmeram und als einer der letzten der heilige Erhard, dessen Wirken im Gebiet der kleinen und großen Laber und der Isar durch alte Tradition beglaubigt ist. (Vergl. meine Hallertauer Skizzen S. 60.) Möglicherweise hat er in Pfaffenberg eine Missionszelle errichtet. Ganz sicher aber war in hiesiger Gegend der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen.

Papst Gregor III. hatte, wie vorher verabredet, Ende November des Jahres 739 den späteren Bischof von Eichstätt Willibald nach Rom kommen lassen und ihn informiert über die Pläne, welche Bonifatius mit ihm durchzuführen beabsichtige. Ende März 740 sandte der Papst den Willibald nach Bayern. Derselbe blieb bei Oatilo acht Tage lang, ebenso lang beim Grasen Suitger auf dem Nordgau. Oatilo, vielleicht Tassilos zweiter Sohn, war erst von Karl Martell als Herzog aufgestellt worden.

Etwa im Mai trafen Willibald und Suitger mit Bonifatius zu Niederlindhardt zusammen, wo letzterer sicher nicht zum erstenmale bei dem reichen, wohltätigen Edlen Adalunc weilte. Die Familie Adaluncs war eine hochangesehene Familie des großen Donaugaues. Vielleicht war Adalunc wie Suitger Graf.

Kurz vor dem Jahre 760 gab der Edle Adalunc sein elterliches Erbe zu Hronaga (Rain bei Straubing, oder Roning bei Rottenburg) an St. Emmeram zu Regensburg. Geschehen in Geganwart des [Seite 24] Bifhhofs Gawibald (Mitte August 739 3um Bischof von Regensburg erhoben), des Priesters Hruodmunt, des Diakons Toto und des Priesters Secky, sowie seiner, des Adalunc Söhne, namlich des Posso, Helmuni, Heriperth, Heidfolc mit den übrigen Edlen. Zeugen waren: Eundalpert, der Sohn des Helmuni, Raatpald, Drudilo. Als bischöflicher Notar fungierte Priester Taugolf. Auch Adaluncs Göhne waren der Kirche sehr zugetan und machten Schenkungen.

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Bischofs Gawibald (Mitte August 739 zum Bischof von Regensburg erhoben), des Priesters Hruodmunt, des Diakons Toto und des Priesters Secky, sowie seiner, des Adalunc Söhne, nämlich des Poffo, Helmuni, Heriperth, Heidfolc mit den übrigen Edlen. Zeugen waren: Cundalpert, der Gohn des Helmuni, Raatpald, Drudilo. Als bischöflicher Notar fungierte Priester Taugolf. Auch Adaluncs Söhne waren der Kirche sehr zugetan und machten Schenkungen.

Sicherlich sind diese Schenkungen zu betrachten zur Erhaltung ihres Ansehens wie als Ausfluß ihrer religiösen Begeisterung. Ein Sohn des Edlen Adalunc war der Priester Hunnunc, der mit seinem Vater die Kirche in Abunsna (Abens?) gründete und an Freising schenkte. Ein weiterer Sohn Helmuni gibt 773 an die Kirche Freising Güter zu Prama (Pram, Pfarrei Steinbach), Sünching und Pfätrach. Der andere Sohn Adaluncs Heripert, Dei famulus, also Geistlicher, (während der Regentschaft des Abtbischofs Sindbert 768—791 zu Regensburg) gibt 778 unter Zeugenschaft seines Bruders Helmuni und anderer und mit Erlaubnis Tassilos, was er besitzt in Rain bei Straubing mit der Kirche, wo die Reliquien des heiligen Mauritius verehrt werden, mit allem lebenden und liegenden Zubehör, ebenso was er an Wald als väterliches Erbe besitzt in Lindhart — an die Kirche, die da erbauet ist zu Ehren des heiligen Petrus und heiligen Emmeram. Taugolf fertigte die Urkunde. Heriperth waltete wahrscheinlich an dieser Kirche S. Mauritius des priesterlichen Amtes. Eine Schenkung vom 23. August 791 stammt wieder von einem Sprößling Adaluncs, von Helmuni dessen Sohn Eundalperth als Zeuge fungiert. Sie betrifft Besitzungen zu Hedinpah (Dürnhettenbach), die er sub crypta S. Emmerami in Gegenwart Sindsberts und der Mönche übergab. Taugolf fertigte die Urkunde. Dazu kommen noch zwei undatierte Schenkungen. Der Priester Horscolf gibt an Emmeram sein Erbe und Eigentum in Druhpah (Grafentraubach), also eine ansehnliche Stiftung, in Gegenwart Sindberts zu S. Emmeram. Da der Priester Kerhelm die Urkunde fertigt und Engilpald als Zeuge auftritt, was beides in einer Urkunde vom 10. 7. 776 vorkommt, so kann man die Vergebung auf circa 776 setzen: (Siehe Abbildung)

Die älteste Erwähnung Grafentraubachs!

Die leider nicht datierte Urkunde lautet in deutscher Übersetzung:

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Aus Liebe zur himmlischen Heimat übergebe ich

Horscolf Priester

und schenke fest zum hl. Emmeram dem Martyrer Gottes mein Erbteil oder was ich wirklich besitze in dem Dorfe Druhpah genannt, das ist die Kirche, Hof und Haus und fünf Leibeigene d. i. 2 Knechte und 3 Mägde, Schafe, Ochsen und die übrigen Tiere, die Äcker nebst dem Walde, die Wiesen und alle Fahrnisse . . . (hier sind nach Angabe des Herausgebers 2—3 Wörter in der Handschrift unlesbar). All das

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Urkunde des Priesters Horskolf
(Aufnahme Hauptstaatsarchiv)

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Urkunde über den Tausch einer Kirche nebst drei Hofstätten zu Drudbach
(Aufnahme Hauptstaatsarchiv)

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Genannte gehe in den ständigen Besitz des oben genannten Heiligen Gottes über, damit es mir auf seine Fürbitte zum Heile meiner und meiner Eltern Seelen gereiche.
Diese Übergabe ist geschehen im Beisein des Bischofs Sindbert in der Kirche des hl. Emmeram in Gegenwart vieler Zeugen. Das sind die Zeugen: Durismot, Landheri, Hramuolf, Anamot, Adolf, Gregorius, Erchanperht, Engilpald. Und ich Kaerhelmus Priester habe es auf Befehl meines Herrn geschrieben.
Vom gleichen Schreiber ist eine datierte Urkunde vom 10. Juli 776 vorhanden. Da Bischof Sindbert 768—791 regierte, kann obige Urkunde nicht vor 768 geschrieben sein.
Die Handschrift selbst liegt im Münchner Hauptstaatsarchiv unter der Signatur: St. Emmeram Lit. 5½. Es ist ein Fragment einer unter Bischof Baturich (817—847) angelegten Kopiensammlung. Das Original existiert leider nicht mehr. Aber auch die Kopie ist sehr schlecht erhalten, wie aus beigegebener Abbildung ersichtlich ist, und teilweise nicht zu entziffern.
Zur Zeit des Regensburger Abtbischofes Ambricho (864—891) unter Propst Erimpert ist unter den von Emmeram abgegebenen Gütern auch eine Kirche nebst 3 Hofstätten zu Drudbach (Grafentraubach meint Janner I 286) erwähnt im Tausch gegen Besitztum in Perg, Haselpah und Gammnichova (Genkofen) im Rottal. Der Besitz wird mit allen Zugehörungen übergeben: mit Feldern, Wiesen, Weiden, Wasserläufen, Wäldern und allem was dazugehört Auch diese zweitälteste Urkunde über Grafentraubach bringen wir in ihrem Hauptteil im Bilde.
Als Ergebnis können wir zusammenfassend buchen, daß schon um das Jahr 776 der Ort Grafentraubach mit Kirche bestand und Horscolf so der älteste bekannte Seelsorger von Grafentraubach ist. Horscolf war — das zeigt sein Eigenbesitz — gewiß vom Adel und vielleicht mit Adalunc verwandt. Nach dem damaligen Recht mußte eine Eigenkirche mit einer Dotation von 1—2 Mansen (also 80—60 Tgw. Feld und Wiesen) ausgestattet werden, was ungefähr dem Umfang des späteren Pfarrwiddums entspräche. Horscolf ist also wohl der Stifter des hiesigen Pfarrwiddums.
Obergraßlsing, zur Pfarrei heute noch gehörig, ist im Jahre 1060 urkundlich erstmals erwähnt als Grasolvinga. Das Dorf Dürnhettenbach stand aber 791 über St. Emmeram in Beziehungen zu Grafentraubach.
Nach den Ungarneinfällen zur Seit des hl. Wolfgang unter dem Klostervogt Magan gibt eine vornehme Frau Bertha unter anderem auch Besitz zu Hedinpah ans Kloster Emmeram als Aussteuer für ihren Sohn Sigihard, der dort als Mönch eintrat.
In den ersten Jahrhunderten besetzte der Bischof die Seelsorgstellen. Einen Umschwung brachte das germanische Eigenkirchenwesen: Wer

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danach eine Kirche auf Eigengrund erbaute, verfügte über Gebäude und Einkommen dieser Kirche und über Anstellung und Absetzung der Geistlichen Das führte zu mancherlei Unzuträglichkeiten, weshalb die Kirche auf Änderung dieses Herkommens drängte; vielfach wurden diese Eigenkirchen dem Bischofe übergeben, der das Besetzungsrecht erhielt. Wo das nicht geschah, bekam das Besetzungsrecht die Form des Vorschlagsrechts bezüglich des anzustellenden Geistlichen. Nun war zwar die Eigenkirche des Horscolf 776 dem Kloster Emmeram übergeben worden, dessen Abt zugleich der Bischof Sindbert war; und doch finden wir später das Präsentationsrecht bei dem hiesigen Schloßgut; vielleicht war seit jenem Tausch unter Bischof Ambricho oder infolge der Wirren zur Zeit Arnulf des Bösen eine Änderung eingetreten Ursprünglich waren die Pfarreien sehr umfangreich, bis namentlich besonders nach Eigenkirchenrecht genutzte kleinere Pfarrbezirke entstanden. Durch die Verbindung von Präsentationsrecht und Grundherrschaft wurde dann der Umfang der Grundherrschaft auch für den Umfang der Pfarrei bestimmend. So kam es, daß das 2 Stunden entfernte Dürnhettenbach noch zur hiesigen Pfarrei kam, obwohl der hiesige Pfarrer um dahin zu gelangen, durch die fremde Pfarrei Hofkirchen gehen mußte, wohin die alte Hochstraße (Römerstraße ?) führte. Der Pfarrumfang blieb dann bis Mitte des 19. Jahrhunderts sich gleich. Früher war Kirchen— und Pfründebesitz nicht ausgeschieden. Die Ausscheidung zwischen dem Kirchenbesitz (Fabrika) und dem Pfründebesitz (Widdum) geschah meist erst im 13. Jahrhundert.

Die große Erschütterung, welche im Gefolge der französischen Revolution der Kirchenraub in der sogenannten Säkularisation brachte, sowie die Abschaffung der Grundherrschaften im Jahre 1848 brachte auch eine Lockerung im Umfang der Pfarrei und somit Aus- und Einpfarrungen mit fich: Noch 1838 war der Umfang folgender:

Grafentraubach, Dorf mit Pfarrkirche und Pfarrschule, 52 Häuser und 292 Seelen,

Arnkofen, Weiler mit 3 Häusern und 21 Seelen, ½ Stunde entfernt,

Kreit, Einöde mit 1 Haus und 7 Seelen, ½ Stunde entfernt,

Scharn, Einöde mit 2 Häusern und 17 Seelen, ¾ Stunden entfernt,

Steinkirchen, Dorf, Nebenkirche, 11 Häuser, 65 Seelen, ¼ Stunde entfernt,

Weihmühl, Einöde, 1 Haus, 4 Seelen, ⅛ Stunde entfernt,

Dürnhettenbach, Dorf, Wallfahrtskirche, 10 Häuser, 63 Seelen, 2 Stunden entfernt,

Obergraßlfing, Dorf, Filial— und Wallfahrtskirche, 17 Häuser, 95 Seelen, 1 Stunde entfernt.

Die Gottesdienste waren vor 100 Jahren wie folgt geordnet: Es war damals hier eine Kooperatur 2. Klasse, auf deren Besetzung kein Rechtsanspruch bestand. War sie besetzt, so waren Gottesdienste folgendermaßen:

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  1. In der Pfarrkirche S. Pankratius war Gottesdienst an Kirchweih, welche am Sonntag vor Bartholomäi war, am Patrozinium, an allen Festen des Herrn und der Heiligen (die beiden Johannesfeste ausgenommen), sowie der 1. und 2. Sonntag, sowie an Maria Lichtmeß. —- Gestiftet waren 6 Jahrtage, 36 Jahrmessen. Die Allerseelenbruderschaft hatte 5 Konventtage. Außerdem bestand ein sogenannter Meßbund.
  2. In der Filial— und Wallfahrtskirche Obergraßlfing mit Maria Empfängnis als Patrozinium: am Patrozinium, an Kirchweih, die am 15. Sonntag nach Pfingsten traf, an allen Festen der Mutter Gottes, sowie an Johann Baptist Und Johann Evangelist; außerdem der 3. Sonntag. — Wöchentlich war eine hl. Messe, mit Ausnahme der Fastenzeit, in welcher an den 6 Sonntagen Nachmittagspredigt war. Gestiftet waren 4 Jahrtage und 8 Jahrmessen.
  3. In der Nebenkirche Steinkirchen: Gottesdienst am Patrozinium St. Nikolaus, an Kirchweih: Sonntag vor Laurenzi Montags in der Bittwoche, Ostertag Nachmittagspredigt (sogenanntes Ostermandl). Gestiftet 1 Jahrtag, 1 Jahrmesse.
  4. In der Wallfahrtskirche Dürnhettenbach, die dem hl. Quirin als dem Peftpatron geweiht ift, war Gottesdienst am Patrozinium, an Kirchweih, am Sonntag vor Michael, am Osterdienstag, Pfingstmontag und an 3 abgewürdigten Feiertagen . . . . unter der Woche hl. Messe.

Bereits 1842 beantragte Untergraßlfing Umpfarrung aus der Pfarrei Laberweinting in die Pfarrei Grafentraubach, doch scheiterte der Antrag damals an der Frage der Zehenteinbringung. Das bischöfl. Ordinariat betonte besonders, daß in Laberweinting ständig 2 Geistliche seien, in Grafentraubach aber bloß einer. Erst nach der Zehentfixierung 1848 kam die Frage wieder in Fluß und 1887 geschah die Einpfarrung. Dagegen wurde 1895 Dürnhettenbach nach Bayerbach, Pfarrei Hofkirchen, umgepfarrt. Der dortige Benefiziat hatte schon lange vorher durch Übereinkommen seelsorgliche Aushilfe geleistet, namentlich in Notfällen und wenn die Kooperatur nicht besetzt war.

1858 war bereits der Weiler Scharn nach Holztraubach umgepfarrt worden; Reichermühl kam erst vor wenigen Jahren (1919) aus der Pfarrei Hofkirchen hierher; das Haus Schollerer in Zeislhof, auf Upfkofener Grund gelegen, war schon 1875 zu Grafentraubach gekommen.

Die Kirche in Steinkirchen ist eine spätromanische Anlage (KD) aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Turm ist jedoch viel jünger, wohl aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts Früher dürfte ein Dachreiter seine Stelle vertreten haben. Jedenfalls ist aber an Stelle der heutigen Kirche noch früher eine Kirche aus Stein gestanden und namengebend für den Ort geworden.

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Der Kruzifixus am Chorbogen, dessen Kopf später übergangen und dessen Arme erneuert wurden, stammt aus jener Zeit; wahrscheinlich auch der interessante Eisenbeschlag der Portaltüre.

Steinkirchen. Grundriß, Schnitt und Teilzeichnungen der Kirche. Aufnahme: Landesamt für Denkmalspflege.

Die Pfarrer.

Die Namen der Pfarrer sind uns aus älterer Zeit nicht erhalten, weil man damals weniger schrieb und das Wenige größtenteils der Ungunst der Zeiten zum Opfer fiel. Daher ist, abgesehen von dem schon erwähnten Horscolf, der erste Pfarrer von Grafentraubach, dessen Name bekannt, der Pfarrer.
Hyrmann, der 1347 erwähnt wird. Familiennamen waren damals bei Richtadeligen bis Ende des Mittelalters noch nicht allgemein gebräuchlich, wenn sie auch vereinzelt schon seit dem 13. Jahrhundert vorkommen.

15. 6. 1343 verkauft Herman der Pfarrer zu Holztraubach an den Comthur zu S. Gilgen in Regensburg und den Brüder denselben Hof zu Gehäg. Wegen der Namensähnlichkeit und der Zeitgleichheit ist es möglich, daß vorgenannter Hyrmann nicht Pfarrer von Grafentraubach, sondern mit dem Pfarrer von Holztraubach identisch ist.

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Pfarrer Heinrich von Grafentraubach kommt 1361 in Mallersdorfer Urkunden vor, wie Deigl berichtet.

Als nächstbekannten Pfarrer von Grafentraubach kennen wir Pfarrer Perchthold. Nach Deigl hatte 1391 ein Ulrich Hueber von Grafentraubach ein Unrecht erlitten. Als Entschädigung erhielt er einen Hof in Steinkirchen, ohne 4 Jahre Gült zahlen zu müssen. Perchtold scheint sich seiner angenommen zu haben und macht ihm Zeugen nebst Herrn Hans Sigenhover gesessen zu Grafentraubach und Ulrich Chraitzer von Grafentraubach. Pfarrer Perchtold kommt noch 1407 vor.

Herr Liebhart Westermayer, Pfarrer zu Grafentraubach, kommt 1424 nebst Ulrich Volkhner, Pfleger zu Grafentraubach, und Peter Reichenmüller auf der Reichenmühl als Zeuge vor, auch 1425 ist er noch als Zeuge erwähnt.

Der ehrbar Herr, Herr Heinrich Ochs, Kirchherr (= Pfarrer) zu Grawentraubach ist 1437 Zeuge, als Albrecht Mahr auf dem Obernhof zu Ruhstorf diesen veräußert. Nach der Matrikel von 1438 war damals außer dem Pfarrer (plebanus) noch ein Hilfsgeistlicher (socius divinorum = Gesellpriester) in Grafentraubach.

Herr Conrad, Pfarrer zu Niedertraubach, kommt 1443 nach Deigl als Zeuge vor, vermutlich ist es der um diese Zeit erwähnte Konrad Himmelrüdel, der auf die Pfarrei später resignierte.

Das Gnadenbild in Obergraßlfing stammt nach KD aus der Zeit von 1460—70, aus dieser Zeit dürfte auch ein Teil des Chormauerwerks der dortigen Kirche stammen. Aus der gotischen Zeit stammt ferner der untere Teil des Turmes der Pfarrkirche, desgleichen die alte Glocke in Steinkirchen mit seltsamer Inschrift.

Ende des Jahrhunderts war hier Pfarrer Hans Muchtel, der anfangs 1500 die Pfarrei mit seinem Nachfolger Kaspar Kutzer vertauschte.

Am Freitag nach Pauli Bekehrung präsentierte der Hofmarksherr Peter Rainer zu Rain denselben. Kutzer hatte aber noch eine andere Pfründe und wohnte deshalb gewöhnlich nicht hier, wo er sich einen Vikar hielt. Als solcher wird 1508 Nikolaus Moser und 1526 Johann Schwaiger erwähnt; letzterer war von Grafentraubach gebürtig. Da der Pfarrer hier nicht wohnte, ließ er den Pfarrhof verwahrlosen. Der Vikar, der 10 Pfd. Absent an ihn zu zahlen hatte, konnte ihn nicht instandhalten, weshalb er 1508 sehr ruinös war. Deshalb beschlagnahmte das bischöfliche Consistorium das Absent für die Instandsetzung. 1526 heißt es: daß die Pfarrei dem Dekan des Chorherrenstiftes in Pfaffmünster 15 fl. (== Gulden) zu leisten habe, dazu die 10 Pfd. Absent. Dabei ertrug die Pfarrei an Getreidezehent nicht über 40 fl., ferner 9 fl. aus Zinsen und Jahrtagen, die übrigen Einnahmen aus Casualien berechneten sich nur auf ungefähr 10 fl.; früher war die Pension (statt 15 fl.) gar 18 fl. gewesen. Und dennoch hielt sich der Vikar einen Kooperatar, der vom Vikar jedoch nur Kost und Wohnung hatte, außerdem hatte derselbe 17 fl. sonstiges Einkommen (etwa Getreidekollekte?). Der Kooperator hieß Johann

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Oberhauser, gebürtig aus Seligenthal. Dieser wurde 1535 Vikar und dann Pfarrer in Langenerling und 1554 Pfarrer in Grafentraubach.

Der Bittgang nach Bogen

Nach dem Buch „Azwinisches Bogen” ist in dem Verzeichnis deren Städt, Märkt und Dörfer, welche seythero von dem 1530. Jahr auch angefangen zu unser lieben Frawen Gottshaus Bogenberg zu wallfahrten, Graventraupach aufgeführt; in einem früheren findet sich Grafentraubach nicht. Der Bittgang besteht also über 400 Jahre. Er fand alle 2 Jahre statt am S. Veitstag. Früh 4 Uhr zog er aus. Unterwegs löste sich öfters die strenge Ordnung. Am obern Tor in Straubing heißts 1734 — erwartet man einander, wo auch die Graßlfinger und Dürnhettenbacher dazukommen, zieht gemeinsam durch die Stadt zur Stiftskirche, allwo die hl. Messe auf dem Kreuzaltar ist. Nach 12 Uhr Auszug in Ordnung, bei der Marktbrücke in Bogen erwartet man einander zum Zug auf den Berg. Ubernachten. Am andern Tag früh 4 Uhr hl. Messe auf dem Gnadenaltar, dann Auszug bis zum Markt hinaus, wo hernach keine Ordnung mehr, auch zu Straubing nicht, beobachtet wird.
Wenn es heißt: keine Ordnung, so ist zu verstehen, daß die Zugordnung aufgelöst und während dieser Strecken nicht gemeinsam gebetet wurde. Heute ist seit vielen, vielen Jahrzehnten im wesentlichen die Art des Bittganges die gleiche. Um 4 Uhr feierlicher Auszug von der Pfarrkirche, in Sallach schließen sich die Graßlfinger an. Das gemeinsame Beten wird nur einige Male kurz unterbrochen. Am oberen Tore in Straubing löst sich der Zug auf. Um 12 Uhr von der Donaubrücke Weitermarsch nach Bogenberg. In Bogenberg beichten und am anderen Tag kommunizieren alle bei dem Amte, das um 5 Uhr früh gehalten wird. Hierauf Rückmarsch über Bogen, wo gefrühstückt wird, nach Straubing. Von dort wird bis Laberweinting mit dem Zug gefahren und von da feierlicher Einzug in die Pfarrkirche.
Aus dieser Zeit (1524) befindet sich im Sünchinger Archiv ein Saalbüchlein von Graßlfing mit sehr schöner Handschrift (etwa Kutzers?). Darnach erhielt damals der Pfarrer für die Samstagsmeß aus dem Stock 12 Regensburger Pfennig, von dem Widdum gibt man ihm alle Jahre 3 fl. 8 Groschen. In Graßlfing war demnach ein Widenhof, der im Obereigentum des Pfarrers war. Auch für den Gesellen (Kooperator) sind einige Pfennigbeträge vorgesehen, die natürlich einen viel höheren Wert hatten als heute. An Gülten hatte Grafentraubach 4 Gulden 2 Schilling 10 Pfg. ohngeachtet die Getreidegült.
Ab 1554 war, wie gesagt, Johann Oberhauser in Grafentraubach. Nach Befund der Visitation von 1556 hatte er zu Ingolstadt und Wien studiert und in Regensburg die Priesterweihe empfangen, die Primiz in Essenbach gehalten. Auf die Pfarrei Grafentraubach

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war er durch Hans Joachim von Rain präsentiert worden. Die Zechpröpste geben ihm das Zeugnis, daß er 1556 ein alter, erlebter Mann sei, in Reichung der Sakramente, Lesen der Messe und andern sich den katholischen Bräuchen durchaus gemäß halte, also, daß die Nachbarschaft (d. h. Bauernschaft) deshalb und sonst des Seelengeraids halber keine Beschwerde habe. Man darf nicht vergessen, daß dies die Zeit der Glaubensspaltung war. Nun hieß es aber von ihm: Von der Priesterehe hält er nichts, predigt alle Feiertage nur nach katholischen Büchern, ermahnt das Bolk zu der Meß als einem Opfer, hält alle Zeremonien der Kirche, lehrt die 7 Sakramente. 12 Jahre ist nichts mehr gefirmt worden, beweist, daß für Laien die Kommunion unter einer Gestalt genüge. Freilich klagt der Pfarrer, daß der Herrschaftspfleger auch den Kelch verlange, er es aber abgeschlagen und der Pfleger ihn in Regensburg genommen habe. Überhaupt predige der Pfleger seinem Hausgesinde die lutherische Postille und verführe auch andere. — Er vermahne das Volk zur Buße, absolviere auch niemanden ohne sonder Beicht und Erzählung der Sünde, gebe Buße nach Übertretung. Die Ehe betr. halte er es nach dem Regensburger Obsequialbuch; gemeint ist das 1492 in Nürnberg gedruckte Obsequiale . . . dyoecesis Ratisbonensae. Über die letzte Olung habe er noch nicht gepredigt. Dieselbe wurde damals vom Volke nicht verlangt, heißt’s bei einer anderen Pfarrei. Die Gottesdienste halte er wie vor alters, desgleichen die Kreuzgänge, ohne Veränderung der Litanei. Es waren damals 210 Kommunikanten in der Pfarrei. Demnach dürfte die Gesamtseelenzahl etwa 310—330 gewesen sein. Das Volk ging eifrig zum Gottesdienst. Es sang die alten gewöhnlichen Kirchengesänge. Man hatte also Volksgefang, u. a. die sogenannten Rufe. Ein Vorsänger (Mesner, Schulhalter etc.) sang vor, das Volk sang nach, auch bei den Litaneien. Diese Erb- und Kernlieder waren noch wirkliche Gemeindelieder, waren Ausdruck eines lebendigen Gemeindebewußtseins, die einer ganz gleichgesinnten und gleichgestimmten Gemeinde aus voller Seele und vollem Herzen geströmt und gejubelt waren, die in jedem einzelnen das Bewußtsein der „Kirche”, des Kirchenvolkes, weckten und stärkten. Es waren wohl die gleichen, die in der Nachbarschaft gesungen wurden (die 10 Gebote, der Glaube, das Vaterunser. Vergl. Schrems S. 59 Anm.). Seelengeraid nimmt der Pfarrer bei der Leiche eines Reichen einen Taler, von einem Ärmeren ½ Taler, zu Zeiten gar nichts. In der Pfarrei waren früher 2 Gesellpriester, jetzt ist er allein. Die Nachbarschaft ist in Vedenkung des Abganges der Priester davon zufrieden, früher war deshalb in Graßlfing Montags und Samstags hl. Messe, jetzt nur Samstags, auch dort wird der Gottesdienst am 3. Sonntag und Unserer Frauentagen gehalten mit Singen und Predigt. Absent hatte der Pfarrer keines mehr zu geben, sonst habe ihm der Herr von Rain ein Gewisses verordnet, aber er empfängt die Nutzung des Widdums. Von der Pfarrkirche hatte der Pfarrer für Jahrtage 3½ fl., der Mesner 9 Schilling, von der Kirche in Graßlfing für die Wochenmesse 4 fl., der Mesner

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3 Schilling, von Steinkirchen, wo früher auch eine Wochenmeß gewesen, jetzt nichts mehr, jetzt nur mehr am Ostertag und in der Kreuzwochen. Der Pfarrer erhielt für 3 Predigten dort 45 Pfg. und außerdem 1½ fl., der Mesner 80 Pfg. Der Pfarrhof ist etwas baufällig, Oberhauser ist vorhabens, ihn zu bauen. Das Gotteshaus und Mesnerhaus ist bei ziemlichem Bau, die Kirche in Graßlfing aber erfordert bis in 20 fl. für Wendung von Baufüllen, das Mesnerhaus dortselbst ist bei gutem Bau. In Steinkirchen waren Gotteshaus und Mesnerhaus nicht baufällig.

Was die Ausstattung der Kirchen betrifft, heißt’s bei S. Pankraz in Grafentraubach: des Sakramentshäusls, Taufsteins Und anderer Kirchenzier halber ist es in altem Wesen und christlichem Gebrauch nach gehalten. Die Kirche hatte 2 Kelche, 5 Meßgewänder, 1 Monstranz, das Sakrament ist in einer Capsula, Chrisam ist sauber gehalten, aber der Taufstein nicht versperrt, wie es sein sollte. Die Glocken haben einen Mangel am Helm, sonst fehlt nichts.

In Graßlfing: Hat Sepultur, Sakramentshäusl, ein wohlgeziertes Gotteshaus, welches in gutem Wesen erhalten ist; hat 2 schlechte Meßgewandt, 2 Kelche, vergoldet, aber deren Materie unwissend. Für Inslet und Wachs wird jährlich 8 fl. ausgegeben, in Steinkirchen für Wachs etc. ½ fl. Letzteres hat weder Sakrament noch Sepultur, 3 Meßgewandt und 1 vergoldeten Kelch, 7 fl. wert. Von St. Quirin in Dürnhettenbach ist nichts berichtet. Das Einkommen der Pfarrkirche ist an Geld bei 11 fl., hat ein Holz, aber gar erödigt, hingeliehenes Geld 15 fl. Einnahmen und Ausgaben (u. a. für Öl, Wachs u. dergl.) gehen gemeiniglich gegeneinander auf.

Graßlfing hatte Bareinnahmen 4 fl., an Zehent 4 Schaff, auf Zins ausgeliehenes Geld 60 fl. 1556 hatte es einen Bar-Rest von 20 fl. Steinkirchen hatte an Geldeinnahme 2 Groschen, 2 Äcker sind um 9 β verstiftet, Geld auf Zinsung 52 fl. Bar-Rest 1556 : 3 fl. Die Rechnungsaufnahme hatte in Grafentraubach und Graßlfing die Herrschaft zu Rain, in Steinkirchen das Kloster Mallersdorf. 1554 war ein Salbuch der Pfarrei neu angelegt worden.

Schon unter Pfarrer Oberhauser hat also der Unfug aufgehört, der damals noch herrschte, daß ein Pfarrer mehrere Pfründen innehatte und dann für die eine einen Vikar hielt, der die Schäflein weidete, während sie der Pfarrer schor. Dem Mißstand suchte das Konzil von Trient abzuhelfen, aber auch die Geldentwertung, die inflationsartig anfangs des 16. Jahrhunderts eingetreten war, machte die Erträgnisse der Pfarreien geringer, so daß sie nicht mehr für zwei reichten, die sich darein teilen konnten. Hier sind wohl die in der Kapitelmatrikel und von Mathes erwähnten Pfarrer Johann Hebmaier (Zebmaier) und Simon (Sigmund) Weinsteger (Weinstacker) einzufügen. Vielleicht waren sie nur Vikare gewesen.

Um 1570 führt Mathes als Pfarrer einen gewissen Johann Scherer auf, der von den Kuratoren der Tochter Ursula des † Freiherrn Hans Joachim zu Rhain am Niklastag „als berühmt tauglicher Priester” präsentiert wurde.

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Um 1572 wird auf die durch das Abtreten Scherers erledigte Pfarrei Pankhover Leonhard von denselben Kuratoren als Pfarrer präsentiert „als wegen ganz priesterlichem Wandel und solcher Geschicklichkeit gerühmter Priester”. 1578 hat die Pfarrkirche Wiesgült 10 fl. 1 β 8 ₰, an beständig Geld und Pfenniggült 10 fl., 8 β 5 ₰, und Rest vom Vorjahr 43 fl. 17 ₰. Bei der Kirchenrechnung wurde von Obrigkeit und Pfarrer verzehrt 3 fl. 3 β 15 fl. Als der Pfarrer und Kirchprobst den Hauptbrief über den Zaislberg von der Frau Seuboltsdorf holten, machte Zehrung und Kosten 2 fl. Beim Kerzenmachen wurde zu Lichtmeß alljährlich auf Kirchenkosten etwas für Brot und Bier verzehrt.

Von der Kirche in Graßlfing wurden 500 Öl à 6 kr. erkauft. Der Opferwein wurde vom Wirt genommen. Die Kirchweih wurde feierlich begangen und 5 Wachskerzen gekauft. Auf dem Turm war schon eine Uhr. Der Schmied sollte sie richten, erhielt 1577 3 Schilling, geschmiert wurde sie mit Baumöl. 1579 mußte sie der Uhrmacher von Straubing ausbessern, weil der Schmied mit seiner Kunst am Ende war.

1582 starb Michael Cromer Pfarrer von Grafentraubach. Der nächste Pfarrer Andreas Hoffriedt ist von Paul v. Leublfinger präsentiert 1582. Er nennt sich im Taufbuch 1588 pastor und rector S. Pankratii. Er war nach Visitationsbericht von 1590 aus Landshut, Freisinger Diözese, ehlich geboren, 50 Jahre alt, immer katholisch, vor 28 Jahren zum Priester geweiht in seiner Diözese, hat 3 Formata: Dimissorien, Admission in unser Bistum und die Investitur, was alles, wie es scheint, nicht bei jedem Pfarrer zutraff. Er machte wiederholt die professio fidei, betete nach dem Regensburger Chor sein Brevier, unterrichtete nach dem Katechismus des Canisius, den er nachmittags auszulegen begonnen hatte. Die Pfarrangehörigen kamen anfangs gut, blieben aber allmählich aus. Auch er sagt: Die letzte Ölung hat bisher niemand verlangt, anscheinend bestand die noch heutzutage manchmal grassierende falsche Meinung, man müsse darauf sterben; aber auch lutherische Anschauungen über den Jakobusbrief mochten ihren Teil dazu beigetragen haben. Beim Examen bestand er gut.

Über die kirchlichen Zustände in der Pfarrei wird berichtet, daß das Allerheiligste unter Seide in einem messingem Gefäße aufbewahrt werde, das jedoch nicht sauber und sogar gebrochen auch auf keine Korporale gestellt war. Die Partikeln waren unversehrt, die Ewiglichtslampe brannte ständig. Auch die heiligen Öle waren in Messinggefäßen und nicht mehr wie früher im Tabernakel, sondern richtig in der Sakristei verwahrt, der Taufstein war jetzt zwar verschlossen, jedoch der Deckel zerbrochen. Es waren in der Pfarrkirche 3 Altäre, konsekriert, die Leuchter dezent, das Sakrarium (Sakristei?) schön und hell; es fehlt das Gutturiutn (Kanne) und eine Piscina, sowie ein Tischlein für die Taushandlung. 3 Meßgewänder sind in verschließbarem Schrank, desgleichen ein silber-vergoldeter Kelch. Es fehlt an Kelchwäsche; ein Traghimmel, Vortragkreuz und 2 Bahren

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sind da. Das Sepulcrum ist zu erneuern. Es fehlt ein Auferstehungsbild, desgleichen ein Antiphonar, das Gesangbuch muß neu gebunden werden. Das Seelenhaus war sehr schadhaft und neu zu bauen, desgleichen die Friedhofmauer, ja die ganze Kirche, besonders Dach und Turm. Die Fenster waren zerbrochen. Also, es sah sehr traurig aus. Freilich, die Pfarrkirche hatte ein Einkommen von nur 12 fl. 3 β 17 ₰. Besser stand es um die Kirche in Graßlfing. Dort war der Tabernakel sauber und ehrbar, das Gefäß für das Allerheiligste aus Kupfer und armselig. Die 40 Partikel unversehrt unter Papier, auch ohne Korporale, die Lampe brennt stets. Die hl. Öle sind in gutem Messinggefüß, aber fälschlich im Tabernakel; sind in der Sakristei aufzubewahren! Das Taufwasser wird in Kupferflaschen von der Pfarrkirche geholt. Reliquien hatte die Kirche nicht. In dieser standen 5 Altäre, mit Bildern geschmückt. Bei 4 stand die Konsekration sicher, beim fünften jedoch, welcher der erste (also Hochaltar) und sehr alt war, wurde die Weihe angenommen, aber wegen des Alters nicht mit Sicherheit; bedarf der Erneuerung; Altartücher, Leuchter etc. sind vorschriftsmäßig. Das Sakrarium (Sakristei?) ist hell und versperrt, es fehlt aber ein Gutturium und eine Piszina, ebenso ein neuer Beichtstuhl. Jedoch sind da neue kostbare Paramente sowie 2 alte aber noch gute, ferner 2 Kelche, einer neu aus vergoldetem Silber, der andere kupfervergoldet in schlechtem Zustand. Auch hier fehlte es an Kelchwäsche. Ein alter Kasten ist in die Sakristei zu bringen. Das Kreuz ist zu erneuern; es fehlt ein solches sowie eine Bahre für Leichen, 4 Missale sind da, aber die kirchlichen Gesangsbücher fehlen.

Das Seelenhaus ist ganz unpassend, ohne Türe, soll umgebaut werden. Im Friedhof stehen einige Bäume, welche das Kirchengebäude schädigen, die Kirchenpröbste erhalten in Gegenwart des Richters von Rain und des Pfarrers vom Bisitator Auftrag, sie zu entfernen. Das Einkommen der Kirche besteht in 6 Schaff Getreide, 4 fl. 4 β in Geld, auf Zinsen sind 600 fl. Die Kirche stand also nach damaligem Geldwert nicht schlecht.
In Steinkirchen: Kapelle ohne Begräbnis und Sanktissimum, die Friedhofmauer ist unversehrt. In der Kirche 2 konsekrierte Altäre, auf denen aber die Altartücher fehlen, die Fenster sind gebrochen. Der Paramentenschrank in der Kirche ist zu renovieren, enthält ein altes Meßgewandt, einen vergoldeten guten Kelch, Fuß aus Kupfer, Kuppa aus Silber; Kelchwäsche fehlt auch hier. Nur an einem Altar sind 2 Zinnleuchter, Reliquien sind keine da. Ein neues schwarzes schönes Meßgewandt ist zwar vorhanden, aber kein Schultertuch und keine Alben etc. An der Nikolausfigur, welche bei Sammlungen dient, fehlen die Hände, ist auch neu zu fassen wie auch das Kreuz für die Charwoche. — Von Dürnhettenbach steht wieder nichts. — Wir haben die Befunde der beiden großen Visitationen von 1559 und 1590 ausführlicher gebracht, weil sie zeigen, wie die Zustände im Jahrhundert der Kirchenspaltung waren und es begreiflich machen, wie dieselbe so um sich greifen konnte; weil sie aber auch zeigen, wie die Kirchenbehörden

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schwer durchgreifen mußten, um Wandel zu schaffen. — Hoffriedt starb 1602. Von Pfarrer Hoffriedt stammt das älteste Tauf- und Trauungsbuch, das bis 1588 zurückreicht, oft furchtbar schlecht, manchmal auch recht sauber geführt ist und wie auch die folgenden viele Einblicke in die religiösen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der Pfarrei bietet.

Das schwere 17. Jahrhundert

Das Pfründeeinkommen von Grafentraubach

Am 8. November 1602 wurde Paul Gröbmaier, bisher Pfarrer in Steinbach, von den Vormündern der Leiblfing’schen Kinder präsentiert. Gröbmaier vergabte aufs neue den Widenbauernhof an einen Wolf Pitzlmaier. Die Widenhöfe (auch in Graßlfing war einer) gehörten eigentlich als Widdum dem Pfarrer zur Nutznießung, doch vielfach verstisteten (wir würden sagen: verpachteten) sie dieselben.

Um das Jahr 1609 setzte sich das Pfründeeinkommen von Grafentraubach zusammen wie folgt:

Der Pfarrhof und Stadel aus Holz bei ,,ziemlicher Würde”. Das Widdum ist an Hans Wiedenmeier verstistet, welcher davon jährlich gibt: 2 Schäffel Weizen, 2 Schäffel Korn, 1 Schäffel Haber. Diesorts sind keine Äcker vorhanden, so zu dieser Pfarre gehören. 7 Tagwerk Wiesmahd, welche gedachtem Wiedenmeier überlassen sind, er gibt davon 4 Gulden. Die Pfarre ist auch mit keinem Holzwuchs versehen, allein die Herrschaft gibt ihm gegen Reichung einer schlechten Gült jährlich neben anderen Untertanen 12 Klafter Holz, doch solches aus keinem Recht.

Weidebesuch hat der Pfarrer oder sein Widenbauer mit seinem Vieh an allen Orten, wo sonst die Gemeinde Grafentraubach weidet.

Zehent. In Grafentraubach hat ein Pfarrer bei keinem Bauern etwas zu empfangen, nur bei den Söldnern, doch auch nicht bei allen. Dieser Zehent mag betragen für 1 Jahr 1 Schäffel Weizen, 1 Schäffel Korn, 2 Viertel Gerste, 5 Viertel Hafer.

Zu Graßlfing gebührt vom Zehent der 3. Teil dem Pfarrer, der Übrige unserer lieben Frau. Davon gibt man dem Pfarrer jährlich 3 Viertel 2½, Metzen Weizen, ein Schaff 1 Viertel 2½ Metzen Korn, 1 Schaff 1 Metzen Hafer. Gerfte ist nicht erwähnt.

Zu Steinkirchen hat der Pfarrer in wenig Äckern den Zehent allein, sonst (außer des Amann Breiten) den 3. Teil. Solcher Zehent ist gewöhnlich verkauft (also nicht in Natur eingehoben) zu 20 Gulden.

Zu Dürrnhettenbach hat er ebenmäßig den 3. Teil, er trägt jährlich bei 15 Gulden.

Zu Laberweinting hat der Pfarrer allhie in etlichen Gütern den 8. Teil, wird gemeiniglich überlassen um 50 Gulden.

Zu Häder und Häbelsbach ebenmäßig in etlichen Äckern den 3. Teil, er erträgt 10 Gulden.

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Zu Scharrn und Kreuth: Auf diesen beiden Einöden erträgt der 3. Teil 4 Gulden.

Pfenniggült. Von einem Jahrtag, so der edel und gestrenge Hanns von Frauenberg zum Haag gestiftet, jährlich 3 Gulden. Von unserem Liebfrauen-Gotteshaus Graßlfing wegen der Wochenmeß 4 Gulden.

Vom Niklas-Gotteshause zu Steinkirchen 1 fl, 1 β 15 hl.
Vom S. Quirins Gotteshause zu Dürrnhettenbacb 1 fl. 3 hl.
Gg. Auer von Graßlfing gibt von seiner halben Hof Gült 4 fl. 3 β

5 hl. Sebastian Stigler dortselbst von einem Viertl eines Hofes 3 fl. 3 β.

Summe des ganzen Einkommens (außer den Accidentien und der Stola) an Getreide nach dem Landshuter Maß:

Weizen3Schäsfel3Viertel3Metzen
Korn413
Gerste_2
_
Haber251

1619 heißt es (Ger. Lit. Kbg 7a) das Einkommen des Pfarrers ist meistens vom Zehent, wird auf 300 Gulden geschätzt, davon aber einiges an den Kooperator geht.

Nachdem Gröbmaier 1613 frei resigniert hatte, wurde Georg Steibl präsentiert „eines christlichen, geistlichen Lebens und gottselig exemplarischen Wandels gerühmt”. —- 1615 finden wir in der Kirchenrechnung an Gottesberat (Opfergaben) 5 fl. 3 β 15 ₰, auch Stuhlgeld gab es schon: 3 fl. 3 β 15 ₰. Für Uhraufziehen hatte der Mesner jährlich 2 fl. 3 β (noch 1640). Zur Osterzeit wurden als „Speisewein” 6 Köpfl Oberländer Wein gekauft à 10 kr. Dieser Wein wurde geweiht und nach der hl. Osterkommunion den Gläubigen zu trinken gegeben. Auch an Johannes Ev. wurde geweihter Wein ausgeteilt und hiefür 2 Köpfl Bayerwein à 10 ₰ erworben. — Der Kirchenförster erhielt als Trinkgeld 1 β 12 ₰, die Pfeifer am Fronleichnamstag 2 β. Die Gesamteinnahmen der Kirche waren 28 fl. 1 β 2 ₰. Die Gesamtausgaben aber 29 fl. 4 β 8 ₰. Steibl resignierte bereits zu Anfang 1616 auf die Pfarrei.

Es wurde Blasius Bräntl, durch Präsentation vom 20. 1. 1616, ein Priester aus der Augsburger Diözese, sein Nachfolger, bis auch dieser 1627 die Pfarrei aufgab.

1627 am 8. April erfolgte die Präsentation des Johann Harscher, ebenfalls aus dem Augsburger Bistum, der als wohl qualifizierter Priester bezeichnet wird. Dieser hatte harte Zeiten durchzumachen durch die Einfälle der Schweden 1632 und 1633. Der Zehentbauer des Pfarrers in Dürnhettenbach hieß 1628 Paul Hainzl. Derselbe hatte dort ein Gütl vom Pfarrer und mußte dagegen den Zehent in Dürnhettenbach für den Pfarrer einsammeln und einlegen. Aus Harschers Zeit stammt die Schutzengelfigur in der westlichen

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Außenwand der Kirche. Von 1633 ab hören wir nichts mehr von Harscher, wohl ist derselbe jener Pfarrer von Grafentraubach, der 6. 11. 1633 bei der Explosion in Straubing verunglückte.

Erst 13. 12. 1634 wurde zwar ein M. Christof Kurzböck, gewester Pfarrer von Griesbach, präsentiert, doch starb derselbe schon vor Antritt seines Postens (an Pest?). Hatte es bei Kurzböck schon lange gedauert, bis sich ein Bewerber fand, so fand sich jetzt gar keiner, und wurde einstweilen Simon Rainer, Pfarrer von Pfaffenberg, als Provisor aufgestellt, „weil jetziger Zeit die reditus (Einkünfte) fast allerorten klein und schlecht”. Die Taufen wurden in Pfaffenberg eingetragen. Nach den Rechnungen der Herrschaft und der Kirchenstiftungen Grafentraubach lagen 1635 viele Güter öde infolge von Krieg und Pest, manche verbrannt, manche bloß ohne Bewohner und Bebauer.

„Weil man einen eigenen Pfarrer haben will”, präsentierte Paul Chr. v. Leublfing den cand. phil. Kaspar Bayer, gewester Kaplan von Aufhausen, einen tatkräftigen Mann.

Bayer sah sich 1646 gezwungen, im Interesse seiner Pfarrkinder gegen die erhöhten Scharwerksforderungen des neuen Hofmarksherrn Hans Albr. v. Haimhausen Stellung zu nehmen. Der Pfarrer und 10 Roßscharwerker, darunter einer von Hofkirchen, sowie 18 Handscharwerker widersetzten sich dieser Neuerung. Der Hofmarksherr ließ darauf die Bauern und Söldner verhaften, dem Pfarrer drohte er, die Pferde auszuspannen. Der Pfarrer wandte sich für sich und seine Cons mit einer Supplikation an den Vizedom in Straubing, weil sie nicht nur nach Grafentraubach, sondern auch nach Laberweinting die Scharwerk leisten sollten. Der gemeine Mann sei ohnedies in diesen Läuften sehr bedrängt und mit vielfältigen Lasten beladen, auch wären die Güter noch nicht so mit Roß und Geschirr wie vordem versehen. Umgekehrt gedächten die Laberweintinger Untertanen nach Grafentraubach keine Scharwerk auf sich zu nehmen. Desgleichen hätten die Ober- und Niedergraßlfinger, die nach Grafentraubach gehörten, noch niemals mit und neben ihnen gescharwerkt. Es möchte an den Richter von Laberweinting der Regimentsbefehl ergehen, daß diejenigen, welche in Haft lägen, alsbald entlassen und dem Pfarrer die angedrohte Ausspannung der Pferde eingestellt werde und daß die zu ihrem Schaden vorgegangene Alienierung und Verkausung der Scharwerk gänzlich aufgehoben und „uns alle Untertanen, so zuvor mit uns gescharwerkt, wiederum zugelegt und auch wir alsdann wider das alte Herkommen, auch wider die Landrecht und Möglichkeit mit der Scharwerk keineswegs beschwert werden”. Haimhauser wollte die Beschwerde als ungebührlich und mutwillig ablehnen. Am 8. 2. 1647 erging jedoch der Reg.-Entscheid, daß er den Scharwerkpflichtigen wider die kurfürstl. Landrecht und gegen die Möglichkeit nicht beschweren soll. Die Klagesührer erbaten 9. 2. vorsichtshalber auf ihre Kosten eine Abschrift dieses Entscheids.

An fast allen Altären der Pfarr- und Filialkirche waren durch Bayer Antipendien von „vergüldetem Löder” beschafft worden. 1648

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haben die Kaiserlichen dem Pfarrer allda 1 Roß weggenommen 30 fl. wert und 2 Schweine 8 fl. wert. Der Pfarrer war öfters gezwungen zu flüchten, wie aus einer Notiz im Taufbuch ersichtlich ist.

Als 1648 die Schweden wieder hier waren, haben sie in der Pfarrkirche und in der Kirche in Graßlfing die Fenster eingeschlagen und das Blei davongetragen, desgleichen in beiden Kirchen die Opferstöcke erbrochen, in Grafentraubach auch das Kelchkästl. 1648 heißts: An beständigen Geld und Gülten war des leidigen Kriegsruins halber einzubringen gewesen: Nihil (= nichts), der Opferstock hatte doch 24 kr. Inhalt. Von den 2 Hausern, auf denen die Kirche Geld liegen hatte, als unbewohnt: Nihil ebenso vom Hofbauerngut: Nihil. Pfarrer Bayer zog es vor, anfangs 1649 die Pfarrei Laberweinting zu übernehmen. Im Jahr vorher hatte zum Unglück auch noch der Blitz in den Turm geschlagen, so daß er nicht unter 80 und mehr Gulden repariert werden kann.

Die Gutsherrschaft präsentierte am 16. 3. 1649 einen Zisterzienser Johann Nikolaus Weiselius, doch scheint dieser vom Ordinariat abgelehnt worden zu sein, denn schon 18. September desselben Jahres brachte sie Kaspar Huber, der sich damals in Pinkofen aufhielt, in Vorschlag.

In der gesamten Pfarrei Grafentraubach waren nach Ende des 30 jährigen Krieges (1650) nur 47 Chepaare, 3 Witfrauen, 1 Witwer, also 51 Familien. Zur österlichen Zeit gebeichtet haben alt und jung, sind 148, alle gehorsamlich erzeugt. Nicht gesirmt sind (von 5 Jahren aufwärts an gerechnet) bei 100. Die Seelenzahl ist demnach auf kaum mehr als 250 Personen in der ganzen Pfarrei heruntergesunken. Nach dem Inventar von 1649 war in der ganzen Pfarrei nur mehr ein Meßkelch und zwar in Graßlfing vorhanden, die anderen waren durch Raub oder Plünderung verloren gegangen. 1649 hat die Hofmarksherrschaft für die Pfarrkirche einen machen zu lassen versprochen. Wie die geldliche Not im Lande war, ersieht man, daß „des leidigen Kriegswesens halber” seitens der Kirche das jährlich beständige Einkommen nicht genossen werden kann; doch gab die verarmte Bevölkerung für Gotts-Berath und Sammlung 5 fl 39 kr. her. Die Felder waren großenteils nicht angebaut, da viele Anwesen niedergebrannt und öd lagen z. B. Scharn und Kreuth, sowie der Zaißlhof; noch 1665 lagen viele Felder öde und verwachsen; ja der Zaißlhof, der zur Pfarrkirche grundbar war, noch 1687. Man hatte sich bemüht, ihn auf Leibrecht zu vergeben, endlich kauften ein Mich. Schäderer und seine Frau Magdalena aus Niedertundting (?) die Erbgerechtigkeit darauf um 180 fl. und die Verpflichtung, so bald als möglich Haus, Stall und Stadel aufzubauen und die Felder ertragsfähig zu machen und dann die Abgaben zu leisten. Die Vevölkerungsabnahme hatte auch hier die überall wahrnehmbare Folge, daß man für die öd liegenden Anwesen und Höfe nur schwer einen Bewirtschafter (Mayer) bekommen konnte. Das hatte aber das Gute für den Bauernstand, daß die früher so häufige Vergebung der Anwesen in Freistift dem viel günstigeren und im Interesse der Wirtschaftlichkeit und des

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meinwohls wünschenswerteren Erbrechte Platz machte. Bei der Wiederbemaierung war es hauptsächlich um die gesicherte Leistung der jährlichen Grundlasten zu tun. Aber auch da kam man entgegen. Als 1668 der Hof in Kreuth wiederbemaiert wurde, mußte der neue Erbrechter zunächst nicht den ganzen Getreidedienst leisten, sondern anfangs wenig, dann jedes Jahr 1 Metzen mehr „bis er den völligen Dienst erreicht habe”, was 1693 noch nicht der Fall war.

1652 ist Pfarrer Bayer von Laberweinting hier eine Weile Provisor. Nach Ausweis der Kirchenrechnung ist 1652——1657 Magister Christian Henerle hier Pfarrer. Er hatte Schwierigkeiten 1655 die Infulsteuern zu bezahlen laut Schreiben des Dechants Hemauer in Sallach. Die Herrschaft hat ihm aus gutem Willen auf 16 Jahr die Scharwerkleistung erlassen, weil die Güter nicht alle vermaiert und er den Zehent und anderes mit völlig zu genießen hat.

1658——1662 zeichnet in den Kirchenrechnungen als Pfarrer P. Paul Mörsperger. Auch dieser gab die ganz verarmte Pfarrei bald auf.

1663 erhielt dieselbe Magister Thomas Engelbrecht. Bei der Visitation durch Gedeon Forster waren in der Pfarrkirche der Hochaltar St. Pankratius, die Seitenaltäre der Mutter Gottes bezw. dem hl. Wolfgang geweiht. Die Kapitalien der Kirche betrugen nur 349 fl. In Graßlfing waren 5 Altäre: der Hochaltar der Mutter Gottes. Auf der Evangelienseite St. Sebastian, auf der Epistelseite S. Maria in Erypta (Gnadenkapelle?), dann der Apostel— und schliesslich der Allerheiligenaltar. Die Zinsen der Kirche waren 229 fl. Die Quirinkapelle zu Dürnhettenbach hatte l Altar, aber die beträchtlichen Zinsen von 749 fl. St. Nikolaus in Steinkirchen hatte nur mehr 1 Altar, Zinsen 49 fl. Die Einkünfte der Pfarrei sind auf 150 fl. (wohl ohne Widdum) angegeben. Die Seelenzahl war nur 270, davon 190 Kommunikanten bezw. 100 Gefirmte.

Nach Englbrechts Tod 1668 wurde 6. 6. 1668 präsentiert der bisherige Pfarrer von Pfaffenberg: Nikolaus Hällmayer (Haylmayr). Vom Pfarrerfeld waren 1669 noch einige mit Poschen bestanden. Noch immer kamen die Zinsen und Gülten mangelhaft herein. Hällmayr resignierte 1674 auf die Pfarrei.

20. 2. 1674 erfolgte die Präsentation für Adam Anneis (auch Uneis und Onneis), welcher bisher Pfarrer in Holztraubach gewesen. Unter ihm wurde die 2. Glocke von Steinkirchen gegossen, vielleicht nachdem er den dortigen Turm gebaut hatte.
Seine Grabschrift im hiesigen Friedhof lautet: Allhie ligt begraben der Ehrwürdig Geistlich Adam Onneis, gewester Pfarrer allhie, welcher gestorben den 19. Okt. anno 1686. Kurz vorher hatte er noch resigniert.

Am 10. 10. 1686 erfolgte die Präsentation seines Nachfolgers durch den Richter Joh. Frz. Schafrath an Stelle des abwesenden Hofmarksherrn: Georg Schönbeck. Dieser fällte auf Pfründegrund einige Eichen und Stangen für Baufallwendung und kam nach Meinung des Richters auf Herrschaftsgrund, die Bauern aber stellten sich auf Pfarrers Seite. Auch soll dieser die Vorkehrungen des Herrschaftsjägers zum Vogelfang gestört haben. Daraus entwickelte sich ein

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unerquicklicher Zwist mit dem Richter, so daß der Dechant zu einem Pfründetausch riet.

Schon nach 4 Jahren tauschte Schönbeck deshalb unter Zustimmung der Herrschaft vom 8. 11. 1690 mit Johann Winter, bisherigem Pfarrer von Kallmünz.

Auch Winter tauschte bald wieder die Pfründe mit Johann Adam Schenkl, bisher Pfarrer in Burglengenfeld, einem sehr empfindlichen Manne und der Hofmarksherr gab 14. 11. 1693 seine Zustimmung, obwohl ihm verschiedene Subjecta eventualiter commendiert worden, nachdem Schenkl versprochen den Pfarrhof zu bauen, der sehr baufällig war. Er bereute es; denn Schenkl kam sowohl mit dem Hofmarksrichter als auch mit der Gemeinde in Konflikt. Mit dem Hofmarksrichter Romaier wuchs er sogar zu schwerster Feindschaft aus; es ist schwer zu entscheiden, auf wessen Seite mehr Schuld lag. Aus ging es davon, daß Schenkl behauptete, der Richter hätte Beihilfe zur Baufallswendung versprochen, es aber nicht gehalten. Nachdem sich die Gemeinde ebenfalls wider Pfarrer Schenkl in vielen Punkten graviert befunden, hatte selbe (durch den Richter!) ein Memorial an die Herrschaft verfassen lassen; als dies nichts geholfen, wandte sie sich ans Konsistorium. Schenkl ging in seinem Verdruß fort und schickte einen Pater von Mallersdorf. Auf oberhirtlichen Befehl mußte er resignieren. Der Pater von Mallersdorf hatte das Provisorat. Schenkl, der nach Regensburg gegangen, klagte, daß der Richter sein Todfeind gewesen.

Der Stadelbau. Schon 1653 sollte der Stadel gebaut werden, der eingefallen war. Der verstorbene Pfarrer hatte deshalb den Widden (Pfarrgrundstücke) verstiftet. Die Kirche in Graßlfing sollte etwas beisteuern, desgleichen die Verlassenfchaft. Der Voranschlag war 30 fl. für das Holzwerk, das Stroh für das Dach sollte der Pfarrer von Laberweinting als Provisor einstweilen vom Zehentstroh leihweise hergeben. Das Ganze ward ein Flickwerk, das stete Reparaturen forderte. Schenkl machte sich 1696 an den Neubau, der ihm sehr viel Verdruß bereiten sollte.

Ich setze die Abrechnung hieher als Beispiel damaliger Bauweise und Baupreise:

36 eichene Geschwellreiser54 fl.
546 gute Bauhölzer141 fl.
12 Schilling Latten6 fl.
Zu den (Knecht—)Stuben und Traidboden für 200 Bretter50 fl.
24000 Beschlagschindel (24 fl.)
und 24000 Beschlagnägel (19 fl. 12 kr.) 43 fl.12 kr.
Arbeitslohn für Zimmermeister und 19 Gesellen
(der Meister hatte 20 kr. und Kost,l
die Gesellen 20 kr. ohne Kost) 280 fl.
Verschiedenes 1 fl. 19 kr. 2 hl.
Gesamtsumme 575 fl. 31 kr. 2 hl.

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Grafentraubach. Inneres der alten Pfarrkirche.
(Eigene Aufnahme)

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Obergraßlfing. Inneres der Kirche

Aufnahme : Landesamt für Denkmalspflege

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Obergraßlfing. Schutzmantelmadonna. Wandgemälde in der Kirche. Um 1708
Unter den Personen vermutlich die Sdhloßherrschaft

Aufnahme: Landesamt für Denkmalspflege

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Steinkirchen. Ansicht der Kirche von Westen

Aufnahme: Landesamt für Denkmalspflege

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Schenkl hatte auch den Keller beim Roßstall und den Backofen neubauen lassen und 128 fl. auf kleine und größere Baufälle im Pfarrhof aufgewandt. Sein Nachfolger verglich sich mit ihm, wobei Schenkl, der Sazellan in Regensburg geworden war, klagte, daß ihn der Richter Lorenz Romaier nicht nur um die Pfarrei gebracht, sondern auch um sein wenig Hab bringen wolle, da er verlangte, daß Schenkl zur Kirche Graßlfing 150 fl. refundiere. Höchtl übernahm die Ökonomiefahrnisse etc. — Zu einem dritten Pfründetausch wollte der Hofmarksherr Max Phil. von Ginshaim nicht mehr zustimmen. Derselbe präsentierte daher am 4. 6. 1696 den Kaplan an der alten Kapelle in Regensburg Magister Johann Ulrich Hechtl (Höchtl) c. utr. jur. Damit hatte er den richtigen Mann gefunden.

Die Pfarrer der neueren Zeit.

Grafentraubach hatte von jetzt ab das Glück, meist tüchtige und eifrige Pfarrherren zu bekommen, die größtenteils auch lange Jahre wirken konnten.

Höchtl ist zu Stadtamhof geboren und 1690 geweiht worden, war also in den allerbesten Jahren. Er verstand sich sehr gut mit Herrschaft und Richter. Alsbald machte er sich daran die Schäden auszubessern, welche an den kirchlichen Bauwerken bei den so rasch aufeinander folgenden Pfründewechseln entstanden waren. Sofort traf er zwar Vorbereitungen zum Pfarrhofbau. Aber vorerst lag ihm der Bau der Pfarrkirche noch mehr am Herzen. Nachdem das Konsistorium erlaubt hatte, daß das Seelenhaus an die Seite der Kirche transferiert und der Platz zur Kirchenverlängerung verwendet werde, genehmigte die Hofmarksherrin Maria Theresia v. Ginshaim den Umbau. Sie schenkte dazu alles nötige Holz; die Spanndienste leisteten die Einwohner von Grafentraubach unentgeltlich, auch arbeitete jeder 2—3 Tage umsonst, den Bau leitete der Mauerermeister Georg Prunner von Mallersdorf, den Dachstuhl setzte Zimmermeister Mathias Rothmayr von Sallach, das Portal, die Weißdecke und Empore machte Mauerermeister Zwerger von Pfaffenberg, die Fassung der Innenrichtung Maler Thomas Neidhardt von Geiselhöring; und zum Teil der Schulmeister Knidl von Graßlsing. Neue Kirchenstühle lieferte Schreinermeister Mathias Carl von Mallersdors. Die beiden Kirchen in Grafentraubach und Graßlsing erhielten um je 15 fl. neue Uhren, (mit Perpendikel wird ausdrücklich bemerkt, also waren die alten anders). Sie lieferte Carl Lothar Element aus der Trierer Gegend. Der ganze Umbau koftete 828 fl. 37 kr. Der Turm wurde erst 1721 etwas abgebrochen und in heutiger Form aufgebaut vom Maurermeister von Pfaffenberg und Zimmermeister Rieder von Grafentraubach. Die Herrschaft gab das gesamte Holz wieder gratis. Die Kosten waren 755 fl., dazu kamen für den Umguß des Geläutes durch Neumaier Stadtamhof 535 fl.

Nachdem die Pfarrkirche in neuem Glanze dastand, wollten die Graßlfinger nicht zurückstehen und auch ihre Kirche umbauen. Weil

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sich solche Baufälligkeit zeigte, besonders am Turm, daß eine Reparation nicht mehr verfangte, genehmigte das Konsistorium 2000 fl. hiezu aufzunehmen. Auf Wunsch der Hofmarksherrin wurde eine Vergrößerung des Innenraumes in Betracht gezogen,

Obergraßlfing. Schnitt der Kirche. Aufnahme: Landesamt für Denkmalspflege.

weshalb die Friedhofmauer hinausgeschoben wurde. Plan und Bauführung waren von Maurermeister Martin Strauß von Stadtamhof, der 1373 fl 59 kr. erhielt, Zimmermeister Johann Wengler in Regensburg erhielt 466 fl.

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Zum Bau wurden von der Herrschaft 26 große und kleine Eichreiser um 54 fl., andere Zimmerhölzer um 80 fl. gekauft. Großzügig wurden gleichzeitig für den Pfarrhofumbau 16 Eichreiser und 400 Bauhölzer um 104 fl. von der Kirchenstiftung mitbezahlt. Die Ziegel wurden

Obergraßlfing. Grundriß der Kirche. Aufnahme: Landesamt für Denkmalspflege.

in Regie gebrannt und von Rogling 28 Fuhren Bausteine geholt, die Marmelfteine für die Antritte kamen von Kelheim. Von der alten Kirche blieben nur die Mauern des Chores stehen, die oben erhöht werden mußten. Chor Und Schiff sind in Tonne mit Stichkappen gewölbt. Die Gliederung geschieht durch flache Wandpfeiler mit

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vorgesetzten Pilastern im Schiff, im Chor nur durch starke Pilaster. An der Nordseite sind Sakristei, Gnadenkapelle, Seelenhaus und Turm angebaut. Letzterer ist viergeschoßig. An den Ecken des Obergeschoßes Pilaster, rundbogige Schallfenster, verkröpftes Gesims, Kuppel. Die Stukkaturen (vorwiegend leichte Akanthusrankens) sind um 160 fl. von Bernhard Eckmann aus Landshut: Über dem Eingang zur Gnadenkapelle sind die drei göttlichen Tugenden um eine Kartusche mit der Aufschrift: Reginæ virtutum (= der Königin der Tugenden geweiht). Die Decken— und Wandgemälde sind von den Landshuter Malern Joh. B. Unterrainer und Gg. Friedrich Moll (316 fl.). Schreiner Mathias Carl Mallersdorf machte die Kirchenstühle, 1710 die Kanzel, dann wohl auch dsie Altäre. Der Gnadenaltar ist jünger (etwa 1730). 1709 noch wurde die Kirche durch den Weihbischof von Regensburg eingeweiht unter gewaltigem Zustrom der Geistlichkeit und Laien der weitesten Umgebung. Auch wurde dabei die hl. Firmung gespendet. In den Grundstein war eine zinnerne Platte geschlossen worden mit dem Namen des Papstes, Kaisers (Bayern stand unter kaiserlicher Administration), der Herrschaft und des Pfarrers. Der ganze Bau kam auf 5456 fl. 43 kr. zu stehen. Die Hosmarksherrin kaufte auf Kirchenkosten um 183 fl. kostbare Stoffe und Material, um für Graßlfing und Grafentraubach daraus eigenhändig Paramente zu fertigen. 1728 ist von einem neuen Haus an der Kirche die Rede (wohl der westliche Anbau). Auch auf Steinkirchen erstreckte sich Hechtls Eifer. Den dortigen Altar hat laut Inschrift: „Nikolaus Egmann anno 1703 der geweste Amer allhier machen lassen.”

„Der brave Mann denkt an sich zuletzt”, heißt’s im Sprichwort So kam die Erbauung des Pfarrhofes erst an die Reihe, nachdem die beiden Kirchen fertig dastanden. 21. 2. 1707 hatte der herrschaftliche Richter Romaier ans Ordinariat berichtet, daß sich die Herrschaft resolviert (entschlossen) habe, den ganz baufälligen Pfarrhof von des Gotteshaus Mitteln darum erbauen zu lassen, weil bei demselben einige Reparation nicht verfängt und alle aufgewandten Unkosten umsonst sind. Der Pfarrer kann nicht einmal 6 Schäffel Getreide aufschütten, ohne den Einsturz zu befürchten. Der Stadel sei vor einigen Jahren gebaut worden. Am 26. 2. gab bereits das Ordinariat den Consens. 1709 wurde dann der Bau aufgeführt von Zimmermeister Rothmayer aus Sallach um 1800 fl., ganz aus Holz und mit Schneidschindeln gedeckt. (Siehe das Bild.) Freilich hatte man denselben zu wenig aus dem Boden herausgebaut und nicht untermauert, was bei dem hohen Grundwasserstand in Grafentraubach mehr beachtet hätte werden sollen. Bei der Kirche hatte man das ebenfalls übersehen, daher schon wenige Jahrzehnte später die Klagen über feuchte Kirche und über Schaden am Pfarrhof.

Die Allerseelenbruderschaft.

Zur größeren Ehre Gottes und zum Seelenheil der Lebenden und Verstorbenen gründete Pfarrer Höchtl die Allerseelenbruderschaft, die

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am 10. August 1702 der Erzbruderschaft am Alten Hof in München einverleibt und 4. Dezember 1702 bischöflich konfirmiert (bestätigt) wurde. Die Bruderschaft hat laut Urkunde vom 10. 8. 1702 die Ablässe der Erzbruderschaft. Der Hochaltar ist nach Bulle Pius VI. vom 3. 3. 1775 für dieselbe privilegiert 1 Tag in der Woche. Sie hatte jährlich 5 Conventtage mit Exhortation und Gedenken der verstorbenen Mitglieder nebst 5 Vaterunser und Credo, am folgenden Tag Seelenamt und Libera, dann ein Dreißiger vor ausgesetztem Allerheiligsten nach Bruderschaftsbüchlein, zum Schluß Prozession und Ablaßgebet. Mit der Allerseelenbruderschaft war und ist ein Meßbund verbunden, dem stets 30 Mitglieder angehörten. Nach Matrikel 1863 war das Titularfest am Sonntag nach Michaeli, 5 Nachmittagskonvente mit Predigt und 5 Ämter; Dreißiger und Prozession sind nach einer Aufschreibung Pfarrer Pröhubers von 1860 damals noch üblich, wenn auch mit kleineren Änderungen. 1848 hatte die Bruderschaft nur 339 fl. Kapitalien, dazu 51 fl. Ausstände. Die jährlichen Ausgaben waren 21 fl., die Einnahmen nur 13 fl. 84 kr. 1790 hatte die Bruderschaft noch 410 fl. Kapital gehabt. Um 1870 wurde die Bruderschaft oberhirtlich reorganisiert. 1902 wurde durch Pfarrer Zeiler das 200 jährige Bestehen durch feierliches Triduum (Redemptoristen) begangen.
Die Ausstattung der Kirchen lag Höchtl ebensosehr wie ihr Bau, am Herzen; vor allem, wie schon erwähnt, mit Paramenten. Für die Erhaltung des Ewigen Lichtes hatte Freifräulein Magdalena von Ginshaim 1706 ein Legat von 360 fl. gemacht. Die Ölgemälde Himmelfahrt Mariä in Dürnhettenbach und der Heiland an der Geißelsäule in Grafentraubach sind unter ihm gemalt worden. In die Pfarrkirche wurden 3 silbervergoldete Kelche nach und nach beschafft, desgleichen 1712 der Kreuzpartikel. Aus seiner Zeit stammt das Christkind im Schrein mit goldgesticktem Kleid (siehe Bild). 1718 kam in die Pfarrkirche ein neues Ziborium von Joh. Gg. Strumpfecker in Landshut, wozu ältere Sachen darangegeben wurden, 1719 dazu die silbervergoldete Krone. —- 1719 wurde „der am Palmsonntag herumreitende Heiland” renoviert. 1720 kamen in die Sakristei statt der eichenen 2 neue steinerne Fensterstöcke mit schweren Eisenstangen, denn in der Nacht vor Mathias 1719 war in die Sakristei eingebrochen und zwei in einem Kästl verwahrte Kelche geraubt worden. 1722 wurde die Orgel ausgebessert durch Orgelbauer Michl Ott in Straubing. Höchtl wurde 1724 auch Kammerer des Kapitels Geiselhöring.

Für die festliche Gestaltung der Gottesdienste tat Höchtl sein möglichstes. 1705 ist z. B. erwähnt, daß an Fronleichnam den Spielleuten und Schützen 1 fl. 45 kr. verabreicht wurden, dem Vorsinger und Sängerinnen 45 kr.

Kammerer Dr. Ulrich J. Höchtl starb 63 Jahre alt am 20. 1. 1729 und ließ sich bei der Statue des hl. Florian, die noch aus dem 17. Jahrhundert stammt, beerdigen. Sein Bild ist in Graßlfing auf

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dem Schutzmantelbild links zwischen Papst und Kardinal sichtbar. (Siehe Abbildung.)
Am 10. Februar 1729 präsentierte der Gutsherr den bisherigen Pfarrer von Waldmünchen Maximilian German Romaier, geboren 3. Oktober 1699 in Grafentraubach als Sohn des Herrschaftsrichters Johann Lorenz Nomaier. Getaust ist er am 4. Oktober als Maximilanus Colomann Romaier laut Taufbuch Er hatte auch jus can. studiert. Schon gleich anfangs klagte er, daß die Pfarrkirche so sehr feucht sei, daß alles grau werde, weshalb die hl. Gestalten sehr oft erneuert werden müßten; auch der Pfarrhof ist schon reparaturbedürftig. Noch immer sei kein Salbuch da. Allein auch er hatte 1751 nur statt dessen ein Manuale.

1732 wurden in der Kirche zu Obergraßlsing um 25½ fl. die Bilder Christi und der 12 Apostel in die Felder der Emporebrüstung durch Maler Nikl Pärtl aus Landshut hineingemalt. Diese Brüstung ist durch Halbsäulchen in 13 Felder geteilt. Sollte sie um diese Zeit gemacht worden sein? Aus dieser Zeit stammt übrigens auch der Gnadenaltar in der Seitenkapelle. Auch 2 Glocken wurden 1730 von M. Neumaier für die Kirche gegossen. 1736 kam ein fournierter neuer Hochaltar in die Kirche zu Dürnhettenbach 2l. 12. 1735 berichtet Romaier, daß er den Riß und Überschlag ans Ordinariat einsenden werde, sobald er aus Kirchberg zurückgesandt wäre. 1739 starb sein jüngster Bruder Johann Ulrich Romaier, Kooperator in Sallach. Um 1740 sind die Figuren St. Christoph und Johann der Täufer (Gegenstücke) in der Pfarrkirche. Seinen Eltern Johann Lorenz und Auguste Sofie Romaier setzte er einen künstlerischen Inschriftstein daselbst. 1749 zählte man in der Pfarrei 350 Kommunikanten, was einer Seelenzahl von 480 Seelen entspräche.

Seit 1745 hatte Romaier einen Supernumerar (Kooperator) in Josef Steib aus Niedertraubling. Schon damals begann er zu kräukeln. 1758 heißt es: Er liegt schon fast 10 Jahre, wenn auch nicht immer. Ja, er läßt sich anziehen und besorgt die Pfarrgeschäfte. Um 1750 wurde laut Vorschrift im Friedhof ein großes Kreuz aufgerichtet.

1. 3. 1752 berichtet der Pfarrer, daß von der Regierung die Resolution da sei, daß in Dürnhettenbach das Lang- und Seelenhaus an heuer noch gebaut und sobald als möglich damit angefangen werde. Ein Teil des Langhauses ist bereits eingefallen. Der neue Bau soll 46 Schuh lang, 28 breit und 23 Schuh bis zum Hauptgesims hoch werden. Gegenüber dem Chor soll das Seelenhaus rundgeschlossen gebaut werden. Der Chor blieb allein stehen. Er ist eingezogen, dreiseitig geschlossen. Am 24. 4. 1754 berichtet Dechant Benedikt Weindl von Hofdorf, daß das ganze Langhaus von Grund aus mit Gewölb und Dachung gemacht und bis auf die Kanzel und Kirchstühle, so schon angefrümt (bestellt) sind, recht sauber und schön erbaut sei. Der neue Choraltar sei stehen geblieben. 27. 4. erhielt er den Auftrag, die Kirche zu benedizieren. Dieselbe hat 4 Fensterachsen,

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Flachtonne mit Stichkappen, Wandgliederung durch kräftige toskanische Pilaster mit reich profiliertem Gebälk. Der Turm hinterm Choraltar, viereckig, das 4. Stockwerk achteckig auf die Fenster im Achteck noch Ochsenaugen. Der Turm hatte Kuppel der heutige Spitzhelm ist jüngeren Datums. Der Kostenvoranschlag war 920 fl. 48 kr. für die Maurerarbeit durch Lorenz Attensperger, Maurermeister in Pfaffenberg, und 264 fl. 56 kr. Zimmerarbeit von Joh. Mich. Kollhamer, Zimmermeister in Niederlindhart. Die Gesamtkosten waren aber rund 1146 fl. 24 kr., wie der Pfarrer berichtet.

1748 war auf Anregung des Kurfürsten in Bayern die Ewige Anbetung eingeführt worden. In Grafentraubach traf sie auf den 25. März abends 2—6 Uhr und 26. März 5—9 Uhr. Die Ordnung der Betstunden war: 25. 3.: 2 Uhr Dürnhettenbach, 3 Uhr Graßlfing, 4 Uhr Steinkirchen, 5 Uhr Grafentraubach und die 4 Einöden Am 26. 3.: 5 Uhr Grafentraubach und Einöden, 6 Uhr Steinkirchen, 7 Uhr Graszlfing, 8 Uhr Dürnhettenbach.

Bei der Visitation 1756 war der Pfarrer schwerkrank. Es heißt, daß Graßlfing jüngst (!) erst ausgemalt und ein neuer Altar aufgestellt wurde und daß kostbare Paramente vorhanden seien. Das Pfarrhaus ist in gutem Zustand.

Pfarrer Romaier starb 1759 am 12. März in der l1. bis 12. Mittagsstunde. Seine Grabplatte ist im Friedhof. 1759 erhielt der Kurfürst auf 5 Jahre die Erlaubnis, von den Einkünften des Welt- und Klosterklerus ein Zehntel zu fordern, das wurde aber in der Folge immer verlängert. Damals hatte die kirchliche Obrigkeit sogar für die Hebammen zu sorgen, natürlich in erster Linie, damit jedes Kind im Interesse der Taufe lebend zur Welt komme. Schon 1721 war bei der Visitation gefragt, ob eine Hebamme da sei; desgleichen 1749. Da eine beschworene (ausgebildete) Hebamme nicht da ist, soll eine gesucht werden. l751 ist nach Aussage des Pfarrers die Hebamme unterrichtet, desgleichen 1758, aber nicht vereidigt. Dann nahm sich der Staat dieser für Mutter und Kind gleich wichtigen Angelegenheit an. Vergl. Seite 19.

Am 3. April 1759 wurde präsentiert der bisherige Kooperator Josef Friedrich Steib „wegen seines tugendsamen Lebenswandels, dann lobwürdigen Qualitäten in vielweg bekannt”. Er war bereits 45 Jahre alt, hatte in Regensburg studiert, wo er 1742 geweiht worden war. Bei der Visitation 1766 wurde bemängelt, daß die Gebeine auf dem Friedhof so herumlägen, sollten vergraben und, was übrig, soll im Beinhaus durch ein Gitter abgeschlossen werden. Steib hielt alle 14 Tage Christenlehre und klagt, daß die Erwachsenen nicht kommen „wegen mangelnder Unterstützung durch den weltlichen Arm” und daß aus gleichem Grunde auch die Schule nur schwach besucht würde. Später hielt Steib alle Sonntage und in der Fastenzeit alle Tage im Pfarrhof Christenlehre, Predigt nur an den Festtagen. Ferner klagte der Pfarrer, daß er nur mehr 20 Klafter Holz vom Hofmarksherrn erhalte, wogegen seine Vorgänger deren

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30 bezogen hätten. Da aber fast keine Pfarrakten da sind, ist der Anspruch auf 30 schwer zu beweisen, desgleichen klagte er, daß infolge der nächtlichen Saufereien und Tanzunterhaltungen soviele uneheliche Kinder vorhanden seien. — Von der Kirche verlange der Hofmarksherr jährlich 6 fl. sogenanntes Protektionsgeld. Auch wünscht der Pfarrer, daß der alle 2 Jahre nach Bogen statthabende Kreuzgang nach Bogenberg wegen verschiedener Unzukömmlichkeiten, auch infolge des Übernachtens, aufgehoben werde, wenn man auch sage, er sei versprochen. Die Kirche war in gutem Zustand. Der verstorbene Vorgänger hatte hiezu 160 fl. hinterlassen, er selbst habe 300 fl. aufgewendet.

Die ehemaligen Altarbilder S. Pankraz, S. Wolfgang stammen dem Stile nach davon her, auch das Mariahilfbild. Diese Bilder waren bis zum Neubau der Pfarrkirche auf den Altären. 1773 ist die 3. Glocke in Graßlfing von Florido in Straubing gegossen, 1780 wurde für ein neues Geläute von dem gleichen 2107 fl. bezahlt. 1772 wurden in Bayern auf Wunsch der Regierung die vielen Feiertage durch päpstliche Bulle vermindert, das Volk, auch in Grafentraubach, wollte anfangs nicht mittun.

Bei der Nachkirchweihe in Dürnhettenbach bestand der uralte Brauch, daß dort Butter, Schmalz und Käse geopfert wurde. An diesem Tag kam die Filialgemeinde Essenbach mit dem Kreuz dorthin. Von dem Butter bekam bis 1739 der Pfarrer als Salarium 30 Pfund, oder dafür je 7 kr. für das Pfund, der Rest an Butter, Schmalz und Käse war um billigen Preis an die Armen zu verkaufen, an welche auch von den geopferten kleineren Scheidemünzen ein Almosen verteilt wurde. 1739 wurden dem Pfarrer die 30 ℔ Butter durch die Regierung bei der Kirchenrechnung abgesprochen, weshalb derselbe sich an das bischöfliche Consistorium wandte. Doch ist die Beschwerde wegen anno 1742 eingefallenen Krieges in suspenso geblieben für immer. Um 1780 hatte der Pfarrer (statt dessen ?) als gnädigst bewilligte Addition 10 fl. Am Unschuldigen Kindertag hatte er für den Gottesdienst in Dürnhettenbach 1 fl. An diesem Tage war „vor Zeiten ein Pferderennet, wobei ein schönes Opfer eingeloffen. Wegen vielen Mißbrauch aber bereits vor 20 Jahren hierinfalls eine Abstellung gemacht worden”, sagt 1776 der Kirchberger Beamte Penerl.

Die Wallfahrtskirche in Obergraßlfing war damals wegen ihres Vermögens die Melkkuh für andere ärmere Kirchen, nicht nur für die Mutterkirche. So erhielten Zuschüsse: Allkofen 1763 zum Kirchturmbau 1000 fl., Hofkirchen 1779 zur Friedhofmauer 250 fl. und 1785 zur neuen Orgel 35 fl., 1786 zum Kirchenbau 314 fl. und 1776 erklärt Pfarrer Steib bei der Visitation, das Kirchenopfer in Grafentraubach sei so gering, daß die Kirche in Graßlfing der Pfarrkirche beispringen muß. Der Pfarrhof sollte gerichtet werden. Bei dieser Gelegenheit erklärten die Vertreter der Pfarrgemeinde Jakob Bergmüller, Wirt, und Josef Steinmayer, Söldner, sie hätten sich über

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den Pfarrer nicht zu beklagen, sondern sie seien zufrieden mit ihm. 1780 hielt hier der Exjesuit Gruber katechetische Mission mit ungefähr 12 Katechesen. Der Pfarrer hatte vorher auf der Kanzel die Ankunft des Missionärs verkündet und den Nutzen und die Notwendigkeit der Mission dargelegt, die Durchführung unterstützte er eifrig. Das Friedhofkreuz wurde Missionskreuz. Vor demselben wurden in der Folge alle Samstage im Anschluß an den altherkömmlichen Friedhofumgang 3 Vaterunser und Credo gebetet.

Der eifrige Mann starb 1782 am 13. 2. (Aschermittwoch). Sein Nachfolger gibt ihm im Sterbebuch das Prädikat zelosissimus (sehr eifrig). Sein Nachfolger Simon Sturm, theol. und can. cand. zu Irlbach, Herrschaft Sünching, gebürtig, bisher Kooperator in Schönach, wirkte nicht lange hier. Er starb schon 1785 am 22. Dez. im Alter von nur 40 Jahren. Nach seinem Tode wurde „gar alles in bester Ordnung” gefunden. Auch ihm ist im Sterbebuch das gleiche Prädikat wie seinem Vorgänger (sehr seeleneifrig) gegeben.

Am 16. Januar 1786 wurde sein Nachfolger Sebastian Mock investiert, ein seeleneifriger Mann. Seine Studien hatte derselbe in Straubing gemacht, geboren ist er in Traubenbach 1745, geweiht 1770, bisher war er Kooperator in Sünching. 1790 beschaffte Mock für die Pfarrkirche eine neue große Glocke von Florido in Straubing um 1580 fl., welche Summe die Kirche in Graßlfing hergab, desgleichen erhielt die Pfarrkirche eine neue Orgel von Blersch, wozu wieder Graßlfing 270 fl. beisteuerte, ferner kam in die in diesem Jahre umgeänderte Kirche (siehe Bild) eine neue Kanzel in Zopfstil auf Kosten Graßlfings, wobei der Schreiner 110 fl., der Maler 330 fl. erhielt. Von seinem Vorgänger hatte Mock 117 fl. als Bauschilling für den Pfarrhof erhalten; da aber die Kosten der Baufallwendung 231 fl. ausmachten, so bat er 1786 das übersteigende Quantum ad onus übernehmen zu dürfen. Der Pfarrhof war aufgeschraubt, untermauert und mit Holz unterzogen worden durch Zimmermeister Andreas Sonauer in Sünching und Maurermeister Johann Lehner in Pfaffenberg. 1787 wurde ad onus der Stadel aufgeschraubt und wie auch der Stall untermauert. 1786 kam der Partikel des hl. Silvester hieher. Dieser Heilige wird von der Pfarrei als ein sonderbarer (d. h. besonderer) Patron für das Vieh verehrt und geht man fruhe um 7 Uhr mit dem Kreuz nach Graßlfing, bringt eince Opferkörze dahin, zu welcher von den Zöchpröbsten gesammelt wird. Zu Graslfing wird das Amt gehalten (ev. mit Predigt) auch der Partikel zum Küssen gegeben. Alle Wochen muß zu Graslfing am Samstag eine hl. Messe gelesen werden, dafür empfängt der Pfarrer bey der Kirchenrechnung 4 fl. Diese Messen werden zwar die Wochenmessen genannt, jedoch ist man nicht schuldig zu applizieren.

1795 wird als Seelenstand der Pfarrei angegeben: 383 Kommunikanten, 14 bloß Beichtende, aber 416 Gefirmte, 20 Taufen, davon 1 Illegitime, 3 Hochzeitem Begräbnis von 6 Erwachsenen und 14 Kindern (eine gewaltige Kindersterblichkeit!), Seelenzahl 485. Von

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Mock ist eine sehr eingehende interessante Gottesdienstordnung der Pfarrei vorhanden, die auf frühere (bis 1733 zurück) Bezug nimmt. Mock starb am 2. März 1799. Seine Grabschrift sagt im 13. Jahre seines Hirtentums und rühmt ihn als „guten Hirten”.

1795 hatte Graf Max Seinsheim dem Bischofe versprochen, ihm die Präsentation auf die Pfarrei Grafentraubach das nächstemal zu überlassen, wenn der Erzieher der gräflichen Kinder Auanger vom Bischof die Pfarrei Sünching erhielte. Als aber Pfarrer Mock gestorben war, präsentierte er einen gewissen Rodler. Allein Xaver Erhard, ein etwas kränklicher Priester, erbat sich vom Bischof „als größte und letzte Bitte” die Pfarrei Grafentraubach „als ältester (seit l78l) Titulant und Residenzschenkensohn”. 13 Jahre in der Seelsorge hatte er das Zeugnis, ein verdienter Priester zu sein; er erhielt die Pfarrei.

Franz Xaver Erhard wurde am 4. April 1799 aus die Pfarrei investiert. Man macht auch bei ihm die Erfahrung, daß ein ursprünglich kränklicher Mann recht alt werden kann, weil und wenn solche Leute ein vorsichtiges Leben führen und nicht so auf ihre Gesundheit sündigen. 1804 erhielt er das Lob: Hat in der Pfarrkirche und auf den Filialen alles in bester Ordnung, auch in der Pfarrwohnung (Registratur) und in den Taufbüchern. 1808 wird die Pfarrei auf 236 fl. 36½ kr. Einnahmen (nach Abzug der Lasten) fatiert. l806 bekam Erhard Streit mit der Herrschaft wegen der sogenannten Vorgarben beim Zehent, da letztere einen neuen Hopfengarten eingelegt hatte. 1810 wurde das Reichnis von 20 Klaftern Holz an den Pfarrer durch Abtretung von 33½ Tgw. Wald abgelöst. Das Klaster Holz kostete damals bloß 2½ Gulden (ca. 4.30 Mk.). —- Erhard hatte die Kriegslasten zu Anfang des vorigen Jahrhunderts zu tragen, sowie den unglücklichen Zierer, den die Franzosen erschossen, zu beerdigen, 1800. —- Nach Kataster betrug 1816 das Haussteuerkapital der Pfründe 800 fl., das Rustikalsteuerkapital 5770 fl., d. h. darnach wurde die Steuer berechnet.

Erhard war ein eifriger Seelsorger. 1824 wurde er zum Kammerer, 1827 zum Dechant des Kapitels erwählt. 1830 bat Erhard, daß er die Kindstaufen in Dürnhettenbach dem Benefiziaten von Ellenbach übergeben dürfe, auch bat er, daß dortselbst das Allerheiligste aufbewahrt werden dürfe, was 1833 genehmigt wurde, nachdem eine Fundation für das Ewige Licht geschehen war. Im September 1831 kam der heiligmäßige Bischof Wittmann auf Visitation nach Grafentraubach in Begleitung des Kanonikus J. Prentner. Erhard sah sich gesundheitshalber 1834 genötigt, sich um einen Hilfspriester zu bewerben. Für dessen Haltung erhielt er aus dem Fond domus emeritorum einen halbjährigen Sustentationsbeitrag von 40 Gulden. Auch resignierte er als Dekan des Kapitels 1836. Infolge seiner Unpäßlichkeit hatte Erhard 1834——39 die Ökonomie verpachtet, das Tagwerk nur zu 5 fl. (== 8.60 Mk.).

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Dekan Erhard segnete das Zeitliche am 12. Oktober 1839 in Grafentraubach. Als Nachfolger erhielt er auf Präsentation durch Graf Seinsheim den tüchtigen, seeleneifrigen Philipp Pröhuber, geboren 15. Mai 1802 zu Altötting, zum Priester geweiht 22. Juli 1827, bisher Kooperator in Kößlarn. Am 4. 6. l840 wurde er investiert; die Pfarrei war also lange verwaist gewesen. 1842 waren verschiedene Aus- und Einpfarrungen von und nach Grafentraubach angeregt, die aber zunächst wegen der Zehentfragen etc. auf die lange Bank geschoben wurden. 1847 plante Obergraßlfing die Errichtung einer Expositur.

Bei der Baufallschätzung 1840 kamen zu Lasten des verstorbenen Pfarrers Erhard 4580 fl.; es waren aber nur 3000 fl. vorhanden. 1847 wurden die Ökonomiegebäude um 7450 fl. durch Zimmermeister Anton Gäßl von Landau neuerbaut, die Stallungen gemauert und gewölbt, der Oberbau aus Holz und mit Schneidschindeln gedeckt. Zu den Kosten hatten außer dem Pfarrvorfahrer der Nachfolger, die Kondezimatoren und die Konkurrenzkasse (aus vermöglichen Kirchenstiftungen) zusammengeschossen. Den Pfarrhof hatte Gäßl um 1530 fl. herzustellen übernommen, die Arbeit aber eingestellt, nachdem 500 fl. verbaut worden, und eine Hauptreparatur für 3300 fl. eingeleitet. Letztere wurde verworfen und die Regierung fertigte einen Plan zu einem Neubau, der auf 8000 fl. gekommen wäre. Infolge der Umwälzungen von 1848 unterblieb auch dieser und die Beendigung der ersten Reparatur. Der neue Stadel war auf den Zehent berechnet gewesen und erschien jetzt nach dessen Aufhebung zu groß.

Die Ablösung und teilweise Aufhebung der Grundabgaben etc. 1848/49 brachte für den Pfarrer mancherlei Verdrießlichkeiten, sowie Schwierigkeiten in der Ökonomie, die Pröhuber, der Verwandte bei sich hatte, wieder selbst betrieb. Nach 1848 wurde wegen Aufhebung des Grünzehents und Entziehung des Zehentstrohes das Futter für seinen Viehbestand zu wenig, was auch die Äcker spüren, sagte er, da der Dünger um die Hälfte vermindert nach Qualität und Quantität. Er rühmt sich, auf seinem Grund das Doppelte zu bauen, als sein Vorgänger, obwohl die Felder vielfach sehr entlegen und stark parzelliert sind. Sie betrugen, 4 Ausspann auf 3 Tagwerk gerechnet, 1834 vor der Verpachtung 15 Tagwerk Sommerfeld, 18 316 Tagwerk Winterfeld und 14 116 Tagwerk Brachfeld; nach seiner Zusammenstellung 1853 aber insgesamt 56,29 Tagwerk mit Verhältniszahl 565,1. Die Bonitäten schwankten zwischen nur 6 und 16, ja es war eine Parzelle sogar mit 2. und zwei 5. Bonität dabei. Ich führe dies hier an als typisch für die Felder der übrigen Bauern; die guten Acker um das Dorf herum gehörten größtenteils der Gutsherrschaft und waren 1853 sämtlich schon verpachtet.

Als einen Mißstand bezeichnete Pröhuber, daß durch die Pfarrfelder fast durchwegs Fahrten gingen. Die Wiesen waren auf 6¾ Tagwerk ursprünglich geschätzt, 1853 aber mit 12,26 Tagwerk aufgeführt. Er hat während seines Hierseins viel Mühe und Kosten auf ihre

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Verbesserung verwendet, trotzdem ihm dumme Leute öfters die Anlagen verdarben und Streit erhoben. 1849 starb hier sein Vater.

1853 am 2. Oktober brach beim Drechsler Feuer aus und entzündete auch dessen Holzstadel, der Pfarrstadel wurde gleichfalls ergriffen, konnte jedoch gerettet werden. Beim Ausräumen des Pfarrhofes gingen nebst anderem verschiedene Akten teils verloren, teils kamen sie schwer beschädigt zurück. Die Matrikeln, Obligationen u. dgl. hatte der Pfarrer selbst in Sicherheit gebracht. Noch mehr Schaden richtete ein im sogenannten Tafelzimmer ausgebrochener Brand an, als in der Nähe des Ofens befindliche Papiere sich entzündeten.

Die Reineinnahmen der Pfarrei berechneten sich 1853 auf 1307 fl. 26 kr. 1855 hielt die Pfarrgemeinde wieder um einen Kooperator an. Da es möglich war, so wurde der Priester Beutlhauser als Kooperator 2. Klasse hieher admittiert, der Gemeinde jedoch mußte eröffnet werden, daß ihr ein Recht auf Besetzung der Kooperatur nicht zustehe, da diese zu jenen gehöre, deren Besetzung jederzeit im Ermessen der oberhirtlichen Stelle steht. 1855 wurde für die Kooperatur ein Spaltzettel aufgestellt und genehmigt. 1850 war der Bischof Valentin auf Visitation in Grafentraubach gewesen und hatte im Pfarrhof gewohnt. Die Gemeinde ließ auf ihre Kosten mehrere Triumphbögen errichten und Pulver kaufen. Der Söldner Lorenz Pettenkofer hatte 1850 zur Ausweißung der Pfarrkirche 80 Gulden geschenkt, damit sie beim Besuch des Bischofs freundlich aussehe. Die Reparatur des Kirchturms besorgte Zimmermeister Mayr von Schierling um 348 fl., wozu die Gemeinde 116 fl. hergab, die Pfarrkirche 49 fl., die Filialen 115 bezw. 67 fl. 1851 wurden seitens der Gemeinde 2 neue rottücherne Röcke um 25 fl. angeschafft statt der alten für den Fahnen- und Kreuzträger. Pröhuber ließ alle Kirchen der Pfarrei neu restaureren: Die Pfarrkirche 1850——56, Graßlfing 1850—53, Dürnhettenbach 1850——59 und Steinkirchen 1859, auch letztere Kirche bestritt die Kosten (187 fl.) selbst. 1854 wurde die Sebastianskapelle am Friedhof neugebaut mit 1 Altar und 2 Glocken und dann benediziert.

Bezüglich der Einrichtung war Pröhuber auch eifrig: 1845 hatte sich Maler Greger erboten, einen Kreuzweg um 20 fl. je Station zu malen, die Akademie schlug jedoch vor, es ihr zu überlassen und erbot sich, die Station um je 18 fl. zu machen. Die Kirchenverwaltung solle sich äußern. Sie ließ eine solche von Greger um 18 fl. machen und von der Akademie prüfen. Als 1847 das Hl. Grab verschönert wurde, leistete der Gemeindesäckel 10 fl. 54 kr. Zuschuß. Für Kirchenmusik tat Pröhuber, der selbst musikkundig war, viel. 1853 wurden die 2 Seitenaltüre neu gefaßt uni 140 fl., die teils durch freiwillige Spenden, teils von der Gemeinde gedeckt wurden.

Pröhuber erhielt wegen seiner treugeleisteten Dienste den K. b. Ludwigsorden.

1878 begannen die Verhandlungen wieder wegen Einpfarrung von Untergraßlfing, zunächst wenigstens wegen Benützung des Friedhofs

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in Obergraßlfing. Diese Kirche hatte 1884 an rentierendem Vermögen 64 184 ℳ, die Kirche in Dürnhettenbach 26 024 ℳ. 1881 wurde in Grafentraubach das sogenannte Vitztumhäusl Hs.-Nr. 7 angekauft zur Erweiterung des Friedhofs und im Hinblick auf den wünschenswerten Kirchenbau und von der Sepulturgemeinde in Handund Spanndienst aufgefüllt. 1883 erklärte der Gemeinde-Ausschuß, daß eine Einwendung gegen die Übersiedlung des Eremiten Sabbas Michl von Obergraßlfing nach Grafentraubach in dies Häusl nicht gemacht werde, sondern daß selbe sogar sehr erwünscht ist. Der Grund war Entlastung des Lehrermesners Auer. In Obergraßlfing war Sabbas Mesnersubstitut für den Lehrer von Allkofen als Mesner von Obergraßlfing gewesen. Sabbas, ein frommer Mann, kam später als Eremit nach Altheim, wo er im Rufe der Heiligkeit starb. Seine Hände um das Sterbekreuz wurden bei der Exhumierung unverwest gefunden.

Für die Wiedererrichtung einer Schule in Graßlfing setzte sich Pröhuber eifrig ein. Als er 1877 sein goldenes Priesterjubiläum beging, nahm die ganze Pfarrei an dem Feste freudigen und herzlichen Anteil. Pröhuber starb 27. 7. 1885 nach 45 jährigem Wirken als Senior des Kapitels Geiselhöring.

Reiser Maximilian, geboren 21. 4. 1844 zu Sünching, Priester 24. 8. 1866, war Kooperator in Mindelstetten, Arrach, Stadtkemnath, 1878 kommorierte er in Straubing, wurde 1874 Wallfahrtsdirektor in Vilsbiburg, 1878 Kooperator in Geisenfeld, 1879 Expositus in Aiglsbach, wo er die Kirche erweiterte. Am 21. Oktober 1885 wurde er als Pfarrer von Grafentraubach investiert. Die alte, feuchte Kirche war zu klein geworden, der Neubau derselben wäre Reisers Aufgabe geworden; doch konnte er nur die Vorarbeit treffen. 23. 3. 1889 übernimmt die Kirchengemeinde die Verpflichtung, Hand- und Spanndienste beim Abbruch, zum Neubau nur die Spanndienste zu leisten und zwar nach dem Steuerfuß. Die Kirchenstistungen Obergraßlsing und Dürnhettenbach verpflichten sich 14. 4. bezw. 23. 4. 1889 mit Genehmigung der Kuratelbehörde 41 Jahre lang aus den Rentenüberschüssen jährlich zur Verzinsung und Amortisation der Bauschuld 1650 ℳ (Graßlfing 1000, Dürnhettenbach 650 ℳ) zu zahlen ; sollte das nicht genehmigt werden, sollen Kirchenumlagen eingeführt werden. Doch zog sich die Angelegenheit hinaus.

Als 1885 die Filiale Dürnhettenbach Antrag auf Auspfarrung stellte, sprach sich die Gemeinde Grafentraubach dagegen aus, weil die Beihilfen von der dortigen Kirche für die Pfarrkirche wegfielen, was für den Unterhalt des Schulhauses seine Rückwirkung habe.

1894 übernahm Pfarrer Reiser die Pfarrei Altenbach, wurde bisch. geistl. Rat. 1905 resignierte er und zog an seinen Geburtsort als Benefiziat, wo er 1926 hochbetagt entschlief am 6. November als ältester Priester im ganzen Bistum.

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Steghammer Alois, geb. 10. 3. 1849 zu Marklkofen, 10. 6. 1877 in Regensburg ordiniert, war Kooperator in Ast, Asenkofen, Oberlauterbach gewesen, dann 1884 Expositus in Gögging, 1887 in Bach, 1888 Venefiziat in Reisbach und schließlich 1891 Pfarrer in Arnbruck. Am 15. Juni 1895 wurde er auf die Pfarrei Grafentraubach investiert. Energisch nahm er den Bau der Pfarrkirche und des Pfarrhofes in Grafentraubach in die Hand; zunächst der Pfarrkirche. Diese wurde 1896 nach den Plänen des Baumeisters Eder in Achdorf-Landshut unter Beibehaltung des schönen Barokturmes in modernem Barok in erweitertem Umfange aufgeführt und 1897 vollendet. Die Sonntagsgottesdienste waren während der Bauzeit in Obergraßlfing, die Werktagsgottesdienste in der Friedhofkapelle. Die Kirche fügt sich schön in das Bild des Dorfes und der Landschaft ein. Die Kosten betrugen 25 000 ℳ für den Rohbau. Die Inneneinrichtung wurde dem Stile entsprechend von der Kunstanstalt Elsner-München gefertigt. Der Hochaltar kam auf 4 800 ℳ, der Marienaltar auf 2246 ℳ, der Wolfgangsaltar auf 2169 ℳ, die Kanzel auf 1650 ℳ, die 2 Beichtstühle zusammen auf 950 ℳ, der Kreuzweg auf 1120 ℳ, die Apostelleuchter auf 108 ℳ, das Speisegitter auf 365 ℳ. Die Orgel lieferte die Firma Binder & Siemann, sie hatte 9 klingende Register und kam auf 2892 ℳ, die Ausmalung der Kirche besorgte Malermeister Alois Kainz in Pfaffenberg um ungefähr 2000 ℳ, die Gemälde der Altäre sind von den Kunstmalern Ranzinger und Lessig um 1000 ℳ hergestellt. Die gemalten Fenster kamen auf 2670, die Priester Xaver Beutlhauser, Pfarrer in Geiselhöring, und Joh. Nep. Beutlhauser, Pfarrer in Geroldshausen, Söhne der Pfarrei Grafentraubach, stifteten je eines davon. Am 17. 7. 1897 wurde die Kirche konsekriert.

Der Bau des Pfarrhofes wurde ebenfalls von Baumeister Eder übernommen und hergestellt um den Betrag von 20 700 ℳ; während des Baues wohnte der Pfarrer im Hause des Bürgermeisters Wittmann, um den Bau besser übersehen zu können. Infolge des hohen Grundwasserstandes in Grafentraubach konnten keine Keller angelegt werden, sondern nur ein Gewölbe nebst Waschhaus und Backofen.

Durch diese 2 großen Bauter. hat er sich um Grafentraubach ein dauerndes Verdienst erworben.

Im Februar 1902 übernahm Steghammer die Pfarrei Taufkirchen, woselbst er, nachdem er 1918 resigniert hatte, als Kommorant blieb und 20. 5. 1919 verstarb.

Josef Zeiler, geboren 22. 2. 1870 aus einer Bauersfamilie zu Ottering, wurde 10. 6. 1895 zu Regensburg ordiniert, war dann Kooperator zu Moosthann, Sallern, Irlbach Obpf., Pfarrprovisor in Wenzenbach, 1898 Expositus in Hagenau, als Pfarrer von Grafentraubach nach Präsentation durch die Gutsherrschaft investiert am 21. Mai 1902.

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Als 1904 auf Befehl der Regierung für ein zweites Schulzimmer gesorgt werden sollte infolge der Bevölkerungszunahme, beantragte Pfarrer Zseiler als Kirchenverwaltungsvorstand und Lokalschulinspektor, daß das reparaturbedürftige Schul- und Mesnerhaus neugebaut werden sollte, was 1904/5 auch geschah.

1905 ließ er durch Maler Kainz von Pfaffenberg die sogenannte Gruftkapelle (Gnadenkapelle?) in Graßlfing ausmalen (453 ℳ), im Februar 1906 wurde für die Pfarrkirche eine neue Glocke zu 14 Zentner mit Ton fis bei Hahn in Landshut bestellt und im Herbste aufgehängt. Der Anschaffungspreis war 2198 ℳ, welche aus freiwilligen Spenden aufgebracht wurden. Die Glocke trägt das Bild der Gottesmutter. Zugleich wurde ein eiserner Glockenstuhl auch von Hahn zum Preise von 760 ??? unter Aufnahme eines refundierlichen Kapitals geliefert. In diesem Jahre wurde mit bischöflicher Erlaubnis die Sebastianskapelle in eine Lourdesgrotte verwandelt, die Kirchturmreparatur begonnen und 1907 vollendet um 822 ??? freiwilliger Beiträge, die Laternenkuppel um 387 ??? mit Blech überzogen und das Schieferdach um 70 ℳ ausgebessert, wovon 340 ℳ aufgenommen und mit genannten 760 ℳ refundiert wurden.

Die Errichtung der Frühmesserstelle

1912 wurde das Frühmesserhaus gebaut, da keine Aussicht auf dauernde Besetzung der Kooperatur bestand. Hiezu wurde der Grund um 2000 ℳ von dem zertrümmerten Bergmüller—Anwesen nächst der Pfarrkirche durch den Pfarrvorstand erworben, worauf durch die Firma Maier in Grafentraubach das Haus erstellt wurde, die Maurerarbeiten hatte Maurerpalier Medard Huber übernommen. Zur Aufbringung der Kosten trugen besonders bei die aus der Pfarrei hervorgegangenen und in derselben tätig gewesenen Priester, namentlich Frz. Xav. Schindlbeck in Oberglaim, ferners die Schloßherrschaft. Der Bau kam aus 9280 ℳ, vom Baugrund wurde ein Teil an Stadler—Arnkofen zur Errichtung eines Austragshauses nahe der Kirche verkauft. Die Baulast trägt die Kirchengemeinde, die zur Hälfte Eigentum hat, die andere Hälfte die Kirchenstiftung. Als erster Frühmesser war seit 15. 9. 1913 hier der Kommorant Josef Büchl, freires. Pfarrer von Pfaffenberg, geb. 8. 8. 1843 zu Pfeffenhausen, ordiniert 14. 6. 1868, gestorben 12. 7. 1923 in Grafentraubach. Sein Nachfolger ist seit 30. November 1923 Kommorant Georg Huf, freires. Pfarrer von Oberdietfurt, Ritter vom hl. Grabe, geboren 5. 12. 1861 zu Ruhstorf, Pfarrei Laberweinting, ordiniert 21. 6. 1885.

1912 kam es dann auch zur längst ersehnten Reparatur der Wallfahrtskirche in Graßlfing. Zunächst wurde eine Entfeuchtung der Kirche auf der Südseite vorgenommen nach obertechnischem Gutachten, die sich aber leider nur teilweise wirksam zeigt; dann wurde die Kirche außen verputzt und getüncht: Entfeuchtung und Außenrestauration machten 5432 Mk. Kosten, die Innenrestauration besorgte Maler Alois Kainz unter Aufsicht und Anleitung des Konservatoriums

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München, die Kirche wurde hauptsächlich in Weiß gehalten; die Altäre neu marmoriert. Da der Chorbogen ganz ohne Bilder war, ließ der Kirchenvorstand die Tünche abkratzen da zeigte sich das vermutete Bild, die hl. Dreifaltigkeit darstellend. Man hatte früher einmal, da die Grundmauern zu wenig tief gewesen, den Chorbogen durch eine schwere in denselben eingelassene eiserne Kette verschlaudert, mit Mörtel verstrichen und das Ganze überweißt. Nunmehr wurde das Gemälde wieder in alter Form ergänzt. Zur selben Zeit mußte die Kirche Graßlfing zum Kirchenbau Laberweinting 1294 Mk. Dezimatorenkonkurrenz leisten. Zur Deckung sämtlicher Kosten nahm die Kirchenstiftung 10 000 Mk. Darlehen vom Raiffeisenverein Inkofen auf.

1919 kamen in die Kirche Grafentraubach aus freiwilligen Spenden 2 Kriegsgedächtnisfenster von Firma Schneider um 3322 Mk. und in die Filialkirche Graßlsing ein Glasmosaik als Denkmal für die gefallenen Krieger von gleicher Firma um 500 Mk. Die Kirche in Grafentraubach erhielt von Firma Weise in Plattling einen neuen, schöneren Orgelprospekt um 500 Mk., da die Prospektpfeifen im Kriege hatten abgeliefert werden müssen.

1922 im Mai ließ Pfarrer Zeiler durch Redemptoristen Volksmission halten zur Heilung der sittlichen und religiösen Schäden, die Krieg, Revolution und Inflation mit sich gebracht hatten.

Da durch das Anwachsen der Bevölkerung die Männer und Burschen in der Kirche zu wenig Platz hatten, wurde in die Kirche 1930 eine zweite Empore eingebaut. Die Pfarrgemeinde zeigte auch diesmal wieder ihren oft bewährten Opfersinn durch freiwillige Spenden; einen Großteil leistete dabei die Firma Maier (das meiste Holz, die ganze Zimmereiarbeit, die Bretter, das Tiefersenken der unteren Empore). Mit der neuen Empore sollte auch die Orgel erweitert und verbessert werden durch einen Sohn der Gemeinde: Orgelbaumeister Michael Weise, ehel. Sohn des Bindermeisters Jofef Poll in Grafentraubach. Derselbe wollte für seine Taufkirche etwas besonderes leisten. Die Kosten übernahmen je zur Hälfte der Pfarrherr und der Orgelbauer Weise zu gleichen Teilen je über 4000 Mk. Über die neue Orgel schreibt der Orgelrevident Meister Griesbacher: „Weise hat seiner Heimatgemeinde ein Meisterwerk beschert, auf das sie stolz sein kann.” Weise hat als Adoptivsohn des alten Orgelbauers Weise dessen Schreibnamen angenommen.

Die Orgel hat einen neuen Spieltisch mit 2 Manualen, allen Spielhilfen und Schwellwerk; auf l. Manual 5 klingende Register, auf 2. Manual sogar 6, im Pedal 3 Baßregister, Schwelltritt. 1932 bekam auch die Filialkirche Steinkirchen vom gleichen Meister Weise eine überholte, ältere Orgel um 700 Mk., welcher Betrag auch durch Stifter gedeckt wurde. 2 Jahre später wurde die dortige Kirche um 320 Mk. innen restauriert, nachdem die Außenrestauration schon geschehen war; auch erhielt sie einen neuen Kreuzweg von akad. Maler Guntram Lauterbach in Regensburg, der ihn als Winterarbeit um 350 Mk. lieferte. 100 Mk. wurden für den alten erlöst. Die Kosten für

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Pfarrer Zeiler

seit 1902

Pfarrer Reiser
1885—1894

Pfarrer Steghammer
1895—1902

Pfarrer Pröhuber

1840—1885

DIE PFARRHERREN DER LETZTEN 100 JAHRE

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Grafentraubach. Der alte Pfarrhof vor dem Abbruch
Eine Probe alter Holzbauweise
(Eigene Aufnahme)

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Restauration und Kreuzweg — welcher vom Pfarrherrn kirchlich geweiht wurde — trug die Kirchenstiftung. Es gilt von dieser Tätigkeit des Pfarrers: „Der Eifer für dein Haus verzehret mich.”

Aber auch seine sonstige Tätigkeit in Kirche und Schule, am Krankenbette und in Vereinen, für Staat und Gemeinde war die langen Jahre seines Wirkens nicht geringer. Nicht umsonst wurde ihm das König-Ludwigskreuz für Heimatverdienste während der Kriegszeit sowie das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. Nicht umsonst hat ihm die Gemeinde Grafentraubach anläßlich seines 25 jährigen Priester-jubiläums am 15. 4. 1920 das Ehrenbürgerrecht verliehen und sein Oberhirte ihn am 28. 5. 1924 mit dem Titel geistlicher Rat ausgezeichnet, und haben ihn seine Mitbrüder 1921 zum Kammerer und 1933 zum Dekan votiert. Jahrzehntelang war Pfarrer Zeiler im Distriktsausschuß und später im Bezirkstag und konnte so außer den allgemeinen Interessen des Bezirkes auch die seiner beiden bürgerlichen Gemeinden im besonderen wahrnehmen. Bei allen die Gemeinde betreffenden Unternehmen (Schulhaus, Wasserleitung, Kriegerdenkmal, Molkereigenossenschaft, Brückenbau etc.) dursten die Bürgermeister auf sein entgegenkommendes Verständnis und tatkräftige Unterstützung rechnen, ja auch oft auf seine finanzielle Beihilfe. Für seine eifrige Tätigkeit in der Landwirtschaft und für das Volkswohl hat geistl. Rat Zeiler auch die „Große silberne Verdienstmedaille für die vaterländische Landwirtschaft” erhalten.
Zum Abschluß seiner langjährigen Wirksamkeit unterzog 1937 geistl. Rat Zeller noch die Pfarrkirche einer gründlichen Restaurierung. Dieselbe wurde von Maler Kainz jun. in Pfaffenberg in hellen Tönen ausgemalt, der Hauptton ist mildes Rosa mit Grün, weiß und etwas gelb; die Türen, Stühle, Fensterrahmen und -gitter wurden gestrichen bezw. gefirnißt, sämtliche kirchlichen Geräte und Einrichtungsgegenstände neu hergerichtet unter Beisteuer der Pfarrangehörigen. „Alle, schreibt er, haben mitgewirkt, sodaß nun jeder einzelne sich sagen kann, die schöne, gefällige Kirche ist unser eigenes Werk.”
Die bisher nur getünchte Decke erhielt als besonderen Schmuck ein großes Gemälde von Guntram Lautenbacher, die Fürbitte des Pfarrpatrones St. Pankrazius bei der allerheiligsten Dreifaltigkeit für das ewige und zeitliche Wohl der ihm anvertrauten Pfarrgemeinde darstellend. Die Gesamtkosten der Restauration samt 1200 ℛℳ für Deckengemälde betrugen 4800 ℛℳ. Die wertvolleren älteren Paramente wurden „als Gruß aus früherer Zeit” instandgesetzt, sehr viele, z. T. kostbare, in allen Farben dazu neubeschafft. Im Jahre darauf kam um 500 ℛℳ eine Holzstatue des Christkönigs von Bildhauer Weiser-München in die Kirche, schon vorher ein Ölgemälde des hl. Bruders Konrad von dem einheimischen Künstler Padua. Anläßlich der Primiz 1938 wurde ein schönes, altes, handgeschmiedetes Grabkreuz als Priestergrabkreuz am Missionskreuz mit den Namen der früheren Pfarrer aufgestellt.

Ad Multos Annos!

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Grafentraubach Kirche : Pfarrhof : Friedhof : Leichenhaus : Frühmesserhaus : Freigegeben unter G-1084 Reg.v.Obb.

Grafentraubach Kirche : Pfarrhof : Friedhof : Leichenhaus : Frühmesserhaus : Freigegeben unter G-1084 Reg.v.Obb.

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Pfarrer Zeiler

Die politische Haltung Pfarrer Zeilers war in den Jahren des Nationalsozialismus klar und eindeutig. Er verheimlichte seine Ablehnung zu keiner Zeit. Wie sehr er den Nationalsozialismus von Anfang an durchschaute, mag ein Vortrag beleuchten, den er am 30. März 1932 in Straubing anläßlich einer Priesterversammlung hielt. Die Ausschreibung erfolgte im Klerusblatt. Die Versammlung war von mindestens 75 – 80 Priestern besucht. Im Protokoll heißt es: „Als Referent über “brennende Tagesfragen” war H. H. Geistl. Rat u. Präses Jos. Zeiler von Grafentraubach gewonnen worden.

Er sprach gut 1½ Stunden in eingehender und praktischer Weise mit Rücksicht auf die am 10. 4. 32 stattfindende 2. Reichspräsidenten-Wahl und die Landtagswahlen vom 24. April über den Nationalsozialismus und teilte sein Thema ein:

I. Methode des Angriffs der N.S. und
II. Bekämpfung dieser Methode

a.d. I. die N.S. bekämpfen

1.) mit außerordentlicher Aktivität (V.Beob.28.II.32)
2.) mit großen Versprechungen
3.) mit Verlogenheit
4.) mit ekelhafter Überheblichkeit
5.) mit Massenwahnverhetzung

Fanatisierte N.S. werden kaum zu gewinnen sein, wohl aber die Mitläufer.

a.d.II. Mittel dazu:

1.) Aufklärung, vor allem wie unsere Not entstanden ist Ursache

a) von der Produktion her
b) von der Geldseite her

2.) Entlarven der Lüge (Vertrauensmänner gewinnen und instruieren)
3.) Nicht gehaltene Versprechungen, oft das Gegenteil getan.
4.) Gegen die Überheblichkeit Ausnutzung der Resultate der 1. Wahl
5.) Unsere Aktivität: Versammlungen, Hausbesuche bei Nichtwählern, Schleppdienste, Auto für Kranke, Vertrauensleute vor das Wahllokal, nach der Predigt Hinweise auf die Wahl, Kampf gegen Wahlfaulheit.

Schluß:   Es handelt sich um furchtbar wichtige Entscheidungen, vielleicht für Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte.

Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler im Jahre 1933, war Pfarrer Zeiler keineswegs schweigsam geworden. Er erwies sich als klarer Mann der Kirche, der den Konflikt nicht suchte, aber auch nicht scheute. Sein tapferes Auftreten und seine unerschrockene Haltung gegenüber all dem, was damals an die Kirche vor Ort heranbrandete, trug ihm Achtung bis zu den Gegnern ein. Er ging den klaren Weg des Glaubens voran.

Mag zunächst für viele der wirtschaftliche Aufstieg Deutschlands und vor allem dann der Vormarsch der deutschen Soldaten an allen Fronten Siegeszuversicht

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geweckt haben, so zeigt doch ein Brief eines Grafentraubachers (Studienrat Eberhard Keller) vom 30. 7. 1941, veröffentlicht in „Das Gesicht des Krieges” Deutsche Feldpostbriefe 1939-45, Seite 149, C.H. Beck Verlag, wie sich die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr nach Hause in tiefe Depression und Angst vor dem weiteren Schicksal des Volkes wandelte: „…. Man darf ja nicht vergessen, daß diese „Welt” einen ja allein schon verrückt machen kann. Seit zwei Jahren hört man nur mehr Haß, er wütet jeden Tag auf‘s Neue in allen Zeitungen (die ich nur mehr in Überschriften lesen kann), ihn tönt der Rundfunk bei Tag und Nacht, er wütet in Maschinengewehrfeuer, in Granaten, Bomben, Flammenwerfern, Torpedos etc. in Menschenleben hinein, ihm ist freie Bahn gegeben zu RASEN und zu TOBEN, BIS ER ALLES VERNICHTET HAT, WAS ER VERNICHTEN KONNTE. Es ist Nacht über Europa und Asien, und noch zeigt kein Lichtstrahl eines neuen Morgens sich. Nur tiefer geht es immerzu in die Nacht hinein – so tief vielleicht, bis völlige Hoffnungslosigkeit eine Neuschöpfung aus dem Chaos sich von selbst erzeugt… .”

29. Dezember 1942 Dienstag

„… Die Wünsche für das Weihnachtsfest kommen freilich schon zu spät, aber die für das neue Jahr vermag ich rechtzeitig auszusprechen. Das „glückliche neue Jahr”, diese gewohnte Wunschformel, will mir freilich nicht über die Lippen. Es klänge wie ein Hohn. Ein unglückliches Jahr scheidet, ein gleiches beginnt. Oder sollte uns das Neue etwa wirklich den allersehnten Frieden bringen? Es ist unwahrscheinlich. Und brächte es ihn auch – welcher Preis muß auf jeden Fall noch für ihn erlegt werden!

Für Freude wird noch auf längere Zeit wenig Raum sein. Dieser Krieg schlägt zu viele Wunden und zerstört zu viele seelische Werte. Ich fürchte, wir werden noch an ihm kranken, nachdem er längst vorüber ist….” (Archiv Strunz, Karlsruhe) Wie recht hatte er!

Nachdem bereits im Mai 1940 von der Reichsstelle für Metalle in Berlin sämtliche Bronzeglocken erfaßt wurden, mußten im März 1942 die Glocken abgeliefert werden. Jeder Kirche verblieb nur die kleinste Glocke. Grafentraubach mußte abgeben:

1. Glocke mit 25 Zentnern, eine Prachtglocke mit interessanten Wappen und Bildern, gegossen 1790 von Johann Florido in Straubing mit der Inschrift: Maximilian Johann Clemens Graf von Seinsheim auf Sünching, Schönach, Pretzfeld und Grumbach me hereditavit et de novo fieri fecit.

2. Glocke mit 14 Zentnern, 1905 gegossen von Johann Hahn, Landshut.

Graßlfing mußte abliefern:

1. Glocke, Durchmesser 106 cm, 1772 gegossen von Martin Neumeier in Stattamhof. Steinkirchen mußte seine 1. Glocke mit 50 kg und einem Durchmesser von 43 cm abgeben. Die Glocke stammt aus dem Jahr 1650.

Im ersten Weltkrieg blieben diese Glocken wegen ihres historischen Wertes von der Ablieferung befreit.

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BRG Josef Zeiler war in den Jahren 1940/41 und 1942 (Aushilfe u.a. Joh. Lichius) wiederholt schwer erkrankt. Im Jahre 1944 kam ein überraschender Kräfteverfall. Am 8. März 1944 verstarb er und wurde auf dem Friedhof in Grafentraubach beerdigt. Er war 42 Jahre Pfarrer in Grafentraubach und viele Jahre Dekan des Kapitels Geiselhöring, eine markante Priestergestalt, die das religiöse Leben des Dorfes nachhaltig prägte.

Am 1. Juni 1944 übernahm der damalige Kooperator von Kötzting Jakob Staudigl, geboren 13. 7. 1912 in Kürn, Vater Beamter des Wasserwirtschaftsamtes, aufgewachsen in Regensburg, zum Priester geweiht am 19. 3. 1938, die Pfarrei. Er war hier kein Unbekannter. Bereits am 1.4. 1938 war er hier als Kooperator und vom 22. 11. 1940 -8. 4. 1941 als Pfarrvikar tätig.

Als nach den Jahren des Krieges die Kirche wieder aufatmen konnte, ging er mit jugendlichem Elan daran seelsorgliche, wirtschaftliche und politische Aufbauarbeit zu leisten.

Bereits am 23. Mai 1947 konnte Weihbischof Dr. Johannes Höcht 3 Glocken für die Pfarrkirche und 1 Glocke für Steinkirchen weihen. Zu dem Preis von 7 295. — RM mußte noch Bronzematerial gestellt werden, das die Diözese von der Besatzungsmacht aus Rüstungsmaterial des Krieges erhielt.

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Am 4. 2. 1948 kamen unerwarteter Weise die künstlerisch wertvollen Glocken wieder zurück. Sie waren in Hamburg deponiert und hatten den Krieg unversehrt überstanden. Graßlfing erhielt seine 2 abgelieferten Glocken wieder. Steinkirchen erhielt die seine ebenfalls wieder. Sie fand auf dem Turm des Leichenhauses ihren neuen Platz. Die 1. Glocke Grafentraubachs aus dem Jahre 1790 mit dem Wappen der Seinsheim wurde von der Kirchenverwaltung, mit Erlaubnis des Landesamtes für Denkmalpflege, am 26. 12. 1948 an die Gemeinde Hadersbach verkauft. Preis: 5,700.- DM.

Als neues drängendes Problem erwies sich die Friedhofserweiterung und der Bau eines Leichenhauses. Da die Ökonomiegebäude baufällig waren und weit in den Friedhof hineinragten, wurde ihr Abbruch und die Erweiterung des Friedhofs auf dem bisherigen Grund des Stalles und zugleich nach Norden beschlossen. Die Planung lag in Händen des Architekten Jakob Ludwig Oberberger, Regensburg. Der Friedhof wird um 413 qm nach Norden in den Obstgarten der Kirchenstiftung verlängert. Die freigewordenen Stall- und Schupfengebäude von 300 qm tritt die Pfarrpfründe an die Kirchenstiftung ab. Sie erhält dafür im Norden aus Pl.Nr. 38 die gleiche Fläche zurück. Da der neue Friedhof an seiner Nordwestecke an den alten Stadel der Pfarrpfründe stößt, wird auch dieser in den Abbruch einbezogen.

Das Leichenhaus wird an der Stelle des ehemaligen Vitztumhauses, am Nordrand des Friedhofes erbaut. Die Kosten für den Friedhof betragen 7,451.73 DM. Die Bürger leisten Hand- und Spanndienste beim Auffüllen des Geländes.

1949: Der Ökonomiestall wird an die Westseite des Pfründehofes gebaut. Unter einem Dach befindet sich nun Kuhstall, Pferde- und Schweinestall 17.60 x 8.00 m; Kosten: 9,360.95 DM.

1950 wird die Scheune mit 2 Tennen und einer Gesamtlänge von 27 m und einer Breite von 12 m im rechten Winkel zum Stall gebaut. Das noch brauchbare Bauholz aus den alten Gebäuden wird wieder verwendet. Kosten: 3,019.— DM. Pfarrhaus, Stall und Scheune bilden nun einen schönen Dreiseit-Hof, der nach Osten offen ist.

Die Eigenbewirtschaftung der Landwirtschaft hört im Jahre 1955 auf. Arbeitskräftemangel und eine notwendige Mechanisierung des Betriebes zwingen den Pfarrer die Pfründegrundstücke zu verpachten. Die Gebäude werden von den Pächtern weiter benützt.

Auspfarrung Graßlfing:
Am 1. Februar 1957 wird die exponierte Kooperatur Allkofen formell als Expositur Allkofen errichtet. Der Seelsorgebezirk Allkofen umfaßt den bisherigen Umfang der Seelsorgestelle in den beiden Gemeinden Allkofen und Graßlfing (Pfarrei Grafentraubach). Das Priesterhaus in Allkofen, bisher im Eigentum der politischen Gemeinde Allkofen, wurde in das Eigentum der kath. Kirchenstiftung Allkofen übergeführt (Notariatsurkunde Mallersdorf vom 21. 9. 1954). Damit wurden endgültig alle jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die Auspfarrung von Graßlfing beendet.

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Das Einkommen des Expositus setzt sich zusammen aus der Nutzung des Priesterhauses mit Garten und Nebengebäuden, der Rente des Stiftungsvermögens, sowie dem Ertrag des ortskirchlichen Grundbeitrages, der Stolgefälle, Stiftsgottesdienste und der herkömmlichen Sammlungen. Dieses Stelleinkommen wird aus der Diözesankasse auf die Höhe des Gehaltes eines Expositus nach der Diözesangehaltstabelle ergänzt. Der Grundbeitrag wird von der Gemeinde Allkofen mit 400. — DM und von der Gemeinde Graßlfing mit 200.— DM aufgebracht. Alle übrigen pflichtmäßigen Leistungen, wie Lieferung der Brennstoffe für die Beheizung mit Kohlen und Holz einschließlich Zufuhr und Kleinmachen werden ebenfalls im Verhältnis 2 : 1 auf Allkofen und Graßlfing verteilt. Die Weizenkollekte wird in den beiden Gemeinden vorgenommen. Das Heizmaterial wird auf 300.— DM, die Weizenkollekte auf 100.— DM angeschlagen. Damit wurden endgültig alle jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die Auspfarrung von Graßlfing beendet. Praktisch wurde Graßlfing bereits seit April 1944 von Allkofen aus versehen und gottesdienstlich betreut.

Die kirchlichen Gebäude in Grafentraubach bedingen in den nächsten Jahren immer wieder größere Ausgaben. 1948 hatein kalter Blitzstrahl am Turm eine größere Reparatur an der Schieferbedachung verursacht. Die Kosten belaufen sich auf 4,622.55 DM. Im Beschlußbuch der Kirchenverwaltung finden wir am 19. 11. 1950 die Planung der Außenrenovierung des Pfarrhauses, den Verputz des Stallgebäudes und eine Reparatur des Turmes in Steinkirchen.

Das Jahr 1952 bringt die Außenrenovierung der Pfarrkirche. Durch eine Umlage in Höhe von 2.— DM je Tagwerk sollen die Kosten gedeckt werden.

Die Nebenkirche Steinkirchen wird ebenfalls in das Renovierungsprogramm aufgenommen. Zunächst erfolgt 1957 die Außenrenovierungzum Preis von 2 306.45 DM. Für das Jahr 1962 ist die Innenrenovation geplant. Dabei soll das Pflaster gehoben werden, das Kirchengestühl erneuert, und die Kanzel abgenommen werden und die Wände eine neue Tünche erhalten.

Pfarrer Staudigl war von großer sozialer Gesinnung. Sie wird sichtbar in seiner Arbeit als Präses des Werkvolkes, heute KAB (Kath. Arbeitnehmer-Bewegung) genannt. 1947 sammelte er Mitglieder des ehemaligen Arbeitervereines, der als Sterbehilfskasse die politischen Wirren des 3. Reiches überstanden hatte, zum Werkvolk zusammen. Nach dessen Programm will sie Kirche in der Welt der Arbeitund Stimme der Arbeitnehmer in der Kirche sein. Im Sinne der kath. Soziallehre setzte sich Präses Staudigl für die Familie ein. Sein Ziel war, jede Familie soll zu einem Eigenheim kommen. So erwarb er am 6. 7. 1951 aus dem Besitz der Freifrau von Hoenning O’Carrol in Sünching einen 0.9811 ha großen Acker Pl.Nr. 827 im Süden des Dorfes zum Preis von 15.— DM je Dezimal = 4320.— DM. Aus finanztechnischen Gründen wurde zunächst die Kirchenstiftung Eigentümerin des Geländes. Aus dem Grundstück wurden dann 12 Bauplätze zu ca. je 740 qm gebildet. Der Baulandpreis betrug —.44 DM je qm. Das Siedlungsgebiet wird an die Mitglieder des Werkvolkes verkauft. So entstand in der Zeit von 1952-54 eine preisgünstige Siedlung.

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H.H. Jakob Staudigl,
Pfarrer von Grafentraubach
vom 1. Juni 1944 — 18. August 1962

B.G.R. Georg Eggerbauer,
Pfarrer von Grafentraubach
vom 1. November 1962 — 1. November 1963

Pfarrer Josef Schmaißer

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Durch das Vertrauen des Bischofs und die große Zuneigung der Mitglieder des Werkvolkes, wurde Pfarrer Jakob Staudigl am 7. 12. 1950 zum Bezirkspräses des Werkvolkes im Bezirk Straubing ernannt.

Aus christlichem Verantwortungsbewußtsein stellte er sich auch der Politik zur Verfügung. Mit großer Stimmenzahl (4. Stelle) wurde er 1956 auf der Liste der „Christlich-Sozialen-Union” zum Kreisrat gewählt. In verschiedenen Kreisausschüssen wirkte er tonangebend bis zu seinem plötzlichen Tod.

Ein Verkehrsunfall riß den rührigen Seelsorger am Samstag, den 18. August 1962 aus dem Leben. Er war auf der Fahrt zu einer Trauung. Ein Windstoß trieb das Auto gegen einen Straßenbaum bei Genderkingen (Donauwörth). Pfarrer Staudigl und seine Cousine waren auf der Stelle tot. Die Beerdigung fand in Grafentraubach statt. Über 100 Priester gaben dem beliebten Priester das letzte Geleit. 40 Kränze schmückten das Grab. Die große Anteilnahme der Bevölkerung ist ein sichtbares Zeichen, welche Wertschätzung der verstorbene als Priester, Seelsorger, Erzieher, Freund der Arbeiter, Förderer der Vereine und nicht zuletzt als Kommunalpolitiker hatte.

Vom 20. August 1962 bis 1. September 1963 versah Pfarrer Isidor Gschlößl aus Holztraubach als Pfarrprovisor excurrendo die Pfarrei.

Am 1. November 1962 wurde der bisherige Superior des Ursulinenklosters und Direktor der Mädchenmittelschule Straubing Bisch. Geistl. Rat Georg Eggerbauer, geboren am 29. 10. 1917 in Aich, Priesterweihe am 25. 5. 1942, zum Pfarrer ernannt. Gesundheitlich angeschlagen, konnte er erst nach längerem Krankenhausaufenthalt die Pfarrei übernehmen und gab sie dann aus gesundheitlichen Gründen am 1. November 1963 wieder ab. Expositus Rudolf Korb aus Hadersbach versah anschließend als Pfarrprovisor excurrendo die Pfarrei bis 1. Februar 1964.

Am 22. Januar 1964 ernannte Bischof Rudolf Graber, mit Zustimmung des Patronatsherren Baron Hoenning O’Carroll von Sünching, den Pfarrprovisor von Alten- und Neuenschwand Josef Schmaißer, geboren 6. 9. 1926 in Oberharthausen, Vater Landwirt, Priesterweihe 29. 6. 1953, ab 1. 2. 1964 zum neuen Pfarrer.

Mit großer Unterstützung der Bevölkerung ging er daran, die anstehenden Probleme zu lösen.

4. Oktober 1964
Zunächst galt es die Kirchenmauern zu entfeuchten. Ab Fußbodenhöhe wurden 6 Ziegelsteinschichten aus dem Mauerwerk herausgenommen. Die beiden unteren wurden durch Betonfundament ersetzt, dieses mit Bleifolie abisoliert und der Rest mit neuen Ziegelsteinen wieder ausgemauert. Als ergänzende Maßnahme wurde um die Kirche eine Kanalisation und ein Isoliergraben an die Kirchenmauer gelegt, der mit Rollkies aufgefüllt wurde. Die ganze Arbeit geschah mit freiwilligen Helfern. Es waren an Wochenenden jeweils zwei Kompressoren mit vier Hämmern im Einsatz. Wert der Arbeitsleistung ca. 27 500.— DM.

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November 1964
Umbau der alten Esch-Warmluft-Kirchenheizung auf Ölbetrieb.

März 1965
Der ehemalige Kuhstall wird für einen Jugendraum 7 x 7 m umgebaut. Zu den vielen freiwilligen Arbeitsleistungen fallen noch 6 217.53 DM für Materialien und Inneneinrichtung an.

Mai 1965
Bekämpfung des Hausbocks im Gebälk der Pfarrkirche mit freiwilligen Helfern. Materialkosten für Xylamon 1609.75 DM.

Sommer 1965
Innenrenovation der Pfarrkirche. Die Arbeiten erfolgen nach dem Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege vom 26. 11. 1964: „Die Flachdecke ist in Silbergrau zu halten, Hohkehle in Morellensalz, Wände in gebrochenem Weiß. Lisenen, Profile in reinem Weiß. Die Kanzel, die sich in den Raum nicht einordnet, wäre abzutragen. Für die Altäre wären an Stelle der kunstlosen Bilder gute, alte vorhandene Bilder zu verwenden. Der erforderliche Neuanstrich der Alätre wäre grafitgrau, lasierend in lebendiger Pinseltechnik zu halten… .”Für die Kreuzwegbilder sind schmale Profilrahmen anzufertigen. Die Anfertigung von neuen Apostelleuchtern in einfacher Form (handgeschmiedet) ist notwendig. Außerdem ist die Buntverglasung für den Kirchenraum nicht tragbar, dieselbe wäre durch eine neue farblose Verglasung in Sechseck- oder Rundverbleiung zu ersetzen… .”

Die Malerarbeiten wurden Kirchenmaler Michael Neunert aus Amberg übertragen. Die bunte Bemalung an den Wänden (Ornamente, Medaillons .. .) wurden abgenommen. Das Zentrum der Decke bildet nun eine Hl. Geisttaube umgeben von einer silbrigen Wolke. Von hier gehen lange Stukstrahlen aus und beleben die Decke. Aus finanziellen Gründen wurden vorerst die beiden Seitenaltäre abgetragen und im Dachboden des Pfarrhauses deponiert. Die neuen Seitenaltäre haben eine schlichte Tischform. Als Altarbilder dienen die beiden Ölgemälde: Maria mit dem Jesuskind, einen bunten Vogel in der Hand und St. Wolfgang (beide Mitte 18. Jahrhundert). Bei letzterem Bild wurde 1984 eine Übermalung abgenommen. Die Bildtafeln waren einst die Altarbilder der Seitenaltäre der 1895 abgebrochenen Kirche. Der Hochaltar wurde grau lasiert, die Figuren neu gefaßt und die Vergoldung erneuert. Die Kreuzwegbilder erhielten einen neuen, schmalen Profilrahmen. Die beiden Beichtstühle wurden nach dem Entwurf des Bildhauers Jakob Helmer, Regensburg neu erstellt. Kosten: 2 800.— DM. Die Apostelleuchter wurden neu angefertigt. Sämtliche Fenster wurden durch die Kunstanstalt für Glasmalerei Alfred Schwarzmayr, Regensburg in Sechseck-Verbleiung mit farblosem Echtantik-Glas erneuert. Kosten: 7 549.40 DM.

Die Elektroinstallation nahm Hans Wild, Grafentraubach vor, 3 261.90 DM. Das Gerüst stellte die Firma Georg Stahl, Grafentraubach um 2 800.— DM. Die Bevölkerung spendete großzügig. Die Haussammlung erbrachte 21 107.— DM. Vorschlag 3.— je Tagwerk.

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Die Gesamtkosten für die Innenrenovation betrugen 32 000.— DM. Die Pfarrkirche erhielt eine freundliche, moderne Note, wobei keineswegs der Eindruck eines gesuchten Modernismus sich aufdrängt. Die Pfarrangehörigen bejahten alle die Renovation.

September 1966
Die noch unter Pfarrer Staudigl begonnene Innenrenovation der Nebenkirche Steinkirchen wird durch die Altarrenovation abgeschlossen. Die alte Fassung kann freigelegt werden. Die Vergoldungen werden erneuert (Kirchenmaler Neuert: 2.000.— DM).

Herbst 1966
Neubedachung der Turmkuppel der Pfarrkirche in Kupferblech. Da die Einrüstung des Turmes zu teuer käme, wurde die Arbeit mit einem Hängegerüst vorgesehen. Kosten: 19 608.40 DM. Das Turmkreuz wurde am Freitag, den 11. November 1966 aufgesteckt. In die Kreuzkoppel wurde wieder die vorgefundene Urkunde vom 27. 10. 1906 eingelegt: „Infolge mangelhafter Arbeit war die Helmstange des Turmes im Jahre 1906 auf 1.80 m herab vollständig verfault, so daß das Kreuz ganz nach der Seite hing; desgleichen war auch das Gesimse der oberen Kuppel verfault und zum Teil auch die Laternenpfähle, d.h. die Träger der Kuppel. – Es mußten darum diese Teile repariert und das Kreuz neu aufgesteckt werden. — Mit Gottes Hilfe ging die ganze wegen der großen Baufälligkeit ziemlich gefährliche Arbeit ohne den geringsten Unfall von statten. Das Kreuz wurde neu aufgesteckt am Samstag, den 27. Oktober 1906.–Die Arbeiten besorgten: Zimmermeister Johann Lehner von Grafentraubach mit den Zimmerleuten Jakob Massinger von Grafentraubach und Joseph Achatz von Laberweinting sowie der Spenglermeister August Markert mit seinem Gehilfen Johann Harlander von Geiselhöring. Die Reparatur hatte angeordnet Josef Zeiler, derzeitig Pfarrer in Grafentraubach. Lehrer des Ortes war zu dieser Zeit der Schreiber dieser Urkunde Johann Evang. Auer 32 Jahre bereits in Grafentraubach und Frl. Gerti Egelhofer Hilfslehrerin. Kirchenpfleger war Martin Buchner und Bürgermeister Peter Littich. An der Spitze der Diözese stand damals der neuernannte Bischof Franz Anton von Henle; die Regierung des Landes führte Se. Kögl. Hochheit Prinzregent Luitpold.

„Nisi Dominus aedificaverit domum in vanum laboraverunt, qui aedificant eam.” Weiter wurde eine neue Urkunde hinzugelegt. Beide wurden in eine Kupferhülse eingelötet. Dieser Text lautet: „Im Jahre des Herrn 1966 wurde diese Turmkuppel in Kupfer gedeckt. Der Preis betrug: 16 000.— DM. Die Schieferbedachung an der großen Kuppel war an der Süd-Westseite vom Winde aufgerissen. Der übrige Schiefer war brüchig. 1 Strebebogen und 2 Felder mußten neu verschalt werden. Die kleinere Kuppel wies große Fäulnisschäden auf. Tiefer Taubenmist und eingedrungene Feuchtigkeit waren die Ursache. Es wurden 2 Strebebögen und die gesamte Verschalung erneuert. Die alte Westneigung der gesamten Kuppel konnte nicht behoben werden. Sämtliche Arbeiten besorgten: Gebrüder Zambelli aus Haus i. Wald mit ihren Gehilfen. Die Arbeiten wurden mit einem Hängegerüst ausgeführt.

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Die Renovation führte durch: Josef Schmaißer, Pfarrer in Grafentraubach und seine Kirchenverwalter: Bauer Otto, Kirchenpfleger, Hsnr. 117 — Gebhard Heinrich, Hsnr. 42⅓ — Maier Michael, Hsnr. 4 — Rauscher Josef, Hsnr. 105.
Frühmesser war H. H. Geistl. Rat Franz Amberger; weiter wohnte am Ort H.H. Josef Roppert, Katechet a. D.
An der Volksschule wirkten:
für den 3. und 4. Jahrgang Johann Huber, Hauptlehrer und Schulleiter
für den 1. und 2. Jahrgang Frl. Helene Elter, Oberlehrerin.
Die Jahrgänge 5 — 8 waren Gastschüler an der Verbandsschule Laberweinting. An der Spitze der Diözese stand Bischof Rudolf Graber. Das Oberhaupt der Kath. Kirche war Papst Paul VI.
Die Regierung des Landes Bayern bildete die CSU mit Ministerpräsident Alfons Goppel. Die Regierung der Bundesrepublik lag in den Händen der CDU/CSU; der derzeitige Bundeskanzler war Ludwig Erhard.

Domine, diligo habitaculum domus tuae et locum tabernaculi gloriae tuae! Ps 26,8.
Grafentraubach am 9. November 1966
Das Kath. Pfarramt Grafentraubach
gez. J. Schmaißer, Pf
gez. Bauer Otto, Kirchenpfleger
gez. Littich Peter, Bürgermeister
Schreiber der Urkunde:
gez. Renato Zambelli
gez. Heinz Mayer jun.

Der Urkunde wurden beigelegt: 1 Blatt mit den zur Zeit gebräuchlichen Postwertzeichen und Sondermarken. Je 1 Stück der derzeitig gültigen Geldmünzen und 1 Exemplar „Regensburger Bistumsblatt” vom 6. 11. 1966 und 1 Exemplar „Allgemeine Laber-Zeitung” vom 9. 11. 1966 und den Stundenlöhnen des Mechanikers DM 4.80 und des Ziegeleiarbeiters DM 3.50, dazu noch ein Verzeichnis mit Lebensmittelpreisen vom 9. 11. 1966.

Sommer 1967
Außeninstandsetzung der Pfarrkirche: Die Arbeit umfaßte Abschlagen des gesamten Verputzes an Kirche und Turm, Erneuern der Turmgesimse und neuer Fassadenputz, Aufziehen eines neuen Kamins für die Heizung. (Fa. F. X. Schreiner, Mallersdorf, 27 508.69 DM), sämtliche Dachrinnen, Fensterbleche und Gesimsabdeckungen in Kupferblech (Fa. Heinz Mayer 14 312.42 DM), neue Zifferblätter durch die Fa. Rauscher, Regensburg (von der Gemeinde bezahlt), Malerarbeiten mit KEIMscher Mineralfarbe in Ocker und Altweiß (Paul Müller, Münster-Rottenburg DM 5 111.80), Neuerstellung der Blitzschutzanlage (Fa. Robert Cierpinsky, Deggendorf DM 3 008.40). Bei Verputzarbeiten wurden Reliefs und Wappen über dem Wandgrab des Paulus von Leiblfing abgenommen und wettergeschützt an der Nordseite des Leichenhauses angebracht. Zur Deckung der Kosten wurde eine Haussammlung abgehalten (Vorschlag 3.— DM je Tagwerk und 50.— je Arbeiterfamilie) – Ergebnis: 21 927.— DM.

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Frühjahr 1968
Renovation des Pfarrhauses mit Fassadenänderung. Um für die Primiz am 7. Juli 1968 (H. H. Alfred Huber) im Hof der Pfarrpfründe gerüstet zu sein, wurde die Renovation des Pfarrhauses in Angriff genommen. Das Abschlagen des alten Putzes geschah mit freiwilligen Helfern. Die Maurerarbeiten wurden der Fa. Georg Stahl übertragen: Waagrechte Isolierung des gesamten Gebäudes auf Fußbodenhöhe gegen aufsteigende Feuchtigkeit durch Herausbrechen des alten Mauerwerkes und Isolierung mit Bleifolie, neuer Heizungskamin, Heizungskanäle anlegen, im Erdgeschoß schwimmender Estrich, Bad- und Heizungsraum erstellen, neue Fensterstöcke einmauern und Fassadenputz anbringen – DM 18 136.19. Neue Fenster, neue Türstöcke und Türen im Erdgeschoß (Fa. Hirsch, Grafentraubach), Isolierglas und 1 Haustüre (Werner, Pfaffenberg). Fensterbänke in Juramarmor und Fliesen (Fa. Hecht, Mallersdorf), Zentralheizung und Warmwasserinstallation (Fa. Heinrich Mayer, Grafentraubach); Erneuerung der Elektroanlage (Hans Wild, Grafentraubach); Fußbodenbeläge (Rohrmayer Josef, Geiselhöring); Hartgußasphalt (P. Halder, Landshut); Malerarbeiten (Karl Blaschke, Laberweinting). Gesamtkosten 63 368.30 DM. Zur Deckung der Kosten wurde eine Schuldaufnahme in Höhe von 10 000.— DM vorgenommen.

März 1969
Der Vorplatz zur Kirche und der Fußweg um die Kirche wird mit Granit-Kleinpflaster (gebraucht) belegt (Fa. Halder, Landshut) 9 169.62 DM.

Sommer 1970
Friedhofserweiterung: Durch das Anwachsen der Gemeinde um 2 Siedlungen erwies sich der Friedhof wieder zu klein. Die Kirchenverwaltung erklärte sich am 14. Dezember 969 bereit, die notwendige Fläche von 1425 qm an der Nordseite des alten Friedhofes, Pl.Nr. 39 zur Erweiterung zur Verfügung zu stellen. Die politische Gemeinde trat für die Kosten, laut Beschluß vom 21. 1. 1970, ein. Der erweiterte Teil bleibt Eigentum der Pfarrkirchenstiftung. Planung und Ausführung der Arbeit oblag Fa. Franz Staudigl, Garten- und Landschaftsbau, Regensburg-Pollenried. Kosten: 26 398.25 DM.

Die Umzäunung nahm die Fa. Ludwig Rieder, Bayerbach vor und die Bepflanzung Gärtnerei Wilhelm Beyvers, Zeißlhof. Gesamtkosten der Anlage: 35 000. — DM. Am Hauptfest der Armenbruderseelenschaft, 8. November 1970 nahm Dekan Johann B. Paulus aus Westen, im Auftrag des Bischofs die Weihe des neuen Friedhofs vor. Er bezeichnete den Friedhof als Stätte, die Ehrfurcht vor dem toten Leib und den Glauben an die Auferstehung zeige. Er dürfe nicht zur Stätte der Geltungssucht werden.

Der neue Friedhofsteil trägt bewußt ein eigenes Gesicht. Wohl macht der Tod alle gleich. Aber das Leben der Toten war ein einmaliges, ureigenes Leben. Diese Einmaligkeit darf und sollte auch sichtbar werden im Grabzeichen. Es soll nicht nur die Stelle bezeichnen, wo dieser Tote ruht, sondern auch etwas von seinem Leben, Wirken und Glauben für die noch Lebenden erzählen. Es soll ein echtes „Denkmal” sein, ein Zeichen, das zum Nachdenken über den Toten, aber auch zum

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Nachdenken über sich selbst, über den Tod und über die Auferstehung führt – Katalogprodukte werden dem nicht gerecht. Die Grabsteine wachsen sockellos aus dem Boden. Sie sind handwerklich zu bearbeiten. Die Stele ist als Idealform vorgesehen. Der Stille, der Ruhe und der Hoffnung auf dem Friedhof soll auch die Bepflanzung dienen. Auf Grabeinfassungen wird verzichtet.

Das Bayerische Staatsministerium des Innern hat das Bemühen der Kirchenverwaltung als Friedhotsträger und der Bevölkerung für den neuen Friedhof „anläßlich des Wettbewerbes 1977 des Bay. Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e.V. unter dem Motto „Der schöne Friedhof im Landkreis” für den Bereich des Kreisverbandes Straubing-Bogen den ersten Preis zuerkannt. Damit ist die hervorragende Gestaltung des Friedhofes, insbesondere seine Begrünung, gewürdigt worden”. Die Überreichung des Preises erfolgte am 1. Oktober 1977 in der Reichsstadthalle in Rothenburg ob der Tauber.

Sommer 1971
Renovation des Frühmesserhauses Nr. 8. Durch den Tod des bisherigen Frühmessers BGR Franz Amberger am 6. 2. 1970, wurde das Haus frei. Eine Renovation und Modernisierung stand an: Bad, Speise, neue Fenster und Böden im Erdgeschoß, Malerarbeiten, Erneuerung des Außenputzes und Erstellung einer Autogarage. Kosten: 27 262.13 DM. Da sich trotz Ausschreibung im Amtsblatt der Diözese kein Ruhestandspriester meldete, wurde das Haus an eine kinderreiche Familie vermietet.

Sommer 1972
Eindeckung des Turmhelmes in Steinkirchen mit Kupferblech. Der bisherige Schiefer war brüchig. Die Holzverschalung und das Gebälk waren teilweise so angefault, daß die ganze Holzkonstruktion erneuert werden mußte. Die Arbeiten besorgten: Zimmermeister Rudolf Roider, Weichs und Spenglermeister Helmut Trost, Osterham. Am 25. Juli 1972 wurde in Anwesenheit des ganzen Dorfes das Turmkreuz aufgezogen und auf die Turmspitze gesetzt. In den Längsbalken des Kreuzes wurde eine Urkunde, Geldmünzen und eine Nummer der „Laber-Zeitung” beigelegt. Gesamtkosten: 3 345.07 DM.

Herbst 1973
Neubedachung des Kirchenschiffes in Steinkirchen. Zur Erhaltung der Bausubstanz wurde die Kirche mit Gradschnittbiber aus Marklkofen umgedeckt. Die Latten wurden dabei erneuert, ebenso neue Dachrinnen in Kupfer angefertigt und die Blitzschutzanlage neu erstellt. Bei diesen Arbeiten wurde auch die Fassade getüncht. Die Bevölkerung leistete Hand- und Spanndienste. Gesamtkosten: DM 18 483.54.

In der Nacht vom 17./18. Januar 1977 wurde die Nebenkirche Steinkirchen aufgebrochen und die Rosenkranzmadonna (17. Jahrhundert) im Chorbogen gestohlen. Trotz festgestellter Fußspuren im Neuschnee in Richtung Grafentraubach konnte der Dieb nicht gefunden werden. Die Versicherung ersetzte den Schnitz-

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wert in Höhe von 6 870.— DM. Bei der Fa. Insam, Regensburg wurde dafür eine Madonna mit Kind angekauft. Zur Sicherung der Einrichtung wurde am 16. 2. 1981 eine Alarmanlage durch Jos. Franz, Obertunding eingebaut. Kosten: 4 273.78 DM.

1974/75
Erweiterung des Jugendheimes. Der bestehende Jugendraum im ehemaligen Stallgebäude wurde erweitert: Flur mit Garderobe = 13.60 qm, kleines Gruppenzimmer mit 14.60 qm, Erweiterung des bisherigen Gruppenraumes auf 57.00. qm und Einbau einer Theke, Klosettanlage zwischen Pfarrhaus und Heizölraum (zugleich für Kirchen- und Friedhofsbesucher). Das Ziegeldach auf der Westseite des Gebäudes wurde dabei ebenfalls erneuert. Die Abbrucharbeiten im Stall nahmen freiwillige Helfer vor. Gesamtkosten: 33 052.93 DM. An Zuschüssen gingen ein: Bayer. Jugendring München 13 500.— DM, Zuschuß des Bezirkstages 800. — DM, Kreisjugendring 500.— DM, Gemeinde 2000.— DM, Bischöfl. Finanzkammer 5 000.— DM. Den Rest die Kirchenstiftung.

Juni 1978
Innenrenovation der Pfarrkirche. In einer Dorfversammlung vom 2. 2. 1978 wurde einstimmig der Plan der Kirchenverwaltung zur Innenrenovation der Pfarrkirche gebilligt. Zur Kostendeckung sollen Landwirte 5.— DM je Tagwerk und Vollerwerbstätige 150.— DM spenden. Mit großem Eifer wurde am Montag, 12. Juli 1978 die Pfarrkirche ausgeräumt. Das Gestühl wurde in die neu erbaute Maschinenhalle des Gastwirtes Ludwig Littich gefahren, wo dann in der Folgezeit sämtliche Gottesdienste der Pfarrei stattfanden. In Hand- u. Spanndienst wurde das alte Pflaster abgetragen (noch brauchbare Platten wurden von der Kirchenstiftung Sünching aufgekauft) und der Boden ausgehoben. Nach Anweisung des Herrn Ing. Scholz von der Planungsgruppe Kellner-Mehringer, Regensburg für Heizungen, wurde Rollkies, Unterbeton und Isolierung eingebracht. Die Dampfsperre verlegte die Fa. Kreitmeier, Pfaffenberg (Kosten: 6 971.75 DM). Die Fußbodenheizung erstellte Fa. Thomas Zellner, Grafentraubach zum Preis von DM 38 348.69. Als Pflaster wurde unter das Gestühl Juramarmor graublau und auf den Gängen und im Presbyterium Solnhofener Pflaster in Rosenspitzmuster verlegt (Fa. Helmut Amberger, Ascholtshausen DM 27 179.63). Das wurmige Gestühl wurde von der Fa. Helmut Hirsch, Grafentraubach nach alten Vorlagen erneuert, DM 61 687.36. Die Wände der Kirche wurden durch Malermeister Gebr. Troppmann, Geiselhöring neu getüncht, DM 12 906.09. Zur Sicherung der Kunstdenkmäler wurde eine Alarmanlage eingebaut (Fa. Jos. Franz, Obertunding, 3 590.72 DM). Die Entstaubung der Orgel nahm die Fa. Weise, Plattling vor, 4 038.— DM. Die Gesamtkosten betrugen 170 674.81 DM und Hand- und Spanndienste mit etwa 25 000.— DM. Zuschuß der Diözese 53 000.— DM, Zuschuß der Gemeinde 10 000.— DM. Die Spenden der Pfarrkinder betrugen 74 330.70 DM. Das Beschlußbuch der Kirchenverwaltung vermerkte zum Jahresabschluß:

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„Eine bewundernswerte Leistung. Sämtliche Kosten der Renovation sind beglichen, ohne das Vermögen aus den Vorjahren anzugreifen”.

Am Sonntag, den 29. Oktober 1978 konnte die Pfarrgemeinde bereits den Einzug in die renovierte Kirche vornehmen und mit Hochwst. Herrn Weihbischof Vinzenz Guggenberger einen festlichen Dankgottesdienst feiern. Der hohe Gast gratulierte mit bewegten Worten zu dem gelungenen Werk und verwies auf die neue Aufgabe, Leben in die Kirche zu bringen. Die Erneuerung des Glaubens müsse bei jedem Einzelnen beginnen und sich über die Familie, die Vereine zur Pfarrgemeinde aufbauen.

Sommer 1979
Renovation der Lourdesgrotte. Die Grotte erhielt neue Dachziegel, Dachrinnen in Kupfer und einen neuen Verputz. Die angebrachten Grabdenkmäler wurden zum besseren Schutz gegen Feuchtigkeit an die Ostseite des Leichenhauses versetzt. Kosten: 6 331.03 DM.

1980
Entwässerung und Pflasterung der Friedhofswege. Die Entwässerung und Anlage einer Kanalisation im Friedhof erfolgte durch freiwillige Helfer. Bei der Ausschachtung der Kanalisation auf dem Hauptweg in Höhe des Frühmesserhauses wurde in etwa 40 cm Tiefe eine 106 cm breite und 95 cm lange Kalksteinplatte entdeckt. Sie erwies sich als die Rückseite eines Grabdenkmal-Bruchstücks, das als Pflaster diente. Die guterhaltene Vorderseite zeigt in Halbrelief das Bildnis eines vollbärtigen adeligen Mannes mit Barett und Feder (Spätrenaissance); die rechte Hand umfaßt ein Geldsäckchen. Die untere Hälfte wurde nicht aufgefunden. Jahreszahl und Umschrift sind nicht angebracht. Die Grabplatte wurde an die Ostseite des Leichenhauses gesetzt.

1981
Die Pflasterung der Friedhofshauptwege nahm die Fa. Alois Pillmeier, Offenstetten vor. Kosten: 28 719.70 DM.

1982
Pflaster für Hof. Der Hofraum der Pfarrpfründe, der zugleich Parkplatz für die Kirchenbesucher ist, wurde durch die Fa. Georg Hanwalter, Rogging mit Verbundsteinpflaster befestigt. Kosten: 13 662.10 DM.

Turmfassade: Die Fassade des Turmes zeigte Witterungsschäden. Der Anstrich wird mit KEIM-Mineralfarbe erneuert (Fa. Zabelli, Haus i. W.- Kosten: 12 362.25 DM).

1983
Friedhofsmauer: Die östliche Friedhofsmauer hatte große Schäden im Fundament. Es bestand die Gefahr des Einsturzes. Die Mauer wird neu errichtet (versetzt nach Osten um die alte Mauerstärke) und mit halbrunden Vollziegeln abgedeckt. Die Ausführung übernahm die Fa. Kirchmeier, Habelsbach zum Preis von 22 439.62 DM.

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Herbst 1983
Pfarrhausbedachung: Die Fa. A. & M. Maier, Grafentraubach führte die Neubedachung des Pfarrhauses in roten Biberziegeln durch. Die gesamte Dachfläche wurde mit 22 cm starken Brettern und mit Dachpappe isoliert. Kosten: 42 434.95 DM. Die Kamine wurden im Rüttelverfahren isoliert und die Kaminköpfe mit Klinkersteinen neu aufgemauert. Fa. Siegfried Zellner, Grafentraubach. Kosten: 7 660.40 DM.

Die Dachrinnen, Schneegitter und Scharbleche wurden in Kupfer gefertigt (Fa. Thomas Zellner, Grafentraubach – Kosten: 9 124.04 DM). Malermeister Karl Blaschke, Laberweinting stellte das Gerüst und gab der Fassade wieder eine neue Tünche – DM 15 952.31. Die Tünchung des Westgiebels der Pfarrkirche ergab noch 5 320.51 DM Kosten. Die Gesamtkosten für die Pfarrhausrenovierung betrugen 82 962.09 DM.

Für das Jahr 1985 hat die Kirchenverwaltung beschlossen, die ausgelagerten Seitenaltäre wieder instand zu setzen und am alten Standort in der Kirche aufzustellen. Hochaltar und Orgelgehäuse sollen farblich dazu abgestimmt werden. Der Kreuzweg erhält wieder seinen Originalrahmen. Ein Volksaltar und Ambo werden im Sinne der übrigen Ausstattung neu angefertigt. Voraussichtliche Kosten: 150 000.— DM.

Möge der Pfarrgemeinde eine friedvolle, im Geiste Christi geprägte Zukunft, geschenkt sein.

Kirchenmusik

Das am meisten in die Augen fallende Ergebnis des II. Vatikanischen Konzils ist die liturgische Erneuerung. Sie zeigt sich im Gebrauch der Volkssprache beider Liturgie, aber auch in einer Neubesinnung auf die Kirchenmusik. Der Kirchenchor, seit 1949 unter der Leitung von Rektor i.R. Hans Huber, Geiselhöring (früher Schulleiter in Grafentraubach) und Organist Josef Wachter (seit 1949) trägt zur lebendigen Gestaltung des Gottesdienstes bei. Lateinische Messen für gemischten Chor von Goller, Filke, Griesbacher, Mitterer an Festtagen, wie auch deutsche Psalmenmessen im Wechsel mit der Gemeinde und rhythmische Liedgesänge, bereichern die Gottesdienste. Daneben wird auch das gemütvolle, christgläubige, altbayerische Liedgut in mehrstimmigen Sätzen gepflegt. Der Volksgesang beim Gottedienst kennt neben den „Gotteslob-Liedern” auch den Gregorianischen Choralgesang. Ein Kinderchor unter der Leitung von Elisabeth Bauer und Michael Zellner, belebt zuweilen den sonntäglichen Gesang und die Feiern der Pfarrgemeinde.

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Katholische öffentliche Bücherei
St. Pankratius Grafentraubach

Das Gründungsdatum für die Bücherei konnte bis heute nicht ermittelt werden. Da die Bücherei jedoch von Anfangan an die jeweilige Landeszentrale angeschlossen war, dürften sich die Gründungsdaten in etwa decken. Der Katholische Preßverein für Bayern in München wurde am 15. Juli 1901 gegründet. Neben der Aufgabe für das katholische Schrifttum und einschlägigen Vorträgen, hatte der Verein auch die Aufgabe, Volksbibliotheken zuerrichten und fachlich zuberaten. Unsere Bücherei teilte so Freud und Leid mit dem Fachverband. Der Verein wurde von den Nationalsozialisten 1934 verboten und aufgelöst. Als Rechtsnachfolger wurde sofort der Sankt Michaelsbund gegründet. Seine Aufgabe wurde jedoch auf die Büchereiarbeit beschränkt. Die Reichsschrifttumskammer befand interessanterweise, daß in Bayern auf dem Lande die Büchereien derzeit noch nicht ersetzt werden können. Es erfolgte die Umbenennung der „Volksbibliotheken” in „Pfarrbüchereien”.

Die Pfarrei Grafentraubach konnte ihre Bücherei in das Haus der Geschwister Anna und Theres Stadler, Grafentraubach HsNr. 8½ verlegen, wo sie weiterhin betrieben wurde. Nach Kriegsende kehrte die Bücherei in den Pfarrhof zurück. Sie änderte später wieder ihren Namen in „Katholische Volksbücherei” und trägt heute den Namen „Katholische öffentliche Bücherei St. Pankratius Grafentraubach”. Sie ist die einzige öffentliche Bücherei in der Gemeinde Laberweinting. Träger der Bücherei ist seit ihrer Gründung die Kirchenverwaltung Grafentraubach, wobei seit Jahrzehnten die jeweilige Gemeinde und die Sparkasse Mallersdorf regelmäßig Zuschüsse gewähren.

Das vorzügliche Angebot der Bücherei an die Benutzer ist seit Bestehen im Anschluß an den oben erwähnten Landesverband begründet, wobei die Förderung durch die jeweiligen Pfarrer am Ort ausschlaggebend war.

Büchereileiter ist seit 1956 Georg Wachter, der sich auch in Bonn der Prüfung für kirchliche Büchereiassistenten unterzog. Er wird dankenswerter Weise von zahlreichen Helferinnen und Helfern unterstützt.

Zu den Benutzern der Bücherei zählen Bürgerinnen und Bürger aus allen Ortsteilen. Auch die Volksschule Laberweinting kommt mit ganzen Klassen in die Bücherei.

Die Bücherei ist aus dem kulturellen Leben der Gemeinde nicht wegzudenken. Sie stellte als erste Bücherei Kassetten und Spiele ein. In absehbarer Zeit wird auch ein Videoangebot vorhanden sein. Hinzu kommen noch die Veranstaltungen der Bücherei, insbesondere die Weihnachtsausstellung.

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Zum Abschluß einige Zahlen über die Entwicklung der Bücherei:
1955 Leser: 16. Entleihungen: 151. Bücher: ca. 200
1984 Leser: 309. Entleihungen: 4758.
Medienbestand: Sachbücher: 600, Erzählende Literatur Kinder 1056/Erwachsene 968, Kassetten 167, Spiele: 13. Zusammen 2804 Medien.

Zum Medienangebot kommen aus der „Blockausleihe” der Diözesanstelle des St. Michaelsbundes in Regensburg jährlich rund 200 Bücherund 300 Kassetten dazu. Die Bücherei gehört als Gründungsmitglied seit 3. April 1979 der Kreisarbeitsgemeinschaft Landkreis Straubing-Bogen der Mitgliedbüchereien im Sankt Michaelsbund an.

Pfarrgemeinderat
Der Pfarrgemeinderat dient der Erfüllung der Heilssendung der Kirche, die der Pfarrgemeinde im Sinne der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils aufgetragen ist: Verkündung und Heiligung, Weltdienst und Caritas. Er gibt gemäß dem Dekret über das Apostolat der Laien die rechtliche Möglichkeit, das Leben in der Pfarrgemeinde mitzugestalten. Die deutschen Bischöfe haben den Pfarrgemeinderat im Februar 1967 beschlossen.

Seine Aufgaben: Die Fragen des pfarrlichen Lebens mit dem Pfarrer beraten und mit ihm den Heilsdienst der Gemeinde verwirklichen. Die Arbeit der kirchlichen Organisationen und Gruppen anregen, fördern und aufeinander abstimmen, die Durchführung gemeinsamer Aufgaben beschließen und notwendige Einrichtungen schaffen, wenn kein anderer geeigneter Träger zu finden ist, Anliegen der Katholiken der Pfarrei in der Öffentlichkeit vertreten und die Pfarrei im Katholikenausschuß des Dekanates zu vertreten. Die Mitgliedschaft gilt für drei Jahre. Die erste Wahl zum Pfarrgemeinderat fand am 12. Mai statt.
Gewählte Mitglieder: Eichmeier Alfons, Installateur
Maier Maria, Hausfrau
Würzbauer Georg, Landwirt
Entsandte Mitglieder: Hinreiner Johann (für Werkvolk)
Stahl Georg (für Mar. Männerkongregation)
Troll Josef jun. (für Kath. Landjugend)
Berufene Mitglieder: Prebeck Heinrich, Steinkirchen
Troll Josef, Zeißlhof
Wachter Josef, Organıst
Amtliche Mitglieder: Schmaißer Josef, Pfarrer
Bauer Otto, Kirchenpfleger
Kammermeier Michael, Mesner
In den Vorstand Wachter Josef, Vorsitzender
wurden gewählt: Maier Maria, Stellvertreter
Eichmeier Alfons, Schriftführer

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Dorfhelferinnenstation Grafentraubach

Prälat Dr. Emmeram Scharl, Landvolkseelsorger für Bayern rief den Beruf der Dorfhelferin ins Leben. Die Tätigkeit der Dorfhelferin in der Familie ist als vorübergehende Hilfe gedacht. Sie vertritt die Mutter bei Krankheit, Kuraufenthalt und Urlaub. Der Einsatz der Dorfhelferin wird durch die vom Ausschuß bestellte Einsatzleitung geregelt. Pfarrer Schmaißer rief am 17. Februar 1965, in Zusammenarbeit mit Frau Josefine Rixinger, Landw. Oberlehrerin vom Amt für Landwirtschaft in Mallersdorf, zu einer Gründungsversammlungnach Grafentraubach ein.

27 verantwortungsfreudige Personen aus 5 Gemeinden befürworteten die Gründung. In den Ausschuß wurden gewählt:
Josef Schmaißer, Pfarrer Grafentraubach, zugleich Einsatzleiter
Ida Krinner, Kreisbäuerin Hadersbach, als Vorsitzende
Anna Englbrecht, Ortsbäuerin Laberweinting
Franz Maier, Bauer Haader
Johann B. Paulus, Pfarrer Westen
Folgende Gemeinden hatten ihren Beitritt erklärt: Grafentraubach, Haader, Hadersbach, Laberweinting, Niederlindhart und Sallach. Sie leisten einen jährlichen Beitrag von —.10 DM je Einwohner. Die Arbeit wird am 1. April 1965 aufgenommen. Die Dorfhelferin nimmt Wohnung bei Georg Wachter, Grafentraubach. Der Tageseinsatz für Selbstzahler wird auf 7.— DM festgesetzt. Ab 1973 übernimmt der neue Landkreis Straubing-Bogen das Jahresdefizit, damals 2000. — DM. Der Tageseinsatz beträgt seit 1983 DM 35.—.
Folgende Dorfhelferinnen waren im Einsatz (und schieden wegen Heirat aus):

1. 4. 1965 Rosa Stadler 1. 4. 1979 Gertraud Ebert
1. 4. 1968 Irene Markl z. Zt.ab 1.4.1984 Sieglinde Wiesner
1. 4. 1973 Maria Ackermann

Pfarrer Josef Schmaißer gab am 6. 2. 1984 die Einsatzleitung ab. Der Dorfhelferinnenausschuß setzt sich z. Zt. wie folgt zusammen:

  1. Josef Schmaißer, Pfarrer Grafentraubach
  2. Josef Zellmeier, Bürgermeister Laberweinting
  3. Leo Heinrich, Kath. Landvolkbewegung, Wallkofen
  4. Maria Meindl, Kath. Frauenbund, Allkofen
  5. Ingeborg Wachter, KAB-Vertreterin, Grafentraubach
  6. Hildegard Wild, Ortsbäuerin Sallach
  7. Kath. Boyen, Hauswirtschaftsdirektorin, Amt f. Landwirtschaft Straubing-Bogen
    Elfriede Mühldorfer, Hauswirtschaftsoberrätin (ab 1. 4. 85)
  8. Franz Xaver Schinhanl, Maschinenringgeschäftsführer Mallersdorf
    Vorsitzende: Hildegard Wild, Sallach
    Stellvertreterin: Ingeborg Wachter, Grafentraubach
    Einsatzleiterin: Resi Dinzinger, Wallkofen
    Rechnungsführer: Raiffeisenbank Wallkofen

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Hl. Christopherus












Hl. Johannes der Täufer

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Die Hilfspriester

In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters hatte sich der Mißbrauch der Stellenhäufung eingeschlichen, wobei ein Priester mehrere Pfründen zugleich innehatte, auf einer residierte und die anderen nur hie und da besuchte und zur Ausübung der Amtsobliegenheiten einen Stellvertreter (Vikar) hielt. Die Matrikel von 1438 kannte zwar nur einen Pfarrer nebst Kooperator, aber das Visitations-protokoll 1508 außer Pfarrer Kutzer einen Vikar, ebenso 1526, da neben noch einen Kooperator (Vergleiche Seite 29!).

Um 1559 war bereits der Pfarrer allein. In „bedenkhung abgang der priester” d. h. wegen Mangel an Priestern, aber auch wegen der Geldentwertung war die Kooperatur nicht besetzt. 1619 ist wieder von einem Kooperator die Rede. Dann scheint die Stelle unbesetzt geblieben zu sein bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert war die Bezeichnung Supernumerar für solche Kooperaturen ohne Fundation gebräuchlich (im vorigen Jahrhundert Kooperatur 2. Klasse), deren Besetzung im Ermessen der oberhirtlichen Stelle lag und bei arbeitsfähigen Pfarrern meist nicht geschah. Ein sogenannter Spaltzettel, in dem die Bezüge des Kooperators zusammengestellt waren, bestand hier erst seit 1854. Daß infolge der häufigen Nichtbesetzung der Kooperatur Pfarrer Zeiler die Errichtung einer Frühmesserstelle betrieb, ist schon bemerkt, hauptsächlich um der Pfarrkirche einen Gottesdienst zu sichern an den Tagen, an welchen der Hauptgottesdienst nach Graßlfing traf. Diese Filiale hatte schon 1847 die Errichtung einer (Schul—)Expositur angestrebt, wozu die Kirche die Wohnung im Anbau und den Hauptteil des Einkommens, das Schulgeld und freiwillige Leistungen der Ortsgemeinde den Rest geben sollten. 1905 wurde der Gedanke abermals aufgegriffen, wenn alle Gemeindebürger ihre schriftliche Zustimmung gäben. Schon vorher hatte der Frühmesser in Allkofen von der Gemeinde jährlich 60 Mark bekommen, die 1903 auf 100 Mark erhöht worden waren. Seitdem leisteten für Abhaltung der Messe in Graßlsing Kirche und Gemeinde einen jährlichen Beitrag in Bar und zeitweise auch in Naturalien (z. B. Holz). So gab 1910 die Kirche 200 Mk. Zuschuß. Die Gemeinde Graßlsing gab um 1862 bereits jährlich 46 fl.; wofür der Frühmesser je am 3. Sonntag dortselbst Frühmesse zu halten hat, desgleichen an abgeschafften Feiertagen, desgleichen in dringenden Fällen Aushilfe in der Seelsorge (laut Matrikel 1863).

Die Namen der Hilfspriester von Grafentraubach in den letzten beiden Jahrhunderten sind folgende:

1702 Johann Georg Funk, 1702/3 Matthias Weinmann, 1706 Simon Niedermayer, 1707 Stefan Högekinger, moderator in arce hic, 1710 Johann Mathias Steib, 1712 Johann Peter Paul Zauner, 1713 Jakob Angerbauer, 1714 Michael Hardzberg, 1717 Johann Karl Hehming, 1718 Josef Peissing, 1727-29 Dominikus Arnold, 1743 Josef Steib, sacerdos prädicans von 1743—59, dann Pfarrprovisor

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und Pfarrer, 1776 Wilhelm Neumayer, 1779/82 Johann Schütz, 1798 Georg Lehmer.

1803 Willibald Stocker, 1803 Philipp Riembauer, 1804/9 Benedikt Nirschelsberger, 1809 Paul Winter, 1814 Josef Holter, 1815-17 Michael Schösser, 1818-20 Jakob Roth, 1828 Mathias Grabinger von Grafenried, 1833-36 Josef Wurm von Straubing, 1836 Georg Dirmeier von Niederumelsdorf, 1845 Josef Webler, 1848 Josef Straubinger, 1850-82 Lorenz Zettl, Kooperator und später Kommorant, 1855 Xaver Mooser † 19. 2. 1917 als Kommorant in Rottenburg, 1858 Josef Krieger † 30. 1. 1904 als fr. Benef. von Bubach in Reichenbach, 1859 Georg Kuster † 13. 4. 1898 als Pfarrer in Schierling, 1859 Georg Braun † 24. 1. 1904 als freires. Pfarrer von Eschlkam in Landau; 25. März 1861 starb hier, 40 Jahre alt, Palmberger Johann Felix, Kooperator hier, geboren in Abensberg, 12 Jahre Priester; 1861 Wolfgang Sonnleitner aus Pfarrei Neukirchen, später Dechant und Pfarrer in Sallach † 29. 4. 1896 in Dingolfing, 1861 Georg Becker, 1862 Karl Rues, 1863 Josef Schlicht aus Geroldshausen, der bekannte Schriftsteller † 18. 4. 1917 als Benefiziat in Steinach, 1864 Wolfgang Ruhland † 28. 2. 1894 als Pfarrer in Alburg, 1885 Johann Lößl † 28. 2. 1905 als Benefiziat in Sünching.

1913 Georg Fuß aus Hofdorf, 1937 Alois Lautenschlager aus Karlstein, 1938 Jakob Staudigl aus Kürn, 1939 Wolfgang Deml aus Bernried, Pfarrei Stamsried.

Priester aus der Pfarrei
Als ältester aus der Pfarrei hervorgegangener Priester ist zu nennen:

  1. Horskolf, Adeliger von Grafentraubach, Donator der Kirche 776,
  2. Gigihard von Hedinpah, ca. 960 (vergl. Seite 25),
  3. Heinrich v. Steinkirchen, ca. 1330 Priester und Mönch im Kloster Mallersdorf, schenkte diesem ein silbernes Marienbild,
  4. Heinrich v. Steinkirchen, ca.1300 Dekan in Cham,
  5. Schweiger Johann, geb. in Grafentraubach, 1526 Vikar daselbst,
  6. Oberhauser Daniel, geb. in Grafentraubach, 1556 Pfarrer in Holztraubach,
  7. Gnädler Joh. Adam, geb. 17. 1. 1694 in Grafentraubach, Priester 1717,
  8. Romayer Max German, geb. 4. 10. 1699, V. Patrimonialrichter, Priester 1723, März 1729 Pfarrer in Grafentraubach † 11. 3. 1759,
  9. Romayer Joh. Ulrich, Bruder des vorigen, geb. 4. Juli 1701, Priester 1725; 1735—1739 Kooperator in Sallach, † 26. 5. 1789 in Grafentraubach.

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  1. Steigenberger Thomas, geb. 17. 12. 1741, V. Lehrer, Prof. 21. 9. 1761 im Kloster Metten als P. Amandus OSB., Priester 3. 2. 1765, 1793 Pfarrprovisor Stephansposching, 1806 Kommorant in Deggendorf † 31. 5. 1808,
  2. Beutlhauser Matthäus, geb. 1760, V. Söldner, Priester, 1785 Benefiziat in Oberellenbach,
  3. Beutlhauser Joh. Nep., geb. 15. 12. 1818, Vater Söldner, Priester 9. 4. 1853, 1870 Pfarrer in Schlamersdorf, 1882 in Geroldshausen † 27. 4. 1888,
  4. Kiendl Sebastian, geb. 4. l. 1827 in Steinkirchen, V. Müller, Priester 14. 3. 1856, 1861—1880 Pfarrer Roding, 1880 Oberwinkling, 1885 Mettenbach, 1901 Kanonikus in S. Johann Regensburg, gest. 27. 3. 1911,
  5. Beutlhauser Franz Xav., geb. 26. 11. 1830, V. Söldner, Priester 19. 4. 1855, 1866 Benef. Moosthenning, 1875 Pfarrer Veratshausen 1880 Pfarrer Cham, 1885 Pfarrer Inkofen, 1889 Pfarrer Geiselhöring, 1893 Kommorant Straubing † 19. 5. 1902,
  6. Senebogen Joh. Georg, geb. 27. 2. 1834 in Obergraßlfing, V. Landwirt, Prof. 24. 2. 1863 als P. Massäus OFM., Priester 18. 4. 1863, 1892 Kommorant Obertrennbach, 1905 in Pfaffenberg † 11. 3. 1911,
  7. Schindlbeck Franz X., geb. 8. 11. 1847, V. Söldner, Priester 30. 5. 1875, 1883 Expositus Prunn, 1888 Pfarrer Parkstein, 1891 Oberaichbach, 1899 Oberglaim † 6. 6. 1917,
  8. Rohrmeier Josef, geb. 10. 2. 1861 in Dürnhettenbach, Vater Bauer, Priester 24. 6. 1884, 1889 Expositus Trasching, 1891 Bpr. Hankofen, 1895 Pfarrer in Lupburg, 1899 in Rohr, 1911 Pfarrer in Sallach † 6. 3. 1932,
  9. Poll Josef, geb. 5. 9. 1873, V. Bindermeister, Priester 4. 6. 99, 1899——1909 in Plattling. 1909 Bfpr. Nabburg, 1915 Domvikar, bischöfl. Sekretär, Monsignore, 1935 Kanonikus z. Alten Kapelle,
  10. Poll Georg, geb. 20. 6. 1885, Bruder des vorigen, Prof. 15. 10. 1906 als P. Ildephons OSB. in Metten, Priester 15. 8. 1909,
  11. Littich Johann B., geb. 29. 3. 1887, V. Landwirt, Priester 29. 6. 1913, Koop. in Stadteschenbach, Koop. in Andermannsdorf, 1914 Tiefenbach, 1916 Mühlbach, 1918 Oberroning, 1921 Koop. Plattling, 1922 Otzing, 1923 Ben. daselbst, 1932 Pfarrer in Fischbach,
  12. Gebhard Willibald, geb. 7. 4. 1907 in Allkofen, Vater Lehrer in Grafentraubach, Priester 29. 6. 1932, Koop. Stamsried, 1935 Regensburg Herz Jesu, 1938 Exp. Birkensee,
  13. Parzifall Ernst, geb. 10. 11. 1911 von Graßlfing, V. Metzger, Priester 1936, Aushilfspriester, dann Präfekt in Traunstein, dann Kaplan und Chorregent in Berchtesgaden,
  14. Klankermeyer Josef, geb. 18. 11. 1911, V. Landwirt, Priester 19. 3. 1938, Kooperator Hunderdorf.

[Seite 60.1]

18.
Poll Josef, geb. 5. 9. 1873, Vater Bindermeister, Priester 4. 6. 1899, Koop. 1899-1909 in Plattling, 1909 Benef. prov. Nabburg, 1915 Domvikar, bischöflicher Sekretär, Monsignore, 1935 Kanonikus zur Alten Kapelle, Stiftsdekan 8. Dez. 1944, Päpstl. Hausprälat, B.G.R., Jubelpriester, Inhaber der Albertus Magnus Medaille, Bibliothekar der Proske’ schen Musikbibliothek, + 7. Februar 1955 in Regensburg.

Prälat Josef Poll war Sekretär des Bischofs Antonius von Henle und des Bischofs Michael Buchberger. Für seine treuen Dienste wurde er 1935 zum Kanonikus am Stiftskapitel Unserer Lb. Frau zur Alten Kapelle ernannt. Der „Regensburger Anzeiger” schrieb in seinem Artikel „in memoriam Stiftsdekan Prälat Josef Poll”: Der Geschichtsschreiber des Heiligtums Unserer Lb. Frau, Prälat Poll, hat mit dem Wiederaufbau der ihm anvertrauten Kirche unbestreitbare Verdienste von Format sich erworben mit seiner Energieleistung voller Entschlossenheit, die ihn auch selber das Arbeitskleid anziehen ließ, um in seiner Werkstätte im Kreuzgang seine Kunstbegabung mit eigener Hand zu bewähren an den durch die Bombenangriffe beschädigten Kunstwerken. Als bischöflich beauftragter Verwalter der Proske-Bibliothek, einer reichen Schatzkammer voll noch ungehobener Schätze, die mit wachsender Aufmerksamkeit von überall her in Anspruch genommen wird, wuchs der von Jugend auf schaffende Komponist zum kritischen und kundigen Musikwissenschaftler heran. Die Proske-Bibliothek war ihm geradezu mit Inbrunst ans Herz gewachsen, je mehr er ihre Reichtümer entdeckte, und bis zuletzt lag ihm auf der Seele, dies Erbe einmal in die Hände eines Nachfolgers kommen zu sehen, der Historiker, Musiker und Bibliothekspraktiker zugleich ist”.
Poll hinterließ eine größere Anzahl von Kompositionen, Instrumentalmessen, Motetten und Liedern, die noch der Veröffentlichung harren. Bekannt sind seine schon in den Kaplansjahren herausgegebenen Mädchen- und Burschenliederbücher. Über die Persönlichkeit des Prälaten schreibt der Regensburger Anzeiger im zitierten Nachruf: „Das Charisma des Künstlers hat bei ihm die Salbung des Priestertums nie zu kurz kommen lassen und viele wissen von seinem stillen Priesterwirken überall, wohin Gottes Ruf ihn führte.”

[Seite 60.2]

19.
Poll Georg, geb. 20. 6. 1885, Bruder des vorigen, Profeßs 15. 10. 1906 als Pater Ildefons OSB in Metten, Priester 15. 8. 1909 in Metten, 17. 8. 1909 Primiz in Grafentraubach, 1909-10 Kooperator in Neuhausen (Klosterpfarrei), 1910-13 Studium der Naturwissenschaften in München, 1913-18 Präfekt im Klosterseminar, 1913-39 Lehrer am Gymnasium für Naturkunde und Erdkunde (1939 Auflösung des Gymnasiums), 1918-24 Präses der Marian.

Studentenkongregation, 1924-39 Custos, 1928-40 Küchenmeister, + 9. 8. 1940 in Regensburg, 12. 8. 1940 Beerdigung auf dem Mönchsfriedhof in Metten.
P. Idefons war korrespondierendes Mitglied der ornithologischen (Vogelkunde) Gesellschaft in Bayern und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Geschichte und Bibliographie des Brauwesens (Berlin); Schriften aus seiner Hand: Kloster Metten und seine Umgebung, Verlag des Klosters 1910; Das Brauwesen des Klosters Prüfening, Berlin 1936; Das Brauwesen des Benediktinerklosters Metten, Berlin 1937; Das Brauwesen des Benediktinerkloster Niederalteich, Berlin 1938; dazu noch viele Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften.

Ein weiterer Bruder von Josef und Georg Poll erwarb sich einen großen Namen: Michael, geboren am 15.1. 1889 in Grafentraubach.
Michael erlernte das Orgelbau-Handwerk bei Ignaz Weise in Plattling. Der kinderlose Meister adoptierte ihn. 1916 legte Michael die Meisterprüfung ab. 1919 übernahm der 30jährige Meister den Betrieb. Die Geburtsstätte der Orgelwerkstätte Weise stand in Passau, wo sie Orgelbaumeister Ignaz Weise 1889 gründete. Der anfangs kleine Betrieb, in dem etwa acht bis zehn Mitarbeiter beschäftigt waren,

wurde im Jahre 1903 nach Plattling verlegt. Hier entwickelte sich der Betrieb bald zu einem bedeutenden Unternehmen. Michael Weise hat seine Kenntnisse im Ausland vertieft, so in den Niederlanden, Spanien, den Balkanländern und Rußland. Dank seines Fleißes und seiner Qualitätsarbeit konnte er das Unternehmen zum heutigen Umfang ausbauen. Die Fa. Michael Weise besteht gegenwärtig aus 20 Werkstatt- und Lagerräumen mit einer Gesamtfläche von über 2000 Quadratmetern. Sie ist in der Lage, Instrumente in jeder gewünschten Größe und Ausführung herzustellen.

[Seite 60.3]

Orgelbaumeister Michael Weise hatte in den Jahren 1919-1969 mit Umsicht und Weitblick seinen Betrieb geleitet. In diesem halben Jahrhundert gelang es ihm, sich in Fachkreisen einen Namen zu machen. Herr Weise hatte nicht nur in seinem Beruf Überragendes geleistet, sondern sich auch für die Aufgaben im öffentlichen Leben engagiert. Deshalb verlieh ihm die Stadt Plattling im Jahre 1969 anläßlich seines 75. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht. Außerdem ist er seit dem Jahre 1965 Träger des päpstlichen Ordens „Pro ecclesia et Pontifice”.
Im Jahre 1966 schließlich wurde ihm „in Anerkennung der um Staat und Volk erworbenen besonderen Verdienste” das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Nachdem der Achtzigjährige tags zuvor noch die Orgel im Musikwissenschaftlichen Institut der Johannes-Gutenberg- Universität in Mainz intoniert hatte, ereilte ihn am 24. April 1969 bei einem Verkehrsunfall auf der Ostmarkstraße (B 85) an der Kreuzung bei Patersdorf der Tod. Damit endete das Leben eines Mannes, der sich um Kirche und Staat bleibende Verdienste erworben hatte.
Sein Wirken stand im Dienst der Kirche und der Verherrlichung des Gottes Lobes, seine Arbeit war gediegen bayerische Handwerkskunst. „Orgeln sind Wunderbaue, Nachklänge des Schöpfungsliedes” (Herder).
Die allgemeine Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich Herr Weise mit Recht erfreute, kam in vielen Ehrungen zum Ausdruck, die ihm schon zu Lebzeiten, besonders aber bei seinem Heimgang zu Teil wurden. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung aus nah und fern wurde er im Städt. Friedhof in Plattling zu Grabe getragen. Die Orgelbaufirma wird im Sinne des Verstorbenen von dessen Sohn Reinhard Weise weitergeführt.

20.
Littich Johann Bapt., geb. 29. 3. 1887, Vater Landwirt, Priester 29. 6. 1913, Koop. in Stadteschenbach, Koop. in Andermannsdorf, 1914 Tiefenbach, 1916 Mühlbach, 1918 Oberroning, 1921 Koop. Plattling, 1922 Otzing, 1923 Benefiz. daselbst, 1932 Pfarrer in Fischbach, 22. 4. 1959 Kommorant in Ergoldsbach, + 6. 3. 1967 in Ergoldsbach und dort beerdigt. (Er war auch ein gesuchter Naturheilpraktiker).

[Seite 60.4]

21.
Gebhard Willbald, geb. 7. 4. 1907 in Allkofen, Vater Lehrer in Grafentraubach, Priester 29. 6. 1932, Koop. Stamsried, 1935 Koop. Regensburg, Herz Jesu, 1938 Expos. Birkensee, Pfarrer, B.G.R. und Dekan in Langenerling 1. 2. 1949 – 1. 4. 1976, 1974 Ernennung zum Ehrenbürger von Langenerling und Sengkofen, als Kommorant in Burglengenfeld-St.Josef am 21. 6. 1984 verstorben. Auf seinen Wunsch im Priestergrab in Grafentraubach beerdigt.

22.
Parzefall Ernst, geb. 10. 11. 1911 in Allkofen, Vater Metzger, seit 1912 wohnhaft in Obergraßlfing bei seinem Großvater Friedrich Auer, Schullehrer, Priester 5. 5. 1935 in Freising, 1935 Aushilfen in Maisach und Gilching, 1935-1937 Musikpräfekt im Erzbischöfl. Studienseminar in Traunstein, 1937 – 1942 Kaplan und Chorregent in Berchtesgaden, 1942-1951 Chorregent in Bad Tölz, 1951-1955 Chordirektor in Bad Aibling, 1955-1972 Religionslehrer an der Städt. Berufsschule München, 1972 Oberstudienrat i.R. in Bad Tölz.

23.
Klankermayer Josef, geb. 18. 11. 1911, Vater Landwirt, Priester 19. 3. 1938, Kooperator in Hunderdorf, Kriegsdienst 26. 6. 1940 – 30. 5. 1945, Expos. in Greilsberg 1. 2. 1948, Benef. prov. in Hörmannsdorf-Weng 1. 5. 1952, 1. 9. 1963 Pfarrer in Großköllnbach, + 23. 2. 1977 in Mallersdorf, beerdigt in Großköllnbach.

[Seite 60.5]

24.
Wachter Heinrich, geb. 23. 3. 1930 in Plattling, Vater Postsekretär, Priester 29. 6. 1955, Primiz 5. 7. 1955 Grafentraubach, Kaplan in Windischeschenbach 15. 7. 1955, Kaplan Roding 1. 12. 1955, Expos. Trasching 1. 9. 1960, Militärgeistl. in Regensburg 16. 9. 65, Militärpfarrer in Regensburg 15. 3. 1966, Deutscher kath. Militärgeistlicher für Shape/Belgien und Fontainebleau/Frankreich 16. 2. 1968, Militärpfarrer in Neumünster 1. 4. 1972, Olympia-Seelsorger in Kiel-Schilksee 1972, Militärdekan 21. 9. 1972, Pfarrer in Essenbach 1. 10. 73, Pfarrer in Straubing-St. Jakob 1. 10. 1976, Polizeipfarrer für Bayern 1. 9. 1983, München.

25.
Huber Alfred, geb. 10. 1. 1939, Vater Kraftfahrer, im 2. Weltkrieg vermißt, Priesterweihe 29. 6. 1968, 7. 7. 1968 Primiz Grafentraubach, Aushilfe in Nagel 15. 7. 1968, Kaplan Wolnzach 1. 9. 1968, Dompfarrkaplan 1. 7. 1972, Pfarrer in Leiblfing 1. 8. 1976.

Nachtrag zu 10. Steigenberger P. Amand, 1764 Stellvertretender Seminardirektor und Lehrer der Sängerknaben, 1766 Direktor des Seminars, 1779 Subprior, 1782 Prior, 1784 Novizenmeister, 1786 Sekretär und Gastpater, 1787 Küchenmeister, 1793 Pfarrvikar in Stephansposching bis 1803 (Aufhebung des Klosters), + 31. 5. 1809 in Deggendorf;
P. Amand war ein ausgezeichneter Tonsetzer, Klavier- und Cellospieler. Unter seinen Kompositionen, welche aber ungedruckt blieben, werden genannt mehrere Miserere und Stabat Mater. Nach der Säkularisation ist er am 20. 3. 1807 als freires. Pfarrer von Stephanposching in Böbrach nachweisbar. Sein Tod erfolgte in Deggendorf.

[Seite 60.6]

H. H. Frühmesser

Josef Büchl
9. 1913 – 12. 7. 1923


81 Jahre

Georg Huf
1923 – 6. 9. 1946


85 Jahre

Joh. Ev. Landsmann
1. 10. 1946 – 31. 3. 1950


79 Jahre

Jakob Kainz
1. 9. 1950 – 1. 2. 1951


69 Jahre

Franz Xaver Amberger
1. 10. 1951 – 6. 2. 1970


89 Jahre

s.a.S. 55

Seelsorger der Expositurgemeinde Allkofen ab 1951 zu der ab 1954 auch Graßlfing gehörte

7. 1951 – 31. 12. 1957

Expositurkooperator Wenzel Schmid

1. 1958 – 16. 7. 1958

vakant

7. 1958 – 5. 11. 1960

Expositus Franz Xaver Reitinger

1960 – 1. 8. 1961

vakant

8. 1961 – 31. 8. 1978

Expositus Josef Teufel

9. 1978 – 15. 3. 1979

Der neue Pfarrer von Laaberberg H.H. Teufel versieht zugleich die Expositur aushilfsweise mit (Expos. excurrendo)

3. 1979 – 30. 11. 1984

Expositus Dr. Heribert Roßmann (persönl. Titel „Pfarrer” vom Bischof verliehen)

ab 1. 12. 1984

Die Expositur ist vakant und wird vermutlich für lange Zeit unbesetzt bleiben

[Seite 60.7]

Graßlfinger Kirche

Die Kriegszeiten 1939 – 1945 gingen auch an der Kirche in Graßlfing nicht spurlos vorbei. Die beiden größeren Glocken mußten abgeliefert werden. Kurz nach Kriegsende 1947 – 48 wurden von der Fa. Gugg aus Straubing zwei neue Glocken geliefert und im Turm montiert. Die alten Glocken überstanden den Kriegund kamen von Hamburg in ihre Heimat zurück. Vorübergehend brachte man sie in der Kapelle unter. Nachdem man die neuen Glocken in die Gegend von Dachau verkaufen konnte, brachte man die alten Glocken wieder im Turm an. Ludwig Rottmeier aus Untergraßlfing war ein großer Fürsprecher, das alte Geläute wieder über beide Orte klingen zu lassen.
Seit April 1944 wird Graßlfing gottesdienstlich von Allkofen betreut. Nachdem man die Seelsorgestelle in Allkofen neu geregelt hatte, gliederte man 1957 Graßlfing gesamt der neuen Expositur Allkofen an. Auf die Ausführung im Teil der Kirche Grafentraubach wird hingewiesen.
Unter Exp. Teufel waren größere Reparaturen an der Kirche, Klause und im Friedhof anstehend, die unter Mithilfe beider Orte bewältigt wurden.
1959 deckte man das Kirchdach mit dunkelbraunen Falz-Dachziegeln neu ein. Diese Ausführung war dem Amt für Denkmalpflege ein Dorn im Auge und so mußte 1974 das Dach mit roten Dachziegeln abermals eingedeckt werden.
1972 erfolgte die Turmrenovierung mit Einbau des elektrischen Geläutes und einer elektrischen Uhr, welche von der Gemeinde Laberweinting finanziert wurde. 1974 bekam das Kirchenschiff und 1976 die Klause einen neuen Verputz. Mit einem Gesamtkostenaufwand von 300 000. — DM renovierte man den Turm, das Kirchenschiff und die Klause. Mit Spenden aus der Bevölkerung und Zuschüssen aus verschiedenen Stellen war dies möglich. Nach 40jähriger Tätigkeit als Kirchenpfleger trat Xaver Baumann ab und es folgte Georg Inkoferer.
30 Jahre war Sebastian Schreiner Mesner. Seit 1983 ist Alfons Rottmeier im Amt. Durch die Schulreform 1969 stand das Graßlfinger Schulgebäude leer und wird auf Wunsch der Bevölkerung 1975 abgebrochen. Der Abbruch wird in Hand-und Spanndiensten ausgeführt. Die Grundfläche wird von der Gemeinde Laberweinting der Kirchenstiftung Obergraßlfing zur Erweiterung und Anlegung des Friedhofes, den man 1974 an der Südseite der Kirche schon erweitert hatte, übereignet. Ein verbleibender Teil wird als Parkplatz für Kirchenbesucher ausgebaut. Kirche und Friedhof ergeben ein sehr schönes Bild. Finanzielle Unterstützung gab hier die Gemeinde Laberweinting.

[Seite 60.8]

Steinkirchen, Ansicht von Süden

Kirche, Innenansicht

[Seite 61]

Die Klaufner.

Wie noch heute der Name Einsiedlerberg andeutet, befand sich dort bei einer Muttergotteskapelle im 18. Jahrhundert eine Einsiedelei. 1730-32 waren in der Diözese Regensburg die Einsiedler in eine Eremitenkongregation zusammengeschlossen worden. Als nicht in der Welt lebende Mitglieder des 3. Ordens erhielten sie 1766 sogar das Privilegium fori.

Nach den Quellen im Ord. Archiv Regensburg berichtet K. Holzgartner über die Einsiedelei Grafentraubach: Entstehung: Erbaut von der Ginsheimischen Herrschaft. Zeit unbekannt, jedenfalls vor 1712.

Der erste bekannte Eremit ist Fr. Ferdinand Felix bey traubach. Dieser gehörte zu den drei Eremitem die am 23. 10. 1712 den Altvater der Einsiedler Fr. Vitus Schreiner auf der Klause Bogenberg eigenmächtig absetzten.

Fr. Christoph Kärgl, 1718——…. Laut Visitationsprotokoll der Eremiten von 1739 ist Kärgl in dieser Zeit 72 Jahre alt, 21 Jahre im Eremitenstand und beständig auf dieser Klause (ca. 1718). Es heißt dort: „Die Klause gehört der Baron Ginsheimischen Herrschaft und liegt in der Pfarr zu gemelten Traubach, hat zwar etwas Weniges . . . zu s. Unterhaltung von obgedachter Herrschaft, muß das Ersorderliche ersammeln, führt sich standesgemäß auf und ist mit Büchern wohl versehen.

Mitbrüder: Fr. Sebastian Mayr 1739———…. (ohne Klage), Fr. Theonas Fiederer 1747——1748. In der Visitation 1748: „Grafentraubach: ohne Fundation —— Garten wohl zugerichtet.” Nach Sterbebuch Grafentraubach starb 28. 5. 1751 Christoph Kärgl 3. ord. S Fr. Eremita 86 annorum.

Fr. Abraham Schwamberger ca. 1752——…. Lt. Visitation 1754: 50 Jahre alt, 17 Jahre im Orden, 2 Jahre auf der Klause, die weder eigen noch fundiert ist. Nach Visitation 1766: gebürtig von Eslarn i. d. O., geb. 1704. Er war laut Visitation 1767 zuvor ein Student und nach dem Bericht von 1776 ein Casist (?) gewesen.

Mitbrüder: Fr. Amatus Streicher, Novize 1754, Fr. Antoni Sedlmayr 1761, Fr. Gallus Rockenhauser, ein Strumpfwirker, 1763, Fr. Viktorin Fuhrmann, von Kirchmatting gebürtig, 1763, Fr. Augustin Polz 1776, Fr. Franziskus Planer 1777.

Vom Ort der Klause und Unterhalt derselben sagt die Visitation 1767: Grafentraubach (Klause) an einem einsamen Ort an der Kapellen der Mutter Gottes erbaut. Das jus præsentandi hat Graf Seinsheim. Klause in schlechtem Zustand, soll von der Herrschaft unterhalten werden. Garten ohne Brunnen! Schwamberger occupiert (beschästigt) sich mit Blumenmachen und Klausenarbeit —— lebt von Almosen. —— Von der Herrschaft: 8 Metzen Korn, 2 Metzen

[Seite 62]

Waizen, 5 Klafter Holz, item von dem löbl. Kloster Mallersdorf wöchentlich 4——5 Laib Brot.

Visitation 1769: Klause: in dem Walde an der Kapelle der Mutter Gottes —— Eremitorium ist gänzlich zum einsallen. Ein armes Dasein!

Visitation 1772 … Vom Kloster Mallersdorf wöchentlich 5 bis 6 Laib Brot. Deswegen liegt ihm ob, bei der 7 Uhr-Messe in der Klosterkirchen den hl. Rosenkranz vorzubeten. Daß der hiesige Eremit Schule hielt, wie an vielen anderen Orten, ist nicht findbar. Es war ja je eine Schule am Orte und auf der Filiale selbst. Bruder Arbaham Schwamberger starb 75 Jahre alt am 5. 4. 1780.

Ende: Pfarrer Joses Steib schreibt: Grafentraubach: 24. 5. 1780:

„Die Klause ist keine Stiftung, sondern auf Widerruf erpaut von der gainshaimbschen Familie; indem H. Graf Seinsheimb das Gut erkauft, hat er schon dort wollen die Klausen destruieren (abbrechen) lassen; weil aber seine Frau Baas Gräfin v. Seinsheim als Klosterfrau bei St. Klara in Regensburg den Fr. Abraham Schwamberger recommandiert hat, hat er solche erhalten mit der Condition (Bedingung), nach seinem Ableben solle sie völlig destruiert werden, wie es dann gehen wird. Es ist auch ad protokollum genommen worden, denselben Tag, daß Fr. Abraham Schwamberger bezogen.”

Auch in Graßlfing hören wir von Eremiten; aber erst Mitte des vorigen Jahrhunderts. Nach Matrikel 1863 wohnte damals in dem Kirchenanbau ein Klausner als Mesnergehilfe für den Lehrer von Allkofen. Die Klause ist Eigentum der Kirche, die die??? Baulast trägt. Der letzte Eremit in Graßlfing war Frater Michael Sabbas. Unter Pfarrer Steghamer kam derselbe von Graßlfing weg. In Grafentraubach hatte man 1881 zur Friedhoferweiterung das sogen. Vitztumhäusl Nr. 7 angekauft. 1883 erklärte der Gemeindeausschuß am 16. Mai, daß eine Einwendung gegen die Übersiedlung des Eremiten Sabbas Michl von Obergraßlfing nach Grafentraubach in das sog. Vitztumhäusl nicht gemacht, sondern selbe sogar sehr erwünscht ist. (Vergl. S. 53.) 1901 kam Bruder Sabbas nach Altheim.

[Seite 63]

4. Teil

Die Schulen der Pfarrei



Einleitung

Schon in ältester Zeit betrachtete die Kirche den Jugendunterricht als eine ihrer Aufgaben und verlangten die bayerischen Bischöfe und Äbte 813 auf dem Konzil zu Mainz, daß in allen Sprengeln die Leute ihre Kinder zur Schule schicken sollten. Ein Dekret des Papstes Gregor von 1234 verordnete: Jeder Pfarrer halte einen Kleriker, der mit ihm singt . . . . und der im Stande ist, Schule zu halten! Diese Aufgabe ging dann auf die Mesner über. Je nach Befähigung derselben waren diese Pfarrschulen besser oder primitiver.

Grafentraubach wird wohl auch seine Mesnerschule gehabt haben mit elementarstem Unterricht in Religion, Lesen und Schreiben. Wer mehr verlangte, konnte seinen Wissenstrieb in der Schule des nahen Klosters Mallersdorf befriedigen. Wenigstens gingen um 1500 mehrere Priester aus Grafentraubach hervor. Vielleicht aber hatten diese Unterricht beim Pfarrer oder einem Hofmeister im Schloß genossen. Die Schule in Mallersdorf hatte im Mittelalter einen guten Ruf, so daß ihr viele Adelige und andere Leute ihre Kinder anvertrauten. Wohl hatte sie zwischendurch Zeiten des Niedergangs, doch hielt sie sich immer auf einer gewissen Höhe. Ich habe sie in meiner handschriftlichen Geschichte der Erziehung und des Unterrichts im Bezirksamt Mallersdorf ausführlicher behandelt, namentlich nach Deigls Chronik von Mallersdorf und nach den Mallersdorfer Literalien im Hauptstaatsarchiv München.

Infolge der Glaubensneuerung trat eine Vernachlässigung der Schulen ein und verlangte 1526 eine herzogliche Verlautbarung, daß sie auch auf ansehnlichen Flecken wieder aufgerichtet werden sollten. Bei der Visitation, die 1558/9 im ganzen Herzogtum vorgenommen wurde, wurde den Schulen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, freilich mehr in Städten und Märkten, doch auch auf dem Lande. Infolge dieser Visitation, die kirchlicher- wie staatlicherseits gegen die Folgen der Glaubensspaltung gerichtet war, kamen dann 1569 Instruktionen, seitens der Bischöfe über den Religionsunterricht, und im gleichen Jahre eine „Schulordnung der Fürstentümer Obern- und Niedern-Bayerns” heraus mit Bestimmungen über Unterricht in den Elementarfächern, in Religion und Volksgesang. Ein Mandat vom Jahre 1616 übertrug den Beamten und Pfarrern die

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Beaufsichtigung der Schulen (Lokalschulinspektion und Distriktsschulinspektion).

Diese Schulinspektion blieb je nach den Zeitanschauungen verschieden modifiziert, bis 1918 die geistliche Schulaufsicht beseitigt und das Institut der Bezirksschulräte eingeführt wurde. Grafentraubach hatte bis dahin zur Distriktsschulinspektion Mallersdorf I gehört.

1. Die Schule in Grafentraubach

In älterer Zeit machte man anscheinend einen Unterschied zwischen Mesner (ädituus) und Küster (custos) und bezeichnete letzteres einen gehobeneren Posten eines Schulhalters (ludirector, ludimoderator) Der Visitationsbescheid 1559 sagt zwar nur, daß die hiesigen Mesnerhäuser in gutem Stand waren, und daß über die Angestellten nichts zu beanstanden sei (de reliquis subditis nihil); demnach taten die Mesner ihre Schuldigkeit auch als Schulhalter, weil nämlich sonst in den Visitationsberichten über andere Orte dort, wo der Mesner zwar fleißig war, aber nicht Schule hielt, letzteres eigens bemerkt ist. 1559 hatte der Mesner von der Kirche 9 Schilling Unter den Ausgaben der Kirche in Grafentraubach 1577: Dem Küster Weber 2 fl. Das Uhrenschmieren besorgte damals der Schmied für 3 Schilling. Weber ist also der erste namentlich bekannte Schulhalter Grafentraubachs. Bald darauf taucht hier als Küster ein Ponkraz Pyberger auf, der 1591 oder 1592 starb, und dessen Witwe Anna in letzterem Jahre einen Andreas Willinger aus Sallach heiratete. Wie ungenau man es damals mit den Familiennamen noch hielt, kann man daraus ersehen, daß letzterer 1593 als Andreas Weinl, dann wieder als Andreas Carpus custor, ein andermal einfach als Andre Mesner, dann zur Abwechslung Andre Wellinger, auch Wüllinger, aufgeführt wird. 1603 heißt er Andre Willinger aedituus in Traupach. Daß er aber in Wirklichkeit Schule hielt, ersehen wir, daß seine Ehefrau 1599 als uxors ludirectoris bezeichnet ist. Auch in Graßlfing und Dürnhettenbach war je ein Custor. Nach herrschaftlichem Stift— und Saalregister 1602 hatte damals die Mesnersölde, der Kirche gehörig, Andre Willinger und sein Weib Kunigund. Sie hatte als Bogtei zu geben 18 r ₰, Holzgeld 18 r ₰, 1 Gans, und Vogtgeld, 1 β 15 ₰ ½. 1623 (auch l627) finde ich als Ludirector von Grafentraubach einen Stefan Raiser und seine Ehefrau Dorothe. Um 1640 ist in Hofendorf ein Balthes Reisner Mesner, ob auch Schulmeister? An ein Verwandtschastsverhältnis könnte gedacht werden. 1646 heißt es Policarpus Willinger Schulmeister in Grafentraubach gibt jährlich der Herrschaft an Geld 3 fl. 3 β 27 ₰, Stift 21 ₰, Holzgeld 1 β 15 ₰ 1 Gans oder statt derselben 15 Kreuzer. In Grafentraubach wird noch 1653 in dem herrschaftlichen Stiftbuch dieser Policarp Willinger als Schulmeister aufgeführt. Derselbe hatte aber nicht die der Kirche gehörige Mesnersölde inne, sondern eine der Herrschaft gehörige Sölde. Wohl aber hatte er von der Kirche einige Grundstücke, jedoch anscheinend nicht den Mesnerdienst, denn der 1642 im Taufbuch ausdrücklich als Mesner benannte Christoph Boß ist im

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Schadenverzeichnis von 1648 als Leidtragender mit 18 fl. für 1½ Schäffel Korn aufgeführt, die ihm die Schweden ausgedroschen hatten. Er war ein ehrsamer Schuhmacher, der wohl Schuhe aber nicht Buben versohlte. 1640 hatte der Mesner, wie schon 1615, für Uhrrichten 2 fl 3 Sch., jetzt noch für Waschen der Kirchenwäsche 1 fl. 1649 finde ich in der Kirchenrechnung von Graßlfing: Dem Schulmeister von Grafentraubach Quartalgeld 4 fl. (== Gulden).

Während des 30 jährigen Krieges hatten die Schulen gelitten, daher verfügte 1643 die Regierung, daß in größeren Dörfern, wo viele Kinder vorhanden sind, Schulen errichtet werden; und wenn sich der Schulhalter von dem Quatembergeld nicht erhalten könnte, so sollte mit Zutun der Ordinarien von den Gotteshäusern ein Sold bedingt werden. 1669 wurde verfügt, daß die Rentmeister darüber zu wachen hätten, daß nur taugliche, gottesfürchtige Leute angestellt würden. Im Frühjahr wurde im Dekanat Geiselhöring eine allgemeine Visitation der seelsorglichen, darunter auch der schulischen Verhältnisse abgehalten. Ein Mesner, der des Lesens und Schreibens nit kundig, dürfte in Dörfern nicht angenommen werden. Rechnen ist nicht erwähnt.

Wie aus Willingers Titel: Schulmeister ersichtlich ist, bekamen diesen Titel um 1660 auch Dorfschulhalter, die nur bescheidensten Elementarunterricht erteilten, während er 100 Jahre vorher nur den höher gebildeten Schulmeistern vorbehalten war, die neben den Elementarfächern auch Lateinunterricht gaben. Diese nannten sich jetzt „Lateinische Schulmeister”; denselben war 1696 das Unterrichten im Deutschen untersagt worden.

Im Taufbuch von Grafentraubach wird um Mitte des 18. Jahrhunderts bald ludimagister bald ädituus für eine und dieselbe Person gebraucht.

Auch von Boßens Nachfolger im Mesnerdienste, dem 1673 als solcher erwähnten Michael Obermayer, ist es nur wahrscheinlich, daß er nebenbei auch Schule hielt. 1693 heißt es im Grundund Stiftbuch Grafentraubach: Michael Obermayer hat auf der Schulmeistersölden anstatt seines Weibes Margareth Leibrecht. Davon sollen sie Handscharwerk verrichten und 1 Hund halten. In Anmerkung steht: Jetzt Paulus Pruckmoser. 1760 war das dem Gotteshaus gehörige Schulmeisterhaus zu 1/16 Hoffuß besteuert, ebenso auch das Schulhaus in Graßlfing. Sicher aber hielt Schule Obermayers Nachfolger Paul Pruckmoser (Bruckinoser), ein Weber von Profession, welcher der Stammvater einer verzweigten Lehrerdynastie wurde, deren letzter Sproß heute noch in der Hallertau amtiert. 31. 3. 1693 ist im Taufbuch Sallach ein Schulmeister Dionys Pruckmoser aus Hosdorf als Gevatter eingetragen. Zu Mengkofen war 1721 Pruckmoser, Schulmeisterssohn von Grafentraubach, Schulmeister, ein anderer Sohn Johann (geboren 1703) wurde Lehrer in Westen und ist dort 1766 gestorben. Pruckmoser Paul dürfte somit ein für seine Zeit ganz tüchtiger Mann gewesen sein. Übrigens hatte er nach dem Tode seiner 1. Gattin Margareth 1723 nochmals geheiratet, eine Magdalena Müller aus Pfarrkirchen.

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Schon 1649 waren die Dekane durch bischöflichen Erlaß angewiesen worden, die Kapitulare zur sonntäglichen Christenlehre anzuhalten. Nach der Synode von 1650 sollte letztere im Sommer in der Kirche, im Winter in der Schule oder in einem anderen geeigneten Raum gehalten werden und außer den Kindern auch die Dienstboten und dergl. dazu angehalten werden. Die Regierung gab den Kirchpröpsten Anweisung, für Christenlehrgeschenke (Bilder, Medaillen, Rosenkränze u. dgl.) den Pfarrern Beträge zuzuweisen, weshalb der Pfarrer in Grafentraubach je 2 fl. von den Kirchen in Graßlfing und Dürnhettenbach erhielt. 1671 wurde Geistlichen und Lehrern eine Konferenz und Instruktion „uf 3 Stund” gegeben. (Schrembs 146 ff.)

Die 1659 erlassene churfürstliche „Schul- und Zuchtordnung für teutsche und lateinische Schulmeister” wurde 1682 unter Max Emanuel mit nur unwesentlichen Änderungen erneuert und blieb weit ins 18. Jahrhundert hinein in Kraft.

1714 forderte das bischöfliche Konsistorium von den Pfarrern Bericht, ob bei jeder Pfarrei sowie bei größeren Filialen ein Schulmeister sei, der des Lesens und Schreibens genugsam kundig wäre; ebenso 1723. In diesem Jahre berichtet der Pfarrer von Grafentraubach: Die Pfarrei hat 3 Schulmeister, einer am Ort, einer in Graßlfing, der dritte in Dürnhettenbach, deren jeder die Jugend in dem zum Wissen Notwendigen und in der Religion schon lange und fleißig unterrichtet. In Grafentraubach war es obiger Paul Pruckmoser, der 12. 9. 1729 seiner 1722 † Gattin Margareth im Tode folgte, 62 Jahre alt. 1721 hatte der Pfarrer über schlechten Besuch von Schule und Katechese geklagt.

Im Schloß Grafentraubach war um 1707 ein Erzieher und zwar ein Geistlicher, namens Stephan Höckinger.

Bruckmosers Nachfolger hieß Thomas Steigenberger (auch Steinberger), Mesner und Schulmeister. Im Trauungsbuch Grafentraubach ist zu lesen: Thomas Steinperger (!) Ludimagister und Organist in Grafentraubach, Sohn des Nikolaus Steinperger, bürgerlichen Webers zu Pilsting und Anna seiner Ehefrau, heiratet 31. Jan. 1730 Magdalena Pruckmoserin, Tochter (oder Witwe?) des Ludimagisters Paul Pruckmoser. Es war damals fast allgemein Brauch: um in einem Geschäft oder Amt Nachfolger zu werden, mußte man die Witwe oder Tochter des Vorgängers heiraten. 1738 heiratete Th. Steigenberger zum 2. Mal, nämlich eine Elis Krempl. Zeuge ist Johann Knidl, Schulmeister in Laberweinting.

Schule wurde in den Schulen der Pfarrei, wie auch auf allen Dörfern der Gegend nur einige Wintermonate gehalten. Solange man die Kinder zum Hüten und zu Feldarbeiten gebrauchen konnte, konnte man sie nicht in die Schule bekommen. Freilich an Tagen, an welchen Schulunterricht erteilt wurde, geschah dies vor- und nachmittags je 3 Stunden. 1745 heißt es, der Pfarrer hat die Schulen, die nur Winters gehalten werden und die er auch visitiert, in gutem Zustand. Und 1749 rühmt er: „Der Schulmeister ist sehr fleißig und

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geeignet für den Unterricht der Jugend.” Er hieß Johann Ertl, dessen erste Gattin Maria gewesen ist. Um 1758 visitierte statt des kränklichen Pfarrers der Kooperator teib die Schule. 1766 klagt letzterer, inzwischen Pfarrer geworden, daß aus Mangel an Unterstützung durch den weltlichen Arm die Schule, die nur im Winter gehalten werde, nicht stark besucht würde und die Kinderzahl nur klein sei, obwohl der Lehrer sehr tüchtig wäre. Er hieß Bartholomäus Vitztum (geb. 23. Mai 1733), Schulmeisterssohn von Graßlfing. Er war seit 1759 im Dienst, da er Katharina Ertl, die Witwe seines Vorgängers geheiratet hatte. Nach Traubuch 1787 war diese Katharina eine geborne Pruckmoser gewesen.

Staat und Kirche arbeiteten damals immer Hand in Hand, um das Schulwesen zu heben und das Ordinariat verlangte bei den Dekanatsberichten über die Visitationen auch solche über die Schulen. 1757 befiehlt es: Für Aufstellung tauglicher Schullehrer (also nicht mehr der Titel Schulmeister) und gehörige Abhaltung der Schulen sollen die Pfarrer auf alle Weise sorgen, die Schulen auch stets wöchentlich wenigstens einmal besuchen und die Kinder in den Heilswahrheiten unterrichten. Am 22. 5. 1765 erschien ein kurfürstliches Generalmandat, wornach kein „Schullehrer” mehr aufgestellt werde, der nicht vor dem Geistl. Rate in München examiniert und zu dem so wichtigen Amte tauglich befunden ist.

Um diese Zeit arbeitete P. Heinrich Braun, Benediktiner von Tegernsee, seinen „Plan der neuen Schuleinrichtung in Bayern” aus unter Benützung der Schulordnung des Propstes Felbiger (1763) und des schlesischen Landschulreglements von 1765. Brauns Reformvorschläge erschienen 1770 im Druck und wurden durch kurfürstliches Generalmandat vom 3. September 1770 eingeführt und der Grund gelegt zur späteren, modernen Volksschule.

Diese Normalschule, wie sie hieß, sah 6 jährigen Schulbesuch vor, der nicht mehr als Einzelunterricht nach dem Belieben des einzelnen Schullehrers, sondern als Gemeinschaftsunterricht nach einem festgesetzten Lehrplan und nach einheitlichen Lehrbüchern geführt werden sollte. Der 2. Februar 1771 brachte die Schulpflicht aller Kinder ohne Ausnahme. Das war etwas Unerhörtes für manche Dickschädel. Die Durchführung erforderte jahrelange Kämpfe. 1776 berichtete der Pfarrer: Der Lehrer benützt die vorgeschriebenen katechetischen Bücher, ist fleißig und unterrichtet zweimal in der Woche auch im Katechismus; allein Schule wird nicht, wie es jetzt sein sollte, das ganze Jahr, sondern wie früher nur von Weihnachten bis Ostern gehalten. Der Lehrer klagt wieder über geringe Zahl der Kinder, mit dem Pfarrer ist er zufrieden. Bei der Nachschau 1777 war die Zahl der Kinder schon höher. Nach einer Bemerkung um 1785 sind am Feste des hl. Martin die Schulen, sowohl zu Grafentraubach als Graßlfing öffentlich bei dem Gottesdienst zu verkünden. Am 1. Fastensonntag werden auch die Christenlehren verkündet, welche während der Fastenzeit Mittwoch und Freitag allhier in dem Schulhause nachmittags um

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1 Uhr, zu Graßlfing aber an einem beliebigen Tag gehalten werden („welches zwar keine Schuldigkeit, weil die Kinder von Graßlfing zur Pfarrei gehen müßten”).

Zwar bestand schon seit 1771 die Schulpflicht, aber man kehrte sich nicht daran, unter den nichtigsten Gründen drückte man sich vom Schulbesuch, besonders im Sommer. Da brachte das Jahr 1802 als Christbescherung die Durchführung des Schulzwanges nach dem Sprichwort:

Und willst du nicht, dann mußt du wohl,
sonst hau ich dir den Buckel voll.

Am 23. Dezember 1802 kam nämlich die Verordnung über Schulzwang und damit die Bestimmungen über Besuch der Schule, über Schulzeit mit Ausnahme der Erntezeit, Schulgeld und dessen Beitreibung, Neuordnung der Schulstunden, Einteilung nach Kursen, Schultabellen, Schulentlaßscheine. Letztere waren nach späterer Bestimmung bei Aufdingung, Berehelichungsgesuchen und Gutsübernahmen vorzulegen. Die Polizei hatte über die Befolgung der Schulgesetze zu wachen. 1806 kam ein neuer Lehrplan und Instruktion für die Lehrer heraus. 1808 auch solche über die Distrikts- und Lokalschulinspektoren. Als letztere wurden die Pfarrer beibehalten.

Nach einer Aufstellung vom Jahre 1807 waren in Grafentraubach an schulfähigen Kindern: 16 Knaben, 17 Mädchen, welche alle die Winterschule, nicht aber die Sommerschule (!) besuchten. Der Lehrer Josef Butzmann war von Herrschaft und Pfarrer gemeinsam aufgestellt. Es bestand weder Feiertags-, noch Sing-, noch Industrieschule. Von 13 bis 18 Jahren wären 15 Knaben und 13 Mädchen vorhanden.

Um 1822 aber wird der Unterricht im Winter vormittags von ½8 bis 10 Uhr, nachmittags von 12 bis 3 Uhr gehalten, im Sommer von 6——½8 Uhr früh! — Schulversäumnisse sind hier — ohngeachtet der Dürftigkeit der Psarrkinder — nicht, so daß der Schullehrer keine Versäumnistabelle halten brauchte. —— Eine Industrieschule bestand auch 1822 noch nicht, auch kein Unterricht im Obstbau, indem weder der Lehrer noch der Garten hinlänglich ist. Die Feiertagsschule ist (die Erntezeit ausgenommen) alle Sonn— und Feiertage mittags 1—2 Uhr. Schulkinder: Werltagsschule 20 Knaben, 23 Mädchen. Feiertagsschule 10 Knaben, 12 Mädchen. 1843 waren 24 Knaben und 25 Mädchen in der Werktags— und 20 Knaben bezw. 15 Mädchen in der Feiertagsschule, die Schulversäumnisse waren in der Werktagsschule 452 entslhuldbare, 83 strafbare, in der Feiertagsschule 41 bezw. 2. — 1846/47 war die Schälerzahl gleich, aber die Schulversäumnisse in der Werltagsschule 692 (darunter 131 strasbare), in der Feiertagsschule 38 (bezw. 9).

Das Lehrereinkommen bestand 1803 (einschließlich Kirchendienst): Bare Besoldung 29 fl. 12 kr. von der Kirche. Naturalien: Der Bauer vom Zaißlhos muß jährlich ½ Schaff Korn, Regensburger Maß, geben. Die Sölde gehört zur Kirche. Lehrer baut aus:

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9 Metzen Korn, 9 Metzen Gerste. Die Stolarien betragen etwelche 20 fl., dazu noch bei Leichen: 2 Köpf Mehl, 4 Eier und ein Laibl Brot. Außerdem das Schulgeld.

Ausgaben: Für ein Dienstmädchen 14 fl., Rauchfangkehren 16 kr., Fleischaufschlag 24 kr. Die übrigen Ausgaben bestreitet die genannte Herrschaft von Sünching. Bis 1839 hatte der Schullehrer von der Regierung 25 fl. 48 kr., jetzt mußte im Allerhöchsten Auftrag die Gemeinde ein Drittel davon übernehmen.

Das Schulhaus, der Kirche gehörig, ist eingädig aus Holz gebaut, nicht zum Besten beschaffen, besonders keine gehörige Schulstube, kein oberes Zimmer. Dasselbe musz in allem von der Kirche unterhalten werden; es ist mit einem kleinen Garten versehen; liegt — wie unser ganzes Dorf — auf feuchtem Grund. l807 heißt es: Das Lehrzimmer ist unabgesondert; der Apparat schlecht. Schulholz 3 Klaster. — An Grundstücken genoß der Lehrer als Mesner 1810: ½ Tgw. Hausgarten, 8 Jauchert Äcker, 1 Tgw. Wiesen und 9 Tgw. Wald. Putzmann hatte sich 1805 vom zertrümmerten Hofbauerngut ½ Ausspann Acker gekauft. — 1823 wird ein eigenes Schulzimmer schon mehrere Jahre als frommer Wunsch sehnlichst affektiert. Ein „alter ehrwürdiger Bauer” hatte für den Schulfond damals 28 fl. vermacht, die teils für Schulbücher, teils für Apparat (== Schuleinrichtung) verwendet wurden. Der Schulbezirk umfaßte Grafentraubach, Steinkirchen und 4 Einöden —- 1854 wurde Scharn nach Holztraubach gepsarrt und geschult. Nachdem schon 1840 in das Mesnerhaus 467 fl. Reparaturen gemacht worden, wurde es l857 noch weiter umgebaut mit Zuschüssen der Kirche Grafentraubach, namlich der Kuhstall gemauert und gewölbt und mit Ziegeln gedeckt, desgleichen ein neues Back- und Waschhaus. Im Wohnhaus war nur die sogen. Küche, d. h. der untere weite Teil des Rauchfanges und dieser selbst gemauert; die übrigen Teile zwar untermauert aber von Holz mit Reisen benagelt und mit Kalk beworfen. Zur ebenen Erde war noch ein Wohnzimmer, zwei Kammern und das Fletz, oben das ehemalige Schulzimmer, ein weiter Gang und ein weiteres Zimmerchen. Der Umbau kostete 1159 fl. —- Inwischen war 1842 von der gräflichen Herrschaft das sogenannte „Neue Haus” als Schul- und Armenhaus um 700 fl. erkauft und um etwa 750 fl. der obere Stock für einen Schulsaal und ein Gehilfenzimmer umgebaut worden, wovon ⅔ Grafentraubach und ⅓ Steinkirchen trug. Das neue Schulzimmer hatte 28 ‘ Länge, 18 ‘ Breite, 9 ‘ Höhe. — Das Haus war mit Legschindeln, das Mesnerhaus mit Schneidschindeln gedeckt. Die Lösung – der Lokalfrage genügte nicht mehr, als Ende des Jahrhunderts durch den industriellen Aufschwung Grafentraubachs die Zahl der Häuser und Einwohner beträchtlich gestiegen war.

1904 sollte auf Befehl der Regierung für ein 2. Schulzimmer gesorgt werden. Der Kirchenvorstand beantragte daraufhin am 4. 3. 1904, daß auch das sehr reparaturbedürftige hölzerne Mesnerhaus neu gebaut und Schul- und Mesnerhaus vereinigt werden möchten. Kirchen- und

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Gemeindeverwaltung stimmte zu. 24. 9. 1904 Und 18. 6. 1905 beschlossen Gemeinde- und Kirchenverwaltung gemeinsam, daß das 1904/5 neuerbaute Schulhaus gemeinsames Eigentum der zum Schulsprengel vereinigten Gemeinden Grafentraubach und Mallersdorf einerseits und der Kirchenverwaltung anderseits sein, der Bauplatz aber Alleineigentum der Kirche bleiben soll. Die Kirche nahm 8000 ℳ hierzu auf, deren Verzinsung durch die Kirchenstistungen Grafentraubach und Steinkirchen, sowie die Bruderschast, deren Amortisation durch Zuschüsse seitens der Kirche Graßlfing geschehen solle. Die bauliche Unterhaltung der Schulsäle solle von der Gemeinde allein, der übrigen Teile von beiden Verwaltungen je zur Hälfte getragen werden. Die Baupläne sind von Bezirksbaumeister Attenkofer gefertigt worden, die Gesamtkosten waren: 26 733.90 ℳ. Ökonomiegebäude 7 000 ℳ. Im Jahre 1919 wurden Schul- und Kirchendienst getrennt, den Lehrern die Versehung des Mesnerdienstes untersagt, des Chorregentendienstes aber gestattet. Der Anteil der Kirche am Mesnerhaus wurde 1925 um die geringe Summe von 2000 Mark der Gemeinde überlassen; weil die Bürgerschaft soviel zum Frühmesserhaus beigetragen hatte.

1899 sagte die Fassion: Schulsprengel ist Grafentraubach mit Arnkofen, Kreit, Zeislhof und Steinkirchen (Gemeinde Mallersdorf). Seelenzahl 505. Präsentation: Seinsheimische Gutsherrschaft. Dienstwohnung im Mesnerhaus, die Kirche ¾, die Gemeinde ¼ Baulast. Wohnung: 3 heizbare und 3 nicht heizbare Zimmer, zweistöckig. Schulgarten vorhanden neben Schullokal, dann ein 26 Dezimal großer Obstgarten. Schulgeld: 95 Werktagsschüler mal 2.88 ℳ = 273.60 ℳ, 36 Feiertagsschüler je 1.44 ℳ = 51.84 ℳ. Dienstgründe von Schule und Kirche 20.53 Tgw. Die Mesnergründe allein davon waren 6,898 ha.

1887 hatte die Gemeinde die Leistung der Läutgarben und des Dienstgetreides des Mesnerdienstes auf Gemeindekosten übernommen, als zum fassionsmäßigen Einkommen gehörig; 1903 wurde das Schulgeld aufgehoben.

1921 wurde für die Schuljugend ein eigener Badeplatz bestimmt an der Reichermühle und hiefür eine Bretterwand aufgestellt, das Baden an anderen Stellen untersagt. 1933 sollte der Sportplatz auch zum Turnplatz der Schuljugend gemacht werden.

Seit Einführung der Normalschule waren Lehrer in Grafentraubach:

Vitztum Bartholomäus seit 1759 (siehe oben),

Butzmann Josef, Schullehrerssohn von Haindling, in Straubing geprüft, heiratete 1798 die Lehrerstochter Magdalena Vitztum und erhielt von Herrschaft und Pfarrei die Dienststelle. Geprüft und eingeführt am 2. November 1798 durch den Pfleger von Sünching und den gräflichen Schulinspektor Kistler —- Er mußte seinen Vorgänger Barth. Vitztum und dessen Ehefrau Katharina mit unterhalten. Ersterer starb 1808 im Alter von 75 Jahren und letztere 1805, 88 Jahre alt. —- Seine 1. Frau Magdalena starb 1809 an Lungenschwindsucht 44 Jahre alt. 1803 erhielt Butzmann die Qualifikation: Sittlich gut;

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Geschicklichkeit gut; Fleiß gut. Butzmann Josef starb 12. 9. 1828 im Alter von 64 Jahren. Die Witwe führte die Schule mit einem Verweser weiter. Ihr Sohn Butzmann Johann Baptist, geb. 15. 3. 1808, erhielt 1834 die Schulstelle und heiratete in Sünching eine Karolina Liwofski, das Kind eines österreichischen Soldaten, das 1. 4. 1809 auf dem Durchmarsch in Sünching geboren wurde. Nach deren Tod heiratete er die Schuhmacherstochter Elise Lehner von Pfellkofen.

Auer Johann Bapt., geboren zu Rohr bei Kelheim 17. 1. 1849, Seminaraustritt 1869, Anstellungsprüfung 1873, zuerst Verweser in Grafentraubach, als def. Lehrer 1874, ehelichte in Grafentraubach 8. 7. 1876 die Gutsbesitzerstochter Ursula Laylinger von Niederhausen, wurde 1907 dahier Hauptlehrer. 1. 10. 1910 siedelte er nach Vilsbiburg, nachdem ihm schon 1899 die Gemeinde Grafentraubach das Ehrenbürgerrecht verliehen, dort ist er 19. 4. 1934 verstorben. 1912 hatte er das Luitpoldkreuz erhalten.

Gebhard Peter, geb. 8. l0. 1869 zu Unteraltenbürnheim, BA. Uffenheim, 31. 7. 1889 Seminarabsolutorium in Amberg, Staatskonkurs 1903 zu Regensburg, aktive Militärzeit beim 11. Inf. Rgt. Regensburg, verheiratet 1898 zu Gailsbach mit Kreszenz Högerl aus Prackenbach, kam 1910 am 1. 10. von Allkofen hieher. 1917 König Ludwigskreuz für Heimatverdienste während des Krieges. 1923 Oberlehret. Beim Abschied 26. 4. 193l Ehrenbürger der Gemeinde Grafentraubach für 21 jährige hervorragende fleißige Tätigkeit in Schule, Gemeinde und Kirche. Er baute sich 1931 eine Villa dahier, Laberweintingerstraße 62. Mögen ihm noch recht viele Jahre vergönnt sein!

Schlögl Utto, bisher Hauptlehrer in Falkenfels seit 1917, geboren 6. 7. 1881 zu Berg, B.A. Deggendorf, Seminaraustritt 1903, Anstellungsprüfung 1908 in Landshut, verheiratet 30. 4. 1912 zu Röhrbach mit Anna Limmer. 1938 Oberlehrer.

Auf der 1. 10. 1905 errichteten 2. Lehrstelle:

Wallbrunn Margarethe, geb. 1881 in Kätzelsried, hier Hilfslehrerin bis 10. 5. 1916, jetzt Hauptlehrerin in Hunderdorf. Eglhofer Margareth bis 1910, Ruthel Wilhelmine 1910—1916.Schuderer Katharina, geb. 1888 in Straubing, seit 1916 hier, jetzt als Hauptlehrerin.

Schülerstand in Grafentraubach

KnabenMädchenZugangAbgang
1840/41
Werktagsschule2717
Feiertagsschule2627
1846/47
Werktagsschule2524107
Feiertagsschule171868

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KnabenMädchenZugangAbgang
1860
Werktagsschule3032
Feiertagsschule811
1870/71
Werktagsschule2634
Feiertagsschule1314
1880/81
Werktagsschule394078
Feiertagsschule31163
1890/91
Werktagsschule515976
Feiertagsschule18221012
1900/01
Werktagsschule505027
Feiertagsschule17201418
1909/10
Hauptschule4247617
Feiertagsschule2217211
1919/20
Hauptschule615366
Fortbildungschule1315211
1929/30
Volkshauptschule364757
Volksfortbildungschule131654
1938/39
Volkshauptschule535043
Ldl. Berufschule112167

Schulbesuch immer sehr gut.

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Ehemalige Volksschule Grafentraubach

(Schülerzahlen)

Schuljahr
1939/40 110 Schüler
40/41 105 Schüler
41/42 92 Schüler
42/43 98 Schüler
43/44 120 Schüler
44/45 114 Schüler
45/46 152 Schüler
46/47 175 Schüler
47/48 175 Schüler
48/49 113 Schüler
49/50 117 Schüler
50/51 100 Schüler
51/52 85 Schüler
52/53 88 Schüler
53/54 80 Schüler
54/55 76 Schüler
55/56 82 Schüler
56/57 91 Schüler
57/58 85 Schüler
58/59 91 Schüler
59/60 93 Schüler
60/61 103 Schüler
61/62 102 Schüler
62/63 112 Schüler
63/64 101 Schüler
64/65 99 Schüler
65/66 56 Schüler
Hauptschule befindet sich versuchsweise in Laberweinting
66/67 56 Schüler
67/68 50 Schüler
68/69 54 Schüler
endgültige Schulreform durchgeführt und gesetzlich verankert. Eingliederung in den Schulverband Laberweinting.

Lehrkräfte an der Schule Grafentraubach:

Schlögl1932 – 46Fr. Hundshammer1953 – 65
Fr. Schuderer1940 – 54Fr. Freilinger
Fr. Elter1946 – 65H. Stern1945/46
H. Huber1948 – 1968H. Schottenloher46/47/48

Schulgebäude Grafentraubach

1905Neubau
Eigentümerin Pfarrkirchenstiftung Grafentraubach 18/18
20. 9. 1907Ur.Nr. 2005/1907 Notariat Mallersdorf
Eigentümerin: 9/18KirchenstiftungGrafentraubach
7/18GemeindeGrafentraubach
2/18GemeindeMallersdorf
Su:18/18Allseitiger Miteigentümer

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Plan-Nr. 57: Wohnhaus mit Abort und Vorbau, Waschhaus, Stall, Stadel, Holzlager, Würz- und Baumgarten, Hofraum zu 0,122 ha; Geh- und Fahrrecht über Plan-Nr. 56a und Verbot der Düngstättenhaltung anstoßend an Plan-Nr. 57 zugunsten Plan-Nr. 57.
22. 4. 1926Ur.Nr. 429/1926 Notariat Mallerdorf
Eigentümer: 16/18 Gemeinde Grafentraubach
2/18 Gemeinde Mallersdorf
Su:18/18 Miteigentümer
Im Falle der Trennung von Kirche und Staat für immerwährende Zeiten unentgeltliches Recht römisch-kath. Religionsunterricht erteilen zu lassen.
13. 7. 1926Einöde Reichermühle vom Schulsprengel Weichs abgetrennt und Sprengel der Schule Grafentraubach zugeteilt (Bayer. Staatsministerium für Unterricht und Kultus vom 7. 9. 1926 Nr. IV 39210 bestätigt). Entschließung der Regierung Niederbayerns vom 13. 7. 26 Nr. 2526 a 3, da bereits schon 30 Jahre Gastschulbesuch und seit 1916 schon zur Pfarrei Grafentraubach gehörend. Einwände Weichs wurden abgelehnt.
31. 5. 1939Eigentümer: Schulverband Grafentraubach
Körperschaft öffentlichen Rechts (eingetragen auf Grund Schulaufsichtsgesetzes vom 14. 3. 1938 «GVBL, Seite 141»)
1959Genereller Schulhaus-Umbau und neues Mobiliar
2 Lehrerdienstwohnungen aufgelöst und nunmehr statt 2 Schulsälen nun 3 Säle und 1 Gruppenraum mit 1 Lehrerzimmer, 2 Garderoben und WC, da auch Anbau-Abort abgebrochen wurde.
ab 1. 9. 1965Oberstufe = Schulversuch in Laberweinting
1. 8. 1969Auflösung des Schulverbandes Grafentraubach
Volksschuleingliederung gem. Volksschulgesetz (VoSchg) vom 17. 11. 1966 – GVBL. s. 402/1966 i.V. der Reichsverordnung der Regierung von Niederbayern vom 20. 6. 1969 Nr. II 6 – 3055 g 19. Mai (RABL. Nr. 22/18. 7. 1969) und Einschulung an Volksschule in Laberweinting und Grafentraubach.
Vermögensrechtliche Auseinanderlegung steht derzeit noch aus.
Mietvertrag vom 7. 1./5. 2. 1970:
Vermietung vom Schulverband Grafentraubach an Schulverband Laberweinting, bzw. Nachfolger Gemeinde Laberweinting.
ab 1. 5. 1978durch Gemeinde-Gebietsreform
Großgemeinde und Schulverband Laberweinting nun deckungsgleich.

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Schule in Obergraßlfing.

Wahrscheinlich hat auch in Graßlfing der gut besoldete Custor von altersher, wie üblich, Schule gehalten. Um 1627 ist dort ein Jörg Wullinger ædituus, 1639 jedoch heißt der dortige ædituus Georg Schelkshorn 1648 wurde diesem durch die Schweden eine einjährige Kalbin 15 fl. wert weggenommen. Vermutlich ist Jörg Wullinger und Georg Schelkshorn ein und dieselbe Person, dessen Mutter, eine geborene Wullinger, eine Schulhalterstochter von Grafentraubach gewesen sein dürfte; denn der im Alter von 72 Jahren am 22. 8. 1692 verstorbene Simon Schellshorn ludimagister von Graßlfing war ja 1620 geboren. — 1632 ist in Hofendorf ein Hans Schelhorn adituus.

1693 heißts im Grundbuch: Thomas Stadler, vorher Simon Schelkshorn, die Mesnersölde, dem Gotteshaus gehörig gibt 2 Vogthennen, muß Handscharwerk leisten und 1 Hund halten. Eine jüngere Bemerkung sagt: jetzt Joh. Knitl.

Um 1703 ist in Graßlfing nämlich Schulmeister und Mesner Johann Knitl, der sich auch als Maler betätigte bei den Kirchenbauten der Pfarrei etc. und verschiedene Objekte faßte und vergoldete. Seine Gattin war eine geborene Maria Lehner von Oberköllnbach. Auch einfache Anstreicherarbeiten besorgte er, z. B. strich er das neue Wetterkreuz, welches die Gemeinde Grafentraubach damals aufstellen ließ, mit roter Farbe. Er starb 51 Jahre alt 11. 7. 1729. 1729 finde ich bereits einen Martin Vitztum als Mesner und Schulmeister in Graßlfing, Gattin Katharina, geb. Pruckmoser von Grafentraubach. Vitztum war wiederholt verheiratet, eine Frau war aus Cham. Schulmeister Martin Vitztum fengte (einbringen !), lt. Zehentbuch der Pfarrei 1745 und 46 den Zehent von Eppernleiten und drosch ihn für den Pfarrer aus gegen Uberlassung des Strohes.

  1. 7. 1794 heiratete sein Sohn Michael und übernahm den Schul- und Mesnerdienst.

14. 12. 1805 wurde derselbe in Graßlfing tödlich vom Schlage getroffen 45 Jahre alt.

1806 kam als Schullehrer nach Graßlfing Kaspar Falk aus Sünching. Derselbe war vorschriftsmäßig in Straubing geprüft; er war 22 Jahre alt. Er war zunächst der letzte Lehrer in Graßlfing. 15. Sept. 1821 schreibt Graf Joh. Erkinger v. Seinsheim: „Die durch den Tod des Schullehrers Rosenbeck erledigte Schulstelle in Wallkofen wünsche ich dem Schullehrer Kaspar Falk in Graßlfing zu erteilen, weil derselbe sich seit 15 Jahren als fleißiger und geschickter Schulmann erprobet.” Weiter heißt es: „Weil durch diese Versetzung der Schul- und Mesnerdienst von Graßlsing erledigt wird, der Schullehrer- und Mesnerdienst zu Allkofen aber durch den Pointner so besetzt ist, daß derselbe für unbesetzt zu betrachten kömmt, weil Veit Pointner seines hohen Alters halber der Schule gar nicht mehr vorzustehen vermag, so wünsche ich, daß diese beiden Dienste miteinander vereinigt werden, so daß die Schulgemeinden Allkofen und Graßlfing nur eine Schulgemeinde mehr ausmachen und daß

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zum Schulhalten für die Zukunft dasjenige Gebäude gewählt werde, was am bequemsten ist. Einstweilen und bis zum Absterben Pointners sollen demselben die Emolumente als Mesner und die Gründe, so zum Mesnerhaus in Allkofen gehören, als Alimentation belassen werden; die Emolumente des Schuldienstes von Allkofen, dann die Erträgnisse des Schul— und Mesnerdienstes zu Graßlfing dem neu zu ernennenden Schullehrer der zu vereinigenden Schulgemeinden zu Allkofen und Graßlfing zufallen. Die Schule kann bis zum Absterben des Pointner provisorisch in Graßlfing gehalten werden.”

Als Schullehrer von Allkofen wurde Paul Mauerer, Lehrer in Triftlfing, präsentiert. Die Mitbewerber Xaver und Alois Vitztum, sowie Alois Schinhärl auf spätere Berücksichtigung vertröstet. Obwohl Graßlfing einen geprüften Schullehrer in Falk gehabt, wurde die dortige Schule als „Winkelschule” anerkannt, wie es im Schulhauptbericht 1822 über die Schulen Grafentraubach heißt. Die Vereinigung des Mesnerdienstes von Graßlfing mit dem ½ Stunde entfernten Schuldienst in Allkofen war ein Mißständ, der in der Folge zu Mißhelligkeiten führen mußte und auch führte. —- 1839 zahlte Lehrer Falk für einen aus dem Schulhaus Graßlfing mitgenommenen Höllhafen 1 fl. 12 kr. an die Kirchenstiftung dortselbst. Das Mesnerhaus in Graßlfing wurde später verkauft um 700 fl., wie der spätere Bürgermeister 1903 berichtet, dessen Vater (* 1806) noch die Schule in Graßlfing besucht hatte.

1848 wurde durch ein Verzeichnis des Patrimonialgerichts Sünching bestätigt, 1. daß das ehemalige Schulgebäude in Graßlfing mit Nebengebäuden und einigen Dienstgründen von jeher unbestrittenes Eigentum der Kirche Obergraßlfing und dem Lehrer in seiner Eigenschaft als Mesner zur Benützung in partem salarii — damals Xaver Huber in Allkofen überlassen waren; 2. daß mit dem Mesnerhaus ein Gemeinderecht verbunden war; 3. daß ein Teil der Dienstgründe von urvordenklichen Zeiten dabei war, ein Teil von den Gemeindegrundverteilungen 1773 und 1806 stammen. (Letztere Teile auf Grund des Gemeinderechts sub 2. 3 Gemeindeanteile in der Flur Grafentraubach wurden als der Gemeinde gehörig anerkannt.)

Als 1876 die Schulgemeinde Allkofen — Graßlfing sich infolge der gewachsenen Kinderzahl gezwungen sah, ein größeres, dem Verhältnis entsprechendes Schulhaus zu erbauen, kam der Stein ins Rollen. Graßlfing wollte wieder eine eigene Schule. Der Wunsch der Gemeinde, dem im Interesse des Mesnerdienstes auch die Kirchenverwaltung beitrat, fand bei der Regierung Würdigung. Am 10. Januar 1878 verfügte dieselbe: Es ist in der Gemeinde Graßlfing eine Schule mit dem Sitz in Obergraßlfing zu errichten. Dieser Schule werden die bisher dem Sprengel Allkofen einverleibten Teile der Gemeinde Graßlfing zugeteilt. Mit dem Schuldienst in Obergraßlfing wird der Kirchendienst vereinigt, dessen Einkünfte jedoch auf die Dienstdauer dem bisherigen Lehrer Listl von Allkofen verbleiben. —- Kirche und Gemeinde haben die Kosten des Baues

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und der Unterhaltung des Schul- und Mesnerhauses gemeinsam zu tragen. — Der Kostenvoranschlag für das neue Schulhaus betrug 17 480 Mark, die durch Submission sich aus 15 l84,05 Mark erniedrigten. Ein Anspruch der Gemeinde Graßlfing aus einen Teil des Wertes des Schulhauses in Allkofen wurde 5. 7. 78 nicht anerkannt.

Als 1919 Schul- und Kirchendienst wieder getrennt wurden, trat die Kirchenstistung 1924 ihren Anteil am Schulhaus an die Gemeinde Graßlsing ab, wogegen die dienstgründe in Graßlfing in Alleineigentum der Kirche übergingen.

Als erster Lehrer kam Fritz Auer hieher und wurde 23. 1. 1880 eingeführt, seine Gattin, eine geborene Stoiber von Vilshofen, als Arbeitslehrerin mit den bisher geleisteten 15 fl. = 25.71 Mk. Honorar. Das Einkommen war auf 973.71 Mk. festgesetzt: 630 von der Schulkasse, 180 vom Rentamt Aufbesserung, 24 Mk. für Beheizung und Reinigung, 100 Mk. Gemeindeschreiberei, 15 Mk. Standesamtsschreiberei; dann vorige 25.71 Mk. für Arbeitsunterricht; während Lehrer Listl in Allkofen durchschnittlich jährlich von Graßlfing 752 Mk. bezog, aber den Mesnerdienst nur mangelhaft versah, fodaß die Kirche jährlich 102 Mk. für einen Substituten, einen Eremiten auslegen mußte, außerdem 50 Mk. für Choraushilfe —- Graßlfing war nur Anfangsposten.

1882 ist Fritz Pirchtner dahier Lehrer, geb. 1856 in Reissing, Seminaraustritt 1875, Anstellungsprüfung 1880, später in Hofkirchen.

1889 kommt hieher O. Schmied.

1890 kommt wieder Auer Friedrich hieher, wird Hauptlehrer. Geboren ist derselbe 1859. Seminaraustritt 1877, Anstellungsprüfung 1881. Gestorben 5. Februar 1930.

1898 kam nach Allkofen ein neuer Lehrer Anton Späth. Die Kirchenverwaltung glaubte nun den in der Regierungs—Entschließung vom 10. 1. 1878 vorgesehenen Fall gegeben, daß die Mesnereinkünfte nun dem Ortsschullehrer zufallen sollten und übergab diesem den Dienst. Allein Lehrer Späth, gestützt auf seinen Präsentator Graf v. Seinsheim, strengte dagegen den Prozeß an, der sich lange hinzog. Graf von Seinsheim stellte sich auf den Standpunkt, daß er den Lehrer auch auf den Mesnerdienst präsentiert habe; der Pfarrer aber, daß der Lehrer von Allkofen den Mesnerdienst teils oft nicht ausübe, auch teilweise wegen der Entfernung nicht ausüben könne. Die Kirche hatte schon früher deshalb dem Eremiten von Graßlfing als Substitutionsgehalt 102 Mk. ausgesprochen”.

28. 3. 1894 hatte das Bezirksamt entschieden, die Kirchenverwaltung sollte auf Kosten des Lehrers von Allkofen einen Substituten aufstellen. 1898 war ein solcher nicht auszutreiben. Endlich 1900 finde ich Auer als Lehrer, Mesner und Organist verzeichnet. 1924 trat er in den Ruhestand.

Um 1902 gehörten einige Anwesen der Gemeinde Eitting zum hiesigen Schulsprengel. 1909 wurde das seit Wiedererrichtung der Schule mit 25,71 ℳ bezahlte Honorar der Handarbeitslehrerin auf

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1 ℳ je Wochenstunde == 60 ℳ erhöht. Damals wurde der bisherige Kreisfondzuschuß von 871,82 ℳ auf 164 ℳ herabgesetzt. 1910 stellte der Bauer Kammermeier aus Ansuchen einen in der Nähe des Schulhauses befindlichen Platz als Spiel- und Turnplatz zur Verfügung, solange er Eigentümer des bezeichneten Platzes ist.

1924 Hämel Johann, geboren 1892 in Hochwinkl Seminaraustritt 1913, Anstellungsprüsung 1917, bisher in Pattendorf; kam 1927 nach Wallkofen.

1927 Härtl Joses, geboren 1899 in Amberg, Seminaraustritt 1919, Anstellungsprüfung 1923, bisher in Hinterschneiding, kam 1933 nach Walburgskirchen.

1934 Pallor Josef, geboren 1905 in Eging, Seminaraustritt 1925, Anstellungsprüfung 1929, kam 1938 nach Laberweinting.

1938 Ettl Richard, Hilfslehrer, geb. 26. 2. 1913 in Staubing, BA. Kelheim, absolvierte 1937 die Lehrerhochschule in Pasing.

Schülerstand in Graßlfing

KnabenMädchen
1880/81
Werktagsschule1513
Feiertagsschule46
1890/91
Werktagsschule2630
Feiertagsschule87
1900/01
Werktagsschule1726
Feiertagsschule810
1910/11
Hauptschule2120
Feiertagsschule68
1938/39
Volkshauptschule1622
Ldl. Berufschule33

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Ehemalige Volksschule Graßlfing

Eingliederung in die Verbandsschule Laberweinting im Schuljahr 1969/70
Gesamtschüler nach Schuljahrgängen soweit Unterlagen vorhanden sind:

1937/38
40/41
41/42
42/43
43/44
44/45
45/46
46/47
47/48
48/49
49/50
50/51
51/52
52/53
53/54
54/55
55/56
56/57
57/58
58/59
59/60

33 Schüler
37 Schüler
36 Schüler
38 Schüler
43 Schüler
39 Schüler
keine Aufzeichnung
45 Schüler
46 Schüler
36 Schüler
35 Schüler
30 Schüler
24 Schüler
26 Schüler
24 Schüler
26 Schüler
24 Schüler
26 Schüler
26 Schüler
35 Schüler
?

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„Bruder Konrad von Parzham” 1931
von Prof. Paul Mathias Padua, Rottach-Egern (aufgewachsen in Geiselhöring) + 1981

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5. Teil

Kriegerische Zeiten

Die vorgeschichtlichen Schanzen und Fliehburgen der Umgebung, die ausgegrabenen Waffen und sonstige Spuren beweisen, daß es kriegerische Ereignisse, Kämpfe, Durchzüge von feindlichen und freundlichen Haufen schon in einer Zeit gab, aus der uns weder Sage noch Geschichte etwas erzählen. Und wenn wir aus den Zeiten, in denen unsere Gegend in das Licht der Geschichte rückt, keine bestimmten Angaben machen können, so beweist das nicht, daß unsere Gegend, nahe den Völkerstraßen gelegen, nicht etwa in den Strudel der Weltgeschehnisse hineingezogen wurde, namentlich in den Zeiten der Völkerwanderung oder später der Ungarneinfälle. In die stürmische Zeit des 9. und 10. Jahrhunderts fallen die Anfänge des Burgenbaues im mittelalterlichen Sinne, — auch in Grafentraubach, wo ein edles Geschlecht hauste, dürfte dies zutreffen. Diese ersten „Burgen” waren noch Erdwerke, welche im Frondienst von den Hörigen und Scharwerkbauern hergestellt werden mußten. Die Gebäude waren aus Holz. —- Grafentraubach war, wie Habelsbach und Laberweinting, eine Wasserburg, während Mallersdorf und Eitting —- unter Benützung vorgeschichtlicher Reste —- als Höhenburgen erstanden.

Mallersdorf zu Ausgang des Mittelalters, zeigt noch Burgencharakter.
Mallersdorf zu Ausgang des Mittelalters, zeigt noch Burgencharakter.

Mallersdorf zu Ausgang des Mittelalters, zeigt noch Burgencharakter.

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Der Herzogshof Steinkirchen wird in kriegerischen Zeiten manch Ritter- und Reisigenfähnlein beherbergt haben, besonders zur Zeit der Kreuzzüge, da bei deren ersten drei Regensburg der Sammel- und Abgangspunkt war. Es beschloß auch, nach Mallersdorfer Urkunden, Ritter Ernst zu Kirchberg und Traubach um 1175 im heiligen Lande sein Leben und liegt in Jerusalem begraben. Schon 1139 war Werdolf v. Kirchberg, Ritter zu Jerusalem, auf der Insel Candia gestorben, 1175 fiel Graf Haubart von Kirchberg in einer Sarazenenschlacht. Da nach den Mallersdorfer Mon Boic die Herren von Traubach als Ministeriale der Grafen von Kirchberg bezeichnet werden, so wird wohl der eine oder andere derselben in deren Gefolge an den Kreuzzügen teilgenommen haben.

Der Krieg zwischen Herzog Heinrich Jasomirgott und Welf um den Besitz Bayerns verwüsteten die Gegend. — Herzog Ludwig der Kelheimer stellte sich im August 1192 in der Fehde zwischen dem Grafen Albrecht III. von Bogen, der Vogt des Klosters Mallersdorf war, und dem Grafen Rapoto von Ortenburg auf Seite des Letzteren. Da die Herzöge von Böhmen und Österreich dem Bogener halfen, unterlag Ludwig der Übermacht. Die Gegner verwüsteten einander die ihnen gehörigen Länder zum Teil grauenhaft. Der Abt Heinrich von Mallersdorf hatte zur Sicherheit wertvolle Kirchengeräte im Klostergarten vergraben lassen; als man sie 1194 wieder ausgraben wollte, waren sie nicht mehr vorhanden.

Die Berührung mit dem Morgenlande in den Kreuzzügen brachte in den Bau der Burgen, die man jetzt schon in Stein oder Ziegel auszuführen begann, manche Neuerungen. Auch der Edelsitz in Grafentraubach wurde nach und nach eine wehrhafte Feste, auf die sich ihre Herren bei ihren Fehden stützen konnten. Die dicken Mauern im heutigen Schlosse gehen zum Teil noch ins Mittelalter zurück. (K. D.) Namentlich die mehr als 1 m dicken im Südbau des Schlosses befindlichen Mauern (teilweise sind sie durch Weghauen einiger Steinschichten schwächer gemacht worden) sind die Reste des ehemaligen Hauptturmes (Bergfrieds), der auf dem Bild von Wenning noch sichtbar ist. — Der Bergfried war im Falle der Erstürmung einer Burg das letzte Bollwerk. (Vergl. das Bild S. 9.)

Nach dem Tode des Grafen Albrecht von Bogen (1197) heiratete 1204 Herzog Ludwig seine Witwe. In den Kämpfen Ludwigs mit Bischof Konrad III. von Regensburg stand nach dem Berichte eines Mönches von Oberalteich das ganze Land zwischen Donau und Isar in Brand; man schonte nicht einmal die Kirchen. Freund und Feind sogen das Land aus. Es kam die Zeit des Faustrechtes, die kaiserlose schreckliche Zeit, in welcher der Schwache, besonders der Bauer, immer zu fürchten hatte, „des Mächtigen Beute zu werden”. Zwar wurde es besser, als endlich 1273 mit Rudolf von Habsburg wieder ein Deutscher Oberhaupt von Deutschland wurde.

In einem „Bayerischen Landfrieden” beschworen am 6. Juli 1281 die Herzoge und Großen unter anderem: „daß niemand die Gotteshäuser

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und ihre Leute und ihr Gut für den Vogt oder ihm zu Leid noch für niemand anderen weder pfänden noch rauben noch brennen soll”. Auf Übertretung wurde Acht und Ersatzpflicht gesetzt. Allein trotzdem dauerten die Händel zwischen den Baherischen Herzogen fort sowie die Klagen, die von beiden Seiten über Vorenthaltung von Schlössern, räuberische Überfälle, Brandstiftung und Abführung von Gefangenen ertönen. —— Durch den Streit ihrer Herzoge entzündet, war der Gegensatz zwischen Ober— und Niederbayern und die Streitsucht aufs höchste gestiegen. Und wenn auch die Fürsten Frieden halten wollten, so gaben die Ministerialen stets neuen Anlaß zu Feindseligkeiten und dazu stellten auch die Draupecken ihren Teil (Janner III 61, 72). Schon 1269 waren in einem Vertrag und Urfehde Konrads von Hohenfels mit Bischof von Regensburg als Teilnehmer der Taidung (Verhandlung) auch Ernst und Eckbert von Draubach dabei. Namentlich der Letztere war eine unruhige Natur, der an Fehde und Streit Freude hatte.

In der Folge kam es daher immer wieder zu Differenzen. 1290 versuchten Graf Albrecht von Hals und Herr Ulrich von Abensberg eine solche zwischen den Herren von Rain und dem Bischof beizulegen, in die auch der Rohrenfelser, Perger, Ehrenfelser und unser Eckbert verwickelt waren. Der Draupeck sollte bereden auf das Hohenfelser Gut, das er inne hatte. Das sollte der Vitztum lösen, ob er wolle, und beweisen des Hohenfelsers Recht. „Was wir”, heißt es weiter, „und unsere Leute Schaden genommen an Raub und Brand, das ist verglichen.”

Wie mag es den armen Untertanen der streitsüchtigen Herren, auch den Bauern von Grafentraubach, ergangen sein in diesen Hündeln! — Der mühsam geflickte Friede war nicht von Dauer und die gegenseitigen Schädigungen gingen weiter, bis am 31. Mai 1292 durch Bischof Heinrich und Herzog Otto von Bayern ein neuer Friede zwischen den Hohenfelsern, Barbingern und Draupecken versucht wurde „um alle Gebresten und Schaden der zwischen ihnen ergangen ist bis auf den heutigen Tag”. Der Hohenfelser ist, laut Brief, der Draupecken Freund geworden für sich, seine Freund, seine Brüder und all seine Diener und Leute, um all das Getat, die inzwischen geschehen bis auf den heutigen Tag. Um den Totschlag, der an dem Nollenberger ergangen ist, soll auch Friede sein. Die bisher feindlichen Parteien siegelten den Vertrag.

Schon im nächsten Jahre gab es neue Fehden zwischen den Ministerialen des Bischofs und denen des Herzogs von Niederbayern, woran unter anderen auch Ulrich, der Truchseß von Eggmühl, und Eckbert von Draupeck beteiligt waren. Am 28. Sept. 1293 suchte man sie beizulegen. Eckbert jedoch gab in der Folge wieder nicht Ruhe. Ja am 26. April 1296 versprachen die bayerischen Herzoge dem Bischof Hilfe gegen ihn und seine Freunde und Helfershelfer, wobei selbst Eckberts Vetter Baldwin von Barbing, damals Bürgermeister von Regensburg, gegen den Unruhestifter als Zeuge und Bürge eintrat.

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Jetzt scheint der Querkopf endlich klein beigegeben zu haben, wenigstens lesen wir nichts mehr von weiteren Untaten desselben in den Regensburger Hochstiftsurkunden. Wenige Jahre darauf (1300) kam ein Stärkerer über ihn, der Tod. In der Regensburger Dominikanerkirche ruhen seine Gebeine. Seine Grabplatte ist dort noch zu sehen. Vorgenannter Ulrich II., Truchseß von Eggmühl, war ganz ein Adeliger seiner Zeit: freigebig gegen Klöster und geistliche Anstalten, war er doch ebenso bereit dieselben wieder zu schädigen. So vermachte er 1275 an St. Emmeram einen Weinberg, 1260 verzichtete er zu Gunsten des Stiftes Pfaffmünster auf das bayerische Lehen Buchberg, dann aber verklagte er wieder die Emmeramer beim Papste, weshalb der Prüfeninger Abt vermitteln mußte. Im Jahre 1268 stellte er sich als Bürgen für den unruhigen Alhard von Saulburg, schenkte 1273 den Dominikanern 80 Pfund zum Kirchenbau, aber als Vogt des Domkapitels drückte er zu gleicher Zeit die Domleute zu Allkofen usw. so furchtbar, wie es 1221 sein Vater getan. Wie diesen, so traf auch ihn die Exkommunikatiom, doch nach Aufgabe aller Gewalttätigkeit wurde er am 12. Februar 1275 wieder frei; indes schon am 6. April 1275 mußte er wieder seinem Herrn Herzog Heinrich zugestehen, daß seine Ansprüche an einen Hof der Alten Kapelle aus „boser Gewohnheit” entsprangen und demgemäß zu Landshut auf sie verzichten. Erst gegen Ende seines Lebens verzichtete dieser streitbare Adelige auf seine „bösen Gewohnheiten” und er starb ausgesöhnt mit den geistlichen und weltlichen Obrigkeiten.

Als am 31. Okt. 1308 der Rat der Stadt Regensburg Beschlüsse gegen die Straßenräuberei faßte, war unter den betreffenden Raubgesellen auch ein Trauchpeck, der mit anderen „edlen Herren” dabei gewesen, als Regensburger Bürgern Kaufmannsgut weggenommen wurde auf der Neichsstraße in Herzog Ottos Land, das geschah bei Reuth. Der Taufname ist in der betr. Regensburger Urkunde (Mon. Boic.) nicht eingesetzt, sondern nur der Platz offengelassen. Wie sagte man damals:

Nauben und Stehlen ist keine Schande,
das tun ja die Besten im Lande.

Bei der Länderteilung 1330 fiel unsere Gegend an Herzog Heinrich, des Jüngeren Sohn Otto III., der zum Ungarnkönig gewählt worden und bekannt ist durch die Ottonische Handfeste, durch welche Adelige, Städte und Märkte gegen gewisse Zahlungen die niedrige Gerichtsbarkeit erwerben konnten. Die Traupecken scheinen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht zu haben.

1361 verkaufte Heinrich von Stein zu Prunn die „Beste Grafentraubach”. Demnach war diese eine wohlbefestigte Burg. Das 14. Jahrhundert war besonders unter König Wenzels Mißwirtschaft wieder eine Zeit wilder Fehden. Man lese die Fehde Ortlieb Steinkirchners nach im Abschnitt Steinkirchen. Auch führte ein Werner von Staudach gegen die Untertanen des Landschreibers Baldwin zu Hainsbach eine blutige Fehde, in der im Markte und Gerichte Geiselhöring

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verschiedene Mordtaten vorkamen, bis ihm 1379 der Pfleger von Niederbayern das böse Handwerk legte. Ein anderes Beispiel: Ein Wohltäter hatte dem Kloster Mallersdorf um diese Zeit 800 ung. Gulden vermacht. Dies erfuhr ein Adeliger, Schweiberer mit Namen, überfiel mit einem Haufen das Kloster und nahm ihm das Geld weg. Der Schaden des Überfalls belief sich auf 1400 fl., ungerechnet, was die Klosteruntertanen, wozu auch Steinkirchen gehörte, an Raub und Brand dabei gelitten.

1403 kam es bei einer der Teilungen Bayerns zu einem Krieg zwischen den Herzogen Ernst, Wilhelm und Stephan. Des Letzteren Sohn Ludwig erhielt Niederbayern. In diesem Krieg kam auch unsere Gegend in Gefahr, weshalb sich das Kloster Mallersdorf einen Sicherheitsbrief ausstellen ließ von Jakob Urfenbeck und Gabein Trauner für all ihre Helfer, für das Kloster, seine Leute und all sein Gut, daß sie in dem Krieg, den sie jetzt gegen die Niederbayern haben, weder das Gotteshaus, noch die Leut, noch die Güter, die dazu gehören, nit wollen angreifen, fahren, rauben oder brennen. Wie stand es aber mit den Untertanen in Grafentraubach, die nicht zum Kloster gehörten?

1420 flammte ein Krieg auf zwischen Herzog Heinrich von Landshut und Herzog Ludwig von Ingolstadt. Binnen Jahresfrist hatte diese Flamme alle Lande vom Lech bis zum Bayerwald und Innviertel erfaßt. Tag— und Nacht zogen Glutschwaden eingeäscherter Ortschaften durch die Lüfte, 1421 kamen die Kriegsvölker auch in unsere Gegend, denn die benachbarte Veste Kirchberg hatte eine Belagerung auszuhalten, die mit der Eroberung endete. 1422 zählte man nicht weniger als 500 zerstörte Märkte, Dörfer, Schlösser und Mühlen, bis endlich die Niederlage bei Alling Ludwig zum Frieden zwang.

Der Feuertod des Jan Hus von Prag 1415 zu Konstanz entfachte bei seinen Anhängern in Böhmen eine wildflutende Bewegung, die zu den verheerenden Hussitenkriegen führte, bis die Hussiten bei Hiltersried am 21. September 1435 endlich eine vernichtende Niederlage erlitten. Unter den dort gefallenen Deutschen befanden sich aus unserer Gegend die Herren Konrad Greul von Greilsberg und Arnold Pankolz von Grafentraubach, die mit ihren Leuten an dem Feldzug teilgenommen hatten. (Hist. Ver. Oberpf. 14. 339) Ein Fähnlein Eggmühler Schützen hatte mit großer Tapferkeit unter Führung des herzoglichen Schützenhauptmanns Lavan gekämpft. Viele von ihnen deckten nach der Schlacht den Kampfplatz, auch der Schützenhauptmann Berthold Lavan.

Im folgenden Jahre war wieder Krieg, in dem der niederbayerische Anführer Nothaft das zur Ingolstädtischen Herrschaft gehörige Gericht Kirchberg, zu dem auch Grafentraubach zählte, sengend und brennend überzog, Mitte Mai den befestigten Friedhof von Geiselhöring erstürmte, am 2. Juli die Burg Kirchberg eroberte. 1436 herrschte in der Gegend eine ansteckende Krankheit. Man nahm seine Zuflucht

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zum hl. Sebastian, dem zu Ehren das Kloster Mallersdorf die Sebastianikapelle erbaute.

Auch im Landshuter Erbfolgekrieg (1504——1505) war „Nam und Prandt” d. h. Plündern und Brandlegen die Hauptsache der Kriegführung; namentlich wütete der pfälzische Hauptmann Wiesbeck in unserer Gegend, brannte im Dezember 1504 auch Geiselhöring nieder. Vielleicht fiel ihm auch Schloß und Dorf Grafentraubach zum Opfer, da kurz nach jener Zeit (1507) ein Umbau des Schlosses geschah. Endlich am 25. Januar 1505 brachte seine Niederlage bei Gangkofen zunächst am 9. Februar den Waffenstillstand. Abt Michael II. von Mallersdorf wurde mit dem Abt von Ranshofen auf den Reichstag nach Köln gesandt „als Friedensstifter und Richter” zwischen dem Pfalzgrafen und dem Herzog von Bayern.

1523 drohte der Bauernkrieg auch auf Bayern überzugreifen, weshalb der Herzog Wilhelm IV. „aus Verursachung der sorglichen Empörungen, so jetzt vor Augen sehn, zur Berettung unserer Lande” eine Musterung ausschrieb, welche auch der Pfleger von Kirchberg vornehmen mußte. Die Ausrüstung der Gerichtsuntertanen war sehr mannigfaltig, aber auch mangelhaft. Ich fand z. B. bei Steinkirchen 1529 aufgeführt: Hans Mülner ein Spieß; Jörg Mülner, krank, ein Spieß; Liendl Widmann ein Vorderteil (eines Harnischs) und ein Spieß; Kaspar Widmann ein Spieß; Hans Stupl ein Spieß; Marthan Wernstorffer ein Spieß. Hausseßige: Jörg Widmann eine Helmparte, Brust und Hirnhaube; Michel Haymaier ein Vorderteil und Spieß; Hans Hirsch ein Spieß; Peter Aschbeckh ein Spieß; Sigmund Tagwercher ein Spieß; Liendl Amann Handschuh, Krägl, Hirnhauben und Spieß; Mörtl (== Martin) Hueber ein Helmparten, 2 Handschuh. Mit Kreuz bezeichnet, also ausgehoben, waren Hans Mülner, Marthan Wernstorfer, Jörg Widmann, Michl Haymair, Liendl Amann und Martl Huber. Von Grafentraubach und Graßlfing fehlten in dem Kirchberger Verzeichnis die Angaben, wohl aus dem unten angegebenen Grunde. Als „Türkenhilfe” wurden in den einzelnen Gerichtsbezirken die Männer „so stark und in ain Veld (Feldzug) fähig sein” ausgehoben.

Ende September 1529 hatte der Sultan Suleiman II. die Stadt Wien belagert, das hatte das Abendland aufgerüttelt. 1582 und 33 finde ich z. B. daß auch die Hofmarken Grafentraubach und Graßlfing deshalb eine Türkensteuer zu leisten hatten. Das abendliche Gebetläuten hieß das „Dirkenglait” (Türkengeläute) nach KR. Greißing.

Das Gericht Kirchberg hatte (ohne Geiselhöring) 389 wehrfähige Männer, wovon in der Musterliste die ausgewählten mit einem Kreuz, die anderen mit einem Kreis gekennzeichnet wurden. Das ganze Gericht hatte 5 Reiswagen (== Kriegswagen) und Train == Troß zu stellen. — Die Neiswagen werden beschrieben: „Es soll haben ein

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Reistruhen oder soll sein ein stark geleiterter Wagen, aufs weitest gerichtet mit großen weiten Zäunen (Geflechten), hinten und vorn. Mehr soll sein bei einem Reiswagen eine Ploche, 1 gute Kette, l Holzaxl oder Hacke, l Handbeil 1———2 Schaufeln, 1 Molter, einen eisernen Schlegel, 4 Barrenstecken oder gespitzte Pfähle, samt ein Pautüchern.” Die Hofmarken Grafentraubach und Graßlfing hatten altem Herkommen gemäß einen Reißwagen samt 4 Roßen und all anderer seinen Zugehör, auch 2 Fuhrknechte zu stellen. (1584)

Nach der Musterung von 1584 betrug die Mannschaft des Gerichtes 396 Bauern, die Leute hatten meistens Seitenwehr, dazu noch Hellebarden, Feder— und Knebelspieße; 11 hatten Pürschrohre, 5 halbe Hackenbüchsen; das war die Bewaffnung. An Schutzrüstung hatten sie 5 Hirnhauben, gar wenig Vorder— und Hinterteilharnisch. Bei Gericht sind nur 5 ganze und Doppelhackenbüchsen mit Zubehör.

1554 heißt es im Musterungsbuch (Staatsverw. 2406): Hans Joachim von Rhain, Herr zu Premberg, zu Grafentraubach, Graslfing und Maushaim zeigt durch seinen Verwalter Marxen Grabmer in seinem Zuschreiben an: Das erst ausgegangene Mandat (Befehl) sei zu bestimmter Zeit bei all seines Herrn Gütern und Untertanen beider Rentämter (== Regierungen) Landshut und Straubing gehorsamblich vollzogen und folgends der Bericht in das Rentamt Straubing, darunter seine Gnaden haussäßig ist, gegeben auch allda angenommen worden. —— Es mußte nach dem Musterungsbefehl angegeben werden, wie viel Mann gestellt werden, wenn der 5. bezw. 10. oder 15. Mann verlangt würde. Hans der Münichauer zu Laberweinting zeigte an, daß er 30 Haussäßige habe, die ihm zu mustern zustehen und davon auf den 5. sechs, auf den 10. Mann drei, auf den 15. Mann zwei Mann mit Harnisch, Helmparten oder Schweinspieß nach ihrem Vermögen versehen. 1583 heißt es (Staatsverw. 2424) Paul Leublfinger zu Rhain und Grafentraubach vermeldet, daß er auch im Fall der Not ihrer fürstl. Gnaden Land und Leute gern retten helfen wollte und deswegen er sich mit 4 reißigen Pferden und Knechten stafieren und gefaßt machen wolle. Er überschickt ein Verzeichnis all seiner zu Grafentraubach und Graßlfing und sonstigen einschicht habenden Untertanen, deren aller in die 82 seien, welche auch meistenteils mit Spießen und ihren Seitengewehren versehen seien.

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Der dreißigjährige Krieg.

Die innerdeutschen religionspolitischen Verhältnisse hatten seit dem Passauer Vertrag (1552) zu immer größerer Spannung geführt. 1608 traten die Protestanten zur „Union” zusammen, welcher 1609 die Katholiken die „Liga” gegenüberstellten. 1618 kam diese Spannung zum Ausbruch.

Die ersten Phasen des dreißigjährigen Krieges spielten sich in Böhmen ab, dann hauptsächlich in Nord— und Westdeutschland. Bis 1632 waren die Bayerischen Lande von den direkten Schrecken des Krieges verschont. Freilich durch Lieferungen Steuern und Soldatenwerbung machte er sich auch hier bemerkbar.

Der von Frankreich mit Geld unterstützte Schwedenkönig Gustav Adolf machte 1632 solche Fortschritte, daß der Bayerische Kursfürst Max der Große seinen Feldherrn Tilly zum Schutze Bayerns an die Donau ries. Am 15. April 1632 gelang es den Schweden, den Lech bei Rain zu überschreiten. Tilly wurde tödlich verwundet und sein Heer gezwungen, sich nach Ingolstadt zurückzuziehen. Bayern lag den Schweden offen. Gustav Adolf zog von Ingolstadt, das er nicht erobern konnte, durch die Hallertau gegen Moosburg und Landshut. Streifende Parteien zweigten sich weithin vom Hauptheer ab, mordend, brennend und plündernd. Sie kamen auch hierher. Das offene Land wurde durch die Schweden planmäßig zerstört; denn Gustav Adolf hoffte, wie er an den Grafen von Solms schrieb, „hiedurch dem feinde seine nervos, die er sonsten aus diesem herzogtum hätte, zu entziehen.”

Am 4. Mai schickte der Markt Geiselhöring ein Bittschreiben nach Landshut um Hilfe, weil er von feindlichen Reitern bedroht sei, die in Trupps von 30—50, ja bis zu 100 Mann aus der Gegend von Wolnzach Und Mainburg her marodierend herumstreiften.

Am 5. Mai 1632 wurde der Schulmeister von Pfaffenberg bei Westen „durch schwedische Reiter übel verwundet, ist gleich gestorben”. Desgleichen ein Mann in Mallersdorf und in Riederlindhart.

Am 6. Mai berichtet der Markt Geiselhöring an die Regierung: Von der ganzen Umgebung fliehen die Leute hieher. Die Pfleger von Kirchberg und von Hainsbach und einige Bürger seien auf Streife ausgezogen und auf eine Abteilung Reiter gestoßen. In einem Scharmützel mit denselben hat es auf beiden Seiten mehrere Tote gegeben.

Am 20. Mai 1632 wurde in Dürnhettenbach ein gewisser Veit Stöberle durch kaiserliche Reiter erschossen, lt. Sterbebuch Grafentraubach.

Die Schlösser in Sallach, Eitting wurden angezündet, fast allenthalben auch die Kirchen (in Hadersbach sogar ein darin befindliches Priestergrab) erbrochen und geschändet.

Die Klosterchronik von Mallersdorf schreibt: „In dieser Zeit lagerten über der ganzen Gegend die schwedischen Kriegshorden. Als nichts mehr zu rauben war, verlegten sie sich auf Mord und Brand.

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Die Mönche flohen in die benachbarten Städte, nur der Abt P. Benedikt Wolf als treuer Hausvater hielt aus. Verkleidet als Taglöhner mit der Axt auf der Schulter, begegnete er im Hofe der plündernden Soldateska. Er mußte die Zerstörung von Kloster und Kirche und fast der ganzen Hofmark mitansehen: Überall rauchende Trümmer, verstümmelte Leichen, kein lebendes Wesen, nur eine verlaufene hungernde Ziege kam ihm entgegen.” Alles Vieh war geraubt oder getötet, die Speicher geleert, der Hofbau (nicht aber das eigentliche Kloster) verbrannt. Von den Fenstern war das Blei mitgenommen, desgleichen das Metall der Pumpen des erft wenige Jahre vorher (1624) hergestellten Wasserwerkes, sogar die Bleirohre der Wasserleitung waren ausgegraben und fortgeschleppt, um Kugeln daraus zu gießen. —
Die Leute sangen noch lange:

Bum, bum, bum, bum! 
Der Schwed, der geht um,
Hat d' Fenster eing’schlagn,
Hat 's Blei davon tragn,
Hat Kugeln draus goßn
Und Bauern daschoßn. —

Unbeschreiblich war die Roheit der in den langen Kriegsjahren verkommenen Soldaten. Die Ehre der Frauen wurde nicht geachtet. Berüchtigt war der Schwedentrunk, bei dem sie die Bauern zwangen, Mistlachtwasser zu trinken, die Verwendung der Schrauben an den Pistolen zu Daumenschrauben, das Raiteln mit Stricken um den Kopf und noch mancherlei graufame Quälerei.

Nach dem Abzug der Schweden hatten die Leute weder Vieh noch Getreide, um die Felder zu bestellen, soweit sie die furchtbare Zeit überlebt hatten. Viele waren ja auch auf der Flucht zugrunde gegangen.

Besonderen Verfolgungen waren namentlich auch, die katholischen Priester ausgesetzt, weshalb viele flohen. So war die Pfarrei Ergoldsbach bis 1634 unbesetzt, desgleichen der Pfarrer von Hofendorf bis 1635 flüchtig. In Grafentraubach sind die Matrikel im Mai 1632 deshalb nicht ordentlich geführt. Der Pfarrherr vermerkte im Taufbuche 1632: „Diese hernach folgenste seindt getauft worden, weill die Reitter geritten vnd beblindert. vnd weil ich das Taufbuch dazumahl verborgen, seindt sie hernach so unordentlich eingeschrieben worden.”

Der Anmarsch des kaiferlichen Feldherrn Wallenstein gegen Franken bedrohte die Verbindung des Schwedenkönigs mit seiner Heimat und zwang ihn, sich aus Bayern nach Franken und schließlich nach Sachsen zurückzuziehen, wo der fremde Eroberer bei Lützen am 16. 11. 1632 den Tod fand. Doch dauerte der Krieg weiter.

Der Abzug der Schweden hrachte unserer Gegend nur vorübergehend Ruhe. Um den Schweden den Wiedereinbruch in Bayern zu wehren, lagerte zwischen Landshut und Regensburg ein 10000 Mann starkes bayerisches Heer unter Aldringer mit zahlreichem Troß. Mie Wanderheuschreden fielen diefe Meenschen über Dörfer und Einöden her, um aufzuessen, was noch irgendwie aufzutreiben war.

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Plündern und Rauben an den Bewohnern, selbst des eigenen Landes, wurde als Selbstverständliches betrachtet: „Der Krieg muß den Krieg rnähren” sagte man.

„Niemand konnte sich wegen der Roheit auch unserer Soldaten zuhause halten” steht im Sterbebuch der Pfarrei Ergoldsbach. Am Johannistag 1633 wurde der Pfarrer von Asenkofen Leonhard Fleischmann zu Neufahrn vor dem Schloß kurzerhand erschosseu, als er einen kaiserlichen Trupp am Plündern hindern wollte.

Der Feind unter Bernhard von Weimar wandte sich im Herbst 1633 gegen Regensburg. Als am 5. November 1633 Dechant Rheinwein von Sallach starb, konnte der in Geiselhöring wohnende Pfleger von Kirchberg den Bericht von seinem Ableben nicht an die Regierung senden, „da das feindliche Kriegsvolk, welches vor Regensburg lag, in Geiselhöring und nach Straubing hinunter sich zeigte, „streifte” d. h. plünderte.”

Am 16. November fiel die Stadt in Bernhards Gewalt. Die Schweden nahmen in den offenen Ortschaften alles Getreide und erpreßten hohe Brandschatzungen. Viele Leute, auch aus Grafentraubach, darunter der Pfarrer, waren nach Straubing geflüchtet mit ihren besseren und Wertsachen. Dortselbst explodierte am 6. November ein Pulverlager. Dabei wurden 17 Personen durch eine einstürzende Mauer erdrückt, darunter die Pfarrer von Grafentraubach und Pfakofen. — Nach dem Fall von Regensburg forderte Bernhard die Übergabe der Stadt am 19. November und erzwang diese am 24. November 1633. Die Stadt mußte 50000 Reichstaler Brandschatzung (Ranzion) zahlen, wozu sie auch das dahin geflüchtete Silber von Kirchen und Privaten nicht verschonte. —— Bernhard wurde durch Wallenstein, der in die Oberpfalz eingerückt war, zum Abzug aus der Gegend genötigt. Die Bayern unter Aldringer und Johann von Weert eroberten Straubing zurück und belagerten vom 1. Juni 1634 ab Regensburg. Unsere Gegend hatte für die Kriegslasten schwer beizusteuern.

Inzwischen war der Feind unter Bernhard von Weimar wieder in Südbayern eingedrungen. In Grafentraubach sind die Matrikeln nur mehr anfangs 1633 geführt, dann ist eine Lücke bis 1636. Die Pfarrei war verwaist und wurde von Pfaffenberg aus versehen, da durch die Verwüstungen von 1632 u. f. sich kein Pfarrer hier halten konnte. Nachdem Bernhard Freising erftürmt und geplündert hatte, griff er am 20. Juni 1634 Landshut an, bei dessen Verteidigung der tüchtige Aldringer fiel. Landshut wurde vom Feind erstürmt, 13 Tage lang geplündert und mehr als 1000 Menschen, die zum Teil von auswärts dorthin geflüchtet waren, ermordet. Dann wollte Bernhard das belagerte Regensburg entsetzen, doch hatte sich dieses am 24. Juli 1634 den Kaiserlichen schon ergeben. Nun wandte sich Bernhard sengend und brennend gegen Schwaben, wo er am 6. September eine vernichtende Niederlage erlitt. Bayern blieb nach Bernhards Niederlage einige Jahre von den direkten Greueln des Krieges verschont.

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Die Pest.

Umso ärger wüteten zwei andere Würger: Die Pest und der Hunger. Viele, die dem Feinde entronnen, fielen diesen zum Opfer. Das Sterbebuch von Ergoldsbach schreibt: weil bei den Einwohnern von Landshut soviel getötet und infolge der Ansteckung (Pest) und der furchtbaren Hungersnot (die Feinde hatten fast alle Lebensmittel fortgenommen) starben aus den Pfarrkindern so viele, daß kaum der Dritte am Leben blieb”. —— In der Kirche in Greißing hängt eine Votivtafel, welche zeigt, wie streunende Hunde Menschenknochen benagen und dazu schreibt:

„Nach der allerheiligsten Geburt Jesu Christi 1632 im Monat May sind wir armen Untertanen durch des Obersten Kratz Reiter, dann hernach anno 1633 als das schwedisch Volk die Stadt Regensburg eingenommen und als anno 1634 die Kaiser-König und Bayerischen wieder gekommen, also von oberzählten Freunde und Feinde dermaßen geplündert worden, daß wir weder Pferde, Rinder, Schweine, Lämmer, Hennen, Gäns, Enten in Summanichts mehr gehabt, der unsrigen gar viel erhaut und erschossen, geschaibelt. Und was noch erbärmlicher zu hören und zu sehen gewest ist, als wir wieder nach Hause kamen, daß ein solches Pestilenzsterben darauf erfolgte, daß viele Leute auf dem Felde und hinter den Zäunen von den Hunden aus Hunger gefressen worden. — Der allmächtige Gott sey Ihnen und uns allen gnädig und barmherzig. Amen. Hans Lährnpeitl (das ist der damalige Mesner von Greißing).

Die Folge all dieser schlimmen Ursache war, daß viele Familien ganz ausstarben, daß Bauernhöfe, die früher 2000 fl. gekostet hatten, um 70 oder 80 fl. feil waren. In Grafentraubach lagen laut Gültbuch der Herrschaft 1635 folgende Höfe öde: der innere Hofbau, desgleichen der äußere; die Anwesen des Martin Hopfensperger, der Pitzlmeier, die Schmiede (!), das Bad, der Reinbech der Däxl, der Huber, Kreuth, Scharn und Arnkofen (diese beiden noch 1639). In Graßlfing der Pollinger und der Graßl (beide noch 1639). Laut Kirchenrechnung hatte 1632 u. f. die Kirche in Graßlfing viel zu tun, um den Betroffenen beim Wiederaufbau durch Darlehen zu helfen.

In Grafentraubach standen in der Herrschaftseechnung zum Schluß 1635 „da viele nicht bewohnt sind”, noch aus: 65 fl. 1 β 22 ₰ 1 hl., andere Gülten: 20 Gänse, 700 Eier, 60 Pfund Schmalz, 4 Hennem 16 Hühndl, 16 Schäffel 5 Metzen Weizen, 8 Schäffel 4 Metzen Korn, Gerste nichts, 6 Schäffel 1 Muth 8 Metzen Hafer. In Graßlfing (beide Dörfer) wegen ödliegenden Gütern gehen ab: Geld 6 fl. 1 β 14 ₰ 1 hl., 4 Gänse, 1 Henne, 100 Eier. 10 Hühndl, 1 Schäffel 2 Muth Weizen, l Schäffel 1 Muth Roggen, 1 Schäffel Hafer. — Nach dem größeren Teil jedoch der wirklich (vielleicht mit Härte) 1635 schon wieder eingebracht werden konnte, haben die, welche dem Krieg

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und der Pest entronnen waren, sich schnell an den Wiederauf— und -anbau gemacht; ja es macht den Eindruck, als ob die beiden Gemeinden zwar schwer heimgesucht worden, aber doch noch im Verhältnis zu anderen Orten glimpflich weggekommen wären. In Grafentraubach z. B. konnten an Gülten 1635 schon 225 fl., in Graßlfing 62 fl. 5 β eingetrieben werden. 1636, heißt es, waren viele Feldgründe so mit Kraut und Wurzeln verwachsen, daß man sie ausbrennen mußte, nachdem man sie mit einem Graben umgeben hatte. —— 1641 wurde der bisher freistiftige Pitzlmeier in Erbrecht vergeben auf Ratifikation der Kuratoren desgleichen erhielt Math. Gröbmeier einen Hof erbrechtig. Die Abgaben sollten sich allmählich auf die alte Pflichtshöhe erheben. Die Kriegslasten jedoch gingen weiter. 1638 mußte das Landkapitel Geiselhöring 3 Artilleriepferde zur „Armada” stellen. 1639 wurden wieder neue Landfahnen (Landsturm) ausgehoben und die Bürger der Märkte Geiselhöring und Pfaffenberg zu Schießübungen angehalten. 1639 ließen die Schweizer für Bernhard v. Weinmar eine ergiebige Anzahl von Pferden in hiesiger Gegend aufkaufen, doch 2. 4. wurde die Ausfuhr derselben verboten.

Schon schien unsere Gegend sich zu erholen, da gelang es zum größten Schrecken um die Wende 1640/41 Feindesvölkern, mittels des Thonaustoß (Eisstoß) überzusetzen. Es war am 23. 1. 1641 „da vom Feind das Geschrei aufgekommen, wodurch jeder männiglich sich von Haus begeben und an anderen Orten sich salvieren müssen; maßen dann bis dato (== 8 Wochen später) die meisten Untertanen nit bei Haus, sondern mehrenteils jenseits der Isar sich befinden.” Nach diesem Schrecken war wieder einige Jahre Ruhe. 1643 hatten in hiesiger Gegend die Wölfe so überhandgenommen, daß Kurfürst Max die Wolfsjagd durch Generalbefehl anordnete und hiezu allerorten eine große Anzahl Leute und Pferde verschafft werden mußten.

In Grafentraubach waren 1646 nur mehr 2 Söldner und die Hüthäuser ödliegend. Auch Kreit war schon bemaiert. Doch betrug die Summe des Abgangs bei ödliegenden und teils eingefallenen Gütern und Stücken zu Grafentraubach an Geld 113 Gulden 1 Schilling, in Graßlfing 14 fl. 4 β, auch an Naturalabgaben war der Abgang bedeutend mehr als l635. Die Herrschaft hatte sich also zu größerer Nachsicht gezwungen gesehen; denn wo nichts ist, hatte auch damals schon der Kaiser das Recht verloren.

Im August 1646 drangen die fürchterlichen Schweden abermals über den Lech nach Bayern ein, das wieder viel Elend über sich ergehen lassen mußte, zumal auch noch das bayerische und das kaiserliche Heer auf dessen Boden standen. Freund und Feind kannte keine Rücksicht im Einbringen von Lebensmitteln.

Im März 1647 schloß Kurfürst Max einen Waffenstillstand mit dem Feinde, der jedoch im September 1647 wieder gekündigt wurde, worauf die Schweden und Franzosen abermals in Bayern einfielen.

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Beim Herannahen des Feindes flüchtete man mit besserem Hausrat usw. über die Isar. In Dingolfing und Landau fielen diese den Franzosen in die Hände und wurden ausgeplündert. Es war um den Auffahrtstag. Nur einige Proben: Mathes Gröbmeier sind durch die Kaiserlichen 4 Schaff Korn, 2 Schaff Habern ausgedroschen und weggeführt und durch die Kaiserlichen um Martini (1647?) 5 Roße ausgespannt worden: Schaden 284 fl. Jakob Huber sind durch die Schweden 2 Roße entführt, durch die Kaiserlichen auch zwei, 1 Zuchtsau; in Dingolfing all sein Zinngeschirr, Leingewand und anderes durch die Franzosen weggenommen: Schaden 348 fl. In Graßlfing: Paulus Baumgarten durch die Schweden 1 Roß entführt, 3 Kühe, im Feld durch die Feindsvölker allerlei Getreide ausgedroschen zirka 20 Schäffel, 3 Schweine, zu Eitting auf der Flucht durch die Kaiserlichen Hals— und Leingewand —— alles zusammen 338 fl. Christoph Krinner durch die Schweden 1 Roß und 1 Füllen, im Feld ca. 15 Schaffel Getreide, zu Dingolfing durch den Feind weitere 3 Schaffel und ½ Schaffel Erbsen, ferner Hals- und Leingewand und Hausfahrnis: 321 fl. Im Verzeichnis sind nicht aufgenommen, was die einzelnen Untertanen an Geld zu opfern, nicht, was sie an Quälereien zu leiden hatten. Seinem Bericht fügt der Beamte bei: Der größte und meiste Verlust der Untertanen ist, daß jeder das Seinige während der Flucht um einen Spottpreis verkaufen und verzehren mußte und das liebe Getreide auf dem Felde hat verderben lassen müssen und so mancher von seinem Bau gar nichts genossen —— ja noch schmerzlicher —— über Winter nichts angebaut hat und auf künftige Frühling mit keinem Samengetreide und keinem Menath versehen ist. Der Schaden an der Kirche in Grafentraubach und in Graßlfing ist bei der Pfarrgeschichte berichtet.

Es ist jedoch bei diesen letzteren Einfällen des Feindes zu beobachten, daß er nicht mehr so unsinnig toll war im Niederbrennen der Anwesen. Er benutzte die Androhung dieser Maßnahme mehr als Mittel um Geld zu erpressen; freilich als in Laberweinting ein Obristleutnant der Königsmarkischen Truppen „eine unerschwingliche Summe” verlangte, um das Schloß zu verschonen, in das die Untertanen teilweise ihre Fahrnisse geflüchtet hatten, brachten die Untertanen wohl 100 fl.

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auf; aber das genügte ihm nicht und er brannte das Schloß kurzerhand nieder. Da auch Grafentraubach und Graßlfing damals zu Laberweinting gehörten, scheinen auch die Urkunden von Grafentraubach mitverbrannt zu sein, weil aus der Zeit vor dem dreißigjährigen Krieg so wenig Grafentraubacher Ürkunden vorhanden find, weder im Sünchinger Archiv, noch in den staatlichen. Nur das wenige, das zufällig noch im Grafentraubacher Schloß war, entging der Vernichtung. Nach Wenning hat auch letzteres Beschädigung erlitten; wenigstens wurden vermutlich alle Fenster eingeschlagen und sonstiger Schaden gemacht. Es ist im Archiv Sünching vorhanden eine eingehend „Veschreibung der in Haimhausenschen Hofmarken Laberweinting und Grafentraubach 1648 durch Freund und Feind erlittenen Ruin und Schaden”. Der Gesamtanschlag wird auf 7583 fl. in den 4 Hofmarken Laberweinting, Grafentraubach, Graßlfing und Hofkirchen berechnet ohne den Wert des Schlosses Laberweinting. An diesem Schaden sind beteiligt die Schweden und die Franzosen als Feinde und die Kaiserlichen als sogenannte Freunde. Vor allem hatten Schweden und Kaiserliche es auf Pferde und auf Getreide abgesehen, das sie teils noch auf dem Felde, teils in den Städeln ausdroschen, teils auf den Speichern und in Mühlen beschlagnahmten. Ein gutes Pferd hatte damals 25——30 fl. Wert.

Im Taufbuch Grafentraubach heißt es: In diesem Jahr 1646/47 wurden ca. 17 Kinder getauft, aber wegen der täglichen Flucht, durch welche die Leute bedrückt wurden, und weil die Taufbücher geflüchtet wurden, nicht eingeschrieben; und 1648 heißt es: Im Märzen und April ist die Flucht gewesen wegen der Reiter. Ebenso ist vom Mai 1648 bis September 1648 bemerkt: Flucht des Pfarrers. Ähnlich war es in der ganzen Umgebung. So sagt das Taufbuch von Westen: „In diesen Monaten (April——September 1648) mußten alle flüchten wegen des Feindes, weshalb die geborenen Kinder anderswo zur Taufe gebracht wurden”. Auch diesmal war im Gefolge des Militärs wieder eine ansteckende Krankheit. Desgleichen eine große Mäuseplage, daß die Fuchsjagd untersagt wurde als Mittel dagegen. Endlich machte am 24. Oktober der Friede von Münster und Osnabrück dem grauenvollen Würgen ein Ende. Deutschland war ein armes Land geworden, ausgeplündert und verkleinert durch ländergierige Fremde. Wer sollte angesichts solch Unglücks nicht einstimmen in die Bitte: Von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns o Herr!

Jahrzehntelang waren die Spuren des Krieges zu sehen, jahrhundertelang zu spüren. Die Felder waren großenteils aus Mangel an Leuten, Zugvieh und Samen unbebaut, mit Gebüsch angeflogen. Wölfe und Wildschweine vermehrten sich so, daß eigene Wolfsjagden nötig wurden. Die Bauern im Kirchberger Gericht klagten, daß sie nach Ergoldsbach aus dir Wolfsjagd müßten, dabei nicht sicher wären, ob ihnen daheim nicht größerer Schaden entstehe. Um 1650 wurden von dem Landvolk die sogenannten allamodo-Kappen getragen und unter diesen viel Räuberei auf den Straßen verübt, weshalb sie strengstens verboten wurden.

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Fromme Stiftungen verfielen, da die Kapitalien zu Grunde gegangen. Die Folge war, daß zahlreiche Pfarreien, z. V. Holztraubach jahrelang nicht besetzt werden konnten. (Vergl. Seite 37) Eine Landplage waren die entlassenen Soldaten, die lieber fechten gingen, als arbeiteten.

Allmählich wurde es in unserem Vaterlande doch besser. Der altbewährte deutsche Arbeitsgeist und Bauernfleisz haben es geschafft, daß neues Leben aus den Ruinen sproßte.

Die Türken- und Reichskriege.

Kurfürst Max hatte das stehende Heer aufgelöst. Sein Sohn Ferdinand Maria stellte mit französischem Gelde wieder ein solches auf. Aus Mangel an Kasernen hatte dieses bis in die Mitte des nächsten Jahrhunderts teilweise in Städten und Märkten, ja sogar in Dörfern Dauerquartiere. Ferdinand Maria leistete dem Kaiser Hilfe gegen den Erbfeind, die Türken Zur „Defension des Landes” wurde die Türkenanlage eingeführt, welche alle Erwachsenen, Mann und Weib, auch die Ehehaltem zu leisten hatten.

1665 hören wir von durchmarschierenden Kriegsvölkern in unserer Gegend. Wieder gabs Quartier— und andere Lasten, als l674 im Kriege zwischen Frankreich und Holland, wo der Kaiser auf Seiten der letzteren stand, „die Kriegsvölker hin und wieder marschierten”. Auch Aushebungen zu den sogenannten Landfahnen ließ der Kurfürst vornehmen; 1674 hatte z. V. Pfaffenberg für 7 abkommandierte Bürger an Monturausgaben 44 fl. 37 kr.

Nach den im Archiv Sünching liegenden Gemeinderechnungen von Grafentraubach wurde hier l678 das erstemal wegen der Soldaten Exerziergeld eine Anlage (== Umlage) eingebracht und fürs Exerzieren jedem der 3 einberufenen Mann 16 kr., desgleichen dem Landleutnant 18 kr. und dem Trommelschläger l kr. gereicht. 1679 wurden für Exerzieren 57 kr. ausgegeben. Von da ab erhielten die zum Exerzieren Ausgewählten je 30 kr. Als 1680 ein Komet am Himmel zu sehen war, war man allgemein in größter Aufregung und voll Furcht vor Krieg und Pest; zumal letztere in Böhmen herrschte. Gegen dieselbe mußten auch im hiesigen Gerichtsbezirke Wachen (Contagionswachen genannt) aufgestellt und Tag und Nacht Feuer gebrannt werden.

Nach Ferdinand Marias Tode kam 1679 sein Sohn Max Emanuel zur Regierung. Veranlaßt durch das schandbare Vorgehen des Franzosenkönigs in Elsaß und Lothringen durch die sogenannten Reunionen, schloß Max sich enger an den Kaiser Leopold I. Der Franzose stachelte die Türken gegen letzteren auf. Dieselben zogen mit großer Macht gegen Wien. Max kam dem Kaiser zu Hilfe. Am 12. Sept. 1683 schlugen bayerische und sächsische Entsatztruppen das türkische Zentrum vor Wien und legten dadurch den Grund zur Befreiung Wiens und des ganzen Abendlandes von der Türkengefahr.

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Beim Aufmarsch gegen Wien hatte unsere Gegend viel Durchzüge und Quartier seitens der fränkischen und schwäbischen Kreis-, auch anderer Reichs- und Landvölker gehabt. Die im Winterguartier 1683/84 in der Gegend befindlichen Truppen führten sich nicht gut auf; sie stahlen, ja nahmen offen mit Gewalt, was sie erwischten, namentlich Geflügel, Schafe und Kälber trotz strengsten Verbotes. Im Sommer 1684 waren unsere Bayern in Ungarn im Felde. In den beiden folgenden Wintern gab es hin wieder Winterguartiere mit all ihren Belästigungen, im Sommer leisteten die Bayern unter ihres „blauen Königs” Führung Hervorragendes. Berühmt ist, daß 6. Sept. 1688 dieser (Max Emanuel) den Degen in der Hand mit dem Rufe: „Bayern mir nach!” in den Graben vor Belgrad sprang und in nur 2 Stunden diese Festung erstürmte. 1689 mußten die Gotteshäuser des Gerichts Kirchberg zu den Kriegskosten 200 fl. beisteuern, ebenso 1694: 1000 fl. und 1696 abermals 900 fl. Gegen die überhandnehmende Wolfsplage mußte 1689 ein Gjaid bei Hausen gehalten und von Grafentraubach ein Pferd hiezu abgestellt werden. 1696 mußten von Grafentraubach vier Mann Zum Exerzieren nach Eggmühl und erhielten 5 fl., 1697 hatte man Einquartierung, doch nicht jedes Haus. Die Quartierträger waren umlagenfrei, dem Georg Aumüller und Georg Gantinger wurde wegen einguartierter Soldaten die zuviel eingebrachte Anlage zurückerstattet Am 22. Mai 1697 starb hier Georg Degl, Musketier in der Graf Vollenzischen Komp. 1699 waren hier Auxiliartruppen einquartiert. Dem Hofwirt wurden von der Gemeinde 1701 noch l0 fl. ersetzt wegen damals gehabtem Offizier.

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Die Kabinettskriege.


Der spanische Erbfolgekrieg.

All die von Bayern gebrachten Opfer waren bald vergessen, als nach dem Absterben der Habsburger in Spanien Max Emanuel die vom Kaiser versprochenen Niederlande vergeblich beanspruchte. Max stellte sich in dem nun folgenden spanischen Erbfolgekrieg auf Seite Frankreichs gegen den Kaiser. 1701 begannen die Feindseligkeiten. Von Grafentraubach waren 4 Mann einberufen. Die Gemeinde ließ für sie die Monturen putzen und herrichten; sie lagen also hier wohl im Schloß. —— Es gab Durchmärsche und Einquartierungen Anfangs schien Max das Glück auf seiner Seite zu haben. Aber 5. 10. 1703 mußte sich Cham den Österreichern ergeben, deren Husaren bis vor Straubing streiften, das stärker befestigt worden war.

Von nördlich der Donau kamen viele Flüchtlinge in und durch die Stadt. So befand sich im Dezember ein Flüchtlingstrupp in Grafentraubach. Zwei Flüchtlingsfrauen kamen hier sogar nieder, nämlich von einem Krämer Andreas Limmer aus Kötzting, dem der junge Schloßherr den Taufpaten machte und von einem Georg Sturm aus Menach.

Die Kirche in Grafentraubach mußte 1703 für Kriegsanleihe 150 fl. hergeben, Zinsen sah sie später wenig.

1703 mußten von Grafentraubach zwei Bauernsöhne auf Postierung nach Riedenburg und Kelheim. Jeder bekam von der Gemeinde 5 fl., ein anderer, der zum Militär (Landfahne) mußte, erhielt 4 fl. 34 kr. Marschgeld, dazu einen neuen Ranzen und Handschuhe.

1704 wandte sich das Glück. Emanuels Truppen wurden 2. 7. bei Donauwörth geschlagen. Schrecken ergriff die Einwohner Bayerns. So stürzte zu Laberweinting am 17. 7. auf der Flucht vor den Kaiserlichen Soldaten eine 25 jährige Frau tödlich vom Wagen. Am 25. August ging bei Höchstätt die 2. Schlacht verloren und Max Emanuel sah sich gezwungen, an den Rhein zurückzugehen. Ende Juli hatte sich der Feind schon unserer Gegend genähert. Von der Gemeinde Grafentraubach wurde Georg Daschinger um Kundschaft wegen dem Feind geschickt und ist um 21 kr. „nach Rohr geloffen”. Man machte Bittprozessionen von Mallersdorf, Pfaffenberg, Traubach nach Westen. Am 26. August traf der Feind in Pfaffenberg ein, um Brandschatzungen von der Umgebung einzutreiben und Naturallieferungen in sein Lager bei Abbach zu fordern. In Grafentraubach hatte man vorsorglich 1704 die Mooswiese nicht verstiftet, sondern von Gemeinde wegen selbst eingeheut, um die Rauhfourage liefern zu können. Für eine Fuhre nach Augsburg mußte eine Anlage eingehoben werden. Schinhärl hatte seinen im Quartier gelegenen Dragonern 1 fl. behändigen müssen, den ihm die Gemeinde ersetzte. Wegen einmarschierten PfalzNeuburgischen Reitern sandte man einen Boten nach Landshut. Für deren Wachtmeister mußte ½ Pfund Schmier um 7 kr. gekauft werden.

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Die Feinde wüteten, wie ein Pfarrer schreibt, mit Plündern, Morden und Brennen und verfuhren gegen die Geistlichkeit ja gegen die konsekrierten Hostien, daß man es mit Blut beschreiben und beweinen soll.

Der Kurfürstin wurde durch Vertrag von Ilbersheim am T. November nur mehr Stadt und Rentamt München belassen, während das übrige Bayern unter österreichische Administration kam, die besonders unter Kaiser Josef I. (6. 5. 1705) sehr streng wurde. Damals wandte sich der Bauer Mart. Krempl von Grafentraubach an die Kaiserliche Regierung in Landshut mit der Beschwerde, daß ihm der freiherrl. Ginsheimische Richter sein daselbst besessenes Gütl eidlich geschätzt und verkauft habe, sodaß er die kontinuierlichen Kriegsanlagen nicht mehr erschwingen könne und kaum mehr Vermögen habe als 5 kleine Äckerl und sich nicht anders zu helfen wisse, als solche zu verkaufen, ansonsten er als ein alter Tropf von etwa rund 70 Jahren sich leider des sauren Bettelstabes bedienen müsse. Aber besagter Richter wolle darum die Verkaufung solcher eigenen Äckerl inhibieren, dieweilen seine Söhne unter der Kavallerie nach vorangegangener Schlacht mit Ihro kurfürstl. Durchl. außer Landes gegangen. Die Äckerl wären ohnehin seit 1698 mit 100 fl. Heiratsgut bevorgesetzt (belastet). Krempl stellt die flehentliche Bitte berührtem Richter allergnädigst anzubefehlen, daß er ihm an der Veralienierung (Veräußerung) der Äckerl keinen Einhalt tue; sintemalen, schließt er scharf, ich hoffentlich nicht schuldig sein werde, bei meiner Sachen die ich selbst (be==) nötige, zu crepieren (Ger. Lit. Kbg.) Krempl fügt eine Aufstellung seiner Lasten bei, die wir an anderer Stelle bringen.

1705 waren einmal Soldaten nach Grafentraubach gekommen. Als man ihnen das Quartier verweigerte, gingen sie nach Kreuth, traktierten den dortigen Bauern übel. Die Gemeinde mußte letzterem die Auslagen für Essen und Trinken ersetzen.

Die ständig zunchmenden Bedrückungen brachten die Bayern zur Verzweiflung: „Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben!” wurde die Losung. Sie erhoben sich gegen die Fremdherrschaft. Von Braunau kam der Metzger Kraus von Kelheim mit 12 Mann Landesverteidiger nach Pfaffenberg. In der Umgebung gelang es ihm, ungefähr 200 Mann zusammenzubringen, mit denen er am 12. Dezember 1705 seine Vaterstadt Kelheim befreite. Kraus konnte sich jedoch gegen das heranrückende österreichische Militär nicht halten und büßte seine Kühnheit auf dem Blutgerüst. Auch nach Grafentraubach und wohl auch nach Graßlfing war er mit einigen Mann gekommen. Es war ihm um Wehr und Leute zu tun. In Grafentraubach aber mit schlechtem Erfolg; denn „dem Metzger Krausen, nunmehr selig, welcher allhero mit etlichen Mannschasten gekommen und zur Bauernrebellion Gewöhr und Leute nach Kellheim hat wollen, hat man, daß er wiederum mit Manier von hier weggebracht worden, gegeben 1 fl. aus der Gemeindekasse. Die Bauernschlachten bei Sendling (25. 12. 1705) und Aidenbach (8.1. 1706) waren Schlächtereien an den verratenen Landesverteidigern Schwer lastete nun die Hand

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des Siegers auf Bayern, das gewaltige Opfer an Gut und Blut bringen mußte. Immer wieder höreu wir in Grafentraubach von Einquartierungen, in Graßlfing ists nicht anders gewesen. Einmal waren es Württemberger. Manchmal gelang es solche abzuwenden. Als 1706 ein Kommando von Ingolstadt hierher kam, um zu übernachten, hat man ihm 1 fl. Compens behändigt, daß sie von hier abmarschiert sind. Als der Richter von hier mit Johann Schinhärl neben anderen um Verschaffung Viviers (?) nach Moosburg auf Geiselhöring reisen müssen, hat man in Zehrung zahlen müssen 1 fl. 10 kr. Natürllch immer wieder Naturallieferungen, Vorspann usw. 1707 gab man dem Gerichtsschreiber von Kirchberg wegen Abwendung der Quartiere 30 kr. zu den 3 fl., welche der Richter gegeben. Als die Osnabrückischen Völker durchzogen und allhier Quartier machen wollten, hat man ihnen behändigt 2 fl. 37 kr. Das war alles nur Spitzbüberei der Kommandierenden, die sich so durch Quartierforderung Geld machten. Im Sommer war dänisches Militlär, im Herbst Husaren hier.

1708 mußten Portionsgelder für die Dänen nach Geiselhoring geschickt werden. Dem Graf Retzischen Hauptmann, so zu Ostern 1708 hier einquartiert, hat man 2 Flaschen Wein holen müssen. Wegen militärischer Negotionen mußten öfters Boten nach Kirchberg geschickt werden. 1709 wurden 14 Mann vom Jungischen Regiment ini Wirtshaus verpflegt, dem Offizier verehrte man 1 fl. aus der Ortschaftskasse; die übrigen Kosten wurden durch Anlage auf alle Häuser umgelegt. Hafer war nach Kelheim, Korn nach Landshut zu liefern. 1710 Fourageumlage! 1711 mußte die Laberbrücke gerichtet werden, die durch die Märsche gelitten. Auch ist von einer Soldatenfuhr nach Rottenburg die Rede, ebenso von Bagagefuhren für die Lokowitzischen Völker; das ist alles nur ein kleiner Teil der Lasten, die ich zufällig aufgeschrieben fand. In einer Schublade der alten Schloßregistratur war früher eine Schublade voll Akten: Kriegslasten, die 1702——1711 Grafentraubach, Graßlfing und Hofkirchen tragen mußten.

1712 gab es viel Botenlöhne wegen Militärangelegenheiten. Groß war damals die Vettlerplage infolge des Krieges. Als 1713 das Gericht Kirchberg mit anderen Gerichten auf das vagierende und Zigeunergesindel eine Streife vornahm, mußte Grafentraubach 18 Mann stellen und jedem 10 kr. geben. Einmal mußte eine Holzanlage von 2 fl. 2 kr. eingebracht werden, wovon zu lieferndes Holz bezahlt wurde. 1714 war in Regensburg die „Pest”. Zur Vorsorge mußte der Bader Mithridat ankaufen, wofür ihm die Gemeinde 5 fl. gab. Auch wurden Wachen aufgestellt und für sie ein Wachhäusl gefertigt; ferner hielt man einen Kreuzgang nach St. Sebastian in Mallersdorf. Als „Stockböhmanlag” wurden 2 fl. 32 kr. eingebracht.

Der Rastätter Friede brachte 1714 dem schwergeprüftem Lande die Ruhe und sein Herrscherhaus wieder, was 1715 durch Dankgottesdienst gefeiert wurde.

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Nach dem Kriege.

Nach dem Kriege hatte Bayern eine Schuldenlast von 30 Millionen Gulden. Der Kurfürst machte wohl einen Anlauf zu deren Tilgung, auch ermäßigte er die Steuern. Beim neuen Türkenkrieg 1716 schickte er dem Kaiser Karl IV. 6000 Mann zu Hilfe.

Zum Gericht Kirchberg mußte 1716 Grafentraubach für die Provisoner eine Anlage pro Hof 12 kr. einbringen, desgleichen eine Anlage für die Wolfsjagd.

Da der Kurfürst jedoch seine Brunkliebe nicht beherrschen konnte, wuchsen die Schulden Bayerns. Man nahm Anleihen auch von Kirchen und Gemeinden, so mußte 1728 die Hofmark 58 fl. zur Landschaft München leihen.

1718: Wegen Abwendung der in Geiselhöring gelegenen Brigadien Pottischen Reiter, so hier einquartiert werden sollten, sind Unkosten erloffen 3 fl. 37 kr. 1719 gab man einem Soldaten, so mit einem Bag von Ingolstadt Hierher gekommen zum Übernachten in Zehrung 10 kr. 1729 mußte den von Graf Törringischen Kürassieren allhero angeschafften Reitern von jedem Haf 7 kr. gegeben werden. 1740 waren hier Fürst Hohenzollerische Dragoner einquartiert.

Die Bettelplage war nicht geringer geworden. Seite für Seite finden wir in den Hiesigen Kirchenbüchern dafür Belege. Dem Amtmann (Gerichtsdiener), daB dieser die Obsicht hat auf die umstreifenden Bettelleuth, hat man bewilligtermaßen bezahlt 1 fl. 17 kr., heißts in der Gemeinde-Rechnung. Die Gemeindekasse mußte für verschiedene Ortsarme auch mit Kleidungsbeihilfe und Kurkosten beim Bader z. B. 1725 mit 2 fl. einspringen. 1717 und 1726 waren wieder einmal Streifen gegen die Vagabunden, wofür Streifanlag eingehoben wurde.

Ein Grafentraubacher Brunno Danner war um 1739 Corporal im General Stirum-Limburgischen Kaiserlichen Dragoner-Regiment zu Mons im Henegau. Am Josephitag dieses Jahres war er hier in Urlaub und ließ sich in die Bruderschaft einschreiben.

Der österreichische Erbfolgekrieg.

Der bayerische Kurfürst Karl Albrecht glaubte nach dem Aussterben des Habsburger Mannesstammes (1740) Ansprüche auf die österreichischen Erblande zu haben. Daraus entstand 1741 auf Betreiben Frankreichs der österreichische Erbfolgekrieg. Wieder floß deutsches Blut im Interesse der Kabinette und Frankreichs.

Das 1. Kriegsjahr machte sich durch Steuern, Vorspann, Quartierlasten und Natural-Lieferungen, besonders für die Franzosen, bemerkbar. Weil 1741 der Hauptmann des fürstlich Hohenzollerischen Dragoner-Regiments das Quartier nicht bezog, mußte seine Portion bezalt werden mit 5 fl. Einem Schneidersohn, der in Ausschhuß genommen (einrücken mußte), gab man 30 kr. Nach Schierling mußte Fourage geliefert, auch eine Vorspannanlage eingehoben werden. Ein auf Ordinanz geschickter Soldat hat im Wirtshaus übernachtet.

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Karl Albrecht war im September erfolgreich in Österreich einmarschiert, hatte sich aber dann nach Böhmen gewandt und sich in Prag am 19. Dezember zum König von Böhmen krönen lassen und betrieb nun seine Wahl zum deutschen Kaiser. Währenddessen rüstete seine Gegnerin Maria Theresia zum Angriff auf Bayern. Karl wurde am 12. Februar 1742 in Frankfurt zum deutschen Kaiser gekrönt, woran der spätere Hofmarksherr Grafentraubachs Graf Josef Franz von Seinsheim ein wesentliches Verdienst hatte. Aber am gleichen Tage standen die Österreicher vor seiner Hauptstadt München, die sie am folgenden Tage besetzten. Am gleichen Tage hatte der ungarische Feldwachtmeister von Bernklau Landshut besetzt. Seine Truppen waren großenteils eine richtige Räuberbande, namentlich die Panduren und Kroaten stehen heute noch in üblem Angedenken. Am 13. Februar früh 8 Uhr mußten alle Hofmarken, darunter Grafentraubach und Graßlfing, alle Klöster und Märkte sich in Landshut vor Bernklau einfinden zu Verhandlungen über die Brandsteuer. Die Österreicher begannen die Belagerung der Stadt Straubing, welche durch den Hofmarksherrn von Sallach, General von Wolfwisen, erfolgreich verteidigt wurde, sodaß der Feind sich am 11. April gezwungen sah, die Belagerung aufzugeben. Für die Fortifikation Straubings war auch in den Hofmarken zu Grafentraubach und Graßlfing eine Steueranlage erhoben worden, wie aus dem Aktenverzeichnis des Richters Romaier im Archiv Sünching ersichtlich ist. Mit wechselndem Glück ging der Krieg noch 3 Jahre weiter. Ungemein sind die Leistungen, welche an Fourage usw. geleistet werden mußten, wie die Amtsrechnungen und die Gemeinderechnung im Archiv Sünching ausweisen.

1742 ist man nicht mit dem Kreuz von Grafentraubach nach dem Bogenberg gegangen, weil der Feind im Land war und die Stadt Straubing damals wieder belagert wurde.

Im Sommer 1742 gelang es dem Bayerischen General Seckendorf, Bayern von den Österreichern zu säubern. Ende Juli mußten an das Bay. Feldlager bei Pilsting Fourage und Lebensmittel gesandt werden. Ende August und Anfang September waren schon wieder feindliche Husaren und Panduren in hiesiger Gegend.

Am 9. Nov. trafen 10 000 Mann französischer Hilfstruppen in Sünching ein, für welche die ganze Umgebung Hafer, Stroh, Heu und Holz liefern mußte. Bei Geiselhöring mußte für sie eine neue Laberbrücke geschlagen werden. Immer und immer wieder hören wir von Lieferungen an sie, so am 20. Dezember Holz nach Ergoldsbach. An diesem Tage kam auf der Straße bei Steinkirchen die Bagage des Generalfeldmarschalls von Seckendorf durch, überdies viele Truppenkontingente, was mit entsprechendem Quartier und sonftigen Lasten für die benachbarten Orte verbunden war. Im Winter lagen in der ganzen Gegend Franzosen im Winterquartier, die in Sallach ein Fouragemagazin und in Geiselhöring ein Lazarett einrichteten.

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Am 28. 12. 1742 kamen 800 Dragoner von Dingolfing her nach Grafentraubach und Revier (Umgebung) auf 2 Tage. Es mußten täglich 800 Portionen Brot (zu 1½ ) und Fourage geliefert werden, und zwar Haferportionen 31 auf ein Münchener Schäffel, und je 10 Heu und Stroh jede Portion. Nach Grafentraubach kamen 63 Mann ins Standquartier. 2. 1. 1743 bekam die Hofmark Grafentraubach mit Graßlfing den strikten Befehl 21 Schäffel 6 Metzen Hafer, je 675 Bund Heu und Stroh sowie 2 Klafter Scheiter zu liefern. Am 4. 1. 1743 waren für die französischen Dragoner alsogleich 560 Rationen Heu, Hafer und Brot zu liefern, widrigenfalls man solche durch militärische Exekution erholen werde, oder es werden die Dragoner in obigen Orten fouragieren. Am 9. 2. hatte die Schloßherrschaft selbst 3 Schäffel Weizen und 4 Schäffel Korn, die Untertanen 4 Schäffel 1¼ Metzen Weizen und 4 Schäffel 4¼ Metzen Korn abzuliefern. Am 12. 2. kam der Befehl je 19 Zentner 24 Weizen- und Roggenmehl zu liefern. Bald hatten die Bauern für sich und ihr Vieh fast nichts mehr. Im Archiv ist ein dicker Band diesbezüglicher Akten. Am 2. 4. mußten die Landfähnler und Ausschüsser ihre Monturen und Gewehre (Hut, Rock, Patronentasche, Bajonett und Flinte) nach Eggmühl abliefern; aus der Hofmark: Hans Daxer, Kasp. Altweck, Jak. Huber, Bartlmä Erl, Hans Braun, Math. Schindlbeck, August Kiendl Hans Amann.

Der Kaiser rüstete fieberhaft, was sich in vielen Durchmärschen usw. hier auswirkte. Im Frühjahr lebte die Kampftätigkeit wieder auf. Die vereinigten Bayern und Franzosen wurden bei Simbach am 8. Mai 1743 geschlagen. Die französische Linie Dingolfing—Landau—Deggendorf kam in Gefahr. Durch die siegreichen Österreicher wurden die Bewohner „nicht nur durch Ausschreibung und Eintreibung unerschwinglicher Contributionen auf eine unchristliche Art hergenommen, sondern über dieses die armen Untertanen, auch jene, welche die ihnen anrepartierten Quanten gegen erhaltene Quittung richtig erlegt, wider alle Versicherung ausgeplündert”. In Sallach war Juni bis Juli wahrscheinlieh eine Feldmetzgerei. —— Durch das Militlär war eine Viehkrankheit eingeschleppt worden. Ende August 1743 neigte sich das Kriegsglück auf die Seite der Bayern, die wieder vordrangen. Am 26. 8. kam Befehl, Schanzer nach Ingolstadt zu schicken, sonst würden die Beamten in Eisen und Bande gelegt und die Orte, so nicht parieren, mit Sengen und Brennen bedroht. Am 31. Juli und am 27. August 1743 starben in Steinkirchen unversehens je 1 Soldat aus dem Bay.Inf.Reg. Elementi. Auch unter den Einwohnern herrschte eine Krankheit, die viele Opfer forderte.

Im Winter 1743/44 gab es Winterquartier des österr. Inf. Reg. Altkönigseck und zwar in Grafentraubach 1 Hauptmann, 1 Leutnant, 1 Fähnrich, 1 Feldwebel, 14 Unteroffiziere, 10 Gefreite und 73 Mann, wofür 142½ Mund— und 8 Pferdeportionen täglich zu stellen (oder zu zahlen) waren. Am 17. Januar wurde hier das Kind eines Machtmeisters Fustinpanista getauft. Die Chargen hatten also auch ihre

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Weiber dabei. Auch zarte Bande wurden in diesem Winter geknüpft. Im April heiratete hier ein Marketender dieses Regiments die Söldnerstochter Maria Berger von Grafentraubach. Mit Frühjahr rückten die Truppen aus. Am 8. April war in Kirchberg eine Konferenz wegen der Bezahlung der Quartierkosten. Im Sünchinger Archiv war ein Akt: Hybernalia 1743/44 (Winterliches von 1743/44).

Der Preußenkönig Friedrich II. hatte durch den Einmarsch in Böhmen im August den Kaiser entlastet. Nun kam kaiserlichbayerisches Militär in die Gegend und brauchte diese Lieferungen für Mann und Roß. Trotz aller Erfolge aber schloß das Jahr für den Kaiser widerwärtig und General Bernklau fiel im Dezember in den Bayerischen Wald ein. Am 12. Dezember war Altkönigseckisches Militär anscheinend vorübergehend hier, wo dann das Kind eines solchen Soldaten getauft wurde.

Im Januar 1745 sollten „die schweren Stuckh und Munition” von Straubing nach München geschafft werden und am 6. Januar in Geiselhöring, am 7. in Neufahrn eintreffen. Laberweinting hatte hiezu 10, Grafentraubach 18, Haader 10, Allkofen 14 geschirrte Pferde zu stellen. Gleichzeitig mußten Mannschaften mit Hacken und Schaufeln gestellt werden. Die Wege waren schon am 5. Januar in Stand gesetzt worden. Am 24. Januar mußte wieder eine ähnliche Anzahl Pferde gestellt werden sür Artillerie und am 26. Januar für den Transport von Pontons. Am 30. Januar 1745 starb Kaiser Karl Albrecht.

Am 15. Januar war nochmals Musterung der ledigen Burschen im Gericht Kirchberg. Die 43 Ausgewählten hatten 3 Jahre zu dienen, das Gericht zahlte jedem 12 fl. Hand- und Monturgeld, das bald auf 18 fl. erhöht wurde, wovon der Mann 7 fl. auf die Hand bekam. Am 17., 18. Januar marschierten Abteilungen des hessischen Leibregiments mit dem Stab und Prinz Friedrich von Hessen-Kassel durch. „Ist also hierauf Antrag zu machen”, ordnete der Pfleger von Kirchberg an. Am 25. März kam der Befehl, alle Wege und Stege in gut fahrbaren Zustand zu versetzen, desgleichen am 7. April, da in den nächsten Tagen 15 000 kgl. ungarische Völker von Straubing her durchmarschieren würden. Oie Untertanen des Gerichtes Kirchberg hatten 3261 fl Brandsteuer zu zahlen, wozu die vermöglichen Stiftungen (z. B. die Bruderschast in Hadersbach 1336 fl) Borschüsse leisteten, die nach und nach refundiert werden sollten. Kurfürst Max Josef sah sich gezwungen, mit seinen Ministern von München nach Augsburg zu flüchten. Er schloß im Interesse seines Volkes am 22. April den Frieden zu Füssen. Die Demobilmachung brachte im Mai und Juni noch zahlreiche Einquartierungen und Biwacks von bayerischen und österreichischen Truppen.

Max Josef schränkte sich möglichst ein, um die Schulden Bayerns zu mindern, namentlich verminderte er sein Heer aus 6000 Mann.

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Bei dieser Maßnahme war Graf Josef von Seinsheim, sein Konferenz- und Kriegsminister besonders beteiligt.—— Das früher vielfach aufs Land verteilte Militär wurde mit Erlaß vom 19. April 1747 nunmehr kaserniert, wofür die nun mit Quartier verschonten Untertanen als Ersatz Casarma- und Serviceanlagen zu zahlen hatten.

Wie der Kirchberger Beamte Bayer berichtete, gab es 1749 einen anderen Krieg, aber nicht gegen Menschen, sondern gegen Heuschrecken, die in ungeheuren Schwärmen heranflogen. Man schoß mit Sand aus Gewehren und Geschützen gegen sie vergeblich. Am Abend wurden je 100 Mann mit Drischeln gegen sie geschickt, weitere 25 mußten sie zusammenrechen, weitere 25 Mann sie vergraben. Das nützte.

Der lange Krieg hatte das Volk verwildert. Am 15. Dezember 1745 wurde in Grafentraubach der illeg. Sproß eines ungarischen Husaren (siehe April) getauft. Eine Menge entlassener Soldaten, Bettler und Taugenichtse durchstreiften, wie auch die Kirchenbücher der Pfarrei beweisen, das Land, das sich des frechen Gesindels kaum erwehren konnte. Daraus erklärt sich die große Strenge der unter dem „guten Max” erlassenen Reform des Strafrechtes. Bekannt ist Max Josefs Fürsorge bei der großen Hungersnot 1770/71, bei der das Schäffel Korn 28 fl, Weizen 40 fl, Gerste 18 fl, Hafer 10 fl kostete. Wie groß die Not war, zeigt ein Vorkommnis in Kirchberg: Dort wurde 11. 1. 1772 das Schloß durch eine Räuberbande überfallen, die aber verjagt wurde; allein am 26. 1. wurde der Versuch wiederholt. Man hatte es auf die Amtskasse abgesehen. Im Jahre 1772 war hier ein schwerer Hagelschlag.

Der bayerische Erbfolgekrieg.

Kurfürst Max Joseph, der letzte aus der Linie Ludwig des Bayern, starb am 30. Dez. 1777. Erbberechtigt war Karl Theodor von der Pfalz; doch machte Österreich Schwierigkeiten. Karl Theodor ließ sich am 14. 1. 1778 die Zustimmung abpressen zur Abtretung Niederbayerns an dasselbe, welches sofort 15 000 Mann einmarschieren ließ und allenthalben schwere Lieferungen ausschrieb. Unsere Vorfahren mußten der kaiserlichen Regierung huldigen. Die einquartierten Soldaten verlangten für ganze 3 kr.: Früh eine Suppe oder Branntwein, auf Mittag Fleisch und Knödel, zum Nachtessen wieder Fleisch oder Kleines von Mehl. Wenn die Quartiergeber ihnen kein besonderes Bett geben konnten, mußten sie ihre Betten und Kammern den Soldaten abtreten. Im April 1778 heißt es, daß die Bauernburschen, um nicht ausgehoben zu werden, sich von ihren Geburtsorten entfernten. Im Archiv zu Sünching ist auch ein Alt betr. geleisteter Vorspann und Quartiere an ein sächsisches Regiment 1778. Am 4. 4. 1779 starb hier ein 21 jähriger kaiserlicher Soldat aus der Bamberger Gegend.

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Inzwischen hatte sich die Schwägerin Karl Theodors, Herzogin Marianne, mit dem „alten Fritz”, dem Preußenkönig, verständigt. In Bayern selbst drohte zudem ein Aufstand, größer als 1705. Am 5. 7. 1778 rückten die Preußen in Böhmen ein. Das zwang Maria Theresia am 18. Mai 1779 den Frieden zu Teschen zu schließen. Die Demobilisierung brachte noch manche Truppen in unsere Gegend.

Niederbayern kam wieder zu Bayern, aber um das Innviertel die Heimat unseres Führers, verkleinert.

Die Revolutionskriege 1792—1801.

Als die Franzosen am 20. 4. 1792 an Kaiser Franz Josef den Krieg erklärten, forderte dieser das Reich zur Teilnahme auf. All das machte sich durch vermehrte Steuern, Durchmärsche und Einquartierungen, namentlich K. K. Truppen, bemerkbar. Bayern stellte 38 000 Mann. Nachdem Preußen durch den Separatfrieden von Basel 1795 Kaiser und Reich im Stich gelassen, wälzte sich der Schrecken des Krieges gegen Bayerns Grenzen. Noch immer war unsere Gegend vom Feind verschont, der unter General Jourdan den kaiserlichen General Wartensleben über Franken nach der Oberpfalz zurückdrängte. Am 30. 6. 1796 marschierte das pfälzische Regiment unter Rottenhausen auf dem Weg nach Straubing an Steinkirchen vorüber, am 5. August ein darmstädtisches Inf.-Regiment. Am 8. 8. kam eine halbe Kompagnie vom bayerischen Regiment Weichs von Straubing her Richtung Mallersdorf——Geisenfeld zur Komplettierung des Reichskontingentes.

Nach einem Sieg über die Kaiserlichen bei Mehring am 24. 8. 1796 drang der französische General Morea u gegen München vor; am 7. 9. unterzeichneten zu Pfaffenhofen die Minister des Kurfürsten einen Waffenstillstand, den aber der Kurfürst nicht anerkannte; denn gleichzeitig zwang Erzherzog Karl durch seine Erfolge gegen Jourdan diesen und Moreau zum Rückzug über den Rhein. Infolge dieser Truppenbewegungen gab es öfters Durchmärsche k. k. Truppen. Durch den Frieden von Campo Formio 17. 10. 1797 war Bayerns Bestand sehr gefährdet. Karl Theodor beschloß ein Heer von 30 000 Mann aufzustellen, wozu der Papst ihm erlaubte 5 Millionen Kirchengut zu verwenden.

Am 29. 12. 1797 rückte das ehemalig französische emigrierte Husarenregiment Royal Saxe in unsere ganze Umgebung ein, wo es l02 Tage blieb. Der Kommandeur wohnte im Kloster Mallersdorf. Auch Grafentraubach und Steinkirchen hatten Abteilungen desselben im Quartier. In Grafentraubach starb am 9. 4. 1798 der Husar Jakob Sonntag, ein Elsässer, aus diesem Regiment. Tags darauf marschierte dieses endlich nach Straubing ab. Karl Theodor starb am 16. 2. 1799; ihm folgte Max Josef IV. aus der Zweibrückener Linie.

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Bald darauf entbrannte der Krieg aufs neue; zunächst in Oberitalien, das die Russen 1799 den Franzosen entrissen. Aber der Konsul Napoleon gewann im Juni 1800 ganz Oberitalien zurück, während Moreau durch Schwaben nach Bayern vordrang. Damit kam der Feind wieder in unsere Gegend, nachdem am 5. Juni die Kaiserlichen in dieselbe eingerückt waren. Die Mallersdorfer Chronik berichtet:

Am 13. Juli 1800 rückten die Franzosen heran, während sich die Kaiserlichen zurückzogen. Niemand getraute sich schon Tage vorher aus den Dörfern, alle Geschäfte stockten. Am Mittag erschien eine Patrouille von 20 Mann, die sehr anständig waren. Nächsten Tag kamen 200 Chasseure zu Pferd und 900 Mann zu Fuß und besetzten die Anhöhen und Wälder. Während die Reiter sehr anständig waren, waren die Infanteristen sehr grobe Kerle, die im Kloster bald sehr ungebührliche Forderungen nach Essen und Trinken stellten. Was an Wein, Eiern und anderen Lebensmitteln nicht freiwillig geliefert wurde, holten sie sich mit Gewalt, schlugen Türen ein oder stiegen durch die Fenster. (Man kann sich denken, daß es den Bauern nicht besser erging.) Sie wurden von 2 Kavallerieregimentern abgelöst, deren Offiziere sehr anspruchsvoll waren. 15—20 Speisen wurden zu Mittag verlangt und fünferlei Weine. Der General legte sein Quartier ins Kloster, ein Offizier kam in den Pfarrhof zu Grafentraubach und mußte verpflegt werden. Zur Aufbringung des Unterhalts von so viel Militär wurde die ganze Umgebung bedrückt. Offiziere und Mannschaften erpreßtem, was sie brauchten: Röcke, Mäntel, Stiefel, Sättel. —— Man vergleiche, was ich in der Chronik von Geiselhöring berichtete —— Das Franzosenpack war in seinen Vorwänden sehr erfinderisch und in seinen Forderungen unersättlich. Da inzwischen ein Waffenstillstand geschlossen worden, blieb der Feind bis zu dessen Ablauf (16. 11. 1800) in der Gegend. Die Kirchen mußten zur Deckung einer Kontribution ihre Silbersachen abliefern. Daß die Stimmung des einheimischen Volkes gegen die Eindringlinge eine gespannte war, Kann man sich denken. Am 18 August ereignete sich folgender Zwischenfall:

Die Erschießung des Bauernsohns Seb. Zierer

Zwei Bauerssöhne von Ettersdorf Lorenz Kattenbeck und Sebastian Zierer gingen ungefähr um 9 Uhr abends von der Grafentraubacher kirchweih nachhaufe. Nicht weit außerhalb des Dorfes begegnete dem Kattenbeck, der eine Strecke vorausging, der französifthe Oberleutnant der beim Herrn Pfarrer in Grafentraubath im Quartier lag und vom Abendessen, das er mit seinen Kameraden im Kloster Mallersdorf eingenommen, heimkehrte. Kattenbeck rief dem Offizier, angeblich ohne Urfache, im Mutwillen ein französisches Schimpfwort (soviel wie Schuft) zu. Hiedurch aufgebracht, packte ihn der Offizier bei der Gurgel, warf ihn zu Boden und hielt ihn ziemlich unsanft fest. Der Unterliegende rief seinen Freund zu Hilfe. Seb. Zierer eilte mit einer Zaunlatte bewaffnet herbei, und nun schlugen

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beide auf den Offizier so derb ein, daß derselbe betäubt liegen blieb. Er hatte aber während des Streites jeden der beiden mit seinem spanischen Rohr über Stirn und Hand durch Hiebe gezeichnet, um sie wieder erkennen zu können. Nachdem er sich erholt hatte, begab er sich in sein Quartier, ließ den Wirt rufen und hatte bald herausgebracht, wer um die fragliche Zeit das Wirtshaus verlassen hatte. Nach kurzem Untersuchen waren die Täter festgestellt und verhaftet. Während nun Zierer verhört wurde, gelang es Kattenbech, zu entfliehen. Man höre wie: Er sprang 30 Schuh hoch (ca. 9 m) zum Fenster hinunter! Trotz sofort aufgenommener Verfolgung gelang es ihm, in den Wald zu entwischen. Später stellte sich heraus, daß er im Klostergarten in einem Kanal gelegen hatte, über den täglich Franzosen gingen. Zierer wurde nach Abensberg gebracht. Statt des Kattenbeck wurde dessen Stiefvater verhaftet und solange festgehalten, bis Kattenbeck von der eigenen Mutter nach längerer Zeit eingeliefert wurde. Zierer wurde am 26. August in Mallersdorf vor das Kriegsgericht gestellt unter dem Vorsitz eines Generals, und trotz dauernden Ableugnens verurteilt, binnen 24 Stunden erschossen zu werden. Trotz vieler Fürbitten blieb es dabei.

Am 28. August um 10 Uhr zog sich Kavallerie und Infanterie teils im Klosterhofe, teils am Exekutionsplatz zusammen. Letzterer war am nämlichen Orte, wo die Schlägerei geschehen, in der Nähe von Grafentraubach. Es war ein Acker, der ausgerechnet der Schwester des Verurteilten gehörte. Dieser war von einem Religiosen des Klosters, P. Magnus Münsterer, der später zu Allkofen gestorben ist, zum Tode vorbereitet. Einige Minuten vor 2 Uhr bestieg er samt dem Geistlichen einen Wagen. Unter Kavallerie- und Infanteriebedeckung —— offenbar scheute man den Unwillen des Volkes —— wurde er zum Richtplatz gebracht. Daselbst wurde ein Viereck gebildet, das an einer Seite offen war. Dort mußte sich der Berurteilte niederknieen. 8 Mann Infanterie traten vor. 7 davon gaben Feuer. 5 Kugeln trafen seinen Kopf, darauf trat der 8. Mann hinzu, um ihm den Garaus zu machen, was aber nicht mehr nötig war. „Nun also, sagt erbittert der klösterliche Berichterstatter, waren durch den Tod eines Deutschen die Schläge, so ein Franzose bekam, gerochen!”

Der Körper des Erschossenen mußte alsogleich nach Grafentraubach gebracht werden. Der dortige Pfarrer stand schon in Paramenten auf dem Richtplalz im Hintergrund, um den Leichnam mit allen katholischen Zeremonien zu begraben. Nach dem Totenbuch nahm eine ungeheuere Menschenmenge mit innigstem Mitgefühl teil. Welche Strafe Kattenbeck erhielt, konnte ich nicht erforschen. Der Berichterstatter fügt bei, daß der Offizier bei der Szene viel Furcht äußerte, sich nicht mehr in Grafentraubach zu wohnen traute. Er siedelte ins Kloster über, wo er immer 2 Mann Bedeckung bei sich hatte-, so kochte die Volksseele.

Dieser allgemeinen Berbitterung ist auch eine andere Tat zuzuschreiben, die um diese Zeit in Gaishauben bei Geiselhöring geschah.

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Kurz vor dem Abmarsch der Besatzung kamen 2 französische Soldaten am 15. Nov. nochmals zurück und forderten von dem Bauern Schmaiser Lorenz in unverschämtester Weise Geld und anders. Nach einem heftigen Wortwechsel erschlug der Bauer in der Aufregung den einen, und in der Verlegenheit auch den anderen Franzosen. Er und sein Bruder Bartl vergruben die Leichen. Die Sache kam natürlich auf und Lorenz Schmaiser wurde am 20. Nov. in Landshut durch ein Kriegsgericht zum Tode des Erschießens verurteilt. Die Ausführung geschah in sadistisch grausamer Weise, indem ihm zuerst die Arme und Füße durchschossen wurden, dann erhielt er den Todesschuß. Sein alter Vater, sowie die Magd und der Bruder Bartl mußten zusehen. Letzterer erhielt wegen Beihilfe 5 Jahre Galeerenstrafe. Nach Ablauf des Waffenstillstandes zog der Feind südostwärts ab. Bald zeigten sich k. k. Ulanen in der Gegend. Am 5. Dez. brachte Moreau dem österreichisch-bayerischen Heere bei Hohenlinden eine schwere Niederlage bei. Am 20. Dez. kamen 7 marodierende französische Husaren vom 2. Regiment hieher und erpreßten in allen Dörfern längs der kleinen Laber Brandsteuer, am Silvestertag kam dann die größere Masse nach. Das Regiment kam in der Gegend ins Standquartier. Der Friede von Luneville (9. 2. 1801) machte den Feindseligkeiten ein Ende, bereitete aber auch das Ende des Deutschen Reiches vor und die Einziehung der Klöster, also auch Mallersdorfs, durch den Reichsdeputationsausschuß.

Der Pfarrer von Grafentraubach hat „verschiedene Notata” hinterlassen, welche an einem einzigen Beispiel zeigen, was für Anforderungen an die Bevölkerung gestellt wurden. Er schreibt:

In Mitte des Juli nach Kirchberg für die französische Armee 25 fl. etliche kr.

Den 31. Juli französisches Quartier: 1 Offizier und 1 Bedienten.

Den 17. August als an meiner Kirchweih zum französischen Militär 10 fl. 27 kr., am nämlichen Tag zu Nachts um ¾ tel auf 9 Uhr ist mein Offizier geschlagen worden und blessiert nachhause gekommen.

Den 30. Aug. das Kirchensilber nach Sünching geliefert. (Leider ist nicht angegeben, welche Stücke die Kirchen der Pfarrei zu der Kontribution abliefern mußten.) Bayern mußte 6 000 000 Livres zahlen.

Am 27. Aug. war ein „freiwilliger Beitrag” zur französischen Armee und „wegen des Friedens” gefordert worden, der Pfarrer gab nichts.

Den 31. Aug.: Sogenanntes Tafelgeld von Sünching gefordert für H. General nach Offenstetten. Den Pfarrer traf 1 fl. 22 kr.

An diesem Tag wurde der Krieg wieder erklärt.

Den 3. Sept. wieder Fried gemacht worden, d. h. der Waffenstillstand verlängert.

Den 4. Sept. Unsere französischen Dragoner fortmarschiert, wo ich 1 Offizier und 1 Bedienten 5 Wochen hatte.

Den 5. Sept. Ein Patent Von Kirchberg betr. Weizenlieferung in 3 Fristen je 9 Metzen Weizen nach Pfaffenhofen. Pfarrer weigerte sich.

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Den 12. und 23. Sept. wurde die Forderung erneuert.

Den 18. Sept. Meine Bons, die ich von der Gemeinde aufbewahrt, und meine Unkostenliste nach Sünching geschickt.

Den 20. Sept. von Sünching für Moreaus Armee 16 fl. Pferdesteuer gefordert, die bis 26. einzuschicken war.

Den 25. Sept. wieder französisches Quartier 1 Hauptmann, 2 Bediente, 5 Pferde.

Am 28. Sept. 1 Leutnant 1 Bedienter, 2 Pferde.

Am 5. Okt. 1 Commandant, 2 Bediente, 6 Pferde.

Am 28. 0kt. 1 Hauptmann der Infanterie und 2 Pferde, bis 17. Nov., wo der Krieg wieder begann.

Am 24. Nov. ein Schober Weizenstroh nach Regensburg.

Am 27. Nov. 1 Schäffel Weizen nach Moosburg und 7 Metzen und 10 Bund Heu nach Freising.

Am 25. Dez. aufs neue Waffenstillstand.

Am 30. Dez. Forderung von Lieferungen.

Am 4. Januar 1801 neue Lieferungen 7 Metzen Hafer nach Landshut.

Am 9. Januar wurden diese Lieferungen angefordert.

Am 19. Januar neue Lieferung ausgeschrieben binnen 8 Tagen 3 Metzen Korn nach Landshut. Die Bons sind von 10 zu 10 Tagen einzusenden.

Am 28. Januar: 1½ Schober Stroh nach Regensburg, 14 Metzen Hafer nach Landshut und Freising, 1 Ztr. Heu nach Freising, 3 Metzen Korn nach Landshut, der Pfarrer gab statt dieser Forderung z. T. Geld.

Am 28. Feb. nach Sünching ½ Metzen Hafer, 3 Bund Heu à 12 Pfd.

Am 7. März sollte der Pfarrer wieder 1 Metzen Hafer liefern, konnte nicht; am 15. zahlte derselbe in Geld.

Am 2. April Quartier 1 Corporal, 3 Mann, 4 Pferde, Bayr. Dragoner.

Am 12. April Quartier 1 Feldwebel und 1 Fourier. —— Damit schließen die Notizen —— In anderen Aufzeichnungen des Pfarrers rechnet er für 18 Wochen französischer Quartiers nebst siebenmaligem Ausspeisen von 2 und 3 Offizieren gering 300 fl. An Weingeld allein 80 fl. Der einquartierte Offizier lud nämlich jeden dritten Tag 2 bis 3 Kameraden zu Tisch. Für Fourage- und sonstige Lieferungen erhielt man zwar Bons (Gutscheine) aber später kein Geld.

Die Kriege 1805—1809.

Kurfürst Max Josef gestaltete das Heereswesen nach französischem Muster um und führte 1805 die Konskription ein. Das militärpflichtige Alter war 18 Jahre, ab 1828 erst 21 Jahre; die Dienstzeit war auf 8 Jahre festgesetzt.

Am 2. Dez. 1804 hatte der Konsul Napoleon sich zum Kaiser der Franzosen gemacht. Sein Auftreten zwang 1805 die Großmächte England, Österreich und Rußland zu einem Bündnis gegen ihn; Bayern wurde durch einen diplomatischen Fehler Östrrreichs

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genötigt, auf Seite Napoleons zu treten. Das französisch-bayerische Heer zwang den österreichischen Feldmarschall Mack in Ulm zur Kapitulation. Am 2. 12. 1805 schlug Napoleon bei Austerlitz die vereinigten Österreicher und Russen, worauf Kaiser Franz am 26. Dez. den Frieden zu Preßburg schließen mußte. Am l. Januar 1806 wurde Bayern als Königreich ausgerufen, das deutsche Reich löste sich auf. Zur Deckung der Kriegskosten mußten unter anderem die Kirchen und Bruderschasten alle Barbestände als Darlehen dem Staate geben.

Durch die Räumung der Spitäler in Österreich häufte sich die Zahl der Kranken und Blessierten auf dem Schloß Trausnitz zu Landshut, so daß selbst die gefährlichst Kranken auf dem Boden und auf Stroh, lediglich bedeckt mit militärischer Kleidung, liegen mußten. Zur Abhilfe mußten auch unsere Hofmarken und Dörfer Leinen, Wäsche, Betten usw. liefern.

Vom 6.——20. Okt. 1808 war das Linien – Regiment Kronprinz in Geiselhöring und Umgebung in Quartier. Anfang 1809 brach der Krieg wieder aus. Österreich drang mit großer Macht in Bayern ein. Im März und April war in hiesiger Gegend viel bayerisches Militär, das sich langsam zurückzog. Die Österreicher besetzten Landshut. Am 16. 4. hörte man von dort her eine heftige Kanonade, alles war in banger Erwartung. Am 17. 4. kam von Dingolfing her ein österreichisches Korps von 12 000 Mann vor Geiselhöring und lagerte in dessen Umgebung. Am 20. 4. schlug Napoleon die österreichische Armee bei Abensberg und 2 Tage später bei Eggmühl. Am 21., 22. April hörte man hier das fürchterliche Kanonieren von dort so stark, daß die Fenster klirrten. Nach der Schlacht zeigte sich, —— wie es in einem Berichte heißt, —— der Hofmarksherr von Grafentraubach Graf Josef Maria von Seinsheim in Sünching als gütiger, hilfsbereiter Edelmann. Die Not nach der Schlacht suchte er, wo er nur konnte, zu lindern. Alsbald erschien er „gleich einem Genins der Menschheit auf dem Schlachtfeld mit Brot, Bier und anderen Lebensmitteln und Hilfsapparaten und bestätigte durch edle Hilfeleistung in dieser Not den wahren Adel seiner Seele.” (Vergl. nuch die Hofmarksgeschichte!)

Am 23. April stürmte Napoleon Regensburg, das zum Teil von den Österreichern in Brand geschossen wurde. Den Rauch und die nächtliche Brandröte sah man bis hierher. —— Bei Aspern erlitt Napoleon am 21. bis 22. Mai eine schwere Niederlage. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit begann zu erblassen. Freilich am 6. Juli heftete er wieder den Sieg an seine Fahnen. Am 14. Okt. 1809 folgte der Friede von Schönbrunn.

Der im März 1812 beginnende Feldzug Napoleons nach Rußland brachte endgültig den Stern des Eroberers zum Erbleichen. Leider mußten auch viele Bayern dabei ihr Leben einbüßen. „Auch sie starben für des Vaterlands Befreiung.” Am 28. 7. 1814 starb im Spital zu Ettenheimmünster Klankermayer Mathias, Söldnerssohn von Grafentraubach, Soldat im 5. Linien-Regiment 1. Komp.

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Für all den Schaden, den die Franzosen in Bayern während der letzten Kriege gemacht, kam Frankreich mit einer sehr gnädigen Kriegsentschädigung weg. 1830 bekam Grafentraubach daraus die großartige Summe von 14 fl. 16 kr.

1808 war in Bayern als Reserve für das aktive Heer die Bildung einer Nationalgarde (Bürgerwehr) angeordnet worden. 1814 wurde sie als Landwehr auch auf den Dörfern eingeführt. Grafentraubach und Graßlfing gehörten zum Bataillon Sünching und zum Landgerichte Stadtamhof. 1816 wurde durch die Landgerichte Pfaffenberg, Stadtamhof und Straubing eine allgemeine Streife vorgenommen.

Die Kriege 1866 und 1870-71.

Im Bruderkrieg 1866 zwischen Preußen und Österreich stand Bayern auf des letzteren Seite. Beim Aufmarsch kamen auf der Straße durch Steinkirchen Truppen, natürlich auch aus der Eisenbahn.

Der Krieg 1870-71 forderte keine größeren Opfer aus den Gemeinden der Pfarrei. Aus Grafentraubach beteiligten sich an demselben 16 Mann, aus Graßlfing 13. Ihre Namen sind:

Aus Grafentraubach:

Amann Xaver, Beutlhauser Georg, Beutlhauser Joseph, Heinrich Josef, Klankermayer Josef, Maier Michael, Massinger Georg, Schindlbeck Josef, Schindlbeck Johann, Schweiger Sebastian, Striegl Andreas, Wittmann Josef, Ferdinand Graf von Seinsheim

Aus Steinkirchen:

Wutzer Sebastian.

Aus Zeißlhof:

Klarl Michael (gestorben), Schollerer Franz.

Aus Obergraßlfing:

Dallmeier Ludwig, Emmer Joseph, Emmer Xaver, Kammermeier Jakob, Kröninger Josef, Kröninger Wolfgang (verw.), Kröninger Xaver, Littig Alois, Neumayer Alois.

Aus Untergraßlfing:

Hartl Isidor, Holzer Xaver, Spitzer Josef, Stierstorfer Xaver.

Aus Dürnhettenbach:

Sebastian Rohrmeier, Bauerssohn, Soldat beim Infanterie-Leib-regiment, gefallen bei Sedan am 1. 9. 1870.

Aus Zeißlhof starb im Kriege an Typhus der Soldat Klarl Michael, Söldnerssohn. Schwer verwundet wurde aus Obergraßlfing Wolfgang Kröninger, Bauerssohn. Die Kugel konnte jedoch entfernt werden und wurde von Kröninger hernach mit einem Dankbild in der Gnadenkapelle zu Obergraßlfing aufgehängt.

Am 10. August 1870 waren in Laberweinting die ersten Züge mit Kriegsgefangenen durchgekommen, die nach Oberhaus-Passau kamen.

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Die Heimat beteiligte sich durch freiwillige Liebestätigkeit und Andachten. Gefallen ist in Grafentraubach und in Graßlfing kein Mann. Die Kameradschaft, welche in den schweren Stunden der Gefahr erprobt war, zeigte sich in der Friedenszeit ganz besonders bei Hochzeiten und Beerdigungen, also in frohen und ernsten Tagen. Am Allerseelentag 1904 wurde zu ihrer Besieglung der Veteranen- und Militärverein Grafentraubach gegründet, an welchen sich alsbald 47 Kameraden aus Grafentraubach und Graßlfing, sowie einige aus Allkofen und Holztraubach anschlossen. Bis zum Tag der Fahnenweihe am 9. Juli 1905 war der Verein auf 93 Mitglieder angewachsen, darunter 19 Altveteranen von 1848, 1866 und 1870. Rasch wuchs der Verein zu 120 Mitgliedern heran, von denen dann im Weltkriege 44 ihr Leben fürs Vaterland hingaben.

Bei der China-Expedition infolge des Boxeraufstandes starb 1900 der Bauerssohn Georg Emmer aus Obergraßlfing in einem Lazarett.

Der Weltkrieg.

Die Friedensjahre nach dem Kriege 1870/71 hatten dem geeinten deutschen Vaterlande einen großen Aufschwung und gewaltige Weltgeltung gebracht und so den Neid seiner Nachbarn, besonders Großbritanniens, hervorgerufen. — Frankreich konnte den Revanchegedanken nicht loswerden. Das verstand England ebenso auszunützen, wie die imperialistischen Wünsche des Zaren. So kam es nach dem Ausscheiden Bismarcks, des eisernen Kanzlers, zu einer Einkreisung Deutschlands, zur sogen. Entente.

Wohl war letzteres nicht müßig gewesen und hatte sein Heer zum besten der Welt gemacht, so daß es dann einer Welt von Feinden 4 lange harte Kriegsjahre widerstehen konnte. Widerholt waren militärische Übungen und Einquartierungen hier und Umgebung besonders 1876, 1877 und öfter. 1880 wurde das Wittelsbacher Jubiläum festlich begangen. 1893 waren größere Manöver in der Umgebung, ebenso 1900 und 1911, sowie noch 1913. Friedlich ging das deutsche Volk seiner Arbeit nach, da stiegen aus dem Attentat von Serajewo drohende Wolken am politischen Horizont auf. Am 1. August 1914 wurde in Deutschland Mobilmachung angeordnet. Die ersten Reservisten fuhren am 3. August ab in ihre Garnisonen. Erhebend war trotz des Ernstes die Begeisterung, welche sie, aber auch die Heimat zeigten; erhebend war es zu beobachten, wie hier Greise wieder die Hand an den Pflug legten, wie junge Leute, ja Frauen und Mädchen, sich mühten, den Vater und Gatten, der draußen stand in Not und Gefahr, zu ersetzen. Erhebend war es zu sehen, wie man hier zu den Kriegsandachten eilte, an Gottesdiensten und Generalkommunionen teilnahm, um Gottes Schutz für sie zu erflehen. Rührend war es, wie alle ohne Unterschied, auch die Ärmsten, zusammensteuerten, um durch

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Liebespakete, durch Feldbriefe und Lektüresendungen die Verbundenheit der Heimat mit ihnen zu bezeugen.

Die Heimat half durch eifriges Zeichnen von Kriegsanleihen zum Durchhalten, der Ortspfarrer hielt im Verein mit Bezirksamtmann Dr. Maier im ganzen Bezirk Versammlungen, um die Bevölkerung zum Durchhalten in der langen Kriegszeit anzufeuern. — Der Eifer der Pfarrei wurde auch von oben anerkannt nicht nur dadurch, daß der Pfarrer das König-Ludwigskreuz und das Preußische Verdienstkreuz erhielt, sondern namentlich auch daß die Gemeinde selbst ein Diplom als Allerhöchste Anerkennung für verdienstvolle Kriegsarbeit in der Heimat von König Ludwig III. erhielt und viele Frauen eine Anerkennung des Deutschen Kaisers mit der Widmung: In den Kampf der Männer um die Heimaterde sollen die Frauen das Edelste hineintragen.

Groß, sehr groß waren die Opfer, welche der Weltkrieg forderte. Von Grafentraubach einschließlich Steinkirchen und Einöden mußten 132 Mann, außerdem als Leutnant der Sohn des Schloßherrn Karl Freiherr von Hönning einrücken, von Graßlfing über 37 Mann; aus Dürnhettenbach 7 Mann.

Den Heldentod fanden aus genannten Ortschaften insgesamt 50 Mann, also ein Prozentsatz, der über den Reichsdurchschnitt hinausgeht.

Wir bringen zunächst die

Namen der Gefallenen

in der Reihenfolge der Zusammenstellung auf den Bildtafeln, soweit Photographien erhältlich waren:

1. Georg Zellner, Müllerssohn von Reichermühle,

1. L.R. gef. in Rumänien 12. 12. 16

2. Alois Pelg, Söldnerssohn von Untergraßlfing,

11. I.R. 8. Komp. verm. Maixe 25. 8. 14

3. Vinzenz Schollerer, Söldner von Zeißlhof,

13. I.R. 10. Komp. verm. Spada 24. 9. 14

4. Karl Freiherr von Hönning O Caroll, Herr auf Sünching und Grafentraubach,

Leutn. 2. Chev.R. † in Düren 14. 11. 18

5. Johann Pelg, Söldnerssohn von Untergraßlsing,

13. R.I.R. 12. Komp. verm. Luneville 2. 9. 14

6. Georg Littich, Schneidermeisterssohn von Grafentraubach

19. R.F.R. † in der Heimat 13. 3. 21

7. Johann Hartl, Söldnerssohn von Grafentraubach,

2. Landw. I.R. 5. Komp. gef. bei Colmar 22. 8. 14

8. Alois Steinberger, Kaufmannssohn von Grafentraubach

1 Pion. Ers. Kp. 3. Bt. gef. Renemont 1. 9. 14

9. Johann Lehner, Söldnerssohn von Grafentraubach,

126. I.R. gef. Suilles 29. 10. 16

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  1. Otto Rammelsperger, Bauerssohn von Steinkirchen,

6. R.I.R. gef. in Rumänien 12. 11. 16

  1. Xaver Lehner, Söldnerssohn von Grafentraubach,

13. R.I.R. 3. Komp. gef. Bimy 23. 10. 14

  1. Joseph Littich, Bauerssohn von Grafentraubach,

12. R.I.R. gef. Festieux 18. 11. 16

  1. Georg Auer, Lehrerssohn von Obergraßlfing,

Mattose gef. bei den Wirren in München am 2. 5. 19

  1. Xaver Littich, Bauerssohn von Grafentraubach,

13. R.I.R. gef. Malancourt 24. 3. 16

  1. Xaver Kastl, Hausbesitzers- und Arbeiterssohn von Grafentraubach,

10. I.R. gef. Verdun 23. 6. 16

  1. Josef Hinreiner, Söldnerssohn von Grafentraubach

12. R.I.R. 11. Komp. verm. Dellis 9. 6. 15

  1. Joseph Kastl, Hausbesitzers— und Arbeiterssohn von Grafentraubach,

10. I.R. 12. Komp. gef. bei Luneville 25. 8. 14

  1. Sebastian Wutzer, Müllerssohn von Steinkirchen

12. R.I.R. gef. in Russland 30. 9. 15

  1. Sebastian Massinger, Hausbesitzerssohn von Grafentraubach,

23. R.I.R. 11. Komp. gef. Münster 8. 3. 15

  1. Ludwig Zellner, Müllerssohn von Reichermühle,

1. Landst. P.K. gef. Reims 27. 5. 18

  1. Joseph Härtl, Bauer von Untergraßlfing,

23. R.I.R. gef. Großwardein 16. 12. 16

  1. Georg Pfifferling, Bäckerssohn von Grafentraubach,

13. R.I.R. gef. Paschendale 12. 11. 17

  1. Xaver Hofmann, Hirtenssohn von Grafentraubach,

7. R.P.K. gef. Souchez 27. 11. 16

  1. Joseph Beutlhauser, Söldner von Grafentraubach,

23. R.I.R. gef. Lemberg 20. 6. 15

  1. Georg Stadler, Söldnerssohn von Obergraßlfing,

13. Res. I.R. 12. Komp. gef. bei Rohrbach 20. 8. 14

  1. Kaspar Aichner, Söldner von Grafentraubach,

21. R.I.R. gef. Anures 19. 1. 17

  1. Martin Butz, Arbeiterssohn von Grafentraubach,

15. R.I.R. gef. Arras 24. 6. 15

  1. Michael Koch, Söldner von Grafentraubach,

10. R.I.R. 11.Komp. † Mericourt 28. 2. 15

  1. Ludwig Kröninger, Bauerssohn von Obergraßlfing,

12. R.I.R. 10. Komp. gef. Arras 18. 5. 15

  1. Lorenz Schindler. Pallotinerfrater von Kleinhabelsbach,

25. pr. L.I.R. gef. Verdun 28. 2. 16

  1. Josef Klarl, Söldnerssohn von Zeißlhof,

6. I.R. gef. Vapaume 24. 9. 16

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32. Johann Schindlbeck, Söldnerssohn von Grafentraubach,

6. F.A.R. gef. Reims 24. 7. 18

33. Xaver Neumeier, Söldnerssohn von Grafentraubach,

3. Landw.F.A.B. gest. Vonz 2. 6. 18

34. Georg Klankermeyer, Söldnerssohn von Grafentraubach,

1. I.R. gef. Verdun 14. 7. 16

35. Otto Neumeier, Söldnerssohn von Grafentraubach,

5. A. Batl. gef. Carvin 29. 9. 18

36. Georg Biederer, Söldnerssohn von Zeißlhof,

23. R.I.R. gef. Lemberg 20. 6. 15

37. Otto Kröninger, Bauerssohn von Obergraßlfing,

10. I.R. 9. Komp. verm. Maixe 25. 8. 14

38. Johann Biederer, Söldnerssohn von Zeißlhof,

264. R.I.R. gef. Rußland 30. 9. 15

39. Robert Schmatz, Arbeiter von Grafentraubach,

28. I.Rgt. gest. in Rumän. Gefangenschaft 19. 8. 17

40. Ludwig Hartl, Söldnerssohn von Grafentraubach,

I.Leib.R. verm. Verdun 16. 7. 16

41. Alois Pfäffinger, Söldner von Obergraßlfing,

2. R.Jäg.Bt. gef. Verdun 24. 6. 16

42. Joseph Rederer, Fabrikarbeiter von Grafentraubach,

13. R.I.R. 3. Komp. gef. Wuville 29. 12. 14

43. Joseph Rammelsperger, Bauerssohn von Steinkirchen,

13. R.I.R. verm. Cotry 18. 7. 18

44. Joseph Kandsberger, Söldnerssohn von Grafentraubach,

13. R.I.R. verm. Cotry 18. 7. 18

Weitere Gefallene, von denen kein Bild erhältlich war:

45. Karl Lehner, Arbeiter von Grafentraubach,

20. R.I.R. gef. Fromelles 22. 9. 15

46. Johann Zinner, Arbeiter von Grafentraubach,

6. K.K.Sch.R. verm. Dünaburg 28. 10. 15

47. Sebastian Forster, Schuhmacher von Grafentraubach,

10. R.I.R. gest. in der Heimat 6. 4. 16

48. Joseph Meister, Bauerssohn, Lehrer aus Dürnhettenbach,

Offiziersaspirant 16. R.I.R. 8. Komp.

gef. an der Somme 16. 5. 17

49. Ludwig Lederer, Bauerssohn von Dürnhettenbach,

15. R.I.R. 7. Komp. verm. in Flandern 26. 9. 17

50. Johann Meier, Landwirtssohn von Dürnhettenbach,

23. R.I.R. 7. Komp. gef. in Flandern 7. 2. 18

[Seite 112]

In Kriegsgefangenschaft gerieten die in nachfolgendem Verzeichnis mit Gfg. Bezeichneten. Sie hatten oft eine recht harte Behandlung auszuhalten; wogegen die Kriegsgefangenen der Feinde bei uns viel humaner behandelt wurden, namentlich diejenigen, welche in der Landwirtschaft und im Gewerbe beschäftigt wurden, wie solche auch in Grafentraubach waren.

Andere Kriegsteilnehmer 1914/18:
Von Grafentraubach:

Bergmüller Seb.
Brunner Xaver
Erntl Longinus
Hartl Georg
Heinrich Georg
Hienreiner Joh. II.
Hirsch Johann jun.
Höcherl Georg
Kammermeier Mich. II.
Kastl Johann
Kick Eduard
Klarl Xaver I.
Klankermeier Xaver
Landes
Littich Johann II.
Littich Josef II.
Magerl Josef
Maier Johann
Massinger Jakob
Oeller Josef
Rederer Georg
Rohrmeier Simon
Schwarz Alois
Sellmeier Joh. Gfg.
Steinberger Josef
Steinhauser Johann
Wild Josef
Zellmer Georg Gfg.

Biederer Alois
Buchner Martin
Forster Xaver
Hebensperger Josef
Heinrich Josef I.
Hienreiner Josef Gfg.
Hirsch Johann sen.
Huber Medard
Kammermeier Xaver
Keller Eberhard
Kick Johann
Klarl Xaver II.
Kröninger Jakob
Lehner Emmeram
Littich Xaver
Magerl Georg
Magerl Xaver
Maier Michael
Münch Wolfgang
Pfifferling Josef
Rederer Johann
Rohtmeyer Ludwig
Schwarz Anton
Simeth Josef
Steindl Jakob
Steinhauser Josef
Wittmann Isidor
Zinner Johann

Biederer Josef
Butz Michael Gfg.
Gerstl Ludwig
Hebensberger Seb.
Heinrich Josef II.
Hienreiner Ludw. Gfg.
Hofmeister Anton
Kammermeier Mich. I.
Kandsberger Johann
Keller Josef
Klarl Johann
Klankermeier Josef
Lamprecht Eduard
Littich Johann I.
Littich Josef I.
Magerl Johann
Maier Anton
Massinger Karl
Neumeier Otto II.
Ramsauer Georg
Rederer Ludwig
Schindlbeck Xaver
Schweigl Johann
Steiner Josef
Steinhauser Georg
Wild Sebastian
Zeiler Georg
Zink Leonhard

Von Graßlfing:

Auer Adalbert
Auer Josef
Härtl Anton Gfg.
Kammermeier Ludw.
Laberer Josef Gfg.
Pelg Franz
Pfäffinger Lorenz

Auer Fritz
Bachner Johann
Härtl Georg
Klarl Josef
Lichtinger Josef
Pelg Martin
Pfäffinger Ludwig

Auer Georg
Gänger Ludwig
Inkoferer Michael
Kröninger Xaver
Lichtinger Xaver
Pelg Xaver Gfg.
Rammelsberger Josef

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Bilder der im Weltkrieg 1914/18 Gefallenen der Pfarrei

[Seite 112B]

Bilder der im Weltkrieg 1914/18 Gefallenen der Pfarrei

[Seite 112C]

Bilder der im Weltkrieg 1914/18 Gefallenen der Pfarrei

[Seite 112D]

Bilder der im Weltkrieg 1914/18 Gefallenen der Pfarrei

[Seite 113]

Rödl Josef
Schindlbeck Xaver
Wiethaler Ludwig

Rothmeier Mich. Gfg.
Wiethaler Josef
Zehentbauer Georg

Setz Josef
Wiethaler Konrad

Von Dürnhettenbach:

Eichner Johann
Weinzierl Hubert

Nebauer Anton

Rauscher Xaver

Von Steinkirchen:

Baumann Alois Gfg.
Stadler Johann
Wutzer Josef

Rammelsperger Joh. Gfg.
Wutzer Ludwig

Schmidl Anton Gfg.
Wutzer Eduard

Aus Zeißlhof: Troll Jakob, Zeißlemeier Johann.

Aus Reichermühle: Zellner Thomas.

Aus Arnkofen: Stadler Michael Gfg.

Eine große Anzahl der toten Helden und der heimgekehrten Krieger wurde mit Kriegsauszeichnungen geehrt. Neben dem Bayer. Militärverdienstkreuz und dem Eisernen Kreuz 2. Kl. und dem Verwundetenabzeichen trifft man in unseren Reihen das Eiserne Kreuz 1. Kl, auch einen türkischen Halbmond und die türkische Tapferkeitsmedaille.

In Zivilgefangenschaft in England hatten zu schmachten zwei Grafentraubacher: Ludwig Pfifferling und Josef Steinhaufer.

Aber all die Opfer, welche unsere Krieger und die Heimat gebracht hatten, waren umsonst gebracht worden. Wir hatten wohl die Schlachten gewonnen, was in der Heimat durch Siegesgeläute und Schulfreiheit jeweils gefeiert wurde. Aber wir verloren den Krieg, weil vaterlandslose Gesellen der Front in den Nacken fielen und Deutschland glauben machten, daß wir einen gerechten Frieden bekämen, wenn wir die Waffen niederlegen würden. Mit Recht sagte später unser Führer: Nie wurde ein Versprechen so gebrochen, nie ein Volk so betrogen. Dem entwaffneten Deutschland wurde das scheußlicbe Versailler Diktat aufgezwungen.

Deutsches Volk, du herrlichstes von allen,
Deine Eichen stehen, du bist gefallen.

Die Heimat wußre jedoch zu würdigen, was Übermenschliches unsere Feldgrauen geleistet hatten. Den Heimkehrern bereiteten die beiden Gemeinden einen herrlichen Empfang mit musikalischen und deklamatorischen Vorträgen. Die Gemeinde verlieh ihnen das Bürgerrecht. Sie selbst aber wollten Gott die Ehre geben durch feierlichsten Gottesdienst in der Kirche.

[Seite 114]

Den Gefallenen jedoch, deren Tod in der Heimat jeweils durch feierlichen Trauergottesdienst begangen worden war, errichteten die Gemeinden schöne Gedenkmale —— In der Pfarrkirche mahnen zwei Kriegsfenster, aus freiwilligen Beträgen 1919 beschafft und von der Firma Schneider-Regensburg um 3322 ℳ geliefert, an die ernste Zeit. Das eine mahnt an die Toten zu denken, und stellt den übernatürlichen Trost im Kriege dar: Ein Großkampftag, Trümmer, Verwundete und Tote auf dem Schlachtfeld; der Heiland sendet seine Engel den Berwundeten zur Ermunterung, den Sterbenden zur seelischen Hilfe. — Das andere Bild stellt den Schrecken des Krieges in der Heimat dar, wo Frauen und Kinder ihre Zuflucht zu Gott nehmen.

Im gleichen Jahre 1919 lieferte die gleiche Firma um 500 ℳ ein Glasmosaik als Denkmal für die Gefallenen, das den Heiland darstellt, der einem sterbenden, von einer Schwester gestützten Krieger erscheint, in die Kirche von Obergraßlsing.

Aber auch in der weiteren Öffentlichkeit wollte die Heimat die in fremder Erde ruhenden Helden ehren durch ein würdiges Denkmal, eine schwere Aufgabe zur Inflationszeit! Der Gemeinsinn und die Opferfreudigkeit aller bewältigte sie. Man sammelte 70 Ztr. Weizen an freiwilligen Gaben und beauftragte den Bildhauer Kiebler in Dingolfing mit der Herstellung des Denkmals, das am 2. Sept. 1923 unter Beteiligung von 22 Brudervereinen und der Schloßherrschaft durch den Veteranen— und Militärverein enthüllt werden konnte. Auf freiem Platz, wo die Straße von Mallersdorf sich mit der von Laberweinting vereint, gegenüber dem alten Traubecker Schloß, erhebt es sich: das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden” in Stein —— ein Krieger hilft einem schwergetroffenen Kameraden —— stellt es vor. Auf dem Sockel sind die Namen der Gefallenen eingegraben.

[Seite 114.1]

Zwischen 1939 und 1946 — Ereignisse im Dorfgeschehen

Nach dem Polenfeldzug kamen die ersten polnischen Zwangsarbeiter in das Dorf. Später wurden dann vereinzelte Kräfte des Reichsarbeitsdienstes einquartiert. Eine größere Anzahl von französischen Kriegsgefangenen waren im Saal des Gasthauses Maierbräu untergebracht und gingen von dort zu ihren Arbeitsplätzen. Später erhielten sie eine eigene Baracke. Dazwischen waren litauische Arbeitskräfte dabei, von den Freileitungen die Kupferdrähte auszutauschen. In den letzten Kriegstagen machten amerikanische Kriegsgefangene mit ihren Bewachern im Hof des Gasthauses Littich Station. An Verpflegung hatten sie keinen Mangel. Um einen fahrbaren Untersatz für ihr Gepäck zu bekommen, gaben sie Schokolade u.a. Von diesem Zug blieben einige Gefangene im Stadel des Gasthauses Littich und im Stadel des Pfarrhofes (auch im Vitztumhaus) zurück. Um diese Zeit wurden auch Häftlinge der Konzentrationslager durch den Ort geführt. Häftlinge, die vor Erschöpfung nicht mehr weiter konnten, erschoß die Wachmannschaft sofort; die anderen Häftlinge mußten die Toten notdürftig an Ort und Stelle einscharren. Nach Kriegsende erfolgte die Bestattung dieser Toten auf dem neugeschaffenen Judenfriedhof westlich von Mallersdorf.

Nach den schweren Bombenangriffen kamen Zivilpersonen aus Hamburg, die man in den Familien unterbrachte. 1945 trafen auch die ersten Flüchtlinge aus Ostdeutschland ein. Dieser Personenkreis kam überwiegend mit Pferdegespannen. Auch hier erfolgte die Unterbringung in den Familien. Durch die Vertreibung aus ihrer Heimat (Ostdeutschland, Sudetenland u.a.) kamen 1945/46 weitere Personen in den Ort. Für die Unterbringung mußte nun auch die Schule verwendet werden. Der Schulunterricht fand im Saal des Gasthauses Littich statt. Die Pfarrcaritas konnte mit großzügiger Unterstützung durch die Bevölkerung die ärgste Not lindern. Die Wehrmacht errichtete noch ein Auffanglager für Soldaten im Maierhof. Doch das nahe Ende des Krieges veranlaßte die Soldaten, über das Forstergrundstück (Emil Aigner) wieder zu flüchten.

Auf dem Gelände der Firma A. & M. Maier legte die Wehrmacht noch ein Nachschubdepotan. Auf den Zufahrtsstraßen mußten Panzersperren mit Rundhölzern errichtet werden, die der Volkssturm bewachte.

Beim Eintreffen der Amerikaner war das Holz jedoch bereits von den Bürgern abtransportiert. Der Einzug der Amerikaner erfolgte von Laberweinting her. Tags zuvor wurden sie bereits am Graßlfinger Holz gesichtet. Es war ein Sonntag, als vom Kirchturm die weiße Fahne wehte und Kammerer Jakob Staudigl nach dem Evangelium den Hauptgottesdienst unterbrach. Zusammen mit Bürgermeister Peter Littich, den sich versteckt haltenden Amerikanern und anderen Personen übergab er am Ortseingang den Ort an die Sieger. Die Offiziere bezogen das Lehrer-Gebhardhaus, die übrige Mannschaft belegte das Fabrikgelände der Firma A. & M. Maier. Es erfolgte nochmals eine Einquartierung von auf deutscher Seite kämpfenden Litauern. Diese wurden später nach Plattling gebracht und an die UdSSR ausgeliefert.

[Seite 114.2]

Nicht besser erging es heimgekehrten Soldaten aus dem Ort, die in der Gastwirtschaft Littich „entlassen” werden sollten. Sie wurden von den Amerikanern auf Lastkraftwagen verladen und in das Gefängnis Mallersdorf eingeliefert. Von dort ging es nach Landau/Isar und für einen Großteil – den Russen ausgeliefert – weiter über Österreich in die UdSSR bis nach Sibirien. Eine harte, unmenschliche, für manche auch jahrelange Gefangenschaft begann, die auch einen der Betroffenen die Heimat nicht mehr wiedersehen ließ.

Von den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen suchten sich viele ihre neue Heimat in Gebieten die Arbeit anboten. Der andere Teil blieb in Grafentraubach und fand bald den Anschluß an das Dorfleben.

In den Jahren 1945 – 1950 gab es immer wieder Trauernachrichten von vermißten und gefallenen Soldaten. Aber auch frohe Stunden gab es, wenn ein Heimkehrer begrüßt wurde. 1950 ist Fabrikbesitzer Johann Maier als letzter Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft in seinen Heimatort Grafentraubach zurückgekehrt.

Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal

[Seite 115]

6. Teil

Soziale und wirtschaftliche Verhaltnisse

1. Der Bauernstand

Nach der schlimmen Zeit des Faustrechts (s. Seite 78) war im 13. und 14. Jahrhundert eine gewisse Blütezeit des Bauernstandes gewesen. Zwar war nur mehr ein kleiner Bruchteil freien Bauernstandes vorhanden aus den Seite 7 behandelten Gründen, jedoch standen die Zinsbauern und Hörigen, soferne sie ihren Verpflichtungen nachkamen, den Freien kaum nach. Allein es gelang den Bauern nicht, sich zu einem eigenen selbständigen Volksteil emporzuarbeiten neben den anderen Ständen: Adel, Prälaten und Städte (Bürgerschaft). So setzte bald ein Druck auf die Bauern ein; Freie suchte man zu Zinsleuten und Hörigen, die Hörigen zu Leibeigenen herabzudrücken, wozu die aus der Ottonischen Handfeste hervorgehenden Befugnisse der Stände manche Handhabe boten, weil die Grundherren ost Richter in eigener Sache waren. Die Frohnen und Abgaben suchte man unter den verschiedensten Titeln zu vermehren, die Betroffenen wehrten sich wohl, aber oft mit geringem Erfolge. Die Bezeichnung für den Bauernstand war Ausgangs des Mittelalters „Der arme Mann”. Sehr schlimm hatte sich Ende des Mittelalters das Eindringen des sogenannten Römischen Rechtes auf das Los der hörigen Bauern ausgewirkt, da die Juristen den Hörigen dem römischen servus gleichstellten und die Bestimmungen des römischen Bachtrechtes auf die bisher germanisch—deutschen Verhältnisse übertrugen; was für die Bauern eine Verschlechterung bedeutete. Zwar kam es bei uns in Bayern nicht soweit, wie in anderen Gegenden Deutschlands, weshalb der Bauernkrieg 1525/26 auch nicht auf unser Land übergriff, z. T. dank der Fürsorge der bayer. Herzoge, die sich häufig der Rechte des „armen Mannes” annahmen. Deshalb wohl wurden damals in Grafentraubach auch die Ehehaftrechte nach altem Herkommen „für ewige Zeiten” niedergeschrieben.

Über die soziale Schichtung in der Hofmark meldet ein Bericht vom Jahre l619: In der Hofmark (einschließlich Hofkirchen und Graßlfing !) sind 22 Bauern, welche mit einem ganzen Menath versehen und mit 4 Rossen zu scharwerken verbunden sind, darunter aber nicht mehr als nur 10 bei ihren Gütern durchgehende Erbgerechtigkeit haben, dann auch 1 Leibrechtler, die andern haben bei ihren Höfen einige Gerechtigkeit nicht, sondern sind von einem Jahr zum andern bloß Freistifter, welche nach Herrschafts Gefallen jederzeit gekündigt und

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aus- und entsetzt werden können, und sind also fast eines schlechten Vermögens. Im Stiftregister 1602 heißt es, daß sie jährlich Anstand zahlen, solange sie das Gut wesentlich und baulich erhalten. In den nächsten Jahren (1611) wurde dieser „Anstand” erhöht, ebenso das Wiesgeld, Stiftgeld, Holzgeld, als Folge der eingetretenen Geldentwertung, bei den Erbrechten dagegen trat keine Erhöhung ein.

Huber oder Halbbauern (Zweirößler) sind nur zwei, deren einer Leibrecht, der andere Erbgerechtigkeit hat. Viertelbauern sind am Orte nicht; allein es wohnen häuslich in dieser Hofmark 34 Söldner (Achtler), welche zwar bei ihrer Sölde Erbrecht und alle (doch einer mehr als der andere) zu bauen haben, ihre Baumannschaft aber so gering und schlecht, daß keiner dabei ein Roß aufbringen kann. So sind auch 14 Freistifter, welche auch ein jeder etwas weniges (Feld) zu bauen hat, ihre Sölden aber gehören eigentümlich der Herrschaft und können alle Jahre aufgesagt werden. Der Söldner, so nur bloß ein Häuslein und außer Tagwerchens sonst keine Nahrung (Einkommen) haben, sind elf. Mit den Inleuten, welche neben anderen in ihrer Herberg (== Miete) sind, ist es ein unbeständiges Wesen, haben deren jetzt heuer mehr nit als vier.

In berührter Leiblfingerischen Hofmark sind 3 Wirte und 3 Bäcker, die haben alle ein wenig (Grund) zu bauen, aber keine Erb- noch andere Gerechtigkeit, sind nur bloß Freistifter, sonst ist weder Mühle noch Bräuhaus da. (Vergleiche hiezu Seite 12 und 13).

Vom Schmied und Bader ist nichts berichtet, desgleichen nicht von den Handwerken, deren nach Ausweis der Kirchenbücher doch einige am Orte waren. Man muß dieselben hauptsächlich unter den Freististern und Leerhäuslern suchen. Das soziale Bild ist also nicht glänzend, die Möglichkeit, jedes Jahr vom Anwesen „entsetzt” werden zu können, bestand bei sast der Hälfte und ist buchstäblich entsetzlich Doch ist immerhin anzuerkennen, daß bei uns von dieser Möglichkeit selten Gebrauch gemacht wurde und daß die in Norddeutschland um diese Zeit einsetzende Bauernlegerei nicht vorkam, wobei die Grundherren die kleineren Güter zu riesigen Rittergütern einzogen und die bisherigen Maier zu besitzlosen Taglöhnern machten.

Im Gegenteil: Ende des Jahrhunderts finde ich als Folge des 30 jährigen Krieges, daß nach dem Stift— und Grundbuch von 1693 die meisten Anwesen bereits in Erbrecht oder in Leibgeding (also auf Lebenszeit) vergeben waren. Freilich die grundherrlichen Lasten waren nicht gering. Abgesehen von der „unbemessenen” Scharwerk, die mit l—4 Rossen oder mit der Schaufel, von den Weibern durch Spinnen zu leisten war, hatten die meisten Anwesen Jagdhunde für die Herrschaft zu halten oder von derselben gelieferte Coppen (Kapaune) zu mästen. An Abgaben war außer dem „Stiftgeld” u. dgl. in Geld noch eine bestimmte Leistung in Naturalien zu „dienen”. Der Erbrechter vom „äußeren Hofbau” Peter Neumaier hatte beispielsweise 15 fl. Stiftgeld etc. in Bar, dann 6 Gänse, 1 Henne, 300 Eier, 20 Pfd Schmalz, je 3 Schäffel Weizen und Korn, 1 Schäffel

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Gerste, 2 Schäffel Hafer, 3 Metzen Erbsen, alles Regensburger Maß leisten. Das Maß war anscheinend früher in Muth (Modius) ausgedrückt gewesen, denn eine Anmerkung sagt: 2 Muth == 5 Landshuter oder 8 hiesige Metzen.

Der „innere Hofbau” war nur in Freistift vergeben (verpachtet). Der Freistifter Christoph Lorenzer hatte 31 fl. 43 kr. Barabgabe, ferner 6 Gänse, 200 Eier, 1 Henne, 20 Pfd. Schmalz, je 3 Schäffel Weizen und Korn, 1 Schäffel Gerste, 2 Schäffel Hafer, 4 Metzen Erbsen zu leisten, aber in Landshuter Maß. —— Beide Höfe hatten dem Pfarrer je 4 Schilling Vorgarben, jedes Getreide 1 Schilling, dann zum St. Pankratis Gotteshaus ebenfalls 4 Schilling Vorgarben zu geben, so diese Bauern ohne Entgelt seitens der Herrschaft abrichten müssen.

Der „äußere Hofbau” war bis 1649 an einen Georg Marthan auch nur in Freistift vergeben gewesen. Leonhard Freydobler erwarb 1649 Erbrecht darauf und zwar mußte für diese Vergünstigung der Herrschaft neben Wendung der Baufälle für das Erbrecht 10 Reichsthaler innerhalb 3 Jahren, alle Jahre nämlich 5 fl. zahlen, dazu wurden ihm 1 Schäffel Hafer und ½ Schäffel Gerste aus seinem Schwaigergut auf die künftigen Jahre geborgt und zu der Baufallwendung alles Holz gratis gegeben. Anno 1650 mußte er die Felder, so ganz verwaset, erst bäuig (anbaufähig) machen und umreißen, und also geben nihil = nichts, anno 1651 und 52 nur die Pfleggült samt dem Kleindienst und von da ab alle Jahre mehr, sodaß er 1658 den völligen Getreidedienst erreicht. In diesem Jahre wurde auch das Pitzlmaiergut (Hs.— Nr. 22) statt in ,Leibrecht, in Erbrecht vergeben, bei dem nur das Wohnhaus stand, der Stadel war uneingedeckt, aber es fehlten Viehstall, Backofen und Brunnen. Da 1648 kein Hördt (Winter-) Getreide angebaut und im Sommerbau 1649 schlecht, so wurde die Abgabe vorerst erlassen, dafür soll er das Fehlende aufbauen, wozu er auch das Holz von der Herrschaft gratis bekommt.

In der Landwirtschaft herrschte damals das Dreifeldersystem mit seinem Flurzwang, das in Verbindung mit der Gemenglage und der Zersplitterung der Parzellen, der übermäßigen Benützung der Weide mit ihrem Mangel an Stallfütterung und Stalldüngung ein Hemmnis für einen rationellen Betrieb war. Ungünstig wirkten auch die Handlohnleistungen (Laudemien), weil diese nach dem Schätzungswert des Anwesens berechnet wurden. Wirtschaftete so ein Bauer sehr rationell, stieg der Gutswert und damit die Schätzung und damit das Laudemium. Der Bauer wurde sozusagen gleichsam bestraft für seinen Fortschritt.

Aus dem genannten Mangel an Stalldünger litt wiederum die Düngung der Felder und damit deren Ertrag. Mit Mitte des 18. Jahrhunderts bemühten sich die bayer. Kurfürsten die Stellung der Bauern und der Landwirtschaft zu heben. Man gestattete die Zertrümmerung größerer Höfe, so wurde in Grafentraubach der Hofbauer zertrümmert, man erlaubte die Verteilung der Gemeindegründe,

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die 1806 in Grafentraubach, 1773 und wieder 1806 in Graßlfing geschah; während früher nur selten Neubrüche genehmigt wurden, wie 1589 Und 1599 von solchen in Grafentraubach berichtet wird. — Auch geschah die Lockerung der Dreifelderwirtschaft durch Förderung des Klee- und Kartoffelanbaues in der Brache, und suchte man die Weide (Blumbesuch) auf derselben zu beseitigen. Es ging langsam, aber dennoch vorwärts, während noch 1720 Wenning von der Landwirtschaft in Grafentraubach geurteilt hatte: Hat einen schlechten Feldbau.

Und heute! Welch ein Fortschritt: Verbesserte Arbeitsgeräte, ja neuartige Maschinen, Verbesserung der Dünger- und Jauchegruben, Kunstdünger der verschiedensten Art, hochgezüchtete, ertragreiche Getreide-, Rüben- und Kartoffelsorten; Silos usw.! Wer nicht vorwärts geht, der bleibt zurück. Aber wenn man auch vorwärts strebt, man vergißt nicht: Nicht der ist’s, der sät, sondern Gott ist’s, der das Gedeihen gibt. Darum hat der Bauer von jeher nicht auf Gott vergessen. — Nach der uralten Gottesdienstordnung, wie sie 1789 durch Pfarrer Mock nach dem festen Herkommen niedergeschrieben ist, wurde alle Quatembersonntag für Mensch und Vieh Salz geweiht; wurden vom Weißen Sonntag bis nach der Ernte jeden Sonn— und Feiertag nach dem Pfarrgottesdienst 5 Vaterunser, Credo und das Allgemeine Gebet mit vor— und nachgegebenem Segen zur Erhaltung der lieben Feldfrüchte gebetet, ging man an den Bittagen eifrig mit dem Kreuz; vom Markustag ab wurde abends nach dem Englischen Gruß mit den Glocken wegen der Feldfrüchte geläutet. Am St. Pankratiustag wird nach dem Gottesdienst das Mehl geweiht, woraus das sogenannte Pongratzi-Brot gebacken wird, welches man wider die Hochgewitter und den Schauer in den Häusern aufbewahrt und auf die Felder trägt. Am Schauerfreitag wird für die Gemeinde Grafentraubach das Schaueramt gehalten. Nach dem Amt gibt der Führer Herrn Pfarrer 1 fl. Nachmals geht man mit dem Hochwürdigsten Gute um die Feldfrüchte. In Graßlfing ist das Schaueramt am Samstag, an Exaudi der Flurumgang, in Dürnhettenbach am Pfingstmontag, wo der Umgang mit dem Speisbeutel ist. Am Tag der Wetterheiligen Johannes und Paulus ist Kreuzgang nach Graßlfing, wohin auch die Pfarreien Pfakofen und Langenerling an diesem Tag kommen. Am St. Leonhard läßt die hiesige Gemeinde um Abwendung aller Viehseuchen ein Lobamt halten schon um 7 Uhr, weil dann alles nach Mallersdorf geht. St. Silvester wird von der Pfarrei als ein besonderer Patron für das Vieh verehrt. Jahrlich läßt die Gemeinde Grafentraubach ein Danksagungsamt für die eingebrachten Feldfrüchte halten, nachdem die Felder angebaut sind. Die Gemeinde schickt schon selbst den Führer, nach geendetem Gottesdienst empfängt Herr Pfarrer von ihm 1 fl. —— Also war’s vor 150 Jahren. Auf den 3 Fluren hatte man die Feld- oder Schauerkreuze. 1685 ließ die Gemeinde zwei neumachen von Eichen, Arbeitslohn 1 fl. 57 kr., mit roter Farbe anstreichen 5 kr., 8 Pfund Leinöl hiezu 1 fl. 15 kr. 1704 wurde im Mitterfeld eine Wettersäule ge-

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macht. Arbeit 35 kr., dem Schulmeister zu Graßlfing vom Anstreichen sotanner Säulen 45 kr. Das Holz lieferte die Gemeinde von Eichen auf Gemeindegrund. 1715 hielt man 2 Extra-Kreuzgänge wegen der Feldfrüchte. Auf Gott vertraut, ist auf festem Grund gebaut, sagte man sich.

Angebaut wurde damals außer den 4 Getreidesorten auch Erbsen, bisweilen auch Wänzl (Linsen) mehr als heute, da man mehr Fleisch ißt als damals. Um 1800 hatte der Hofbauer einen Hopfengarten angelegt; als nun 1805 der Graf den Hofbau wieder zurückkaufte, entstand wegen der sog. Vorgarben, welche dem Pfarrer aus dem Hofbau zustanden (s. Seite 117) eine Meinungsverschiedenheit, da der neue Besitzer behauptete, eine Änderung der Kultur bedinge auch eine Änderung der Lasten. —— Hopfenbau ist in der Gegend schon 1330 nachweisbar; damals muszte ein Hof in Steinkirchen jährlich 80 Metzen Hopfen an das Kloster Mallersdorf liefern. Letzteres hatte damals schon und auch 1750 noch Weingarten.

Eine wichtige Person war der Gemeindehirte. In Grafentraubach wie in Graßlfing hielt man deren zwei: den Kleinhüter für Schafe, Schweine, und den Großhüter für Rinder und Pferde. Es wird uns sonderbar berühren, wenn wir lesen, dasz 1648 ein Pferd 25——30 fl., eine Kuh 15 fl. kostete, während man das Schäffel Korn auf 12 fl. bewertete. Es ist aber zu berücksichtigen, daß man damals nicht das hochgezüchtete Vieh von heute, sondern eine viel kleinere Rasse hatte sowohl beim Rind wie beim Pferd, wie schon die kleinen Hufeisen zeigen, die auf unseren Wiesen beim Grabenziehen u. dgl. gefunden werden. Die Pferde haben sie beim Weiden und Heueinfahren verloren.

Für die Hüter hatte die Gemeinde die sogenannten Hüthäuser, in denen der Hüter wohnte, wenn nicht, was auch öfters vorkam, ein Kleinhäusler den nicht schlecht honorierten Hüterdienst übernommen hatte. In Grafentraubach wie in Graßlfing bewohnte jeder der beiden Hüter die Hälfte des Hüthauses, dessen Baulast die Gemeinden trugen. In Steinkirchen hatten 1641 die Ortsobleute Kasp. Hollmeier und Erh. Widmann das Hüthaus an der inzwischen verschwundenen Friedhofmauer von Bauer Groß erkauft. Da es nach Mallersdors grundbar war, mußte es alle 14 Jahre „angestandet” werden. Schon vorher war dem Hüter von Steinkirchen die Mesnerei zur Aufbesserung beigegeben, wie u. a. ein Eintrag im Taufbuch 1630 beweist. Der Großhüter hieß auch Kuhhirte. In Grafentraubach lag 1653 von 1648 her noch das Hüthaus öde. Um 1629 hatte in Grafentraubach der Söldner Gg. Eberl die Kleinhut übernommen; da er die Mannsscharwerk deshalb nicht verrichten kann, hat er mit dem Wagner Mich. Mödl ausgemacht, daß er diese um 2 fl. 2 β übernimmt, die Weibsscharwerk will die Eberl selbst verrichten. In Grafentraubach oblag die Haltung des Gailviehes (Stier und Eber) dem Hofbauer und dem Pfarrer. Letzterer hatte dafür den sog. Kühzins und den Kleinoder Grünzehent, wenigstens behaupteten letzteres die Bauern. Pfarrer

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Hälmeier weigerte sich 1673 hiefür das Gailvieh zu halten. Deshalb legten die Obleute Veit Hadersbeck und Thom. Kaufmann Beschwerde beim Ordinariate durch den Dechant ein. Sie sagten, von jeder Kuh bekomme der Pfarrer 3 kr. Kuhzins. Der eine Stier des Hofbauern sei zu wenig. Die Bauern hätten dies Jahr 13 Kälber weniger und daher auch weniger Schmalz erhalten. 1707 wurde die Angelegenheit in der Weise beigelegt, daß der Pfarrer der Gemeinde den Kuhzins überließ und diese dem Pfarrer 3 fl. zur Gailviehhaltung gab, selbst 1847 noch trotz der inzwischen eingetretenen Geldentwertung keinen Pfennig mehr. Im Jahre 1793 verfügte ein Generalmandat, daß die Zehentreichnisse von den in der Brache angebauten Futterkräutern (Klee usw.) als Aufmunterung zu deren Kultur abgeschafft sein sollte. Nun bauten aber manche auf solchen Feldern und Painten Klee, die eingezäunt und herkömmlich jedes Jahr angebaut, also nie in der Brache waren, Klee u. dgl. Von diesen Grundstücken hatte aber der Pfarrer den Grünzehent zu beanspruchen und verlangte darum den Zehent auch von Klee, da dieser nicht in der Brache gebaut werde. 1797 kam es daher zum Prozeß, in dessen Verlauf der Pfarrer darauf hinwies, daß ihm der Grünzehent für Haltung der Gailtiere zustehe, ob das nun Kraut, Rüben oder Klee sei. Als daher 1848 der Grünzehent abgeschafft wurde, wurde auch der Pfarrer der Last der Gailtierhaltung ledig, auf dem Schloßgut aber war sie noch Anfang dieses Jahrhunderts. Dort oblag sie dem sogenannten Hofbauern, dann hatte sie der Gerichtsdiener (um 1830) und endlich der Oberförster Dieselben erhielten jährlich 1 fl. für die Eberhaltung.

In Graßlfing war die Haltung der Gailtiere Sache des Wirtes von Untergraßlfing. Nachdem aber dieser 1848 vertrümmert worden, weigerte sich der Besitznachfolger dieser Last auf seinem verkleinerten Gut. Es kam 1857 zum Prozeß, der 31. Januar 1863 zu Gunsten der Gemeinde ausging, worauf die Gailtierhaltung als Reallast auf dem Grundnerischen Komplex eingetragen wurde. In der Zwischenzeit hatte die Gemeinde für Haltung von Gailtieren Zuschüsse gegeben (jährlich 20 fl.) Später aber (um 1880) war die Haltung der Gailtiere an den Mindestfordernden vergeben; ebenso in Grafentraubach.

Sogenannte Hausname, wie ich sie z. B. in der Hallertau allenthalben fand, sind hier schon in alter Zeit sehr selten gewesen, heute fast ganz verschwunden. Man nennt das Haus nach dem Besitzer. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte ein herrschaftlicher Beamter den Versuch gemacht, jedem Anwesen einen Hofnamen zu geben. In Grafentraubach wurden dazu meist Wassertiere genommen: Es gab ein Froschgut, ein Hechtengütl Schneckengütl usw. In Graßlfing wurden aber Baumnamen genommen: Nußgütl, Birngütl usw. Allein dieser Versuch blieb ein Versuch, das Volk war nicht dafür zu haben. Ende des Jahrhunderts kam die Numerierung. Da dieselbe die öffentlichen Gebäude Schloß, Pfarrhof, Kirche, Schule nicht einbezogen hatte, mußte 1810 eine Neunumerierung vorgenommen werden, die im wesentlichen noch besteht.

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Für Wiesen tat man noch vor 100 Jahren sehr wenig. Pfarrer Pröhuber schreibt, daß sie vielfach sehr sumpfig und moosig waren. Die Laber überschwemmte bei jedem größeren Regenwetter einen großen Teil derselben. Pröhuber gab nun für die Verbesserung der Wiesen ein vorbildliches Beispiel. Er kultivierte seine 12 Tagwerk, aber mit denselben mindestens 50 Tagwerk. Nach langem Zureden gelang es ihm nämlich, seine Wiesenanlieger zu veranlassen, daß er auf seine eigene Kosten einen 1400 Klafter langen Entwässerungsgraben anlegen durfte, was ihn 140 fl. kostete. An der Laber legte er einen Schutzdamm wieder auf seine Kosten an. Anderseits traf er Vorkehrungen, um allenfalls auch seine Wiese bei Trockenheit aus dem Dorfbach bewässern zu können. Lange Zeit hatte er mit Verständnislosigkeit zu kämpfen, aber die sichtbare Ertragsbesserung und -mehrung machte Schule. Schließlich wurde auch, um die Laber tiefer zu legen, der Laberdurchstich gemacht. Das war ein bedeutender Fortschritt, wie auch die Traubachregulierung. Als 1930 die Rimbachwiesen aus Kosten der Pflichtigen dräniert wurden, stellte die Gemeinde Graßlfing die Rohre.

Hatten sich die Hausnamen nicht gehalten, so doch die Flurnamen, welche auf manche alte, heute verschwundene Verhältnisse ein Licht werfen. Der Flurname Einsiedl z. B. erinnert daran, daß dort einmal eine Klause gewesen, Herrgottswies, daß dort ein Schauerkreuz, der Florianacker, daß dort eine Bildsäule S. Florian war, Kohlstatt an das Kohlenbrennen für den Schmied, Ziegelfeld an frühere Feldziegeleien, Pfingstweide, Hütgartem Hütwiese, Hütlohfeld u. dgl. an den alten Weidebetrieb, Erbsenacker, Flachsacker, Erdäpfelacker, Gabesacker, Hanfgarten und Hanfgartenfeld an Spezialkulturen zur Zeit des Flurzwanges. Andere Flurnamen kennzeichnen die Bodenbeschaffenheit: Mooswiese, Auwiese, Lehmkreppe, Steinleite, Rotleitl, Sandacker; der Bleichberg an die alten Weber, die dort ihr Leinen bleichten; der Ewigacker am Ewigweg Kennzeichnet letzteren als ständige Fahrt im Gegensatz zu den unständigen Heufahrten etc. — So könnte man aus den alten Flurnamen viel herauslefen. Schade, daß das zu weit führen würde.

Das Dorfrecht

Das auf Herkommen entwickelte alte Dorfrecht Grafentraubachs ist in einem Heftchen im Sünchinger Archiv erhalten. Es trägt die Bezeichnung Ehaft. Ehaft oder Ehehaft kommt vom alten deutschen Wort ewa, das soviel bedeutet, wie das was Dauer haben soll, Vertrag, Recht, Gesetz; auch die Worte Ehe, ewig, Ehweg (ständig benützbarer Weg) kommen davon her.

Die Ehaft und Freiheiten der Hofmark Grafentraubach, wie sie „vor Alters gehalten worden und noch in ewigen Zeiten gehalten werden sollen”, wurden um 1520 unter Christoph von Rain aufge-

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zeichnet. Sie zeigen das wirschaftliche Bild von Grafentraubach, wie es sich im Laufe der Jahrhunderte im Mittelalter entwickelt hatte.

I. Zunächst folgen die Rechte des Hofwirtes:

  1. Die Bauernschaft (Nachbarschaft genannt) zu Grafentraubach soll schuldig sein, dem Herrn von Rain zu gefallen am Sonntag und Faschangtag zu der Tafern zu gehen zu dem Meth oder Wein.
  2. Ein jeder, der da heiratet zu Grafentraubach, der ist schuldig eine Schenk (Verlobungsmahl) zu halten mit soviel Personen, so ihm die Herrschaft aufsetzt. In dieser Schenk soll man den Pfleger santwander (== mit Frau) und den Amtmann freihalten.
  3. Ein jedlicher Bauer zu Grafentraubach ist schuldig dem Hofwirt ein Fuder Holz zu fahren eine Meile Wegs, wo er es gekauft. Dafür soll ihm der Wirt das Essen geben.
  4. Ein jedlicher Söldner soll dem Wirt maissen (== Holz hacken), wo er Holz kauft. Dafür soll ihm der Wirt morgens die Suppen geben und Brot mit in das Holz und nachfolgend zu Nacht das Mahl, so er den ganzen Tag gemaist, wenn er eben nur ein Fuder maist, ist er nur die Suppe und Brot (Brotzeit) ins Holz schuldig.
  5. Der Richter des Hofmarksherrn soll im Jahr zweimal Ehaftsrecht sitzen (d. h. eine Gerichtssitzung halten): nämlich zu St. Georgstag (Mairecht) und St. Michelstag (Herbstrecht). Und auf jede Ehehaftrecht ist in 14 Tagen eine Nachrecht. Die Ehaftrecht sollen durch den Amtmann (Gerichtsdiener, Schergen) 14 Tage vorher verrufen werden, damit sich niemand wegen Unwissenheit entschuldigen könne. An diesen 2 Ehaftrechten ist die Gesamtgemeinde schuldig das Gericht frei zu halten, nämlich den Richter, Gerichtsfchreiber, beide Amann und den Amtmann, in der Nachrecht nur Richter, Gerichtsschreiber und Amtmann. Wer eine Sache vor das Gericht bringt, ist schuldig auch beim Nachrecht (== zweite Verhandlung) zu kommen und all das auszurichten, was auf das Nachrecht geht einer ganzen Gemeinde unentgeltlich (also alles freihalten, was seinetwegen kommt). Das Nachrecht hatte den Zweck eine endgültige Entscheidung in Sachen zu bringen, die auf dem Rechtstag vorgebracht worden. Es waren doch mitunter Augenscheine zu halten, Zeugen für und wider zu vernehmen etc.
  6. Ein jedlicher Söldner, der in der Herrschaft sitzt, ist schuldig, dem Hofwirt anzufeilen Kälber, Gänse, Hennen, Käse, Schmalz, Eier und die Söldner ihren Habern. Das sollen sie nicht hingeben oder verkaufen, es sei denn, daß ihm der Wirt nicht abkaufen wollte nach Gestalt der Sache. Bei Richteinhaltung dieser Vorschrift sind sie der Herrschaft verfallen um das Ehaft—Wandel (Strafe), nämlich um 32 Regensburger Pfg. Wenn der Wirt nicht kaufen will, können sie ihre Sachen geben, wem sie wollen.
  7. Die von Steinkirchen haben am Fronleichnamstag ein Mahl zu nehmen (wie oben siehe unter 1.); auch sollen sie dem Wirt ins Holz

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fahren, doch soll ihnen dieser das Essen geben. Die Ettersdorfer hatten ähnlich Holzfuhrwerk zu leisten und am Pfingstdienstag, und die Mallersdorfer am Pfingstmontag ein Mahl nehmen und Pfleger und Amtmann dabei freizuhalten —— Dem Herrn Abt von Mallersdorf muß der Wirt es zusagen, damit dieser seinem Amtmann befiehlt, daß er die Seinen hinschafft auf genannte Tage. Das sind sie schuldig wegen des Blumbesuchs auf den Gründen der Herrschaft.

  1. Die Upfkofener müssen zum Mahl kommen nach Grafentraubach am Faschangmontag und den Pfleger sandwander und den Amtmann sandwander freihalten. Sie sind schuldig, vom Bömhard das Holzgeld zu geben.

Bemerkung: Ich fand, daß oftmals der Richter die Hofwirtsthaft stiftete, z. B. der Richter Erlacher war 1603 auch Hofwirt. Der Hofwirt sah natürlich streng darauf, daß die verpflichteten Bauern und Söldner aufs Mahl kamen. Nach Giltbuch 1635 hatte der Hofwirt für die Obstlerei und alle Feilschaft jährlich 1 fl. 1 β zu zahlen. 1694 wurde z. B. Georg Spöckmaier, weil er beim heurigen Stiftmahl nicht erschien und die gnadige Hofmarksordnung übertreten, bestraft um 2 ₰.

II. Dann kamen die Rechte und Pflichten des Ehaftschmiedes.

  1. Aus beiden Amtshöfen hatte der Schmied in jedem Feld einen Acker (also je drei), die muß der Amann bauen, daraus und dareinführen nach Notdurft, samt dem Garten gegenüber der Kirche, derenthalben geben sie dem Schmied kein Dangl (== Dengelkorn). Der Schmied hatte beiden Amnnn zu beschlagen 3 Khollroß und die Amann sollen das Eisen selber haben und dem Schmied den Abbruch geben und zustellen. Dafür sollen sie dem Schmied die Kohlen führen in eine Meile Wegs, soviel er bedarf. Ferner soll der Schmied beiden Aman je einen neuen Pflug aufrichten, wenn sie aber keinen neuen bedürfen, dann einen alten richten nach Bedürftigkeit aber jeder Aman hatte für das Aufrichten 1 Metzen Weizen und jeder einen Laib Brot zu geben.
  2. Dann ist einzeln ausgeführt, was jeder Maier Denglkorn zu reichen hatte: Die größeren Bauern 10——15 Vierziger, die Söldner meist 1 Metzen bis 1 Vierziger, ebenso die Bauern von Steinkirchen, Arnkofen und Scharn.
  3. Dann folgen die Löhne, die der Schmied für einzelne Arbeiten zu fordern berechtigt war: z. B. ein neues Hufeisen aufziehen (ohne Eisen!) 1 Regensburger Pfg. oder 2 alte abreißen und aufziehen oder aus zwei alten Hufeisen eines machen je 1 Regensburger Pfg., ähnlich für Ring, Wagensun, Seeg usw.

Bemerkung: Die Ehast zwang die Leute, bei ihrem Ortsschmied arbeiten zu lassen, auch wenn dieser ein Stümper war. 1606 hatten sie über die Unerfahrenheit des Schmiedes viel zu klagen. Deshalb

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kaufte der Hofmarksherr die Schmiede um 900 fl. an sich. Aber nachdem der Schmied sich erboten, allzeit einen tauglichen Gesellen zu halten, daß die Bauernschaft ohne Klage sei, ließ der gnädige Herr um vorigen Kaufschilling die Schmiede ihm wieder ab. Doch wurde das Stiftgeld und Zins von 8 fl. 2 β auf 10 fl. aufgerundet.

III. Schließlich folgt des Baders Ehaft.

  1. Der Pfarrer ist schuldig zu geben 1 Muth Korn, an Geld Hochzeit (an hohen Festen) 2 β. Seine Köchin ist schuldig nach ihrem guten Willen. Der Mitgesell (Cooperator) ist schuldig mit dem Bader zu dingen, wie er statt haben kann.
  2. Der Hofwirt gibt dem Bader einen halben Gulden, die Wirtin soll nach ihren Ehren geben (für das Baden).
  3. Ein jeder Amann ist schuldig dem Bader zu geben jeder 3 Metzen Korn und die Hochzeit 15 Regensburger Pfg. Dann folgen die Abgaben der übrigen Bauern und Söldner. Die Bauern sind u. a. schuldig dem Bader ein Fuder Holz aus dein Forst hereinzuführen, wogegen der Bader ihnen das Essen geben muß. Hat ein Bauer oder Söldner einen Sohn, der Bart schirt (rasiert wird), so gibt er dem Bader jährlich 15 Regensburger Pfg; von den nicht schirenden Söhnen und Töchtern ist man nichts schuldig.
  4. Man ist schuldig dem Bader ein Hochzeitsbad zu nehmen; wer das einhlilt, ist dein Vader schuldig 1 β, wer aber nicht badet, nur 15 Regensburger Pfg.
  5. In dieses Bad gehören die von Steinkirchen, Arnkofen und Scharn gegen gleiche Pflichten und Rechte. Dafür soll der Bader jeden nach seinem Stand, wie es sich gebührt, bedienen.

Das Hauptgeschäft des Baders von damals war (1520), was sein Name sagt, die Bereitung des Bades für die Angehörigen seines Ehaftsbezirkes. Zur Heizung des Bades bezog der Bader aus dem Herrschaftsholz jährlich 15 Klafter Rechtsholz, welches, wie oben besagt, die Roßbauern gegen Ausspeisung beizuführen hatten. Die Haarund Bartpflege ging mit. Erst später auch die Heilbehandlung. 1589 und 1599 wurden der Badstube je ein neues Neugereuth zugelegt. Die Badstube war freistiftig. Da es in den Badstuben oft nicht recht sittsam zuging, waren die Bader in üblem Ruf, weshalb es etwas so Unerhörtes war, als der Herzogssohn Albrecht die Augsburger Vaderstochter Agnes Bernauer heiratete, was diese 1435 mit dem Tode in der Donau bei Straubing büßen mußte.

IV. Großhüter-Ehaft

  1. Wenn er austreibt vor St. Georg, was einer über 3 Rinder hat, ist ganze Hutt, gibt alle 14 Tage 1 Hauslaib, hat er aber 10-15 Stück, auch nicht mehr. Ein jeder, der an St. Georgstag austreibt, gibt ein Brot, das 5 Heller wert ist, und zu St. Martin einen Laib, wer

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aber keine ganze Hutt hat, nur ein Brot 5 Heller wert. Am St. Georgtag ist der halbe Lohn des Großhüters fällig. Was er am St. Bartolomätag nachmittag mit dem Stab begreift (berührt), davon hat sich ganzer Lohn mit Getreid und Brot verfallen.

  1. Jede Kuh gibt Sunwendgeld 1 Regensburger Pfg. 1 galtes Rind ½ Regensburger Pfg. Wenn jemand am St. Martinstag ein Kalb abgenommen hat und aufzieht, so gibt es am St. Georgstag, wenn es ausgetrieben wird, ganzen Lohn und Sonnwendgeld ½ Regensburger Pfg. —— So man ab der Au schlägt, hat eine Kuh, die großträgt, aus dem Moos zu gehen 14 Tag vor und 14 Tag nach dem Kalb. Die heurigen Kälber, so nach St. Martin geworden sind, die man auf das Moos treibt, gibt eines 1 Regensburger Pfg. Die vertigen Kälber haben Macht zu gehen auf dem Moos bis aus St. Martinstag.
  2. Item eine hinkende Kuh soll auf dem Moos gehen 14 Tag, dann wieder ins Holz. Wenn ein Vieh im Holz schadhaft wird, so hat es ebenfalls 14 Tag aufs Moos zu gehen. Eine Kuh, die nie vorher ins Holz gegangen, hat Macht auf dem Moos zu gehen ohne alle Widerred. Die 2 und 3 jährigen Kälber gehören ins Holz zu treiben, wenn man sie auf das Moos treibt, so sind sie um die Ehaft-Wandel zu strafen.
  3. Von jedem Vieh ist man schuldig, dem Hüter eine Wemudt zu geben, item wenn man eine Kuh fort verkauft, so soll dem Hüter insonderheit eine Wemudt (eine Art Trinkgeld) gegeben werden.

Jedenfalls bestand auch in der Gemeinde Graßlfing eine ähnliche Ehaftordnung. Die Ehaftprotokolle von dort sind seit ca. 1687 erhalten im Archiv Sünching. Als 1687 z. B. Herbstrecht gehalten wurde, mußten herkömmlich die Obleute Hans Wild Und Franz Däxer anhalten, daß man sie bei ihrem alten Recht verbleiben lassen solle. Sie erhielten den obrigkeitlichen Auftrag, alle Wege, Stege, Grabenräumung und Falltoreinhängung zu machen. Zum Mairecht 1688 trat der Wirt Franz Däxer zurück und wurde statt seiner Thomas Stadler bestellt und auf seine Pflichten, die er objektiv erfüllen müsse, aufmerksam gemacht. 1689 wurde obrigkeitlich beauftragt, daß man das Vieh nicht die ganze Nacht umlaufen lassen solle, widrigenfalls zu Strafe gezogen würde. Alle Zäune sollen instand gehalten werden wegen Viehaustreibens. Es wurde geklagt, daß der Kleinhüter sein Vieh saumselig hüte und daß dieses in das „Hördt”-Getreide (Wintergetreide) gelaufen sei. Desgleichen wurde Klage geführt, daß von den fremden reisenden Personen mit Fahren und Reiten auf dem Gemeindeanger viel Schaden verursacht worden sei, 1690 auch auf dem Gemeindemoos. In letzterem Jahr wurde verboten, die Zugochsen an die Kühherde zu treiben. Soweit einige Proben.

Auf dem Herbstrecht 1678 in Grafentraubach wurde herkömmlich von den Obleuten oder Gemeinführern Martin Krempl Und Georg Hörmanskircher die Gemeinderechnung vorgelegt. Das Gemeinmoos

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wurde nicht mehr beweidet, sondern war um 8 fl. verstiftet. An sonstigen Wiesgülten wurden 7 fl. 13 kr., von der Roßweide 4 fl. eingenommen. Der Hofmarkswirt erhält 2 fl. 17 kr. für Zeche an Mai- und Herbstrecht, der Amtmann für beide Rechte 34 kr., die Gemeindeführer jeder ebensoviel. Die Gemeindeführer hatten in Besichtigung der Gräben, der Hüter Weideeinzeigung, Rauchfangbeschau und bei der Ehaft St. Georgi denen Recht sitzen in allem verzehrt 1 fl. 40 kr., 1 Falltor wurde neu gemacht. Diese Falltore hatten den Zweck, das Vieh, das auf der Weide war, von dem unbefugten Heimlaufen abzuhalten. 1682 war Viehfall. Jedes Jahr mußte an die Herrschaft die Bitte um Anweisung des Rechtholzes gestellt werden. Als in der Nachbarschaft ein Viehfall war, hat man eine hl. Messe 1690 lesen lassen und 30 kr. in den Stock gelegt. Ein Füllen, das gefallen war, wurde verschart und der Platz umzäunt zur Vorsorge. Bereits 1700 schickten viele statt der Roß Ochsen auf die Noßweide Gebühr für 1 Pferd 1 fl., für 1 Ochsen 30 kr.

1715 waren bis auf 1 Pferd und 1 Füllen lauter Ochsen auf der Weide. 1725 ließ die Gemeinde für den Hüter eine neue Roßhütte herstellen zum Unterstehen Allmählich schickten auch die Söldner (also nicht Rößler) ihre Zugochsen auf die Weide. Schon 1720 kam es deshalb zu Differenzen. 1740 wehrten sich die Bauern, die jetzt wieder mehr Pferde hielten, gegen das Durcheinanderhüten der Ochsen und Pferde, und wollten den Söldner es verbieten lassen. Die Bauern verwiesen auf die Abmachungen von 1720, wonach die Söldner, so Ochsen halten wollen, gegen jährliche Zahlung von 30 kr. pro Stück Weidezins ihre Ochsen zu den Bauernochsen lassen durften. Jetzt aber wollten dieselben sich dieser 30 kr. exempt machen und mit den Roßbauern Weideschaft und Blumbesuch mit Gewalt frequentieren. Ein Prozeß war die Folge, bis 28. Juni 1749 eine Kommission zum gütlichen Vergleich von der Regierung eingesetzt wurde. Der neue Hofmarksherr Graf v. Seinsheim war ja damals Minister.

Wie genau man es mit der Weide hielt, zeigt folgender Fall. 2 Kühe des Schloßpächters von Laberweinting hatten in der Au auf Grafentraubacher Grund geweidet. Obwohl früher- niemand etwas gesagt, wurden diese Kühe 1757 gepfändet. Der Schloßbauer sollte Entschädigung zahlen und die Kühe gegen Futtergeld abholen. Er ließ es darauf ankonunen. Nun ließ der Richter die Kühe in Straubing verkaufen um 26 fl. Der Erlös wurde bis Ausgang der Sache deponiert. Diese Eifersucht bezüglich des sog. Blumbesuchs und der Weide hatte ihren Grund darin, daß die Viehzucht in der Hofmark schon von ältester Zeit her beträchtlich war wie die Abgaben an Käse und Schmalz, an Eiern, Gänsen und Hühnern beweisen, welche seit Alters auf den Anwesen lasteten. Bei der Dreifelderwirtschaft aber war das auch für Dachbedeckung notwendige Stroh als Streu und Futterzugabe zu wenig, Klee und andere Zwischenfrucht auf der Brache kannte man bis Ende des 18. Jahrhunderts nicht, darum mußte das Vieh, solange es ging, auf die Weide im Moos, in der Au, oder auf

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den Blumbesuch auf der Brache und im Walde oder Ödungen getrieben werden. Immer und immer wieder kehren Streitigkeiten über Weiderecht wieder, noch 1737 mit Steinkirchen. 1851 mußten im Auftrage des Landgerichts Mallersdorf die bestehenden Weiderechte beschrieben werden.

Das Einzelweiden war in älterer Zeit verboten. Aber trotz Strafandrohung kam es immer wieder vor. Alles auf die Weide gehende Vieh war dem Dorfhirten „unter die Geißel zu treiben.”

1856 hatte Gänsehirte 6 kr. je Stück, wenn sie jedoch vor Johanni verkauft wurden, nur die Hälfte Damals hatte die Kommuneherde 150 Stück Schafe, sie wurden vom Tierarzt visitiert, 1857 hielt dieser Stallvisitation, alles Vieh war gefund, aber einige Ställe unrein befunden.

1878 erhielt der Dorfhirte in Grafentraubach für jede Kuh 10 Liter Korn, für jedes Schaf 5 Liter, für jede Ziege 10 Liter, ferner von Martini bis Georgi für jedes Schaf oder Ziege 5 ₰, Mutterschweine 20 ₰, Frifrhling 10 ₰ alle 3 Wochen. Von den Bauern alle 3 Wochen 1 Laib Brot, dazu die Wohnung im Hirthaus. (Letzteres wurde 1933 neugebaut.) Die Gänsehirtin hatte für jede Gans 25 ₰ von Georgi bis Allerheiligen. 1897 hatte der Gemeindehirt in Graßlfing außer freier Wohnung die Hütwiese. Im Winter für jedes Schwein 10 ₰ alle 3 Wochen, Schafe 5 ₰, von jedem Haus 2 Laib Brot, das Sprunggeld für Kühe und Schweine je 10 ₰, dazu 16 hl Mahlgetreide, welche 1898 auf 20 hl erhöht wurden.

Das Grafentraubacher Holzrecht

Die Untertanen der Herrschaft Grafentraubach hatten meistens Holzrecht. Nach dem Grund- und Stiftbuch 1693 gehörten zwar damals zum Schloß Grafentraubach folgende Wälder: 1) der Räschaun, 2) die Gemain (!), 3) das Mühlholz, 4) die Moosweng, 5) der Appel, wird bei anderer Gelegenheit auch Osterholz genannt, 6) das Großholz oder Holländerl genannt, 7) der Wild Pichl, 8) der Bömhardt, 9) der Wurzach Zu Hofkirchen 10) die Kürchgarn, 11) das Hilbach, 12) das Ellenbacher Holz. Es ist beigefügt: „Der merste Teil der Untertanen von Grafentraubach, Hofkirchen, Kreuth und Ellenbach wird davon behilzt”, d. h. die betreffenden Ortsbewohner erhielten gegen einen sehr geringen Holzzins das nötige Zaun- und Brennholz. Diese Holzbezüge waren nicht gering, sie bewegten sich je nach Größe des Anwesens (Hoffuß) zwischen 3——12 Klafter, der Pfarrer als Gehaltsanteil sogar 20 Klafter, ein halber Hof hatte 6, ein Achtelhof 3 Klafter Rechtholz. Der zum Kastenamt Eggmühl grundbare ganze Reindlhof bezog gleichfalls 12 Klafter und hatte nur lächerliche 26 kr. Holzzins zu leisten. Schon diese geringen Gegenleistungen berechtigen zum Schluß, daß die herrschaftlichen Forste, zum Teile mindestens, wohl Reste der ehemaligen Allmende waren, wie auch der Flurname

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Gmain direkt darauf hinweist. In dem Saal- und Urbarbuch von Eggmühl 1578 heißt es ausdrücklich von dem Reindlhof: So behilzt sich jeder Besitzer dieses Guts (vorhin Veit Platner, jetzt Josef Zellmaier) mit Zaun- und Brennholz an ihren der Dorfgemain zu Grafentraubach Gehölzern, als nämlich an einem Gehölz der Appel genannt, an einem Gehölz so zwischen Traunpecker und Adelkofer Grund liegt, einem Gehölz, so an gemeldter Adelkofer Gehölz gelegen, ein Gehölz zwischen Scharn und Kreit der Hundsarsch genannt, wieder ein kleines Holz bei Scharn, stößt an des Amtmanns Wiesmahd, letzlich ein Gehölz der Reischhan genannt. Im herrschaftlichen Stiftund Salregister 1602 heißt es sogar noch ausdrücklich: Raschaun, Scharn Gmain im Hundsarsch, Gmain der Moosberg, Gmain bei Arnkofen etc. An anderer Stelle des gleichen Registers ist von Neugereut im Raschaun und in der Arnkofener Gmain 1589 und 1599 die Rede. Das ist mehr als deutlich von Gemeindewald gesprochen.

Der Bömhart (Pöbenhart) ist nicht 1578 genannt. In diesem Walde hatten nicht die Grafentraubacher Gemeinde sondern die Apfkofener von Alters her ebenfalls Holzbezüge und den Blumbesuch (d. h. Weiderecht). 1550 wurde dies Herkommen durch Herrn Hans Jocham zu Rhain geregelt, so daß das Jungholz mehrere Jahre gehegt (geschont) werden mußte, daß die Upfkofener ertappte Holzfrevler pfänden, d. h. ihnen einen Gegenstand abnehmen und nach Grafentraubach als Beweisstück bei der Aburteilung überbringen mußten. Als Holzzins hatten sie jährlich 2 2 β ₰ = 6 fl. 36 kr. zu zahlen. 1684 hatten sie einen Streit mit der Herrschaft wegen des Blumbesuchs, der sich bis 1689 hinzog. Die Herrschaft nutzte den Wald für Eigenbedarf und Verkauf stark aus, so daß den Upfkofenern mit Recht Angst wurde um ihre Holzbezüge. Als daher 1712 wieder die Herrschaft im Böhmhardt Holz fällen und dies durch Scharwerk heimschaffen lassen wollte, besetzten die Upfkofener mit Hacken bewaffnet den Wald und zwangen die Grafentraubacher Scharwerkler, mit leeren Wägen heimzukehren, wogegen sich der Baron Ginshaim beim Kaiser beschwerte. 5 Upfkofener kamen als Rädelsführer in Haft; es gab eine längere Untersuchung. Den Upfkofenern wurde ihr Verhalten verwiesen, dem Baron aber aufgetragen, ihnen ihr Jahrholz herkommensgemäß zu gewähren. Doch war keine Ruhe bis 1721, wo die Sache erst endgültig verglichen wurde. Dem Baron wurde, solange der Bömhardt nicht imstande war, nebst Verabfolgung des rezeßmäßigen Quanti ohne Abschwendung noch einen Holzschlag vorzunehmen, dieser Holzschlag sowohl zu Hauses Notourft als zu Verkauf aberkannt. Schon immer hatten die Grafentraubacher die Ansicht gehabt, daß ein Teil der von der Herrschaft bewirtschafteten Wälder eigentlich ihr Eigentum wäre und das zugewiesene Holz, um welches sie wenigstens nach dem 30 jährigen Krieg alljährlich anhalten mußten, keine Gnade sondern ein Besitzrecht darstellten. Allein eine juristische Handhabe hatten sie nicht, bis sie um 1802 obigen Auszug aus dem Eggmühler Urbarsbuch auftrieben. Nun strengten sie 1803 Klage gegen

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die Herrschaft an auf Herausgabe ihrer Wälder. Der Hofmarksherr berief sich auf obiges Grund— und Stiftbuch Von 1693, auf seinen Kaufbrief von 1749, auf seine mehr als 50fjährige unwidersprochene Bewirtschaftung der strittigen Waldteile, der Streit zog sich in die Länge. 1810 endete derselbe mit der „Purifikation” der Herrschafts-waldung in Grafentraubach, d. h. die Holzrechtler erhielten für ihr Recht Waldteile als Eigentum zugewiesen; die kleinsten Teile waren ½ Tagwerk. Bereits 1811 verkauften verschiedene schon diese Teile. Für ihr Forstrecht hatten die Berechtigten als sog. Auszeigegebühr Leistungen an Korn und Haber an den Förster leisten müssen. Im Osterholz hatten auch auswärtige Rechtler Anteile, so 13 aus Sünching, 6 aus Heidenkofen gehabt.

Um 1881 ist auch von einer Gemeindewaldung die Rede, welche der Herrschaftsförster betreute. 1882 wurde dem Forstamt Ergoldsbach die technische Leitung, sowie um 10 Mk. die Herstellung eines Wirtschaftsplanes übertragen. Graßlfing hatte 1903 eine gewisse Zinswiese nicht mehr verpachten können, selbe 1904 mit Holz angepflanzt, 1929 konnte schon die erste Durchforstung versteigert werden, 1936 abermals.

Vom Jagdrecht

Ursprünglich war Jagd Recht jedes freien Germanen. Im Mittelalter, wo fast alle Bauern mehr oder minder hörig waren, war sie Vorrecht des Adels, die hohe Jagd (aus Hirsche, Eber etc.) sogar nur der Fürsten. Die hohen Herren hegten im Interesse ihrer Jagd das Wild zu sehr. Es gab oft bittere Klagen der betroffenen Bauern. Noch 1794 wurde von Grafentraubach eine Abordnung von 2 Mann wegen Wildschaden nach Alteglofsheim gesandt. Bei den Wolfs- und Saujagden hatten die Gemeinden außer Treibern auch Pferde und Wägen für die Netze und andere Geräte zu stellen. Die Herren von Grafentraubach hatten nach Stiftsbuch 1693 von jeher „die Gjaidgerechtigkeit des kleinen Waidwerks,soviel man deren der Edelmannsfreiheit fähig ist”. Hiefürhielten sie sich einen eigenen Jäger (zugleich Förster), aber zur Ausübung der Jagd nahmen sie Scharwerksdienste in Anspruch. Der herrschaftliche Jäger (damals auch Gärtner) hatte außer der Wohnung um 1739 bloß 18 fl. festes Gehalt. 1738 war das Jägerhaus neu erbaut worden. Die Haupteinnahme als Jäger war das sogenannte Jägerrecht: Von 1 Hasen z. B. 6 kr., 1 Ente oder Wildtaube 4 kr., für 7 Rebhühner, 5 große Vögel und 6 Lerchen zusammen 1 fl. 4 kr., 1 Schnepfe und 31 Vögel 37 kr., für 2 große Päntl Vögl und für ½ Widel Lerchen ebenfalls 37 kr. 1750 wurde nach Sünching auch ein „Produkt Lerchenfang zu Inkofen” extradiert. Um 1780 war ein Grafentraubacher auch Jäger in Laberweinting. Dem wurde 1783 gekündet. Der Hofmarksherr Graf Christian von Königsfeld schreibt: „Er hält es jedenfalls mit den Seinsheimischen Jägern”. Es ist strikte darauf zu sehen, daß die Grafentraubacher Jäger nur auf Traubacher Grund und Boden bleiben und sich in jenen Hölzern, die mit der kleinen Jagd nach Zaitzkofen gehören, nicht erblicken lassen,

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sonst ist ihnen die Flinte abzunehmen. Den Sünchinger Jägern ist das Jagen mit Jagdhunden keineswegs zu gestatten; widrigenfalls sind die Hunde tolz??chießen. Jäger, die hierin matt und nachsichtig sich zeigen, werden aus dem Dienst treten müssen. Schon 1750 hatten sich die Jäger von Laberweinting beschwert, daß Michaeli 1749 in den Leublfingischen Erbjagden die Hofmark Grafentraubach mit Untertanen auf das kleine Waidwerk ordentlich gejagt und geklopst hätte. Auf Klagestellung bei der Regierung gab diese 16. 9. 1750 Befehl, daß die Seinsheimischen Jäger die Laberweintinger nicht perturbieren (== stören) sollen. —— Auch zu einer Rauferei zwischen den beiderseitigen Jägern war es einmal gekommen. Nach einem Akt von 1750 dürfte etwas Ähnliches mit den Jägern von Mallersdorf passiert sein, auch ist da von einer abgenommenen Flinte die Rede.

Wie oben angedeutet war das Vogelstellen eine Liebhaberei der Herrn Ginshaim von Grafentraubach. 1689 kam es zum erwähnten Zerwürfnis mit Pfarrer Schönbeck, weil dieser den Bogelherd geschädigt habe. Siehe Seite 39.

Seit 1848 ist die Jagd auf den Gemeindefluren Sache der Gemeinde, soferne nicht größere geschlossene Komplexe zur Privatjagd auf eigenem Grunde berechtigen, was beim Schloß und beim Gut Arnkofen der Fall ist. 1862 war es zwischen dem Jäger der Herrschaft und dem von Arnkofen zu Tätlichkeiten gekommen. Die Gemeinde Graßlfing verpachtete die Jagd z. B. 1858 um jährlich 36 Gulden, 1876 um 172 fl.—— 1913 um 500 ℳ.

In Grafentraubach pachtete die Gemeindejagd der herrschaftl. Oberförster Hayder 1852 um 20 fl., vorher um 30 fl., von 1861 ab um 45 fl. wieder auf 9 Jahre. Der Pächter hatte eine gewisse Aufsicht auf das Restchen Gemeindewald zu üben.

Die Richter

In der Hofmark war der Hofmarksinhaber für die niedere Gerichtsbarkeit rechtlich der Richter; aber da die Hofmarksherrn häufig nicht hier residierten, auch nicht rechtskundig waren, so finden wir hier wenigstens seit dem letzten Jahrhundert des Mittelalters, wo sich das sogenannte römische Recht einführte, meist Pfleger und Richter, welche die Verwaltung und Rechtssprechung an ihrer statt übten. —— Hier eine —— wenn auch unvollständige —— Liste derselben bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Um 1391 Herr Hans Sigenhover gesessen zu Grafentraubach und Herr Ulrich der Chraitzer. Um 1424 Ulrich der Valkner zu Grafentraubach Pfleger. 1434 fiel Arnold Panholzer in der Husitenschlacht. Um 1437 bis l441 Stefan Purlacher Pfleger. Um 1458 Martin Kleindienst Pfleger.

Auch die Herren von Rain hatten Richter in Grafentraubach, deren einer den Protestantismus förderte. Um 1593 Ulrich Erlacher, übernahm auch die Hofwirtfchaft. 1596 kommt als Richter zu Grafentraubach Adolf Sayler vor und 1599 Johann Kastner.

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1607——1634 finden wir Marx Huber als Richter und Pfleger. 1646 Johann Symon hier und in Laberweinting. 1659 ist ein Johann Sebastian Sattler erwähnt. 1665 Jakob Huber (1649 in Eitting, 1651 in Gütting). Um 1682 Johann Franz Schaffrath. Sein Nachfolger war Lorenz Romaier weit über ein halbes Jahrhundert, derselbe starb 1752. Ihm folgte Johann Anton Prunner, der aber wie die folgenden in Sünching wohnte, 1781 Josef Schwarz und 1791 Josef Prunner.

Lohn und Kost der ländlichen Dienstboten
Kost nach Sünchinger Kostordnung vor 150 Jahren.

Die ordinäre Kost ist: Nudel, Kraut, saure Milch, Knödel oder Brotsuppe.

Die Morgenfuppe trifft in der Früh um 4 Uhr; die übrigen zur Mittags- und Abendzeit; hiezu werden abgegeben jedesmal ½ Laib, sohin täglich 1½ Laib schwarzes Brot.

Zum Kraut und einer sauren Suppe einrühren werden 2 Maßl Mehl, dann zur Nacht— oder einer Knädelsuppe ebenfalls 2 Maßl Mehl, sohin täglich genommen 4 Maßl Nudelmehl.

Die Morgensuppe wird aber Sonn- und Feiertagen nicht gegeben, dafür aber jedesmal 1 Laib Weißbrot.

Zum Suppenschmelzen und Einbrennen, dann der Nudeln wöchentlich 1½ Pfund Schmalz.

Jeder Kopf bekommt täglich 2 Nudeln, wozu erfordert 1 Maßl Mehl. Dann jeder Kopf wöchentlich 1 schwarzer Laib Brot.

Fleischtäge:

  1. Am Neujahrstag für den Kopf 1 Pfund Fleisch, miteinander ½ Laib weiß Brot, ihr gewöhnliches Faßl Bier von 18 Maß.
  2. Am Dreikönigstag ebenso;
  3. Sebastiani (20. Januar) nur 1½ Laib weiß Brot zum Bier;
  4. Lichtmeßtag wie am Neujahrstag;
  5. Fastnachtstag ebenso;
  6. Fastnachtsdienstag gleichfalls; überdies jedes 1 Pfund Schweinsbraten, jedes Mannsbild 4 und jedes Weibsbild 6 Krapfen von Weizenmehl. Neben Bier auch eine Maß Branntwein zum Frühstück der Dienstboten;
  7. Palmsonntag. Eine Biersuppe, Stockfisch und jedes ½ Häring. Semmelmus, wozu auf jeden Kopf 1 Kreuzersemmel und 1 Ei gebraucht wird. Bier und Brot wie an den übrigen Fleischtagen. Auf die Nacht statt Roggen- Weizenmehlnudeln und eine Milchsuppe.
  8. Am Karfreitag. Das gewöhnliche Bier und 1½ Laib weiß Brot.
  9. Am Ostertag. Wie am Neujahrstag, überdies 6 Pfund geräuchertes geweihtes Fleisch, jedes 3 Eier nebst Eierbrot.
  10. Am ersten Maitag wie am Neujahrstag.
  11. Christi Himmelfahrt wie am Neujahrstag.
  12. Pfingstsonntag: ebenso.

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  1. Kranzlsonntag (Fronleichnamstag): ebenso.
  2. St. Johannistag: ebenso.
  3. Kirchweihtag: wie am Neujahrstag, nebstdem aber auch für alle 5 Pfund Kuttelfleck 3 Füß zum Voressen, 1 Pfund Schweinbraten, jedes die Krapfen wie am Fastnachtsdienstag, Semmelmus wie am Palmsonntag Aus die Nacht abermals 1½ Laib weiß Brot und 1 Pfund Bratl.
  4. Nachkirchweih: wie am Neujahrstag, dann sonderbar l Pfund Schweinbraten; auf die Nacht wie am Kirchweihabend.
  5. Am Michaelitag (29. September): wie am Neujahrstag.
  6. Allerheiligen: wie am Neujahrstag.
  7. Martinitag (11. November): wie am Neujahrstag nebst ¼ Gans per Kopf; Bauhofmeister ½ Gans, das Voressen genießen die Bauleute allein von sämtlichen Gänfen.
  8. Am hl. Abend zur Collation neben den 1½ Laib weiß Brot auch das gewöhnliche Bier.

21. Am hl. Christtag: Fleisch, Brot und Bier wie am Neujahrstag; jedem 2 Mettenwürst und 5 Pfund Kuttelfleck zum Vorressen.

  1. Am Johann Evangelisten wie am Neujahrstag.

Bemerkung: Da Bauhofmeister allein ißt, so hat er an diesen Fleischtagen sonderbar allemal ein weißes Brot und dafür aufs ganze Jahr 9 Laib.

Zum Alt- und Grummetheu

Hat Bauhofmeister und Knecht jeder 1 Knödel der Knecht auch neben dem Knödel 1 Pfund Fleisch täglich, wie auch weiters in der Früh einen Semmelschmarrn und 1 Stück Brot.

Erntezeit.

Der Knecht alle Sonntage, Dienstage und Donnerstage 1 Pfund Fleisch; dieser und der Bauhofmeister die übrigen Tage eine kleine Speis von Mehl. Sämtliche Bauleute aber nur, wenn Getreid eingefahren worden; die gewöhnlichen Maultaschen auf jeden Kopf 4 Stück und das gewöhnliche Faßl Bier.

Alle Wochen treffen jeden, der die Baukost genießt, 2 sogenannte Weckeln.

Dienstbotenlöhnung

Ueber die Dienstbotenlöhne in hiesiger Gegend um 1575 entnehme ich einer Aufschreibung des Pfarrers Prückl in Laberweinting folgende Notizen; ich modernisiere die Schreibung etwas.

  1. Gedingt einen Buben, gib ihm zum Lohn 10 β ₰, 1 Paar genähte Schuhe (per 1 β 3 ₰ ), mehr dem Buben ein Hut gegeben 3 kr.
  2. Gedingt einen Knecht, den Baumann, gib ihm zu Lohn 10 fl. 2 Hemden (1 mittleres und 1 flächsenes), 2 Schmer, 1 Metzen Weizen, 1 Paar Stiefel oder ein Doller (Thaler).
  3. Den Wilwolden (Wilibald) zum Mitterknecht gedingt mit Geld 8 fl. 1 Ort, 2 Hemden (mittleres und rupferns) 1 Metzen Weizen, 1 Schmer, 1 Paar genähte Schuhe.
  4. Eine Dirn gedingt, gib ihr zu Lohn 3 fl., 6 Ellen Tuch, 1 Schleier (Kopftuch) oder 2 Groschen, 1 Metzen Weizen, 2 Pfd. Schmer.

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  1. Eine Großdirn gedingt: 5 fl Lohn, 10 Ellen Tuch (halb mitter, halb rupfen), 1 Schleier oder 4 Groschen.
  2. Ein Dirndl gedingt: Lohn 19 β, 1 Schleier, 1 Metzen Weizen, 1 Pfd. Schmer, 8 Ellen Tuch.

Mit vorgemeldeten Löhnen war es nicht abgetan. So zahlte der Pfarrer für Heilbehandlung der Dienstboten einmal für einen Knecht dem Bader Arztelohn 26 kr., für einen anderen als Aderlaßgeld 3 kr. — Für Besuch des Eittinger Kirta erhielt einer 15 kr., zu einer Hochzeit 10 kr., zum Traubacher Kirta 10 kr., der Baumann zum Solleter (Salacher) Kirta gar 1 fl., der Pfarrer zahlte für 2 Knechte Tanzgeld und Steuer. —— Zum Besuch des Lorenzimarkts in Pfaffenberg bekam eine Dirn 2 weiße Pfennig. —— Wiederholt sind Ausgaben für Kleidungsstücke, wie Hüte, Kragen, Binde usw. vorgetragen.

Zum Vergleich sei hier eine Ehehalten-Rechnung der Hofmark Neufahrn vom Jahre 1675 angeführt. An Lichtmeß wurde damals den neueinstehenden Knechten, Dirnen und Stallbuben an Lohn usw. versprochen: dem Oberknecht samt Geding und Häftelgeld 19 fl., 2 Hemden, 1 Paar Stiefel = 2 fl. 30 kr., 1 Paar Schuh, 1 Pfund Schmeer; dem Mitknecht 18 fl., 2 Hemden, ein Paar Stiefel == 2 fl. 30 kr., 1 Paar Schuhe, 1 Pfund Schmeer; dem Stallbuben 11 fl., Anderstallbuben 9 fl., 2 Hemden, 2 Paar Schuh, ½ Pfund Schmeer; dem Kuchelmensch 8 fl., 12 Ellen Leinwand, 2 Paar Schuh, ½ Pfund Schmeer; der Oberdirn 7 fl., 12 Ellen Leinwand, 2 Paar Schuh, ½ Pfund Schmeer; der Mitterdirn 7 fl., 12 Ellen Leinwand, 2 Paar Schuh, ½ Pfd. Schmeer; dem Dienstmadl 5 fl. 30 kr., 12 Ellen Leinwand, 2 Paar Schuh, ½ Pfund Schmeer.

Das Ding— oder Drangeld betrug beim Oberknecht 2 fl., beim Mitterknecht 1 fl. 30 kr., beim Stallbuben 1 fl., beim Kuchelmensch, der Ober- und Mitterdirn und beim Dienstmadl 1 fl.

Wieder cirka 100 Jahre später: 1795 waren die Lidlöhne der Dienstboten im Pfarrhof zu Grafentraubach:

  1. Bämer Kaspar Mässinger Jahreslohn 24 fl. und für ein Paar Stiefel 3 fl., tut 27 fl. (Bämer == Baumann, Bäumer.)
  2. Knecht jährlich Lohn 21 fl., für ein Paar Schuhe 36 kr. und sonderbar (== eigens) in der Ernte 1 fl. tut 22 fl., 36 kr.
  3. Anderknecht Jahreslohn 17 fl.
  4. Oberdirn Lohn 10 fl., für ein Paar Schuhe 36 kr., tut in Geld 10 fl. 36 kr.
  5. Anderdirn Lohn 9 fl. und für die Schuhe 36 kr., also in Geld 9 fl. 36 kr.
  6. Kuchlmensch Lohn 10 fl. und für die Schuhe 36 kr., tut 10 fl. 36 kr.

Nota. Der Bämer und der Knecht bekommen jährlich und zwar jeder 4 Ellen hänfene Leinwand. — Die Oberdirn, Anderdirn und das Kuchlmensch bekommen jede 14 Ellen Leinwand als: 2 Ellen hänfene und 12 Ellen grobe, nebst ¼ Pfund Wachs zu Lichtmeß.

Köchin genießt Lohn jährlich 20 fl. in Geld und Leinwath vi Steiblschem Inventarii 15 Ellen flächsene und 20 Ellen rupfene. —

Ähnlich werden die Löhne bei den größeren Landwirten gewesen sein.

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2. Gewerbe und Handel.

Da Grafentraubach und Graßlfing stets Landgemeinden mit vorwiegend bäuerlicher Bevölkerung waren, so waren hier Gewerbe und Handel von jeher zurücktretend; erst die letzten 50 Jahre, seit der Entstehung der Maierischen Betriebe, haben auch sie einen gewissen Auftrieb erhalten. Seite 121 haben wir bereits der Rechte und Pflichten der Schmiede, Bader und Wirte vor 400 Jahren gedacht. Das Schmiedgewerbe ist eines der ältesten selbständigen Gewerbe schon bei den wehrhaften Germanen gewesen, während die Gewerbe der Weber, Schneider und Schuster, der Bäcker und Metzger, der Wagner und Binder usw. sich erst im Laufe des Mittelalters aus der ehemaligen Heimarbeit entwickelt haben.

1619 sind hier Wirt und Bäcker nur Freistifter, also gleichsam Pächter, daher der rasche Wechsel: Die Wirte in Grafentraubach sind:

1589——1597 Ulrich Erlacher; 1593 und 1595 ist er auch „judex” („Richter”) tituliert. 1599 heißt er schon „antiquus hospes” d. h. früherer Wirt und 1602 ist uns gesagt, wohin er verzogen ist: nach Pfaffenberg, wo seine Nachkommen noch längere Zeit zu finden sind.

1599 ist ein Neupeckh als Wirt genannt; 1618 Paulus Paumgartner.

1639 Sebastian Eglseder und Barbara; (1639——1653 Taufpaten bei Kindern des Jakob Graf in Steinkirchen). Barb. † 1659. Sebastian † 1663.

1665 Georg Tanner und Kath.; diese † 1680 (37 Jahre) worauf der Witwer (1680) die Margareta, Tochter des Gregor Spiegel, eines Reiters, heiratet. Nach dem Tode dieser zweiten Ehefrau (1693) übergibt er seinem Sohne Johann. Von der Taferne hatten sie 380 fl., von der Obstlerei 1 fl. 8 kr. Stift zu zahlen.

1693 Johann Danner und Apollonia (eine Wirtstocher von Laberweinting). Johann † 1720, Apollonia † 1741 (68 Jahre alt). Seine Erbtochter ehelichte — in Klammern die Elternnamen —:

1734 Gallus Brunner, ehel. Sohn des Philipp Prunner in Schrottmos bei Qberhausen und der Ursula. Gallus Brunner † 1745 (47 Jahre) und die Witwe heiratet (1745) Anton Kraus, Wirtssohn (Gg. und A. Maria) von Pfelkofen und nach dessen Tod 1758 den Phil. Jakob Pergmann, bürgerlicher Bräuerssohn von Straubing (Christoph und Johanna). 1761 starb die Wirtin Marg. Pergmann 47 Jahre alt. Der Witwer Phil. Pergmann heiratet 1764 die Straubinger Metzgerstochter Magd. Gnerneis (Josef und M. Barbara).

Nach ihm finden wir aus der Hofwirtschaft Josef Gänger und A. Maria (geb. Mayr, Bräuerstochter von Mintraching); Josef Gänger gestorben 1798 (61 Jahre alt).

1799 Johann Ev. Gänger heiratet die A. Maria Dirmayr, Wirtstochter von Eitting (Gg. und Kunigunde), Johann Gänger † 1848, A. Maria Gänger 1846.

[Seite 135]

1835 Josef Gänger heiratet die A. M. Stadler, Bauerstochter von Bruckhof bei Hofkirchen (Johann und A. Maria).

1865 Anton Prückl, Bauerssohn von Zaitzkofen, heiratet die Tochter Juliana Gänger.

Als Bäcker sind genannt: 1590 Hans Hueber, 1593 Andre Lohmaier (Lachmaier), 1599 Oswald Freisinger, 1605 Gg. Parfueser, 1611 Joh. Sedlmaier, 1630 Michael Koller, 1642 Jakob Rinninger (Reininger). 1693 wird ein Gerl Hans als Bäcker auf der neuerbauten Bäckerstatt (Erbrecht) als Handscharwerker aufgeführt, dann Lor. Aigner und Joachim Dallmeier.

Die Schmiede in Grafentraubach sind:

Um 1598 Hans Hneber, um 1597 Hans Winter.

1606 Barthol. Winter († 1628) und Barbara.

1629 heiratet die Witwe Barbara den Blasius Deminger, Schmiedsohn von Schierling.

1624——1628 findet sich ein zweiter Schmied in Grafentraubach (wegen Arbeitsunfähigkeit des Winter!) Leonhard Steffel und Clara.

1640 Simon und Margaretha Kimerl (1644 Kaimerle).

1644 Markus Rieger und Barbara. Barbara † 1664. Der Witwer heiratet 1665 die Salome Hörman, Kürschnerstochter von Erding. Nachfolger sein Sohn:

1669 Bitus Rieger und Eva, dessen Gattin.

1692 Anton Rieger, deren Sohn heiratet die Maria Gandner von Holztraubach († 1706). Der Wittver Anton heiratet 1706 die Maria Braun, Müllerstochter von Steinkirchen († 1718); im selben Jahr noch heiratet Anton Rieger die Maria „Ledterin” von Niederlindhart, er stirbt schon 1721. Durch neuerliche Heirat wird Schmied

1721 Markus Zeiller, Schmiedsohn von Neufahrn. Nach dem Tode seines Eheweibes heiratet dieser 1730 die Ursula Danner, Wirtstochter von Grafentraubach. 1760 † Markus Zeiller (66 Jahre).

1760 Thomas Hofmeister, Schmiedsohn von Haidenkofen (Jakob und Anna) heiratet die Erbtochter M. Apollonia Zeiller.

1793 Barthol. Unger, Schmiedsohn von Weng (Mathäus und Theres) heiratet die Erbtochter Theres Hofmeister.

1829 Josef Steindl, Schmiedsohn von Walltofen (Thomas und Magd.) heiratet die Erbtochter A. Maria Unger; mit ihm treten die Steindl in Männlicher Stammfolge in den Besitz der Schmiede. Aus dieser Ehe nur ein Sohn Barthol. Josef Steindl heirate 1831 die Bt. Anna Klostermayr von Hanstorf (Josef und Anna); deren Sohn

1867 Jakob Steindl heiratet die Theres Kammermeier, Söldnerstocher von Obergraßlfing (Josef und Juliana); deren Sohn

1900 Jakob Steindl heiratet die Anna Huber, Söldnerstochter von Weichs (Sebast. und Maria).

Damit sitzt in weiblicher Blutfolge der Stamm über 200 Jahre auf der Schmiede.

Auch die Bader wechseln rasch: 1594 Simon Pomer, 1628 Hans Schabenkäs, 1630 Jörg Sunleutner, 1632 Andre Fäsel.

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Nach dem 30 jährigen Krieg werden die Inhaber voriger Geschäfte seßhafter, wohl weil sie statt Freistift jetzt Erbrecht erlangt hatten.

An anderen Gewerben sind um 1590 Schneider, Schuster, sowie viele Weber und Zimmerleute genannt, 1597 erstmals ein Maurer Hans Melchel. Bei der Holzbauweise brauchte man viele Zimmerleute, die Maurer hatten fast nur die Kucheln und Rauchfänge zu bauen. (Vergl. S. 21.) Die rege Bautätigkeit um 1700 förderte das Baugewerbe, sodaß 1710 sogar ein Zimmermeister Riedter in Grafentraubach erwähnt wird. — 1709 ist ein Schreiner daselbst.

Um 1601 finde ich erstmals einen Küfer (Hans Winter) erwähnt, 1624 einen Metzger, 1596 gab es bereits einen Pfeifer Hans Weindl hier, der zum Tanz aufspielte. Um 1642 ist in Graßlfing ein Geiger Wolf Schmid. 1788 ist in Grafentraubach ein Musikant Bartl Steinhauser, 1801 zwei: Simon Steinhauser und Michl Röhrl. Der Förster im Schloß war im 18. Jahrhundert auch Gärtner.

Ein Müller war von Alters nur in Steinkirchen. (1589 noch Mich. Rosmaier.) Die Reichermühle (Mart. Krempl 1592) gehörte früher nicht zur Pfarrei. Die Weihermühle am Ende von Grafentraubach, ein kleines Werk, entstand erst im 18. Jahrhundert. Sicherlich war schon früh ein Wagner am Ort, wenn mir auch aus der Zeit vor dem 30 j. Krieg kein Name bekannt ist. —— Die Ginshaimsiche Schloßherrschaft errichtete in Untergraßlfing im dortigen Sedel (Adelshof) eine neue Wirtschaft, überhaupt suchte sie das Gewerbe im Hofmarksbezirk etwas zu heben; so begünstigte sie die Niederlassung des „Meisterschneiders” Andreas Erl aus Greißing um 1717. Um 1706 ist ein Strumpfstricker Ulrich Sattler da, desgleichen ein Krämer Franz Schneider, 1707 heißt der Krämer Andreas Höcker, aber es kamen auch Hausierer hieher. 1764 heißt der Müller von Grafentraubach Joh. Graßl. Die Weihermühle kommt noch 1840 in einer Statistik vor, heute ist dieselbe ein bloßes Ökonomieanwesen.

Die Müller in Steinkirchen waren

1593 Simon Rieger und Anna.

1598——1605 Georg und Cäzilia Lorenzer.

1623 Johann Widtmann. 1641—46 Georg und Maria Kämel.

1664 Andreas Wimmer, Müller, Steinkirchen.

1668 Johann Die(r)stenberger und Barbara. Nach dem Tode der Barbara heiratet er die Christina Rauh, Bauerstochter von Stockha (Pfarrei Ergoldsbach); er stirbt schon 1679 (40 Jahre alt).

1679 heiratet Georg Praun, Müllerssohn von der Untern Mühle zu Aufhausen die Witwe Christina.

Georg heiratet 1708 zum zweitenmal: die Katharina Ernst, Bäckerstochter zu Reispach. Er starb 1716.

1717 heiratet Georg Falk, Müllerssohn von Haag bei Sallach die Witwe Katharina und dieser Ehe entstammen noch 3 Kinder: Thomas, Katharina und die Erbtochter A. Maria († 1722). Gg. Falk † 1746; Katharina † 1749.

1744 Bartholom. Kiendl, Wirtssohn von Neuhofen (Andreas und Maria) heiratet die A. Maria Falk.

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1780 Anton Kiendl heiratet die Elisabeth Sibig, Müllerstochter von Pfaffenberg (Mathias und Elisabeth).

1810 Georg Kiendl heiratet die Josepha Fuchs, Müllerstochter von Stanglmühle (Kasp. und Kath).

Michael Hoffmann und A. Maria, geb. Kugelmat)r, folgten im Besitz. 1853 Michael Hoffmann (ihr Sohn) heiratet die Katharina Blüml, Bauerstochter von Stumpfreith. Beide starben März 1872 an Blattern. 1877 Sebastian Wutzer, Bauerssohn von Semerskirchen heiratet die Müllerstochter Anna Hoffmann.

1926 Ludwig Wutzer heiratet die Maria Rost, Ammerhoftochter von Penk (Simon und Maria).

Als 1811 durch das Patrimonialgericht Sünching die Gewerbesteuer festgesetzt wurde, befanden sich in Grafentraubach 2 Leinenweber, 2 Schuster, 1 Schäffler, ein weiterer Weber und 1 Metzger, deren Gewerbe wurden als Personalrechte erklärt. Als Realrechte wurden anerkannt der Bader (Ehaft), der Hufschmied (Ehaft), die Tafernwirtschaft (Ehaft), die Bäckerei und das Krämereirecht, das wie das Metzgerrecht aber damals bei der Taferne war.

Im wesentlichen blieb es so bis Ende der Sechziger Jahre. Die Bäckerei sank zu einer Brotniederlage herab, die von Laberweinting mit Ware versehen wurde. 1862 wurde eine neue Brotniederlage (Thom. Rohrmeier) errichtet. Das Brot wurde von Zeit zu Zeit durch den Gemeinde-Vorstand visitiert. 1852 hatte bei einer solchen Visitation beim Wirt die Kreuzersemmel 4 Loth 1 Quintel, das 2 Kreuzerkipf 8 Loth, die 2 Kreuzerkoppel 8 Loth; ein andermal wog das 2 Kreuzerkipf 9½ Loth. 1864 wurde geklagt, daß das Brot zu gering sei. Dem Vorsteher wurde durchs Landgericht mit Disziplinarstrafe gedroht, wenn er zu geringes Brot nicht zur Anzeige bringt. Brot, das über 48 Stunden alt war, soll (1866) nicht mehr nachgewogen werden. Die Semmel scheint oft altgebacken zu sein. 1868 entstand (neben dem Wirt) eine 2. Metzgerei (Leop. Schneider). Zuerst hatte der Gemeinde-Ausschuß diese Personal-Konzession verweigert.

1873 waren in Grafentraubach infolge der Gewerbefreiheit zum alten Tafernwirt noch 2 weitere Wirtschaften entstanden. Wie das Brot, so wurde der Wirt auch wegen Fleisch, ob es satzmäßig sei, meist monatlich, visitiert, desgl. der Krämer auf Maß und Gewicht, sowie auf Reinlichkeit. 1862 noch war die Errichtung einer 2. Krämerei abgewiesen worden, da nur einer von der Krämerei leben könne, die Wiedererrichtung der Bäckerei war befürwortet, die Bewilligung einer Bierschankkonzession abgewiesen worden. 1874 entstand eine 2. Krämerei. In Obergraßlfing erstand 1875 eine Wirtschaft infolge der Gewerbefreiheit. Die Brauerei in Grafentraubach ist 1905 durch Michael Maier errichtet und hiezu auch die uralte Tafern— und Metzgereigerechtsame von Peter Littich Hs.—Nr. 42 erworben worden.

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3. Der Verkehr.

Von uralten Zeiten her zogen beiderseits der Laber je ein Verkehrsweg, von denen der über Laberweinting—Steinkirchen der wichtigere wurde. Auf ihnen zogen einst die Karren der bajuwarischen Siedler südwestwärts, entwickelte sich im Mittelalter der Handelsverkehr, marschierten in Friedens- wie in Kriegszeiten die Soldaten, wanderten Pilger, Handwerksgesellen und Bettler. Nach Anschauung des Wolfgangsforschers Holzer ging eine Westostverkehrsroute über Grafentraubach, welche von den alten Wallfahrern nach St. Wolfgang am Abersee benutzt wurde; daher der St. Wolfgangsaltar in der Pfarrkirche.

Freilich, heutigen Ansprüchen würden jene „Straßen” nicht entsprochen haben, wenn sie auch im Scharwerk instand gehalten werden mußten, was z. B. 1578 durch den Richter von Kirchberg den Amtsleuten strengstens „eingebunden” wurde. Namentlich in Kriegszeiten wurde diefe Straße über Steinkirchen arg hergenommen, weshalb z. B. 25. 1. 1745 der Landger.-Befehl kam, sie „in passablen Stand zu setzen.” Was tat man dann? Man legte Aste, an besonders feuchte Stellen Holzprügel (Brucken) hinein und überfuhr sie mit Bschütt (Kiessand). 1776 schreibt der Kirchberger Beamte Peyrer: Vormals befand sich im Markt Geiselhöring eine Poststation und wurde alldahin von Landshut über Ergoldsbach und Laberweinting die Poststraße nach Straubing beibehalten; nachdem aber die Hochstraße über Au und Menkofen errichtet worden, wurde zu gedachtem Au (Postau) eine Postftation bestimmt, ohngeachtet diese gegen die vorige Straßen um 2 Stunden von Straubing entfernt ist.

Um 1830 hatte Grafentraubach zu den Distrikts straßen Konkurrenz und Scharwerk zu leisten, besonders den Durchlaß bei der Reichermühle zu erhalten. 1841 hatte es zum Setzen der Bäume an der Hauptstraße 12 fl. 46 kr. zu zahlen, ein andermal setzte dort der Herrschaftsgärtner Pappelfechser. Das Scharwerken an der Distriktsstraße wurde stets als Last empfunden, von der man sich drückte, wo man konnte. 1867 sah sich die Gemeinde gezwungen, gleich 8 Bauern um je 80 kr. zu strafen, weil sie sich beim Wegmachen nächst Sallach nicht eingefundenl hatten.

Auch zu mehr abliegenden Straßen mußte gestharwerkt werden z. B. zur Straße Landshut——Regensburg, als diese 1766 zur „Commerzialstraße” ausgebaut wurde. Dabei mußten Grafentraubach und Graßlfing je eine bestimmte Anzahl Klaster übernehmen. Im Jahre 1795 wurde die „Vizinalstraße” Straubing-—Neufahrn vermessen, im folgenden Jahre umgebaut. 1935 wurde diese bisherige Distriktsstraße aufs Reich übernommen.

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Grafentraubach hielt sich für weitere Verbindungen an Dieselbe und unterhielt auch die Laberbrücke auf dem Wege nach Mallersdorf. 1722 ließ man z. B. dort neue Endsbäume einziehen. — 1833 und öfters wurde die Laberbrücke neugebaut. — Wo in Richtung Laberweinting heute die neue Straße geht, war bis 1865/6 nur eine Heufahrt und ein Gangsteig mit Steg über die Laber. In letzterem Jahr ließ die Gemeinde den Fußweg zum Fahrweg ausbauen nebst Brücke über den inzwischen gemachten Laberdurchstich, der die vielen Krümmungen der Laber unterhalb Reichermühl abschneidet. Die Gemeinde hatte auch da die Unterhaltspflicht. Der Distrikt gab ihr hiezu 1880 eine Abfindung von 600 ℳ. Damals wurde der Fahrweg in Hand- und Spanndienst verbreitet und von der Gemeinde unterhalten. Erst im Jahre 1913 wurde die Straße hochwasserfrei angelegt, der Brückenbau aber durch den Krieg verhindert bis 1933, wo die heutige Eisenbetonbrücke erstand. Die Gemeinde hatte eine Straßenbauschuld von 9004 ℳ übernommen. Die Straße war notwendig als Berbindung zur Eisenbahnstation in Laberweinting. Die Eisenbahn Landshut—Geiselhöring (Ostbahn) war 7. 12. 1859 feierlich eröffnet worden. Bis 1865 war der sogenannte Heuweg zur Hauptstraße in der Nähe der Reichermühle die nächste Verbindung gewesen. Die schwache Laberbrücke hatte der Reichermüller instand zu halten. 1906 wurde eine Betonbrücke auf der Straße nach Mallersdorf, 1907 eine solche im Dorfe gebaut. Im Dorfe hatte man früher viele Schwierigkeiten mit der Wegunterhaltung, da das Rinnsal des Traubachs fast dem Weg gleich war, Dorfbrücken gab es nicht. Mancher Landwirt mußte, um auf seine Felder zu kommen, den Dorfbach 2——3 mal durchfahren. Die Wege waren oft überschwemmt und dann wochenlang in schlechtestem Fahrzustand, sodaß dem Orte im Frühjahr und im Herbst ein eigener Name gegeben wurde. — Wie wohltätig wurde daher die Regulierung des Baches empfunden! Dieselbe geschah 1919 als „Notstandsarbeit” (Kosten 32734 GM!) Wahrlich Grafentraubach hat viel geleistet! 1921 wurde die Dorfstraße als Distriktsftraße ausgebaut.

Nachdem schon früher durch die Maierische Ziegeleifabrik manche Anwesen mit elektrischem Licht versorgt worden waren, wurde 1926 die elektrische Licht- und Kraftversorgung durch die Ostbayerische Stromversorgungsges. Landshut (Anschluß 9000 ℛℳ, Installation 16000 ℛℳ) und 1929 die Straßenbeleuchtung eingeführt.

Schlecht war die Verbindung nach Graßlfing, der Osterholzweg Wegen desselben gab es 1848/9 lange Verhandlungen, 1851/2 sogar einen Prozeß. Die Gemeindeverbindungswege waren früher (schon infolge Schottermangels) in einem elenden Zustande. Seit 1870 wurde ihnen mehr Aufmerksamkeit zugewendet. Schon 1852 waren am Kommunikationsweg nach Kreut Seitengräben ausgehoben und 70 fl. auf Verbesserung ausgegeben worden. Die Frage der Wegunterhaltung bildete allzeit einen Posten im Gemeindehaushalt.

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Wenn früher ein Weg nicht mehr fahrbar war, fuhr man einfach daneben zum Schaden für Zugtier und Fuhrwerk. 1724 mußte z. B. auf der Pfingstweide ein Graben gezogen werden „um das schädliche Abwegfahren zu ändern”. Als 1878 der Rittersbacher Weg nach Zaislhof gebaut wurde, hatten die Bauern von Arnkofen und Kreut ihre Abzweigungen selbst zu übernehmen und zu unterhalten; wogegen sie zum Rittersbacherweg, Arnkofen auch zur Distriktsstraße nicht mitarbeiten brauchten. 1919 wurde obige Verbindung Grafentraubach—Graßlfing als Notstandsarbeit einigermaßen verbessert. 1922 wurde das Fahren auf dem Antoniweg nach Mallersdorf nur mehr Feldangrenzern gestattet. 1926 wurde die Frage des Kirchen- u. Schulweges Steinkirchen—Grafentraubach geregelt. 1936 wurden 30 cbm Donaukies angekauft, am Bach bei Magerl 70 m Betonmauer aufgeführt und ein Gehfteig gewonnen. Zum Unterhalt der Wege und Straßen erwarben beide Gemeinden öfters Äcker zur Kiesausbeute. Grafentraubach 1842 z. B. ein Tagw. um 50 fl., Graßlfing 1900 das Ausbeuterecht aus einem solchen Acker um 325 ℳ, die aufgenommen wurden, ähnlich 1914 etc. 1838 hatte Graßlfing sich erboten, die es treffende Strecke der Straße von Grafentraubach über Graßlfing—Allkofen bis zur Ochsenstraße mitzuerbauen, wenn die anderen beiden Gemeinden mithelfen, und jeder der 3 Wirte die versprochenen 25 fl. bezahlt und die hohe Gutsherrschaft das nötige Bauholz unentgeltlich abgibt, und 1840 wiederholte die Gemeinde das Anerbieten. 1842 und 1843 wurde dann diese Straße auch gebaut. Der Gemeindevorsteher Stierstorfer bemerkte dazu später, es sei unmöglich zu glauben, wie unfahrbar diese Straße ehevor gewesen bei den Hohlwegen, Hügeln und Schluchten. — 1844 kam der Landger.—Auftrag an sämtliche Gemeinden, die Straßengräben in gehöriger Breite und Tiefe auszuheben, auch die Gemeindeverbindungswege müssen vollkommen fahrbar hergestellt werden; in die Gräben darf nicht hineingeackert, noch weniger Getreide angebaut werden. 1877 wurde in Untergraßlfing beim Schmied ein gemauerter Durchlaß statt 2 bisheriger Holzbrücken hergestellt, nachdem der Graben gerade gelegt worden. 1900 und die folgenden Jahre wurden Bruchsteine zur Verbesserung der Gemeindewege angekaust, in Scharwerk angefahren, kleingeklopft und eingeschüttet. Schon 1908 und wieder 7. 6. 1912 stellte die Gemeinde-Verwaltung an den Distrikt Mallersdorf das Gesuch, es möchte die projektierte Distriktsstraße Zaitzkofen—Inkofen—Allkofen—Laberweinting über Graßlfing geführt werden. Sie wollte die erforderlichen Grundablösungen auf die Gemeinde übernehmen, den nötigen Kies für die Gemeindeflur und Gespanne unentgeltlich liefern. 1920 wurden weitere Verhandlungen über die Trassierung, 1926 wieder Verhandlungen gepflogen wegen Verbesserung der Straße Pullach—Karlberg-Grafentraubach. 1923 wurden die Dorfstraßen in Ober- und Untergraßlfing 4 m breit und 20—30 cm tief rolliert mit cirka 1000 cbm Steinen, die von Rogging angefahren und mit 60 Ztr. Weizen bezahlt wurden. 1930 wurde durch 20 Arbeitslose der Karlberg samt Kollerhöhe abgefahren und dann die Strecke

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rolliert (4000 ℛℳ). Bei all diesen Arbeiten leistete die Gemeinde Spann- und teilweise auch Handdienste.

1923 wurden durch die Niederbayer. Überlandwerke (Ostromag) die Ortschaft Ober- und Untergraßlfing mit elektrischem Strom versorgt; da die Ortschast Obergraßlfing durch einen anderen Installateur eingerichtet worden, weigerte sich die Ostromag den Strom dahin zu liefern, bis sie im Januar 1925 hiezu gerichtlich gezwungen wurde. 1916 wurde in Obergraßlfing, 1929 auch in Untergraßlsing eine öffentliche Telefonstelle eingerichtet, in Grafentraubach war sie erstmals 1910 eingeführt worden. — 1912 sah sich die Gemeinde Graßlfing gezwungen Beschwerden dagegen einzulegen, daß durch Habelsbach der Weg zum Bahnhof gesperrt und sie zu 20 Minuten Umweg gezwungen würden. Die Poststelle ist in Laberweinting.

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Poststelle Grafentraubach
Durch die Erweiterung des Ortes Grafentraubach wurde 1960 die Poststelle II Grafentraubach eröffnet. Den Zustelldienst für Grafentraubach-Zeißlhof-Kreuth-Arnkofen-Reichermühle übernahm Familie Dimpfl. Im Hause Dimpfl richtete man die Poststelle ein. Mußten früher die Bürger zum Telefonieren die öffentliche Sprechstelle von Neumeier Maria benützen, so hat heute 98% der Einwohner von Grafentraubach eın Telefon ım Hause. Neben dem Anwesen Littich Johann errichtete die Post eine öffentliche Telefonzelle. 1974 endete der Zustelldienst der Familie Dimpfl und die Orte werden nun von der Poststelle Laberweinting aus versorgt. Den radfahrenden Postboten hat nun der Postbote mıt dem Auto abgelöst.
Die Allgemeine Laber-Zeitung als Heimatblatt wird schon früh am Morgen geliefert und seit vielen Jahren von der Fam. Ellersdorfer pünktlich ausgetragen. Die Berichterstattung wird seit Jahren von Georg Wachter wahrgenommen.

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4. Industrie

Von Industrie in Grafentraubach kann man erst seit Errichtung der Maierischen Fabrikanlagen reden. Der bei der Holzbauweise früher geringe Ziegelbedarf wurde ehedem meist im Feldbrand hergestellt, die Bretter auf auswärtigen Sägemühlen geschnitten. Erst 1823 lesen wir in einer Statistik: In Grafentraubach ist eine Ziegelhütte und eine Mahlmühle. Obige in den letzten 50 Jahren entstandenen Fabrikanlagen sind für den Aufschwung Grafentraubachs von solch einschneidender Bedeutung geworden, daß ihnen und ihren Gründern eine weiter ausholende Beschreibung gewidmet werden muß. Ich lege dieser im Wesentlichen eine von Herrn Lehrer Alfons Listl in Abensberg verfaßte Abhandlung zugrunde. Die eingefügten Familienurkunden dienen gleichzeitig zur Beleuchtung der ehemaligen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Gemeinde.

Die Familie Maier entstammt einer Wagnerfamilie in Rogging, das ehemals zur Pfarrei Schierling gehörte. Dort lebte um 1690 ein Wagner Vitus Maier. Dessen Söhne Christoph und Nikolaus übten das Gewerbe des Vaters aus. Nikolaus und seine Gattin Maria hatten 8 Kinder. Das Dritte wurde am 19. 10. 1727 geboren und am gleichen Tage auf den Namen Simon und Juda getauft: Der Stammvater der hiesigen Linie. Der Vater Nikolaus Maier starb 65 Jahre alt als Wagner und Mesner in Rogging am 26. 3. 1761, die Mutter Maria Maier am 19. 6. 1759 (54 Jahre alt).

Am 5. Februar 1754 heiratete Simon Mahr die Tochter Maria der Bauerseheleute Michael und Maria Schmidpauer zu Grafentraubach, geb. am 10. 10. 1718. Durch diese Einheirat übernahm Simon Mahr den Schmidpauernhof Haus-Nr 22 zu Grafentraubach.

Im Grund- und Stiftbuch von 1693 heißt es: Andreas Schmidbauer vom Pitzelmeierhof Erbrecht; scharwerkt mit 4 Rossen, muß 4 Copaun füttern, sowie 1 Hund für die Herrschaft oder statt dessen 2 fl. zahlen. Im Hofanlagbuch 1760 heißt das Anwesen Froschgütl und wird als ½ Hof bezeichnet.

Andreas Schmidpauer starb am 4. 3. 1713 als Austragsbauer, seine Gattin Katharina Schmidbauer, Bäuerin, war ihm am 15. 4. 1711 im Tode vorausgegangen. Der Sohn Michael scheint kurz darauf übernommen und zum erstenmal geheiratet zu haben. Die erste Frau Eva starb bereits am 20. 4. 1716 und am 14. 11. 1717 heiratete er Maria Eisenhut von Eitting. Als Trauzeuge ist nur Anton Rieger, Schmied, aufgeführt Michael Schmidbauer starb vor 1765, anscheinend auswärts, da sich der Todeseintrag hier nicht findet, seine Witwe folgte ihm 75 Jahre alt am 2. 10. 1765.

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Am 16. 11. 1756 wurde den Bauerseheleuten Simon und Maria Mayer zu Grafentraubach der Sohn Simon geboren, der Erbträger wurde. Seine Eltern starben zu Grafentraubach: der Vater am 16. 11.1789, 62 Jahre alt, und die Mutter am 20. 12. 1790, 75 Jahre alt.

Simon Maier hatte den ludeigenen halben Maierhof zu Grafentraubach samt aller Einrichtung am 29. 11. 1786 um 1390 Gulden (== fl.) übernommen. Der Hof war gerichtsbar und erbrechtig zum Patrimonialgerichte Grafentraubach. An Scharwerkgeld mußten 8 fl., an Naturalscharwerk 2 fl. 58 kr. entrichtet werden. Laudemium den 29. 11. 1788 nach æstima pro 7½ % = 90 fl., das 1 1/20 hievon 4 fl. 30 kr., Stift 17 fl. 59 kr., Giltweizen 5 Schäffel 2 Metzen == 64 fl., Giltkorn 5 Schäffel 2 Metzen == 42 fl. 40 kr., Gilthaber 5 Schäffel 2 Metzen = 21 fl. 50 kr., in Summa = 161 fl. 57 kr. Eine hohe Leistung! Der Grün- und Blutzehent mußte an die Pfarrei Grafentraubach geleistet werden. Im Jahre 1811 erhielt Maier noch die sogenannten Forstentschädigungsanteile dazu, statt des bisherigen Holzrechtes auf 6 Klaster. Bei der Übergabe umfaßte der Hof 57 Tagw. 80 Dez. Ackerland, 15,23 Tagw. Wiesen, 12,02 Tagw. Wald und 66 Dez. Ödung zu Grafentraubach, zusammen also 104,03 Tagw.; dazu im Steuerdistrikt Laberweinting 77 Dezimal somit im Ganzen 104,80 Tagwerk.

Am 15. 4. 1788 nahm Simon Mayr Anna Maria Mayr von Taimering, ehel. Tochter des Bauern Bartholomäus Mayr und der Anna Maria Plaimer von Riedertraubling zur Frau. Diese starb ihm jedoch 45 Jahre alt am 10. 6. 1796. Schon am 19. 7. 1796 heiratete er die zu Sünching am 16. 11. 1756 geb. Elisabeth Leyerer, ehel. Tochter des Schmiedes Johann Leyerer und der Maria Eva, Tochter des Bauern Georg Baeck von Malchesing. Auch diese starb nach kaum sechsjähriger Ehe am 9. 4. 1802. Ein drittesmal heiratete Simon Mayr am 13. 7. 1802 zu Grafentraubach die Anna Maria Mayr, ehel. Tochter des Bauern Joseph Mayr in Sengkofen und der Maria, Tochter des Bauern Leonhard Schmalkofer von Sengkofen. Am 30. 6. 1809 wurde ihnen der Sohn Philipp Jakob, der spätere Erbe, geboren. Bis in sein spätes Alter bewirtschaftete Simon Mayr seinen Hof. Unter den „4 freien und sachkundigen Männern”, welche am 15. 3. 1811 zur Abschätzung der steuerbaren Grundstücke von der Steuerkommission aufgerufen wurden, war auch Simon Mayr ½ Hofbauer. Am 14. 5. 1810 waren sie verpflichtet worden. —— Jedenfalls eine ehrende Berufung!

Der Sohn Philipp Jakob freite im Jahre 1833 am 6. 11. zu Grafentraubach Anna Maria, ehel. Tochter des Bauern Andreas Köglmayr und der Gertrud geborene Tallmayr. Anna Maria Köglmayr ist am 29. Januar 1810 zu Eggmühl geboren. Philipp Jakob wurde der ½ Hof Haus Nummer 22 zu Grafentraubach 1833 übergeben. Der am 12. Nov. beim Patrimonialgericht Sünching ausgerichtete Übergabsvertrag, den wir als Probe eines solchen ausführlich bringen, lautet:

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Übergabevertrag.

Simon Maier, Halbbauer zu Grafentraubach und dessen Ehefrau Maria geborne Maier, diese unter Beistandschaft des Johann Vitzthum von dort, übergeben Kraft gegenwärtiger Urkunde an ihren Sohn Jakob Maier

I. ihren am 29. November 1786 übernommenen halben Hof zu Grafentraubach, und

II. den am 5. Februar 1833 aus dem Holzergute von dort erkauften Birchfeldacker gegen eine Summe von 2100 Gulden, und gegen Erfüllung folgender Bedingnisse:

A.

  1. Der Übernehmerhat seiner einbändigen (d.h.Stiefschwester) Katharina, verehelichte Kaiser in Upfkofen zur Ergänzung ihres Heiratsgutes in zwei Fristen, wovon sich die eine zu Michaelis 1833 verfallen hat, die andere aber zu Michaelis 1834 verfällt, nachzuzahlen noch 50 Gulden —— und außerdem erhält sie als väterliches Erbteil in zwei gleichen Fristen zu Michaelis 1835 und 1836 — 45 Gulden.
  2. Die zwei einbändigen Schwestern Maria, verehelichte Lehner zu Grafentraubach und Anna, verehelichte Röhrbeck in Eitting erhalten vom Übernehmer innerhalb 4 Wochen von heute an miteinander in gleichen Theilen . . . . . . . . 80 Gulden — — —.
  3. Jeder seiner zwei noch unverehelichten Schwestern Magdalena und Theresia Maier aus der dritten und gegenwärtigen Ehe seines Vaters hat er an ihrem Verehelichungstage oder im Bedürfnisfalle miteinander in gleichen Teilen zu zahlen jeder 400 Gulden und in zwei gleichen darauffolgenden Jahresfristen jeder 39 Gulden —- sämtliches Elterngut.
  4. Die übergebenden Eltern erhalten innerhalb 4 Wochen von heute an bare 100 fl., und 250 fl. in jährlichen 25 fl. Fristen, deren erste zu Weihnachten 1835 verfällt.
  5. Dem Lorenz Bettenkofer von Grafentraubach hat der Übernehmer fortan zu verzinsen nach 4 vom Hundert ein Kapital von 100 fl. —— und dem Lorenz Hartl von dort ein Kapital von 47 fl. ——
  6. Der Übernehmer darf sich als ein Elterngut zuguterechnen . . . 550 fl. und es verspricht derselbe die genaue Erfüllung der unter Nr. 1 bis 5 enthaltenen Bestimmungen. Nachdem aber auf dem halben Hofe für seine Schwester Katharina verehelichte Kaiser ein Muttergut und Erbteil von 550 fl. und ihre Ausfertigung eingetragen ist, so wurde der Übernehmer auf die Folgen des Eintrages dieser Forderungen, welche zwar bereits bezahlt sein sollen, aufmerksam gemacht.

B.

Die Ubergeber haben sich folgende lebenslängliche Ausnahme bedungen und selbe ist vom Ubernehmer getreu zu entrichten versprochen worden: (Anmerkung: typisch in der Gegend bei Übernahmen.)

Jährlich 3 Schäffel Korn, 1 Schäffel Weizen, 1 Schäffel Gerste und 1 Schäffel Erdäpfel; 4 Schilling Krauthäupl, 4 Pfd. Leinöl, 4 Bürden

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Späne, 2 Klafter Fichtenscheiter, samt Überholz und den Stöcken, welche auf Kosten des Übernehmers gearbeitet und zur Wohnung des Ausnehmer geführt werden, 1 Metzen Salz, 15 Pfd. Rindschmalz, 150 Eier, 8 Ellen flachsene und 8 Ellen rupfene Leinwand, den dritten Teil des Obstes, für die mit übergebende Mutter einen Rock von Schafwolle und für jedes der Übergeber ein Paar Schuhe. Zu Weihnachten einen Frischling zu 30 Pfd., zur Fastnachtszeit 4 Pfd. Schweinfleisch und zu Ostern ebensoviel, zur Kirchweih dagegen 8 Pfd., wöchentlich zwei Maß süße und zwei Maß sauere Milch, jedoch nur von Georgi bis Michaelis. Zur Wohnung bedingen sich dieselben die Stubenkammer, es muß ihnen das Fürststübl wohnbar hergerichtet werden; im Falle sie in dieser Herberge nicht bleiben wollen, gebührt ihnen ein Herbergsgeld von jährlich 8 fl., auch muß ihnen das Mitwaschen und Mitbacken gestattet werden. Im Falle die Ausnahmer von Grafentraubach wegziehen wollten, muß ihnen ihr gesamter Ausnahm aus eine Entfernung von 2 Stunden nach gebracht werden. Die gesamte Ausnahme wird auf einen jährlichen Ertrag von 90 fl. angeschlagen.

C.

Jede der beiden noch unverehelichten zweibändigen Schwestern des Übernehmers Magdalena und Theresia erhält bei ihrer Verehelichung folgende Ausfertigung:

Ein ganzes zweischläfriges gerichtetes Bett mit sechs kurzen Polstern, wovon zwei rotkölnische Überzüge, zwei rotpersene mit gutfarbenen tafenden Bändern und zwei kaffebraune Überzüge, mit blautafenden Bändern, die Überzüge dagegen vom Oberbett blaukölnisch und rotpersern und vom Unterbett rotkölnisch und zwei von rupfener Leinwand sein müssen; zwei weiße flächsene Leintücher; der Fütterich zum Unterbett soll ordinär, jener zum Oberbett weiß und ebenso jener zu 2 Polstern, und jener zu den vier anderen Polstern ordinär sein. Einen weißen Strohsack, Vorhänge von Eingang zur Bettstätte, welche wohl vom Fichtenholz, jedoch blau angestrichen und eine Himmelbettstätte sein muß; zwei blaue Kästen, wovon einer einfach, der andere doppelt sein kann; drei flächsene und drei rupfene Handtücher, ein flächsenes und ein rupfenes Tischtuch und ein Spinnrad, eine Kuh oder hierfür 24 fl. nach ihrem Belieben 3 fl. statt der Hochzeitstücheln; auch muß Ihnen der hochzeitliche Ausgang mit Bier, Brod und Branntwein freigehalten werden. Insbesondere erhält die Schwester Theresia auf den Fall Ihrer Verehelichung folgendes Hochzeitskleid oder hierfür nach ihrem Belieben 20 fl. —

Ein Röckl von schwarzem Tuch mit Zugehörung, einen Rock von Kartiß mit persenen Unterfutter und 1½ Ellen Tafend, ein Kopftuch von weißer Leinwand und ein Fürtuch von schwarzem Tafent.

Wenn eine von diesen beiden Schwestern im ledigen Stand dienstlos oder trank wird, so gebührt ihr im ersten Falle der unentgeltliche Aufenthalt im Hause 14 Tage lang, im letzteren Falle bis zur Wiedergenesung, aber nur vier Wochen lang unentgeltlich Krankenkost und

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Arznei. Die Ausfertigung der Schwester Magdalena wurde auf 70 fl. und jene der Schwester Theresia dagegen auf 90 fl. angeschlagen.

D.

Zum Rücklasse der Übergeber sind die Kinder dritter Ehe alleinige Erben; im Falle ein solcher nicht mehr bestehen sollte, hat der Übernehmer allein die Verbindlichkeit zur Bestreitung der Beerdigungskosten.

E.

Das übergebene Gesamtanwesen ist zum Rittergut Grafentraubach erbrechtsweise, grund- und handlohnbar und es reicht dahin:

a) Der Halbhof jährlich Stift 17 fl. 59 kr., Scharwerkgeld 8 fl. und leistet außer diesen drei Getreidescharwerkfuhren, gilt nach Landshuter Mässerei:

2 Schaff Weizen, 2 Schaff Korn und 1 Schaff 17 Metzl, 1 V. Haber,
b) Der Birchfeldacker Stift- und Scharwerkgeld — 9 kr. gilt 1 V. und 1 V. 3. Sz. Haber.

F.

Die Ehemänner der drei einbändigen Schwestern des Übernehmers, Bartlme Lehner Grafentraubach, Joseph Kaiser von Upskofen und Jakob Röhrnbeck von Eitting, genehmigen gegenwärtigen Übergabsvertrag in allen seinen Teilen, verlangen aber vorderhand die Eintragung der Erbteile ihrer Eheweiber im Hypothekbuche nicht. Zum Zeichen gegenseitigen Einverständnisses unterfertigen die Anwesenden aus Vorlesen Simon Maier, Maria Maier, Johann Vitzthum, Jakob Maier, Magdalena Maierin, Bartlme Lehner, Joseph Kaiser, Jakob Röhrnbeck. Graf. Seinsheimisches Patrim. Gericht Sünching:

Siegel: Unterschrift unleserlich!

Im Laufe des nächsten Jahres vertauschte Jakob Mayr sein Anwesen Haus-Nr. 22 mit Haus-Nr. 4. Von Haus-Nr 22 wurden dabei die Forstrechtsentschädigungsteile vom Jahre 1810, der „Acker im Einsiedlbaumholz” und 12,02 Tagw. Waldungen aus Haus-Nr. 4 herübergenommen: Das Hosbauernanwesen.

Letzteres umfaßte nunmehr 92,84 Tgw. aber 1852 bereits 106,10 Tgw. Der Groß- und Kleinzehent war zu entrichten teils an die Pfarrei, teils an die Gutsherrschaft. Erbrechtsweise war es grundbar zur letzteren mit 7½ % An- und Abstand in Veränderungsfällen unter Lebenden (dagegen 10 % in Todesfällen) und mußten 9 fl. 11 kr. 6 hl. entrichtet werden; dazu 8 fl. Scharwerkgeld, Naturalscharwerk: eine Fuhr mit 5 Schaff 2 Metzen Getreide entweder nach Landshut, Straubing oder Regensburg zu machen über Abzug der Gegenreichnisse zu 4 fl., 2 Fuhren jede mit 5 Schaff 2 Metzen Getreid nach Sünching zu machen über Abzug der Gegenreichnisse 4 fl., Stift 17 fl. 59 kr. Getreidedienst: nach Landshuter Maß Weizen 2 Schaff 2 Metzen== 64 Gulden, Korn 5 Schaff 2 Metzen = 42 fl. 40 kr. und Haber 5 Schaff 2 Metzen 3 Viertel == 21 fl. 50 kr., zusammen in allem 171 fl. 40 kr. 6 hl. An besonderen Leistungen waren zu geben dem Pfarrer von Grafen-

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traubach 2 Vierling Kirchtrachtkorn, dem Mesner von da 2 Weizund Kornläutgarben und dem Schmied daselbst 1 Schäffel Ehehaftskorn. Als Sachverständiger wurde Jakob Maier 1846 von der Gemeinde wegen Biehverein nach Sünching geschickt; später (um 1863) hielt er einen Gemeindestier. Jakob Maier war 1836/9 Gemeindepfleger.

Der Vater des Philipp Jakob starb im Jahre 1836 am 28. 9. zu Grafentraubach 4 Uhr morgens an Schlagfluß. Aus der Ehe seines Sohnes mit Anna Maria Köglmayr gingen nachfolgende Kinder hervor: Georg Mayer, vormaliger Krämer, nun Hausbesitzer zu Weichs wohnhaft, Jakob Mayer, Bauer in Oberwattenbach, Josef und Michael Mayer, noch ledig und großjährig im Elternhaus wohnhaft, endlich Eva, Ehefrau des Bauern Medard Zierer von Breitenhardt.

Anna Maria, die Frau Jakob Mayers starb am 17. Januar 1872. Im gleichen Jahre am 14. Sept. übernahm der am 28. Sept. 1847 zu Grafentraubach geborene Sohn Michael Maier das väterliche Anwesen. Er hatte bei den Jägern in Landsberg gedient und den Feldzug 1870/71 mitgemacht. Während desselben war er an Typhus erkrankt.

Es umfaßte damals in der Steuergemeinde Grafentraubach an Gebäuden und Grundstücken 110 Tagw. und 23 Dez. und in der Steuergemeinde Laberweinting an 77 Dez. Äcker. Das übergebene Anwesen wurde einschlüssig aller Nebenleistungen auf 24000 Gulden veranschlagt und hatte der Übernehmer dagegen zu leisten:

An seinen Bruder Georg Mayer eine Elterngutsergänzung von 2000 fl., an seinen Bruder Jakob Mayer eine Elterngutsergänzung von 500 fl., an seinen Bruder Josef Mayer ein Elterngut von 7000 fl. und endlich an seinen übergebenden Vater einen Übergabsschilling von 5500 fl. mit einem auf jährlich 200 fl. veranschlagten Naturalaustrag. Im selben Jahre 1872 am 29. Oktober nahm der Bauer Michael Maier Klara Steinberger, geboren am 4. 8. 1850 zu Herrngiersdorf als Tochter der Wirtseheleute Georg Steinberger, und Anna Maria, geb. Heinrich von Herrngiersdorf, zur Frau. Der Hochzeitlader stellte folgende Rechnung über die großgefeierte Hochzeit:

140 Personen geladen à 3 Kreuzer macht7GuldenKreuzer
102 „ gedeckt56
6 Tagreisen gemacht à 46 Kreuzer448
Mahlgeld3
Summa19Gulden54Kreuzer

Von der Abdunkung bei dieser Hochzeit hat er sich aufgezeichnet: „Noch Gott hochwürden, Hochwohlgeborenen Titl. Hr. Philipp Pröhuber seiner hohen Gelehrtheit würdigst. Pfarrseelsorger und Lokalschulinspektor in Grafentraubach; Er hat die christliche Einsegnung vollbracht.

Ferners Jungherr Seb. Keglmair wohl. Tafernwirtssohn von Pinkofen und Postillion auf der königl. Poststation Eckmühl Th. u. Jh. Vetter. Er hat uns heute die Ehre gegeben und ist als sideler Brautführer aufgetreten:

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Der Vrautführer ist a Postknecht,
der blost’s Posthörndl ganz fein,
drum sagt heut die Kranzljungfer,
du gehörst a so mein.

Auf gleiche Weise Franz Heinrich, Bauer Herrngiersdorf Jh. Göth. Jh. Tochter Jh. Theresia —— Tochter als heute unser schön gezierte Kränzljungfer.—

Dö Kränzljungfer ko recht lusti sei,
just wiea mas halt grad wüll,
kein Mannsbild, sagts, kos nöt feind sei,
Dö hats grad in der Stüll,
Drum müaßt man heut recht des Jungferl ehrn,
denn es kannt ja bald Hochzeitrin werdn.

Eva Maria Amann, Bauerswitwe, Grafentraubach Jh. und Taufgöth, Jh. Sohn Xaver — Bauerssohn — alsbaldiger Hochzeiter ——, Maria Steinberger, Tafernwirthin, Herrngiersdorf, Jh. Mutter, Schwiegertochter Helena —- Ehrenmutter —- Andrä Burgmair, Halbbauer, Haimelkofen Jh. und Firmgöth Jh. Sohn Alois Burgmair als neuangehender Halbbauer, Haimelkofen — Sr. Hochwohlgeb. Titl. Herr von Lotterer als Reichstagsdelegierter und Schloßinhaber, Herrngiersdors, Jh. und Hr. Gönner. —

Und nun folgen 90 weitere Namen von Verwandten und Freunden, darunter mehrere Kriegskameraden, den Schluß machen:

Jakob Maier, Bauerswitwer, Traubach Jh. und Vater, Gutübergeber selbst, Hr. Anton Bräntl, Gastgeber.

Philipp Jakob Mayer starb 15 Jahre später am 2. 10. 1887, früh 6 Uhr zu Grafentraubach.

Aus der Ehe des Michael Maier mit Klara Steinberger gingen 14 Kinder hervor, wovon noch leben Anton und Michael Maier, Fabrikbesitzer zu Grafentraubach; Hans Maier, Sägewerksbesitzer zu Rottenburg—Laber, Magdalena Zellner, geb. Maier, auf der Reichermühle und Maria Zierer, geb. Maier, in Westersbergham b. Geisenhausen.

Vom Jahre 1876——1882 leitete Michael Maier, der vorbildliche Landwirt, als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Grafentraubach zur vollsten Zufriedenheit der Gemeindebürger. In dem 1900 gegründeten Kriegerverein war er als erster Vorstand tätig. Er war aber auch ein äußerst tüchtiger Geschäftsmann, wie folgt:

Nachdem er seinen Grundbesitz zu Haus Nr. 4 (Hofmeier) durch Tausch und Zukauf auf 71,786 ha gebracht hatte, befaßte er sich mit der Errichtung einer Ziegelei. Um sich diesen Plänen ganz widmen zu können, legte er das Bürgermeisteramt nieder.

In den Jahren 1877 und 1878 ließ Michael Maier zu Haus-Nr. 4 die gesamten Stallungen neu erbauen, sowie im Jahre 1893 den dazu gehörigen Stadel.

Den Grundstein zu dem heute modern ausgebauten Fabrikbetriebe legte Michael Maier im Jahre 1889, als er auf Plan-Nr. 841a einen

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Ziegelofen mit Feldbrand und von den gewonnenen Steinen einen Ringofen mit Kamin nebst Trockenstadel erbauen ließ. Im Jahre 1892 ließ er eine 4 PS Dampfmaschine nebst Kuchen- und Falzziegelpresse aufstellen, die aber 2 Jahre später von einer 21 PS Lokomobile abgelöst wurde. Gleichzeitig wurde ein Feinwalzwerk mit konischen Walzen für Biberschwänze erworben. Im Jahre 1895 wurde der Platz neu vermessen und ein Trockenstadel und Maschinenhaus errichtet.

Zwei Jahre später: 1897 wurde die Ziegelei weiter ausgebaut durch Aufstellen einer neuen Presse und eines Walzwerks; der Ringofen wurde verlängert und ein Seitenbau für Arbeiter gemacht. Der Sohn Anton war vom Militär heimgekommen und nahm den Umbau in die Hand. Der Firmentitel des Fabrikanwesens (nunmehr Hs.-Nr. 4⅓) war ab 1897—1911 „Maier und Söhne”. Im Jahre 1898 wurde die Lokomobile durch eine 70—80 PS liegende Dampfmaschine mit Transmission zum Sägewerk ersetzt; denn der ganze Betrieb vergrößerte sich rasch:

Von Stutz Nürnberg war das Sägewerk mit 70er Vollgatter und einfacher Besäumkreissäge beschafft, in die Ziegelei eine Strangenpresse zur Steinfabrikation und Vorbereit(i/u)ngsmaschine für Falzziegelkuchen. Beschäftigt waren ungefähr 50 Italiener, die im Arbeiterhaus wohnten.

Ferner wurde mit dem Ziegelringofen—, Maschinenhaus- und Trockenstadelneubau auf Pl. Nr. 841a, 820 821½ begonnen und der Ringofen mit Gebäuden, der Kamin, das Maschinenhaus, die Sägehalle, 6 Trockenstädel, ein Schupfen mit Vorplatz erstanden. Somit war der Betrieb um ein Sägewerk vergrößert worden. Dazu wurde im selben Jahr noch ein Arbeiterwohnhaus mit Kantine errichtet. Im Jahre 1902 wurde in der Ziegelei eine Revolverpresse aufgestellt, sowie eine elektrische Anlage mit Dynamo geschaffen, welche den ganzen Betrieb und teilweise das Dorf mit elektrischem Licht versorgte. Im Sügewerk kam zur ersten Gattersäge (von 1894) 1907 noch ein zweiter und zwar ein Esterer-Gatter von Altötting mit 55er Durchgang. Weiterhin wurde der Betrieb im Jahre 1903 durch die Erbauung einer Schreinerwerkstätte mit Abrichtmaschine, Fräser und Diktenhobelmaschine vergrößert, ferner im Jahre 1904 durch die Erstellung eines Wohnhauses 4½ mit Stall, Stadel und Wagenremise mit Backofen und Anlegung eines Gartens auf Plan Nr. 24½. Im selben Jahre brannte das Maschinenhaus ab. Glücklicherweise waren die Maschinen nicht viel beschädigt. Unverzüglich wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Endlich trat Maier 1905 an die Errichtung eines Bräuhauses mit Gebäuden, Kühlanlage, Gärteller, Lagerkeller und Hofraum auf Plan Nr. 838 a heran und führte auch diesen Plan aus.

Zur Ergänzung vertauschten am 25. September 1905 die Eheleute Michael und Klara Maier das Grundstück Pl. Nr. 1015 Einsiedlacker 0.668 ha groß um 400 ℳ an die Eheleute Peter und Magdalena Littich Hs.-Nr. 42. Entgegen überließen letztere die mit dem Wohnhaus Nr.42 (Pl. N. 25a) in Grafentraubach verbundene reale Tafern- und

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Metzgergerechtsame an die Eheleute Michael und Klara Maier gegen Tauschaufgabe von ℳ 20000.—

Am 18. Oktober 1906 verkauften die Eheleute Michael und Klara Maier an ihren Sohn Anton Maier in Grafentraubach ihre im Grundbuche des Amtsgerichtes Mallersdorf für Grafentraubach Bd. III Bl. 60 S. 705 Bd. IB1 9 S. 97 eingetragenen Grundstücke in Größevon 12.657 ha samtallen bei obengenanntem Gasthause und vorstehendem Bräuhause befindlichen Mobilien und Morentien, dann die in Grundbuch für Grafentraubach Bd. IX B I. 202 S. 280 eingetragene, bisher zum Anwesen Hs.-Nr. 4 in Grafentraubach gehörige, reale Tafern- und Metzgersgerechtsame um den Preis von 80000 ℳ, den unausgeschiedenen Hälfteanteil an den in der Steuergemeinde Grafentraubach gelegenen (Grundstücke mit 3.901 ha inbegriffen) Ringofen mit Kamin, Maschinenhaus,Schreinerwerkstätte, Sägehalle, 5 Trockenstädel, Schupfe und Vorplatz, sowie Arbeitertvohnhaus vorhandenen Mobilien und Morentien um den Preis von 20 000 ℳ, also Gesamtkaufpreis 100 000 ℳ. (Am Kaufpreis sind 15 000 ℳ bereits durch Verrechnung getilgt, weitere dadurch, daß der Käufer den gleichen Betrag durch sein vorläusiges Elterngut verrechnet.) Die hiernach noch restigen 70 000 ℳ sind von heute ab mit jährlich 3½ % zu verzinsen und in einem Vierteljahre nach geschehener beiden Teilen jederzeit freistehenden Kündigung zu bezahlen. Die Verkäufer verzichten aus Sicherstellung dieses Kaufschillingrestes samt Zinsen. Der Käufer ist bereits in den Besitz des Kaufobjektes getreten. Alsdann am 20. November 1906 heiratet Herr Anton Maier, geboren am 6. 5. 1875 in Grafentraubach, die Tochter Maria der Bauerseheleute Johann und Katharina Ebner von Steinkirchen. Aus dieser Ehe gingen die drei Söhne, Anton, Hans und Alfons hervor.

Am 14. November 1907 treten die Eltern Michael und Klara Maier das in der Steuergemeinde Grafentraubach gelegene im Grundstück Plan Nr. 24½ Bauplatz zu 0.027 ha an die Eheleute Anton und Maria Maier Hs.-Nr. 4½ in Grafentraubach unentgeltlich zur gesamten Hand zum Eigentum ab. Der Wert des Abtretungsobjekts wird auf ℳ 30.— festgesetzt.

Am 18. März 1909 abends ward der Schöpfer und Gründer dieses umfangreichen Besitztums Herr Michael Maier unerwartet aus seinem eifrigen Schaffen herausgerissen, dadurch daß er in der ersten Badergrube bei der Reichermühle ertrank.

Auf Grund Vertrages und Erbvertrages vom 16. 9. 1872 und Protokoll des Amtsgerichtes Mallersdorf vom 26. 4. 1909 tritt das Erbe ihres Mannes Frau Klara Maier an.

Aber am 28. Januar 1911 übergibt sie laut Übergabsvertrag an ihren Sohn Michael ihr in den Steuergemeinden Grafentraubach, Inkofen, Allkofen, Sallach und Laberweinting gelegenes Anwesen Hs.-Nr. 4 in Grafentraubach 58.722 ha umfassend samt Hälfteanteil am Fisch- und Streurecht in der kleinen Laber samt allem beim

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Anwesen vorhandenen lebenden und toten Inventar mit Ausnahme derjenigen Gegenstände, welche die Übergeberin in ihre nachbezeichnete spezielle Austragswohnung verbringt.

An ihren Sohn Anton Maier tritt Frau Klara Maier den ihr gehörigen Hälfteanteil an dem im Grundbuch eingetragenen und oben schon erwähnten pfandfrei eingetragenen Fisch- und Streurecht in der kleinen Laber als unentgeltlich zum Eigentum ab. Der Wert des Abtretungsobjektes wird auf 500 ℳ angegeben. Außerdem übergibt sie ihrem Sohn Michael den ihr gehörigen Hälfteanteil an dem in den Steuergemeinden Grafentraubach und Laberweinting gelegenen, im Grundbuch Mallersdorf eingetragenen Anwesen Hs.—Nr. 4⅓ in Grafentraubach mit den ausgeführten Äckern und Wiesen, sowie Ringofen und Gebäuden. Für diese Anwesensübergabe obliegen dem Übernehmer folgende Verpflichtungen:

Die Übergeberin bedingt sich

a) ein Umstandsgeld von ℳ 15 000 mit jährlich 4% Verzinsung und in einem Vierteljahr nach geschehener beiden jederzeit freistehender Kündigung zu bezahlen.

b) Auf Lebensdauer als Austragsreichnisse:

  1. ein jährliches Einspendgeld von ℳ 400, zahlbar in 4 gleichen am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November jeden Jahres fälligen Raten, die erste Rate zahlbar am 1. Mai laufenden Jahres.
  2. Zur Wohnung:

Die Mitbenützung der allgemeinen Wohnstube, der Küche, des Kellers, des Brunnens, des Abortes und der Holzlege sowie ausschließende Benützung der alten oberen Stube samt den beiden Nebenzimmern.

  1. Zur Beheizung:

alljährl. 9 Ster weiches Scheitholz, klein gemacht und 200 Bäuschl.

  1. Zur Nahrung:

Die Tischkost mit dem Übernehmer oder hiefür täglich 1 ℳ bar.

  1. Waschen, Backen, Flicken, Putzen, Mühl- und Holzfahrem Mitbenützung der Haus- und Kücheneinrichtungsgegenstände.
  2. In Krankheitsfällen: Krankenkost, Krankenwart, auf Verlangen eine eigene Wärterin, Holen und Bezahlen des Arztes und der Medizin. Die seinerzeitigen Leichenkosten der Übergeberin dürfen von deren Nachlaß bezahlt werden.

Wenn die Übergeberin nicht mehr beim Anwesen wohnen bleiben will und fortzieht, so erhält sie eine jährliche Wohnungsgeldentschädigung von 60 ℳ. In diesem Falle sind die Leistungen an Holz unentgeltlich zehn Kilometer weit nachzuliefern. Gegen die weichenden Geschwister des Übernehmers namens Hans und Maria Maier:

Diese erhalten:

  1. Ein Elterngut und zwar Johann von 20 000 ℳ, Maria von 15 000 ℳ, jährlich mit 4 % zu verzinsen und in ¼ Jahr nach geschehener Auf-

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kündigung zu bezahlen. Von dieser Aufkündigung dürfen die Gläubiger jedoch vor Umfluß von 5 Jahren von heute an keinen Gebrauch machen.

  1. Als Ausfertigung: Maria, wenn sie heiratet, 2 Kühe.
  2. Auf die Dauer des ledigen Standes das Unterschlupfrecht beim Anwesen und zu diesem Behufe Johann die ausschließliche Benützung des oberen Seitenzimmers, Maria »die Benützung der alten oberen Stube gemeinschaftlich mit der Übergeberin, nach deren Tod ausschließend.

Vom Fischrecht” in den 3 Badergruben” bei der Reichermühle war ein alter Erbrechtsbrief vorhanden und da dieses Recht noch heute auf Hs.-Nr. 4 zu Grafentraubach (Hofmaier) ruht, sei der Wortlaut dieser Urkunde angeführt als Probe einer solchen:

Erbrechtbrief

von Johann Heigl seinen Erben und Nachkommen um das Ehehastsbad zu Laberweinting ange . . . . .

10. Februar 1705

JCH, Franz Ignatz Reichsgraf von Leiblfing auf Rhain und Schönach, Herr zu Laberweinting, der Römischen Kaiserlichen Majestät Landrichter und Pfleger aus Haidau und Pfatter, dann der Kurfürsten Durchlauchtigster in Bayern Kammerer.

Bekenne für mich, meine Erben und Nachkommen offen gegen meniglich, daß ich auf untertäniges Anhalten dem Ehrbaren Johann Heigl, Bader zu Hainpuech seinen Erben und Nachkommen de novo Ewige Erbgerechtigkeit gegeben hab. Gib und verleihe ihm selbe ganz wissend und wohlbedacht hiemit und in Kraft dieses Briefes, in, an und auf meinem eigentümlichen Bad und Sölden allhier zu Laaberweinting, samt den dazu gehörigen Ehehaftsrecht und Nutzung der 3 Fischwassergruben nächst der Reichermühle, mit allen rechtlichen Ein- und Zugehörigen, zu Haus, Feld und Wiesen, dann dem vorhandenen Badgeschirr, also solchergestalten gleich wie ich all und jetzt von dem vorigen Bader Mathias Gruber unterm dalo vierzehnten Februar anno siebzehnhundertdrei käuflich an mich gebracht habe, benanntlichem um Dreihundert Gulden und Drei Reichstalern Leihkauf, welche Summe vermög Briefsprotokoll über bereits bezahlte Einhundertfünfzig Gulden in pactierten Fristen bezahlt werden müssen.

Demnach und hierauf mag gedachter Heigl seiner Nachkommen Erbe angerechtes Bad, mit dessen rechtlichen Ein- und Zugehörungen inne haben und nützen, verwechseln und verkaufen, wie es ihm und seinen Erben gelüstet und gelangt, auch sich mit dergleichen Erbrechten zu tun gebührt, ehrlich und ein jedes Jahr aber mir, meinen Erben und Nachkommen, wann und wohin sie erfordert werden, ohne alle Landsgepressen zu gewöhnlicher Stift und Gült reichen fünf Gulden, Stiftgeld drei Kreuzer, Schargeld 1 Kreuzer 2 dl, von den drei Fischgruben 40 Kreuzer dann an Kucheldienst 25 Eier, 2 Hühner und 1 Gans oder das Geld hierfür. Nicht weniger die gewöhnliche Weiberscharwerk wenn er nicht Bad zu verrichten, und einen Hund zu halten soll er verpflichtet sein.

[Seite 152 A]

ANTON MAIER

MICHAEL MAIER

[Seite 152 B]

Brauerei Maier

Gasthof der Brauerei Maier

[Seite 152 C]

Ziegelei und Sägewerk Grafentraubach

[Seite 152 D]

Sägewerk Laberweinting

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Falls da nun er oder seine Erben verstandene Gerechtigkeit nicht mehr haben wollen, so sollen sie mir oder meinen Nachkommen solche, wie auch alle Viktualien ehrsam anfeilen und um einen leidenlichen Wert erfolgen lassen, auch auf all sich zutragende Veränderungen Todfall, Ab— und Anstand entrichten, auch in allem zu Hause und Feld lassen und baulich erhalten. Würde er oder seine Erben, einen oder den andern aus oben beschriebenen Artikeln unhältlich überfahren, so haben sie sich von solcher Gerechtigkeit freiwillig entsetzt und ohne Gnade verwirkt.

Treulich ohne Gefährt der wahren Urkunde, habe ich letztermeldetem Heigl seinen Erben und Nachkommen diesen mit meinem Gräflichen hieranhängendem Insiegl verfertigten Erbrechtbrief zugestellt.

Geschehen den zehnten Monatstag im Februar, im Eintausendsiebenhundertfünftem Jahr.

Siegel Unterschrift: unleserlich

Im Jahre 1909 ließ Michael Maier das heutige hübsche Wohnhaus Hs.-Nr. 4 erbauen und am 21. Februar 1911 heiratete er zu Grafentraubach Maria, Tochter des Bauern Xaver Späth von Sünching, geb. am 20. 10. 1889 zu Greißing bei Geiselhöring. Dieser Ehe entsprossen die Kinder Hans, Michael, Maria und Regina Maier.—

Im Jahre 1911 am 1. November starb seine Mutter Klara Maier geb. Steinberger. —

Bis zum Jahre 1922 war der Grundbesitz des Erbhofes Hs.—Nr.4 durch Tausch und Zukauf von Wiesen, Feldern und Wäldern auf 63.833 ha gekommen

Wenden wir uns nunmehr wieder dem weiteren Ausbau des Fabrikunternehmens zu. Beim Anwesen des Herrn Anton Maier Hs.-Nr.4½ wurde im Laufe des Jahres 1910 ein zweiter Saal und ein Kuhstall aufgeführt, das Büro und die Küche gebaut. Für das Fabrikunternehmen ließ man 1911 die erste handelsgerichtliche Eintragung Unter dem Titel „Anton und Michael Maier” vornehmen. So entstand im Laufe der Jahre das heutige stattliche Brauereianwesen.

Der Ausbau der Fabrikanlage wurde stets weiter geführt, der Betrieb modernisiert und erweitert; so wurde im Frühjahr des Jahres 1914 eine ortsfeste 120 PS Lokomobile gekauft und eingebaut.

Inzwischen brach am 2. August 1914 der Weltkrieg aus. Am 3. Mobilmachungstage mußte Hans Maier zum aktiven 1. Fußartillerie Regiment nach München einrücken. Er war 4 Jahre an der Front, zuerst an der Westfront, dann in Mesopotamien, wo er mit dem türkischen Halbmond ausgezeichnet wurde und zuletzt wieder an der Westfront. Am 4. Mobilmachungstage mußte auch Michael Maier von seinen Lieben Abschied nehmen und zum 3. Reservefußartillerie Regiment einrücken. 44 Monate kämpfte er an der Westfront. Seine fleißige Ehefrau bewirtschaftete allein während dieser Zeit mit den

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Dienstboten und zugeteilten Kriegsgefangenen den Hof Hs.-Nr. 4. Obwohl zahlreiche Arbeiter des Fabrikbetriebes einrücken mußten, wurde der Betrieb nun von Anton Maier allein weitergeführt. Im Jahre 1915 gründete er die Sägewerksanlage in Laberweinting.

Zunächst wurde die Anlage mit einer 16 PS Lokomobile betrieben, die nach ein paar Jahren durch eine 30 PS Lokomobile ersetzt wurde und 2 Vollgatter, eine Kreis- und Brennholzsäge betreiben mußte. Allein 1916 wurde auch Anton Maier zu den Fahnen gerufen und zwar zum Train (Technische Abteilung) nach Secklin (Nordfrankreich).

Nach Kriegsschluß wurde von den Gebrüdern Maier die Arbeit in vollem Umfange wieder aufgenommen und zwar in Landwirtschaft wie auch in der Brauerei und Fabrikanlage.

Im Jahre 1919 machte sich Johann Maier selbstständig dadurch, daß er in Gisseltshausen bei Rottenburg/Laber ein Sägewerk gründete und Theresia, die Tochter der Bauerseheleute Xaver und Regina Späth von Sünching, heiratete.

Michael Maier verpachtete am 1. Januar 1921 seinen Fabrikanteil an den Ingenieur Carl Stendel, der am 31. Dezember 1935 von der Firma als Pächter wieder ausgeschieden ist.

Am 18. Dezember 1921 wurde unerwartet die Ehefrau des Michael Maier, Maria Maier, geborene Späth, aus dem Leben gerissen. Der Witwer Michael Maier räumt am 12. Oktober 1922 von seinem Hälfteanteil an dem bei der Übergabe schon beschriebenen Grundbesitz von Hs. Nr.4⅓ Fabrikanlage mit Ausnahme des erwähnten Fisch— und Streurechts auf gleichem Grundbesitz eine Sicherungshypothek bis zum Höchstbetrage vom 150 000 ℳ zu Gunsten der Bayerischen Vereinsbank in München, zur Sicherung ihrer Ansprüche aus dem von ihr oder einer ihrer Zweigniederlassung der offenen Handelsgesellschaft A. &. M. Maier in Grafentraubach eingeräumten Kredit, seinem am 16. Dezember 1911 zu Grafentraubach geborenem Sohne Johann Maier zu vierfünftel Anteilen das Miteigentum ein, sodaß sein bisheriger Hälfteanteil fernerhin ihm zu 1/5 und seinem Sohne Johann Maier zu 4/5, gehört. Am 23. November 1922 heiratet Michael Maier, Witwer, die Tochter Regina der Kunstmühlenbesitzerseheleute Heinrich und Adelheid Aschenauer zu Fuchsmühle. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Paul und Adele hervor. Michael Maier wurde 1933 Bürgermeister.

Nach Umstellung in der Betriebsführung wurde am Ausbau der Fabrikanlage weitergearbeitet: Im Jahre 1926 wurde das Sägewerk Laberweinting in ein dreigattriges Sägewerk umgebaut, eine Doppelbesäumkreissäge aufgestellt und die 120 PS Lokomobile der Ziegelei nach dort gebracht. 1933 wurde ferner eine moderne große Hobelmaschine aufgestellt mit einer Spaltbandsäge. Im gleichen Jahre war auch die Brauerei im März weggebrannt; aber schon in den Monaten Mai und Juni wurde sie neu aufgebaut. Die Inneneinrichtung

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lieferte die Maschinenfabrik Sommer in Landshut. Die Brauerei beliefert 5 Wirte.

Zwei Jahre später erstand das Bürogebäude zu Laberweinting (1935.) Dort wurde ein 3. Gatter mit 75 cm Durchgang errichtet sodaß in den beiden Sägewerken Grafentraubach und Laberweinting 6 Vollgatter laufen. 1937 wurde in letzerem ein Schleifraum mit verschiedenen automatischen Schleifmaschinen, 1938 zwei neue Trockenkammern errichtet und eine elektrische Astbohrmaschine aufgestellt, ein Bad mit Wannen und Brausen für die Arbeiter, 1939 ein hübscher Gefolgschaftsraum eingerichtet. Schon 1919 hatte die Firma ein Arbeiterwohn-Doppelhaus erbaut. 1937 war in die Ziegeleifabrik eine neue Biberschwanzpresse gekommen.

Endlich wurde im Jahre 1936 eine 200 PS Lokomobile im Sägewerk eingebaut und eine künstliche Holztrockenanlage errichtet.

Am 27. Juli 1936 wurde das Anwesen des Herrn Anton Maier abermals von einem Brand heimgesucht, der im Heuboden entstand, und in der Nacht vom 30. auf 31. August 1939 brannte die Ziegelei nieder. Ausgebrochen war das Feuer im Kesselhaus; eine Explosion des Kessels, die man befürchten mußte, konnte glücklicherweise verhindert werden. Dem Eingreifen der Mallersdorfer Motorspritze war es Zu danken, daß wenigstens das Sägewerk gerettet werden konnte. Die Feuerwehren — neben Grafentraubach und Mallersdorf war noch Laberweinting erschienen — arbeiteten bis 4 Uhr morgens. Ein seltenes Bild bot sich, als gegen 1 Uhr ein Flugzeug mit seinen starken Scheinwerfern die Brandstätte beleuchtete.

Aus kleinen Anfängen entstand im Laufe mehrerer Jahrzehnte die heutige ausgebaute Fabrikanlage, sowie das Brauereianwesen Anton Maier, zum alten Hofgut Maier, welches im Besitze des Herrn Michael Maier ist, einem stattlichen Erbhofe, durch die zähe Arbeit und den unermüdlichen Fleiß ihrer Betriebsführer.

Die Werke beschäftigen heute eine Gefolgschaft von 46 Mann in der Ziegelei, 70 Mann in beiden Sägewerken und in der Zimmerei, 9 in der Brauerei und Büro, 6 Mann als Chauffeure, dazu als Holzfahrer und in der Landwirtschaft 11 mehr oder minder ständige Arbeitskräfte. Die Wiederaufrüstung vor dem Kriege und die militärischen Bedürfnisse während desselben haben dem Geschäfte umfangreiche ehrende Aufträge gebracht; der Betrieb wurde als kriegswichtig anerkannt.

Mögen die jungen Nachfolger im Sinne ihrer Väter zur Ehre und zum Ansehen ihres Geschlechtes Maier weiter schaffen und werken.

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Fabrikgelände A. u. M. Maier

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Soweit die Reindl’sche Chronik. Als „Nachfolger im Sinne ihrer Väter” traten 1937 die Söhne der beiden Gesellschafter, Dipl.Ing. Hans Maier und Bauingenieur Hans Maier in die Gesellschaft ein. Der Diplomingenieur, Sohn von Anton Maier, mußte 1938 zum Wehrdienst einrücken; der Bauingenieur, Sohn des Michael Maier wurde 1940 kurzfristig eingezogen, heiratete im gleichen Jahre noch Rosa Rätschmeier aus Laberweinting. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor: Hans, der heutige Fürmeninhaber, und die Geschwister Inge und Klaus. Ihr Vater, der Bauingenieur Hans Maier wurde im Frühjahr 1941 bis Juli 1944 „uk” (unabkömmlich) gestellt, dann aber zum Wehrdienst eingezogen. Er kam nach Ostpreußen, wurde im Frühjahr 1945 verwundet und geriet in russische Gefangenschaft. Erst am 20. April 1950 kam er als einer der letzten Kriegsgefangenen des Dorfes zurück.

Sein Cousin, Dipl.Ing. Hans Maier, kam zu Beginn des Polenfeldzuges am 1. September 1939 nach Polen und anschließend nach Rußland, wo er seit der Schlacht um Stalingrad vermißt ist. Zwischen den beiden jungen Gesellschaftern, die durch den Krieg aus ihrer Arbeit und ihren Plänen herausgerissen wurden, bestand ein hervorragendes Verhältnis und eine harmonische Zusammenarbeit.

Im Jahre 1946 starben die beiden Altgesellschafter, Michael Maier am 7. Februar, Anton Maier am 19. August und im Mai 1947 folgte ihnen auch ihr Bruder Hans Maier aus Rottenburg in die Ewigkeit nach.

Der Betrieb wurde von 1946 an vom Sohn des Anton Maier, Brauingenieur Alfons Maier und als Abwesenheitspflegerin für den Bauingenieur Hans Maier, von dessen Schwester Adele Maier weitergeführt.

Gleich nach dem Krieg drängten die Verhältnisse, die 1939 abgebrannte und noch im gleichen Jahr wiederaufgebaute, doch stillstehende Ziegelei trotz enormer Schwierigkeiten wieder in Gang zu setzen. Mit eigenen Handwerkern gelang es unter großem Einsatz des damaligen Ziegeleimeisters Ludwig Hinreiner aus Grafentraubach und des Zimmermeisters Emmeram Roider aus Laberweinting, eine Freiluft-Trockenanlage und eine künstliche Trockenanlage fertigzustellen. In den schwierigsten Nachkriegsjahren, 1945-48, kamen bei den damals herrschenden Verhältnissen immer wieder Maschinenteile und Teile von Automaten abhanden. So wurde kurz vor Anlaufen der Produktion ein endloses Band (Filzband) von einem unentbehrlichen Abschneideautomaten gestohlen. Ein solches Band konnte man damals gut gebrauchen für Schuhsohlen. Ein Ersatz konnte nur in der Schweiz oder in einem Auslieferungslager in Bremen besorgt werden. Nur durch Lebensmittellieferungen war es möglich, das Band zu beschaffen.

Die Zeit der Not und die Not der Zeit drängte. Jedermann erkannte die Notwendigkeit, daß die Ziegelei für den Bedarf der Bauwirtschaft laufen und produzieren mußte. Es fehlten aber auch die Treibriemen für die Maschinen. Immer wieder wurden sie versprochen, vom Landratsamt Mallersdorf, von der Regierung und sogar vom Wirtschaftsministerium. Es blieb aber nur bei tatenlosen Versprechungen. So mußte man sich selbst helfen, durch „Kompensationsgeschäfte”.

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Und es gelang: Die Firma lieferte einer Ziegelei Latten für Absetzgeräte. Diese Ziegelei beschaffte dafür einer Lederfabrik Ziegel, die sie brauchte und diese Firma erhielt dafür die erforderlichen Treibriemen. So konnte der Betrieb der Ziegelei, die seit 1939 stillstand, zur größten Freude und aller Zufriedenheit noch vor der Währungsreform aufgenommen werden. Nach dem Einbau eines Kollergangs umfaßste die Produktion zuerst Mauerziegel; erst später kamen Dachziegel (Biber und Falzziegel) hinzu. Die Nachfrage nach Ziegeln war so enorm, daß am 1. Samstag nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948, also am 26. Juni 1948, die Arbeiter in DM bar ausbezahlt werden konnten.

Im gleichen Jahr heiratete der Brauingeniuer Alfons Maier, Lieselotte Meier aus Moosdorf bei Straubing.

Um die Produktionsmöglichkeit zeitlich auszuweiten, nämlich für die kälteren Herbst- und Wintermonate, war es unerläßlich, eine Heizung für die Großraumtrocknung anzuschaffen. Die Heizung, die mit Dampf und Wasser aus der Kraftanlage gespeist wurde, konnte im Jahre 1949 in das 2. und 3. Obergeschoß der Ziegelei zum Trocknen der Dachziegel eingebaut werden. Obendrein wurde im Herbst dieses Jahres mit dem Bau des heutigen Bürogebäudes begonnen. Es wurde noch 1949 bezogen.

1950 durfte endlich Bauingenieur Hans Maier aus russischer Gefangenschaft heimkehren. Die ehemalige OHG wurde im folgenden Jahr in eine Kommanditgesellschaft umgegründet, deren Komplementär Bauingenieur Hans Maier war. Alfons Maier war Kommanditist der Gesellschaft.

Im Jahre 1953 mußte eine neue Dampflokomobile angeschafft und eingebaut werden, die mit ihren 450 PS den ganzen Betrieb mit eigener Energie und Wärme versorgen konnte.

Die Zahl der Beschäftigten belief sich 1955 auf 125 Arbeiter und 7 Angestellte. Für die Arbeitnehmer, insbesondere für die Heimatvertriebenen, waren im Jahre 1951/52 Arbeiterhäuser gebaut worden.

1957 wurde das Sägewerk Laberweinting, das dem Kommanditisten Alfons Maier gehörte und seit 1951 von der Firma gepachtet war, aus Rationalisierungsgründen aufgelöst. Um die Laberweintinger Sägewerkskapazität zu ersetzen, wurde 1958 das Sägewerk in Grafentraubach umgebaut und erweitert, so daß von diesem Jahre an im Betrieb Grafentraubach mit zwei Gattern die gleiche Menge produziert wurde, die bisher in den zwei mit jeweils 3 Gattern ausgerüsteten Sägewerken erlangt worden war.

Im nämlichen Jahr erfolgte auch der weitere Ausbau des Hobelwerkes und 1959 ein Neubau der Zimmerei. Im August 1961 wurde aber das neu umgebaute Sägewerk das Opfer einer Brandkatastrophe. Zum Glück konnte dabei die Ziegelei gerettet werden. Die Brandursache konnte damals nicht geklärt werden. Während der Phase des Wiederaufbaues stellten das Kloster Mallersdorf, das ein eigenes Sägewerk besitzt, sowie die Familie Michael Zellner aus Reichermühle ihre Pro-

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Haus- und Familiengeschichte

Eine Chronik erzählt uns die Ereignisse, die im Laufe der Jahrhunderte sich in einem Ort abgespielt haben, wechselnd bunte Bilder von Freud und Leid, Alltag und besonderen Geschehnissen. Es interessieren uns diese Ereignisse aus unserer Heimat; näher aber noch als Tatsachen berühren uns die Menschen, die all? das mitgemacht. Sie sind uns ja keine Fremden; etwas von ihrem Blute fließt auch in unseren Adern. Es sind diese Menschen unsere Vorfahren und Ahnen.

Die Hausgeschichte der Pfarrei, welche uns die Besitzer der einzelnen Höfe und Häuser auf fast 200 Jahre zurück bringt, wird sicherlich manchen Pfarrangehörigen viel Neues über ihre Vorfahren und Ahnen bringen. Grafentraubach ist eine der wenigen Pfarreien unseres Labergaues, die noch Pfarrbücher aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg besitzt, dem so viele Aufschreibungen aus früherer Zeit zum Opfer gefallen sind. In Grafentraubach sind die Pfarrbücher seit dem Jahre 1588 erhalten, wenn auch mit Lücken. Im Taufbuch sind die Blätter von 1615——1622 halb abgerissen worden, die Heiratseinträge von 1598——1627 fehlen ganz; ebenso fehlen die Todesfälle bis 1623 ganz. In Feindszeiten sind oft genug Taufen, Trauungen und Beerdigungen auf der Flucht, an anderen Orten erfolgt. Immerhin weisen die Pfarrbücher von Grafentraubach in den 350 Jahren noch eine hüsche Anzahl von. Einträgen auf, nämlich bei Taufen 7919, bei Trauungen 1262, bei Sterbefällen 4547, also im ganzen 13728 Einträge.

Kennzeichnend für Grafentraubach ist ein häufiger, oft rascher Wechsel der Familiennamen, selten durch Aussterben, häufiger durch Einheirat oder Wegzug. Der überwiegende Klein- bis Mittelbesitz ist oft nur Durchgangsstation und sobald die Wanderung über das Dorf hinausgeht, gehts schon wieder in eine andere Pfarrei.

In nachfolgender schwieriger Zusammenstellung sind notwendigerweise viele Kürzungen. Bs. == Bauerssohn, Bt. == Bauerstochter, Ss. == Söldnerssohn usw. Die Ortsnamenkürzungen sind leicht aufzulösen, z. B. Ogra == Obergraßlfing, Ugra == Untergraßlfing, Gfg == Graßlfing, Grtr == Grafentraubach, Stk == Steinkirchen u. dgl.

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Bei den Familiennamen stehen Ortsnamen nur dann, wenn die Betreffenden aus anderen Orten sind, also nicht in Grafentraubach (bezw. Steinkirchen, Obergraßlfing, Untergraßlfing, Zeißlhof, Arnkofen, Reichermühle) gebürtig oder wohnhaft waren. Anwesensübernahme durch Kauf, Tausch oder Übergabe ist am Schluß jeder Zeile vermerkt; wo nichts vermerkt ist, geschah die Übernahme des Anwesens durch Heirat von Sohn, Tochter usw. Das Zeichen ∞ zwischen den Familiennamen bedeutet Heirat und kennzeichnet zugleich die Erhaltung und Fortpflanzung der verschiedenen Familien und Geschlechter auf den einzelnen Anwesen und Höfen.

Erläuterung zur Neuauflage

Diese Haus- und Familiengeschichte ( Erstauflage 1939/40 ) wurde 1983/84 für die Neuauflage 1985 ergänzt und soweit wie möglich auf den neuesten Stand gebracht ( + 19.. = Sterbejahr ).

Wegen der zeitbedingten vielen beruflichen Veränderungen der einzelnen Personen wurde in der Ergänzung der Neuauflage – mit einzelnen erforderlichen Ausnahmen – auf die Berufsbezeichnung – entgegen der Erstauflage – verzichtet.

Die seit den letzten über 40 Jahren eingesetzte große Bautätigkeit in Grafentraubach und somit diese Ortsvergrößerung sind den nachstehenden Aufzeichnungen zu entnehmen. Die Erstauflage enthielt nur die Haus-Nrn. 1 bis 80, dem Stand 1939 entsprechend. Die Veränderungen der übrigen Orte sind aus den Jahreszahlen nach 1939 liegend abzulesen.

Die hauptsächlich in den Jahren 1944 bis 1946 ( vor und nach Ende des 2. Weltkrieges ) erfolgten Evakuierungen, Flüchtungen / Vertreibungen und Ausweisungen innerhalb und nach Deutschland und der Industriebetrieb der Fa. A. & M. Maier Grafentraubach sind die besonderen Merkmale der Grafentraubacher Ortsentwicklung.

Für die Schreibweise der Namen und Orte kann wegen der unterschiedlich vorliegenden Urkunden und Unterlagen keine Gewähr übernommen werden.

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Grafentraubach

alt HsNr. 1 — neu Nr. 105

1727Vilsmer Math. Ss.∞ Agnes Kerscher St.
1759Vilsmer Martin∞ Maria Wagensonner Bt. von Hofendorf
1781Perger Leonh. Ss.∞ Maria Vilsmer Ww. geb. Wagensonner
1799Perger Leonhard∞ A. Maria Gänger, Wirtswitwe
1810Neumeier Josef∞ Kath.Lehner, Bt.von Schierling Kauf
1846Schindlbeck Josef∞ Ursula Lang, Bt. v. LaberweintingKauf
1892Schindlbeck Josef∞ Kreszenz Zellner, Müll.T. v. Reicherm.
1908Schindlbeck Xaver∞ Anna Ammer, St. von Österham (+)
1921Schindlbeck Xaver, Ww.
(+ 1967)
∞ Maria Meindl, Bt. von Hofkirchen (+ 1975)
1951 Würzbauer Georg
von Pfellkofen
∞ Anna Schindlbeck
(WH-Abbruch- und Neubau 1953 — s. auch HsNr. 44 alt und 161)

alt HsNr. 2 — neu 106

1597Amann Michael, Bs.
von Sallach
∞ Anna Melchel, Bt. von Pfaffenberg
Amann Ludwig und Lucia und Anna Hofbauer bis 1616 — Amann Leonhard und Elisabeth 1599 – 1631: seine Tochter Kunigunde heiratet Seb. Weiß
von Aufhausen. Ludwig und Leonhard sind wahrscheinlich die Söhne
eines Martin Aman (darum auch „Marthan” gen.)
1642Amann Simon
Amann Vitus + 1715
∞ Anna Berber, Bt. von Hochstetten
seine Frau Walburga + 1709
1715 Amann Mathias ∞ Gertrud Aichner, Bt. von Haader
1755 Amann Mathias ∞ Kath. Ammer, Bt. von Weichs
1792 Amann Sebastian ∞ Agnes Dallmer, Bt. von Ogra
1801 Amann Sebastian Ww. ∞ Elis. Gerstl, Bt. von Riekofen
1840 Amann Georg ∞ Eva Maria Huf, Bt. von Ruhstorf
1861 Amann (geb. Huf) Eva M. Ww.
1874 Amann Xaver ∞ Anna Dorfner, Bt. von Petzkofen
1897 Huber Georg Kauf
1898 Heinrich Michl ∞ Helena Weber, Bt.von Ogra Kauf
1903 Heinrich Vinzenz ∞ Elisab. Hopfenspirger, Bt. von Penk
1907 Renner J. Nepomuk Kauf
1907 Kandsberger Lorenz, Bs.
v. Oberlaichling
∞ Franziska Drechsler, Bt. von Grtr.Tausch

1910
1911
1925
1968

Schreyer’ Georg von Aufhausen
Bergmüller Joh., Bs.
Bergmüller Sebastian (+ 1976)
Bergmüller Josef
Wohnhaus-Abbruch und -Neubau 1979/81

∞ Theres Wild, Bt.vonPinkofen
∞ Anna Steindl, Schmiedst. v. Grtr. 25 (+1978)
∞ Anna Littich von Grtr. 42

[Seite 214]

alt HsNr. 6 — neu 119

1707 Krempl Thomas, Weber∞ Maria Kronauer, Sww. von Haindling
1752Krempl Mathias∞ Magdalena Weiß, Ww.
1769Krempl Mathias, Ww.∞ Barbara Schönhaindl, St. von Laberwtg.
1791Hebensperger Benedikt,∞ Magdalena Krempl, St.
LehrersS. von Weichs
1813Hebensperger Benedikt,∞ A.M. Danner von Grießau
MesnersS.
1823Hebensperger Joh. Bapt.∞ A.M. Rohrmeier, St. von Eitting
1849Hebensperger Johann∞ A.Maria Steinhauser, St.
1866Hebensperger Joh., Ww.∞ Anna Bauer, St. von Allkofen
1893Littich Johann, Ss.∞ Anna Hebensperger, St. (+ 1931)
(+ 1952)
1931Littich Johann, Ww. (+ 1952)
1947Prechtl Ludwig von∞ Barbara Littich
Geiselhöring (+ 1979)
1979Prechtl Barbara, geb. Littich, Ww.

[Seite 220]

alt HsNr. 19 — neu 215

1886Hebensberger Jos., Ss.∞ Franziska Paintner, St.

[Seite 222]

alt HsNr. 23½ — neu 711

[Handschriftliche Notiz von George Wachter: Kam aus Nr. 51]

1914Hebensperger Maria,Kauf und Neubau
Arbeiters-Ww.
1927Hebensperger Michael
u. Brüder (+ 1969)
1936 Hebensperger Michael ⚭ Maria Emmer von Allersdorf
(+ 1969)
1969Hebensperger Maria, geb. Emmer, Ww.
1973Hebensperger Michael, Sohn
(Umbau 1960)

[Seite 239]

alt HsNr. 49 — neu 201

Max Graf v. Seinsheim
1872Ferdinand Graf v. SeinsheimErbschaft
1884Max, Graf v. Grumbach Tausch
1889Karl, Graf v. Grumbach Erbschaft Erbschaft
1905Karl Josef Max Erkinger, Graf v. Seinsheim
1911Gabriele, Freifrau v. Hoenning O’Carroll,
geb. Gräfin v. Seinsheim (+ 1954)
Zdenko Freiherr v. Hoenning O’Carroll
1954Johann Carl Frhr. v. Hoenning O’Carroll
(s. 7. Teil ff – Schloßrenovierung 1980/81).

alt HsNr. 50 — neu 706

Gemeinde Grafentraubach:
-ehem. altes Schulhaus, dann Armenhaus, abgebroch. 1952-
1952auf 1953 Gemeinde-Mietswohnhaus – Neubau mit Gemeindekanzlei
19721.1.: Gemeinde Laberweinting (Eingemeindung)
-nur mehr Mietswohnhaus – s.auch HsNr. 18 u. Schulen der Pfarrei im
im 4. Teil-

(alt) HsNr. 51

[Handschriftliche Notiz von Georg Wachter: Haus existiert nicht mehr]

1910ehem. Gemeindeeigentum(?). Irgendwann aufgelöst oder abgebrochen(?).
Früher bei HsNr. 23½ Hebensperger(?).
Der Rest der Familie zog nach HsNr. 23½ — neu 711

[Seite 290]

Vom Verfasser dieser Chronik sind früher erschienen:

1911 Wolnzach in der Hallertau. In Kommission bei J. Haber, Dießen

1914 Das Wolnzachtal in der Geschichte. In Kommission bei J. Haber Dießen (Diese beiden Werke sind vergriffen.)

1925 Hallertauer Skizzen, Kulturgeschichtliche Aufsätze; bei C. Weinmayer, Mainburg

1927 Randlkofen und die Randlkofer. Eine Guts- und Familiengeschichte; bei C. Weinmayer, Mainburg.

1928 Geschichte des Hopfenbaues in der Hallertau. Bei Müller und Königer, München. (Vergriffen.)

1931 Erziehung und Unterricht im Ilmgau (BA. Pfaffenhofen) bei Weinmayer Geisenfeld. (Berfaßt 1918)

1934 Aus Aiglbachs Vergangenheit, eine Dorfgeschichte; bei E. Weinmayer, Mainburg

1935 Bad Gögging, Geschichte und Führer. Verlag Gemeinde Bad Gögging

1936 Geiselhöring. Geschichte des Marktes und der Psarrei (einschl. Greißing). Verl. bei Mich. Laßleben, Kallmünz

Sallach-Hadersbach. Geschichte der Propstei und Pfarrei Sallach und der dazugehörigen Gemeinden Sallach und Hadersbach. Verlegt bei Mich. Laßleben, Kallmünz.

Außerdem zahlreiche historische Aufsätze in Zeitungen und Zeitschriften des In- und Auslandes, namentlich aber (bis 1980) in Der Hallertauer Chronist und dann in der Fortsetzung: Hallertauer Heimat bis 1936. Verlag bei C. Weinmayer in Mainburg.

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